Der August in Madrid ist eine brütende, zermürbende Affäre. Die Sonne, eine gierige gelbe Scheibe, saugt die Farben aus den Straßen und presst die Luft zu einer erstickenden, klebrigen Masse. Ich suche Zuflucht im Prado, nicht so sehr aus kunsthistorischer Neugier als aus purem Selbsterhaltungstrieb. Die kühle, staubige Dunkelheit der Museumsflügel ist die einzige Oase in dieser Stadt aus aufgeweichtem Asphalt und stehender Luft. Ich wandle durch den Prado wie durch eine Kathedrale aus Staub und Flüstern. Es ist später Nachmittag; die Hitze Madrids hängt auch hier, in abgemilderter Form, noch in den Sälen, und die wenigen Besucher bewegen sich mit der Andacht von Gläubigen, die nicht genau wissen, woran sie glauben. Ich streife durch die Säulengänge, ein einsamer Pilger im Reich der toten Meister, dann bleibe ich stehen.
Goya!
Wahnsinn und Genie in einem einzigen, unheilvollen Bündnis. Und hier sein Meisterwerk, sein Inbegriff fleischlicher Provokation. Die nackte Maja liegt da, als hätte sie nie etwas anderes getan, als auf mich zu warten. Kein mythologischer Vorwand, kein Feigenblatt der Allegorie. Nur dieser Körper, hingeworfen mit einer Selbstverständlichkeit, die mich erröten lässt. Ihre Haut ist kein Weiß, sondern ein Versprechen aus Elfenbein und warmer Dämmerung. Das Gemälde zeigt eine attraktive junge Frau, ausgestreckt auf hellen, weich gefalteten Kissen, als habe man sie in einem Moment zwischen Wachsein und Traum überrascht. Ihr Körper liegt offen da, nicht herausfordernd, sondern in einer stillen, selbstverständlichen Nacktheit, die nichts erklären und nichts entschuldigen will. Ihre Haut wirkt warm, fast atmend, von einem sanften Licht berührt, das sie nicht entblößt, sondern umschmeichelt. Ihr Oberkörper ist leicht zurückgelehnt, die Arme hinter dem Kopf verschränkt, eine Haltung voll lässiger Intimität, als gehöre dieser Raum ihr allein. Die Linien ihres Körpers sind weich, unangestrengt, fern jeder Pose – eher ein Ausruhen im eigenen Dasein als ein Sich-Zeigen. Die Beine sind lang ausgestreckt, ruhig, wie nach einem langen Nachmittag, an dem die Zeit ihre Schärfe verloren hat.
Besonders eindringlich ist ihr Blick: die Augen halb geöffnet, ruhig, wach. Sie scheinen den Betrachter zu bemerken, sich auf ihn einzulassen, ohne ihn direkt anzuschauen. In diesem Blick liegt eine leise Ironie, ein Wissen um die Wirkung des eigenen Körpers, aber auch eine Gelassenheit, die sagt: „Ich bin, und du darfst mich sehen.“ Kein Lächeln, nur ein Hauch davon – ein Versprechen ohne Absicht. Die Farben des Hintergrunds sind gedämpft, erdig, beinahe zurückhaltend, als wollten sie der Präsenz dieser Figur nicht widersprechen. Alles im Bild scheint auf ein Gleichgewicht hinauszulaufen: zwischen Nähe und Distanz, Sinnlichkeit und Ruhe, Fleisch und Gedanke. Es ist eine Erotik ohne Drängen, eine Nacktheit ohne Lärm – still, souverän und von einer zeitlosen, beinahe beunruhigenden Vertrautheit.
Und dann passiert es!
Es ist kein Zucken. Kein Flackern. Es ist ein langsames, beinahe trügerisches Innehalten der Realität. Ein Lidschlag. Ein langer, verführerischer Lidschlag ihrer dunklen Augen. Mein Atem stockt. Die Hitze. Der Flüssigkeitsmangel. Das sind die rationalen Erklärungen, die sich mir im ersten Moment aufdrängen – hastig, wie ein letzter Rettungsversuch des Verstands. Doch sie halten nicht stand. Denn etwas hat bereits begonnen, sich meinem Begreifen zu entziehen, und es lässt sich nicht mehr aufhalten....
