Meister Lydias Salon
Aufgeräumt, die Frühlingssonne genießend öffnete ich die Tür und vernahm das mir vertraute Schellen der Glocken, die den Neuankömmling begrüßen. Leichtfüßig und elegant schwebte umgehend Lydia heran und bedeutete mir, dass sie bei einer Kundin in den letzten Zügen liege und ich doch bitte noch Platz nehmen solle. Bevor ich dies tat, warf ich, wie jedes Mal, einen Blick auf die gerahmte Urkunde hinter dem Kassentresen, in der majestätisch in altdeutscher Schrift das Bestehen der Meisterprüfung für meine Lydia verbrieft war.
Lydia war jenseits der sechzig Jahre und damit bedeutend älter als ich. Durch einen sehr disziplinierten Lebensstil, wie sie einmal verriet, hatte sie eine grazile Figur behalten. Ihr schulterlanges Haar hatte eine rötliche Tönung. Sie hatte einen leichten Überbiss,