Es sind die Ereignisse, die Zusammenhänge, die Geschichten erzählen. Geschichten, die immer dieselben sind und auch wieder nicht. Alles geschieht immer und immer wieder. Was, was nicht schon erzählt, empfunden oder erlitten? Am Anfang überwältigend vielsagend, nichts lautlose als Sprachlosigkeit. Deine Schönheit blendet meine Augen, und sie trifft mein Herz mit tausend glühend heißen Speerspitzen. Oooh, ich schenke dir mein Herz und jetzt pump mich voll!
Er lebte sein Leben schon immer in der Vergangenheit, eingewoben in ein dichtes Netz aus Erinnerungen, an verpassten Gelegenheiten. Sein Leben war voll von diesen hätte-sollen-Augenblicken, diesen unscheinbaren Ereignissen, auf den ersten Blick bedeutungslos, in denen sich vielmals sein ganzes weiteres Leben entschied, die unbemerkt und plötzlich aus dem Nichts auftauchten und ebenso schnell auch wieder dorthin verschwanden. Er hätte in diesen Augenblicken fühlen, gehorchen, bleiben, gehen, zuhören, lächeln, küssen, lieben sollen. Er tat es nicht. Warum auch immer, er konnte es nicht sagen, er wusste nur, für ihn machten all diese verpassten Gelegenheiten die Zukunft vorhersehbar. Sein Leben war eine endlose Aneinanderreihung von Versäumnissen. Nichts ist von Dauer, nichts von Bedeutung.
Als sie in sein Leben trat, war etwas Unvorhergesehenes geschehen. Er konnte es sich nicht erklären, wusste nur, dieses eine Mal durfte er es nicht wieder verpassen. Sie hatte den Kokon der Verbitterung, der ihn gefangen hielt, einfach mit ihren Blicken zerstört, Zukunft und Vergangenheit zum Stillstand gebracht, das Jetzt in seinem Leben manifestiert. So, oder zumindest so ähnlich, hatte er versucht sich das Unbegreifliche erklärt und war fest entschlossen, dies auch zu glauben, dass mit ihr alles anders werden konnte, er mit ihrer Hilfe aus seiner Melancholie, seiner Lieblosigkeit, seiner Todessehnsucht, den Weg zurück ins Leben finden würde. Ihr hatte er bisher nie davon erzählt, wie auch, er war davon selbst nicht wirklich überzeugt, er zwang sich einfach, daran zu glauben, durch sie seine unbedeutende, lächerliche Existenz einfach weglieben zu können und nicht mehr weglügen zu müssen.
Sie konnte sich nicht erinnern, jemals so verwirrt gewesen zu sein, wie damals, als sie sich unter all den vielen lärmenden Menschen das erste Mal trafen. Sie starrten einander an, konnten und wollten den Blick nicht abwenden, und sie konnte ihm durch traurige Augen bis tief auf den Grund seiner Seele blicken, seine Verzweiflung, seine Hoffnungslosigkeit sehen und spüren und war sofort fest entschlossen ihn aus seiner Verbitterung ein für allemal zu befreien. Sie wollte nicht, dass er etwas sagt, diesen magischen Augenblick durch belangloses Reden zu zerstören. Sie streckte ihre Hand aus, wollte ihm den Finger auf die Lippen legen – nein, sag nichts – er griff nach ihrem Handgelenk, mehr ein Reflex, eine Abwehr, schob die Hand weg, ließ sie nicht los, umklammerte ihr Handgelenk so fest, dass es sie zu schmerzen begann, um dann ihre Hand an seine Lippen zu führen und sie zu küssen, ohne ein Wort gesagt und den starren Blick von ihr abgewendet zu haben. Ihr Blut sang in den Ohren, ihr Herz schlug im Hals, hoch oben zwischen ihren Schenkeln spürte sie ein Zittern, immer stärker, das sie fortriss.
Sie ging einfach mit ihm, stellte keine Fragen, wehrte sich nicht, ließ sich entführen, ohne Zweifel, ohne Angst, ihres gemeinsamen Schicksals gewiss, entschlossen, ihn aus seiner Verbitterung zu befreien, sicher, das Ziel ihrer Reise endlich erreicht zu haben, angekommen zu sein, ihre Bestimmung gefunden zu haben. Später erzählte sie ihm davon, dass es ihr, als er sie so kräftig am Arm gepackt hatte, sofort gekommen war, und sie sich in diesem kurzen Moment sicher war, dass sie beide füreinander bestimmt wären.