Sie räkelt sich – langsam, geschmeidig wie eine Katze, eine Bewegung, die jeden Muskel unter ihrer dünnen Haut sichtbar werden lässt. Die samtenen Schatten, die Goya so meisterhaft gemalt hat, scheinen zu fließen, zu atmen. Ihre linke Hand, zart und doch von sicherer Absicht, löst sich von ihrem Haar, gleitet langsam über den Hals hinab, folgt der sanften Linie des Schlüsselbeins, streift den ruhigen Atem ihres Oberkörpers und kommt schließlich an ihrer Brust zur Ruhe. Dort beginnt sie ein Spiel für mich allein. Ihre Hand schwebt über die volle Wölbung ihrer Brust, eine Landschaft aus warmer Haut und schwerem Fleisch. Als sie die Kuppe umschließt, scheint das Gewicht dieses Apfels in ihrer Handfläche zu pulsieren, ein lebendiges Versprechen, das sie sanft zusammenzieht. Die Haut glänzt, gespannt wie Seide, und der Kreis der Areola dunkelt nach, verwandelt sich in den erdigen, reifen Ton einer Frucht, die ihre Süße bereithält. Ihr Daumen und Zeigefinger, geschickt wie die eines Instrumentalisten, finden die Spitze, die kleine, aufgerichtete Perle, die aus dem Zentrum dieser Blüte ragt. Sie beginnen, sie zu drehen, zu kneifen, nicht mit roher Gewalt, sondern mit der meisterhaften Intuition einer Frau, die ihren eigenen Körper als eine Violine kennt, deren Saiten sie kunstvoll zum Schwingen bringt. Ich sehe, wie das kleine Knöpfchen erstarrt, sich zu einer vorwärtstreibenden, saftigen Beere verdichtet, prall und gespannt, ein reifes Fruchtfleisch, das nach Luft verlangt, nach dem feuchten Nest eines Mundes, nach dem zärtlichen Schmerz eines Bisses, um gekostet zu werden.
Ihre Augen, zwei dunkle Seen, haben mich nie verlassen. Während ihre linke Hand ihre Brust wie eine Frucht bearbeitet, erwacht ihre rechte - bisher untätig und in Erwartung hinter ihrem Kopf verschränkt - zum Leben. Sie folgt der Kontur ihres Leibes, einem sanften Tal aus warmer Haut, das bis zu den Hügeln ihrer Hüfte hinabführt. Ihre Schenkel, bislang geschlossen wie ein stilles Versprechen, beginnen sich zu öffnen. Zögernd zuerst, wie eine Knospe, die sich zum ersten Mal entfaltet, dann mit der selbstverständlichen Geste einer Göttin, die ihren Altar enthüllt. Sie schenkt mir den Blick auf ihr Heiligtum. Und welcher Anblick! Es ist nicht die geschlossene Prüderie einer naiven Malerei, sondern die offene, feuchte Landschaft der Wirklichkeit. Ihre Schamlippen, keine symmetrische, sterile Form, sondern das weiche, gefaltete Gewebe einer exotischen Orchidee, liegen offen vor mir. Die inneren Lippen, von einem dunklen Rosa, schauen neugierig hervor, umrahmt von den helleren, geschwollenen äußeren, wie die feuchten Blütenblätter, die den Nektar bergen. Darüber, verborgen in seiner schützenden Kapuze aus Haut, thront die kleine, aufgerichtete Perle ihrer Klitoris, ein Leuchtfeuer der Lust, das pulsiert. Es ist eine Anatomie der Verlockung, eine Offenbarung, die nicht durch Scham, sondern durch pure, ungeschminkte Einladung gekennzeichnet ist.
Ihre rechte Hand erreicht ihr Ziel. Die Finger, lang und geschickt wie die eines Lautenspielers, tanzen über diese feuchte Landschaft. Ein Finger streicht langsam entlang der Schamlippen, teilt sie sanft wie einen Vorhang, bevor er nach innen gleitet, in den warmen, schützenden Eingang ihrer Vulva. Ich sehe, wie er verschwindet, wie die fleischliche Welle ihn verschlingt, während ihr Daumen im selben Rhythmus die kleine, empfindliche Perle darüber bearbeitet, ein steter Druck, der das Feuer schürt. Ihr Atem wird sichtbarer, ein leises, rhythmisches Stöhnen, das nicht aus ihrer Kehle, sondern aus dem Gemälde selbst zu kommen scheint. Ihre Hüften beginnen, sich zu bewegen, ein langsames, schaukelndes Reiten, das ihre Hand tiefere, sicherere Bahnen lehrt. Sie blickt mich unentwegt an, ihre Augen sind jetzt dunkel vor Begierde, aber auch mit einer ironischen Frage gefüllt: Siehst du zu? Bist du dabei?
