Eine Nacht lang du - Part 4
Ich hatte nichts geschrieben – nicht aus Mangel an Zeit, nicht aus Gleichgültigkeit, nicht, weil ich nicht gewollt hätte. Sondern weil ich in jenem Moment nicht wusste, wer ich noch wäre, wenn ich es täte.
Seit dieser einen Familienfeier war alles anders geworden. Oder, um präziser zu sein: Ich war es. Nicht die Welt hatte sich verändert, nicht die Menschen um mich herum – sondern mein Inneres, mein Blick auf alles, was vorher so fest, so selbstverständlich schien.
Dabei war es so harmlos gewesen, fast klischeehaft in seiner ländlichen Unbeschwertheit – laut, chaotisch, herzlich. Die alte Scheune, das überladene Buffet, Kinder mit Strohhüten, die kreischend durchs Gras rannten. Jochens Mutter hatte, wie jedes Jahr, viel zu viel gekocht. Paula tanzte barfuß über die Wiese. Und Silke?