Du bist doch nun ein großer Junge, Moritz! (1)
Ich war ihr Liebling, und immer wenn Tante Inge und Onkel Klaus uns besuchten, sollte ich eigentlich schon im Bett liegen.
Doch Tante Inge wäre beleidigt gewesen, wenn sie mich nicht noch einmal zu Gesicht bekommen hätte, um mit mir herum zu schmusen.
Deshalb machte meine Mutter an solchen Abenden eine Ausnahme - zudem betrachtete Tante Inge, die eigentlich Ingeborg hieß, es als ihre Aufgabe, mich ins Bett zu bringen und mir eine Geschichte vorzulesen, nicht zuletzt auch, um meine Mutter als Gastgeberin zu entlasten.
Es war Anfang der fünfziger Jahre - wir wohnten in einem schönen großen Haus.
Mein Vater hatte eine gutgehende Anwaltskanzlei, und meine Mutter war Hausfrau.
Inge und Klaus, wie ich sie später nur noch nannte, waren ein kinderloses Ehepaar. Auch Klaus war Jurist, und