Die Bewegung ihrer Hand wird schneller, dringender. Ihr Daumen reibt ungeduldig über die kleine Fleischknospe ihrer Klitoris, während sie zunächst zwei, dann drei Finger in sich gleiten lässt. Diese werden nun zu einem einzigen, geschickten Werkzeug ihrer Lust. Sie dringen tief in sie ein, nicht nur als suchende Glieder, sondern als eine feste, pulsierende Welle aus Fleisch, die sich den Weg nach innen bahnt. Ich sehe, wie ihre Hand eine rhythmische, fordernde Bewegung ausführt, jedes Mal tiefer, jedes Mal dringlicher. Es ist kein vorsichtiges Erforschen mehr, sondern ein besessenes Nehmen, ein tiefes, stetiges Eindringen, mit dem sie sich selbst erfüllt. Ihre Schenkel spannen sich bei jedem Stoß, und ich kann beinahe spüren, wie diese drei Finger sie von innen her füllen und dehnen, wie sie die feuchte, weiche Höhle ihres Körpers zu einem einzigen, pulsierenden Punkt der Ekstase machen. Sie ist die Geberin und die Empfängerin gleischzeitig, diejenige, die sich selbst mit dieser unerbittlichen Präzision nimmt, bis ihr ganzer Leib nur noch aus dieser einen, tiefen, eindringenden Bewegung zu bestehen scheint.
Ihr Körper spannt sich an, die Muskeln ihres Bauches zeichnen sich scharf ab, ihre Beine sind weit geöffnet, eine Geste der totalen Hingabe. Ich sehe die Welle kommen, sehe es im Zucken ihres Bauches, im unkontrollierten Zittern ihrer Schenkel. Und dann bricht es über sie herein. Ein Orgasmus, der nicht schreit, sondern der alles in sich verschlingt. Ihr Körper krümmt sich wie ein Bogen, ihre Hand verharrt tief in sich, während eine letzte, lange, zitternde Welle sie durchläuft. Für einen Moment ist ihr Gesicht eine Maske aus purem, ungeschminktem Glück, eine Schönheit, die zu sehen schmerzhaft ist.
Und plötzlich ist sie wieder nur Farbe auf Leinwand!
Starr. Unbeweglich. Der herausfordernde Blick ist wieder da, aber jetzt ist er kalt, gemalt, eine Lüge aus Pigment und Firnis. Ich starre sie an, mein Herz hämmert gegen meine Rippen wie ein gefangener Vogel. Bin ich verrückt geworden? Die Hitze. Der Durst. Die Stille des Museums. Ich muss raus. An die frische Luft. Oder wenigstens zu einem Café. Ich taumele ins Museumscafé, bestelle ein Wasser und einen Kaffee, meine Hände zittern leicht. Ich starre in die braune Flüssigkeit und versuche, die Bilder in meinem Kopf zu ordnen, als ich sie spüre. Einen Blick. Zwei Tische weiter sitzt eine junge Frau. Dunkle, fast schwarze Haare, die ihr in üppigen Locken über die Schultern fallen. Sie trägt ein einfaches Sommerkleid, das ihre Haut im Schatten der Terrasse fast leuchten lässt. Sie liest in einem Buch, aber als sie sich langsam, ganz langsam zu mir umdreht, erstarrt mir das Blut in den Adern.
Es ist sie!
