Kinderfrei
Der Wecker klingelte um sechs, wie immer, dieses durchdringende, gnadenlose Piepen, das durch meine Träume schnitt. Ich tastete blind nach dem Nachtisch, bis meine Finger das kalte Plastik fanden und das Ding zum Schweigen brachten. Neben mir regte sich Lena – mein Körper kannte ihre Bewegungen so gut, dass ich nicht hinsehen musste, um zu wissen, wie sie sich jetzt auf die Seite rollte, die Decke bis zum Kinn hochzog und mit diesem leisen, fast unhörbaren Seufzer wieder in den Halbschlaf zurücksank. Acht Jahre Ehe. Acht Jahre, in denen ich gelernt hatte, ihren Atem zu lesen wie andere Leute die Schlagzeilen der Morgenzeitung.
Die Zwillinge schliefen noch, aber das würde nicht lange so bleiben. Max würde als Erster aufwachen, mit diesem plötzlichen, panischen Schrei, als hätte er geträumt