Die nackte Maja!
Der August in Madrid ist eine brütende, zermürbende Affäre. Die Sonne, eine gierige gelbe Scheibe, saugt die Farben aus den Straßen und presst die Luft zu einer erstickenden, klebrigen Masse. Ich suche Zuflucht im Prado, nicht so sehr aus kunsthistorischer Neugier als aus purem Selbsterhaltungstrieb. Die kühle, staubige Dunkelheit der Museumsflügel ist die einzige Oase in dieser Stadt aus aufgeweichtem Asphalt und stehender Luft. Ich wandle durch den Prado wie durch eine Kathedrale aus Staub und Flüstern. Es ist später Nachmittag; die Hitze Madrids hängt auch hier, in abgemilderter Form, noch in den Sälen, und die wenigen Besucher bewegen sich mit der Andacht von Gläubigen, die nicht genau wissen, woran sie glauben. Ich streife durch die Säulengänge, ein einsamer Pilger im Reich der toten