Die Fleisch gewordene Maja. Nicht mehr der Ölschatten und die getrockneten Pigmente Goyas, sondern ein warmes, atmendes Wesen aus Haut und Haaren, das nur zwei Tische von mir entfernt sitzt und die Seiten eines Buches mit der gleichen lässigen Gelassenheit umblättert, mit der sie eben noch ihre eigenen Schenkel geöffnet hatte. Die Luft im Café ist schwer von bitterem Kaffeearoma und dem gedämpften Murmeln der wenigen anderen Gäste, doch für mich existiert nur sie. Ich kann den Duft ihres Körpers nicht riechen, den ich mir in meiner Vorstellung aus einer Mischung aus Samt, Schweiß und dem süßen Nektar ihrer Lust zusammengesetzt habe, aber ich fühle ihn. Ich spürte ihre Anwesenheit wie eine physische Kraft, die den Raum zwischen uns mit Elektrizität lädt.
Sie weiss es. Dieses hintergründige, schelmische Lächeln ist keine Höflichkeit, es ist Ironie und ein Siegeszeichen. Ein stiller, triumphaler Hinweis darauf, dass sie die Gesetze der Realität nach ihrem Belieben beugen kann, dass sie zwischen der zweidimensionalen Welt der Leinwand und der dreidimensionalen des Cafés hin- und herpendelt wie ein Kind, das über eine Mauer springt. Und ich, ich bin der erstaunte, lüsterne Zuschauer am Straßenrand, der nicht weiss, ob er applaudieren soll. Sie hat mir das größte Geschenk und die schlimmste Folter zugleich gemacht: eine Erinnerung, die so real ist wie der Stuhl, auf dem ich sitze, und doch so unglaubwürdig, dass ich sie für immer in meinem Gedächtnis einsperren muss. Sie hat mir einen Vorgeschmack auf das Wunder gegeben, nur um mir zu zeigen, dass es für mich unerreichbar ist.
Langsam schließt sie ihr Buch, verstaut es in ihrer Handtasche und steht auf. Sie wirft mir noch einen kurzen Blick zu, diesmal ohne Lächeln, nur mit einem Ausdruck von stillem, fast mitleidigem Bedauern. Sie dreht sich um und geht, ihre Hüften schwingen in genau demselben lasziven Rhythmus wie auf dem Gemälde, und verschwindet für immer durch die Tür. Ich bleibe allein zurück. Der Kaffee ist kalt. Doch die Sehnsucht ist eine glühende Kohle in meiner Kehle. Und die Ironie dieser Geschichte ist der süßeste, bitterste Geschmack, den ich je gekostet habe.
Madrid, du verdammtes, wunderschönes Biest.
Goya!
Wahnsinn und Genie in einem einzigen, unheilvollen Bündnis. Und hier sein Meisterwerk, sein Inbegriff fleischlicher Provokation. Die nackte Maja liegt da, als hätte sie nie etwas anderes getan, als auf mich zu warten. Kein mythologischer Vorwand, kein Feigenblatt der Allegorie. Nur dieser Körper, hingeworfen mit einer Selbstverständlichkeit, die mich erröten lässt. Ihre Haut ist kein Weiß, sondern ein Versprechen aus Elfenbein und warmer Dämmerung. Das Gemälde zeigt eine attraktive junge Frau, ausgestreckt auf hellen, weich gefalteten Kissen, als habe man sie in einem Moment zwischen Wachsein und Traum überrascht. Ihr Körper liegt offen da, nicht herausfordernd, sondern in einer stillen, selbstverständlichen Nacktheit, die nichts erklären und nichts entschuldigen will. Ihre Haut wirkt warm, fast atmend, von einem sanften Licht berührt, das sie nicht entblößt, sondern umschmeichelt. Ihr Oberkörper ist leicht zurückgelehnt, die Arme hinter dem Kopf verschränkt, eine Haltung voll lässiger Intimität, als gehöre dieser Raum ihr allein. Die Linien ihres Körpers sind weich, unangestrengt, fern jeder Pose – eher ein Ausruhen im eigenen Dasein als ein Sich-Zeigen. Die Beine sind lang ausgestreckt, ruhig, wie nach einem langen Nachmittag, an dem die Zeit ihre Schärfe verloren hat.
Besonders eindringlich ist ihr Blick: die Augen halb geöffnet, ruhig, wach. Sie scheinen den Betrachter zu bemerken, sich auf ihn einzulassen, ohne ihn direkt anzuschauen. In diesem Blick liegt eine leise Ironie, ein Wissen um die Wirkung des eigenen Körpers, aber auch eine Gelassenheit, die sagt: „Ich bin, und du darfst mich sehen.“ Kein Lächeln, nur ein Hauch davon – ein Versprechen ohne Absicht. Die Farben des Hintergrunds sind gedämpft, erdig, beinahe zurückhaltend, als wollten sie der Präsenz dieser Figur nicht widersprechen. Alles im Bild scheint auf ein Gleichgewicht hinauszulaufen: zwischen Nähe und Distanz, Sinnlichkeit und Ruhe, Fleisch und Gedanke. Es ist eine Erotik ohne Drängen, eine Nacktheit ohne Lärm – still, souverän und von einer zeitlosen, beinahe beunruhigenden Vertrautheit.
Und dann passiert es!
Es ist kein Zucken. Kein Flackern. Es ist ein langsames, beinahe trügerisches Innehalten der Realität. Ein Lidschlag. Ein langer, verführerischer Lidschlag ihrer dunklen Augen. Mein Atem stockt. Die Hitze. Der Flüssigkeitsmangel. Das sind die rationalen Erklärungen, die sich mir im ersten Moment aufdrängen – hastig, wie ein letzter Rettungsversuch des Verstands. Doch sie halten nicht stand. Denn etwas hat bereits begonnen, sich meinem Begreifen zu entziehen, und es lässt sich nicht mehr aufhalten....
Sie räkelt sich – langsam, geschmeidig wie eine Katze, eine Bewegung, die jeden Muskel unter ihrer dünnen Haut sichtbar werden lässt. Die samtenen Schatten, die Goya so meisterhaft gemalt hat, scheinen zu fließen, zu atmen. Ihre linke Hand, zart und doch von sicherer Absicht, löst sich von ihrem Haar, gleitet langsam über den Hals hinab, folgt der sanften Linie des Schlüsselbeins, streift den ruhigen Atem ihres Oberkörpers und kommt schließlich an ihrer Brust zur Ruhe. Dort beginnt sie ein Spiel für mich allein. Ihre Hand schwebt über die volle Wölbung ihrer Brust, eine Landschaft aus warmer Haut und schwerem Fleisch. Als sie die Kuppe umschließt, scheint das Gewicht dieses Apfels in ihrer Handfläche zu pulsieren, ein lebendiges Versprechen, das sie sanft zusammenzieht. Die Haut glänzt, gespannt wie Seide, und der Kreis der Areola dunkelt nach, verwandelt sich in den erdigen, reifen Ton einer Frucht, die ihre Süße bereithält. Ihr Daumen und Zeigefinger, geschickt wie die eines Instrumentalisten, finden die Spitze, die kleine, aufgerichtete Perle, die aus dem Zentrum dieser Blüte ragt. Sie beginnen, sie zu drehen, zu kneifen, nicht mit roher Gewalt, sondern mit der meisterhaften Intuition einer Frau, die ihren eigenen Körper als eine Violine kennt, deren Saiten sie kunstvoll zum Schwingen bringt. Ich sehe, wie das kleine Knöpfchen erstarrt, sich zu einer vorwärtstreibenden, saftigen Beere verdichtet, prall und gespannt, ein reifes Fruchtfleisch, das nach Luft verlangt, nach dem feuchten Nest eines Mundes, nach dem zärtlichen Schmerz eines Bisses, um gekostet zu werden.
Ihre Augen, zwei dunkle Seen, haben mich nie verlassen. Während ihre linke Hand ihre Brust wie eine Frucht bearbeitet, erwacht ihre rechte - bisher untätig und in Erwartung hinter ihrem Kopf verschränkt - zum Leben. Sie folgt der Kontur ihres Leibes, einem sanften Tal aus warmer Haut, das bis zu den Hügeln ihrer Hüfte hinabführt. Ihre Schenkel, bislang geschlossen wie ein stilles Versprechen, beginnen sich zu öffnen. Zögernd zuerst, wie eine Knospe, die sich zum ersten Mal entfaltet, dann mit der selbstverständlichen Geste einer Göttin, die ihren Altar enthüllt. Sie schenkt mir den Blick auf ihr Heiligtum. Und welcher Anblick! Es ist nicht die geschlossene Prüderie einer naiven Malerei, sondern die offene, feuchte Landschaft der Wirklichkeit. Ihre Schamlippen, keine symmetrische, sterile Form, sondern das weiche, gefaltete Gewebe einer exotischen Orchidee, liegen offen vor mir. Die inneren Lippen, von einem dunklen Rosa, schauen neugierig hervor, umrahmt von den helleren, geschwollenen äußeren, wie die feuchten Blütenblätter, die den Nektar bergen. Darüber, verborgen in seiner schützenden Kapuze aus Haut, thront die kleine, aufgerichtete Perle ihrer Klitoris, ein Leuchtfeuer der Lust, das pulsiert. Es ist eine Anatomie der Verlockung, eine Offenbarung, die nicht durch Scham, sondern durch pure, ungeschminkte Einladung gekennzeichnet ist.
Ihre rechte Hand erreicht ihr Ziel. Die Finger, lang und geschickt wie die eines Lautenspielers, tanzen über diese feuchte Landschaft. Ein Finger streicht langsam entlang der Schamlippen, teilt sie sanft wie einen Vorhang, bevor er nach innen gleitet, in den warmen, schützenden Eingang ihrer Vulva. Ich sehe, wie er verschwindet, wie die fleischliche Welle ihn verschlingt, während ihr Daumen im selben Rhythmus die kleine, empfindliche Perle darüber bearbeitet, ein steter Druck, der das Feuer schürt. Ihr Atem wird sichtbarer, ein leises, rhythmisches Stöhnen, das nicht aus ihrer Kehle, sondern aus dem Gemälde selbst zu kommen scheint. Ihre Hüften beginnen, sich zu bewegen, ein langsames, schaukelndes Reiten, das ihre Hand tiefere, sicherere Bahnen lehrt. Sie blickt mich unentwegt an, ihre Augen sind jetzt dunkel vor Begierde, aber auch mit einer ironischen Frage gefüllt: Siehst du zu? Bist du dabei?
Die Bewegung ihrer Hand wird schneller, dringender. Ihr Daumen reibt ungeduldig über die kleine Fleischknospe ihrer Klitoris, während sie zunächst zwei, dann drei Finger in sich gleiten lässt. Diese werden nun zu einem einzigen, geschickten Werkzeug ihrer Lust. Sie dringen tief in sie ein, nicht nur als suchende Glieder, sondern als eine feste, pulsierende Welle aus Fleisch, die sich den Weg nach innen bahnt. Ich sehe, wie ihre Hand eine rhythmische, fordernde Bewegung ausführt, jedes Mal tiefer, jedes Mal dringlicher. Es ist kein vorsichtiges Erforschen mehr, sondern ein besessenes Nehmen, ein tiefes, stetiges Eindringen, mit dem sie sich selbst erfüllt. Ihre Schenkel spannen sich bei jedem Stoß, und ich kann beinahe spüren, wie diese drei Finger sie von innen her füllen und dehnen, wie sie die feuchte, weiche Höhle ihres Körpers zu einem einzigen, pulsierenden Punkt der Ekstase machen. Sie ist die Geberin und die Empfängerin gleischzeitig, diejenige, die sich selbst mit dieser unerbittlichen Präzision nimmt, bis ihr ganzer Leib nur noch aus dieser einen, tiefen, eindringenden Bewegung zu bestehen scheint.
Ihr Körper spannt sich an, die Muskeln ihres Bauches zeichnen sich scharf ab, ihre Beine sind weit geöffnet, eine Geste der totalen Hingabe. Ich sehe die Welle kommen, sehe es im Zucken ihres Bauches, im unkontrollierten Zittern ihrer Schenkel. Und dann bricht es über sie herein. Ein Orgasmus, der nicht schreit, sondern der alles in sich verschlingt. Ihr Körper krümmt sich wie ein Bogen, ihre Hand verharrt tief in sich, während eine letzte, lange, zitternde Welle sie durchläuft. Für einen Moment ist ihr Gesicht eine Maske aus purem, ungeschminktem Glück, eine Schönheit, die zu sehen schmerzhaft ist.
Und plötzlich ist sie wieder nur Farbe auf Leinwand!
Starr. Unbeweglich. Der herausfordernde Blick ist wieder da, aber jetzt ist er kalt, gemalt, eine Lüge aus Pigment und Firnis. Ich starre sie an, mein Herz hämmert gegen meine Rippen wie ein gefangener Vogel. Bin ich verrückt geworden? Die Hitze. Der Durst. Die Stille des Museums. Ich muss raus. An die frische Luft. Oder wenigstens zu einem Café. Ich taumele ins Museumscafé, bestelle ein Wasser und einen Kaffee, meine Hände zittern leicht. Ich starre in die braune Flüssigkeit und versuche, die Bilder in meinem Kopf zu ordnen, als ich sie spüre. Einen Blick. Zwei Tische weiter sitzt eine junge Frau. Dunkle, fast schwarze Haare, die ihr in üppigen Locken über die Schultern fallen. Sie trägt ein einfaches Sommerkleid, das ihre Haut im Schatten der Terrasse fast leuchten lässt. Sie liest in einem Buch, aber als sie sich langsam, ganz langsam zu mir umdreht, erstarrt mir das Blut in den Adern.
Es ist sie!
Die Fleisch gewordene Maja. Nicht mehr der Ölschatten und die getrockneten Pigmente Goyas, sondern ein warmes, atmendes Wesen aus Haut und Haaren, das nur zwei Tische von mir entfernt sitzt und die Seiten eines Buches mit der gleichen lässigen Gelassenheit umblättert, mit der sie eben noch ihre eigenen Schenkel geöffnet hatte. Die Luft im Café ist schwer von bitterem Kaffeearoma und dem gedämpften Murmeln der wenigen anderen Gäste, doch für mich existiert nur sie. Ich kann den Duft ihres Körpers nicht riechen, den ich mir in meiner Vorstellung aus einer Mischung aus Samt, Schweiß und dem süßen Nektar ihrer Lust zusammengesetzt habe, aber ich fühle ihn. Ich spürte ihre Anwesenheit wie eine physische Kraft, die den Raum zwischen uns mit Elektrizität lädt.
Sie weiss es. Dieses hintergründige, schelmische Lächeln ist keine Höflichkeit, es ist Ironie und ein Siegeszeichen. Ein stiller, triumphaler Hinweis darauf, dass sie die Gesetze der Realität nach ihrem Belieben beugen kann, dass sie zwischen der zweidimensionalen Welt der Leinwand und der dreidimensionalen des Cafés hin- und herpendelt wie ein Kind, das über eine Mauer springt. Und ich, ich bin der erstaunte, lüsterne Zuschauer am Straßenrand, der nicht weiss, ob er applaudieren soll. Sie hat mir das größte Geschenk und die schlimmste Folter zugleich gemacht: eine Erinnerung, die so real ist wie der Stuhl, auf dem ich sitze, und doch so unglaubwürdig, dass ich sie für immer in meinem Gedächtnis einsperren muss. Sie hat mir einen Vorgeschmack auf das Wunder gegeben, nur um mir zu zeigen, dass es für mich unerreichbar ist.
Langsam schließt sie ihr Buch, verstaut es in ihrer Handtasche und steht auf. Sie wirft mir noch einen kurzen Blick zu, diesmal ohne Lächeln, nur mit einem Ausdruck von stillem, fast mitleidigem Bedauern. Sie dreht sich um und geht, ihre Hüften schwingen in genau demselben lasziven Rhythmus wie auf dem Gemälde, und verschwindet für immer durch die Tür. Ich bleibe allein zurück. Der Kaffee ist kalt. Doch die Sehnsucht ist eine glühende Kohle in meiner Kehle. Und die Ironie dieser Geschichte ist der süßeste, bitterste Geschmack, den ich je gekostet habe.
Madrid, du verdammtes, wunderschönes Biest.
Kommentare
CSV14.01.2026 09:42
GLÜCKWUNSCH zu diesem "Kunstwerk"! Hut ab!
google: Bitte keine Telefonnummern veröffentlichen von Francisco de Goya. Museo del Prado Madrid. Meine erste Assoziation war: Auszug eines Textes aus einem Werk des 19. Jahrhunderts. Dann NEIN!
Autor Amethis schreibt so! Also noch besser!
CSV14.01.2026 09:47
gelöscht wurde " gemalt siebzehnhundertfünfundneunzig bis achtzehnhundert" Das automatische Löschprogramm mag keine Zahlen. Mal sehen, ob das so klappt!
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