Er umarmte sie, klammerte sich an sie wie ein Ertrinkender, voll Furcht, er könnte sie wieder verlieren und im Ozean der Einsamkeit ertrinken, wenn er sie nicht festhielte. Er hatte die Hoffnung schon längst aufgegeben, wusste nur zu gut, aus seinen vergeudeten Zeiten mit allen vor ihr, nicht ein Name fiel ihm in diesem Moment ein, wie es ist, alleine zu kommen, sich gesichtslose Zärtlichkeiten und Leidenschaft träumen zu müssen, im Bett, am Klo – scheiß drauf! - zu onanieren und sich zu sehnen, weshalb er, ja, fast so etwas wie Dankbarkeit empfand. Verpass es nicht wieder, du Idiot. Für einen Moment war er überzeugt, das muss Liebe sein! Ja, ich bin mir sicher. In diesem Moment fühlte er sich entschlossen, bereit, stark, voller Energie und Zuversicht.
Das erste Mal in seinem Leben sprach er atemlos, schnell, leise von seinen Träumen, Sehnsüchten, Enttäuschungen, seinen Ängsten, Wünschen, fühlte, wie mit jeder Silbe, die über seine Lippen raste, wie die Erleichterung größer und größer wurde, das Eis, unter dem seine Seele beinahe erfroren wäre, zu schmelzen begann, Hoffnung, Freude, Zuversicht sich breit machten und er aus der Vergangenheit in das unvergängliche Jetzt zurückkehrte. Er konnte fühlen, dass er wirklich fühlte, was er fühlte, wie er aus seiner Erstarrung erlöst wurde, vom Friedhof der Vergänglichkeiten einfach fortgetragen wurde.
Sie hörte nur zu, tröstete, litt mit ihm, sehnte sich, lachte, träumte, weinte, umarmte, küsste, als wären die Küsse niemals endend, ließ sich mitreißen von der Gezeitenwelle seiner Gefühle, die über all ihre Zweifel – er?, Ängste - Abgrund?, Schuldgefühle alles zurückzulassen, zu verletzen, zu enttäuschen!, mächtig und unaufhaltsam, alles Gewesene gnadenlos, unwiederbringlich auslöschend, hinwegdonnerte, Platz für Neues schuf. Sie sah in seinen Augen Zuversicht, Verzweiflung, Hoffnung, Angst und Zärtlichkeit und spürte seine suchende Hand zwischen ihren Schenkeln, die schon längst weit geöffnet und bereit waren, ihn aufzunehmen, und es kam ihr sofort, als er zärtlich ihre Lippen, über die noch nie ein Wort gekommen war, mit zitternden Fingerspitzen berührte. Zweimal war sie gekommen noch bevor er das erste Mal seinen Schwanz in sie reinsteckte.
“Jetzt, mein Philosoph, jetzt f*ck mich!!”, schleuderte sie ihm mit rauer Stimme entgegen
Jede Faser ihres Körpers bebte, er stempelte mit festen Liebesbissen dunkelrot leuchtende Ornamente seiner Lust auf ihre Haut, die ihr feurig brannte, sie schrie auf wie eine kleine Katze und schlug ihm ihre Krallen spitz in seinen Rücken. Ihr Atem wurde rau, er griff ihr ins Haar, will ihr Gesicht zu sehen bekommen, will durch ihre Augen – sieh mich an! - in ihre Seele sehen, Bestätigung ihrer Unterwerfung bekommen. Sie begann sich zu wehren, es wurde zum Kampf, sehr real und erbittert.
“Ich will dich besitzen!”
Er spürte, wie ihre Seelen sich leidenschaftlich umschlangen, die ganze aufgestaute Energie sich in einer gewaltigen Explosion entladen wollte.
"Du gehörst mir! Ich bin dein Herr! Sag es!"
"Ich ko-ko-komme jetzt!"
"Komm, ja komm! Sag es!"
"Ich gehöre dir, du bist mein Herr! Oh Gott, ich komme, mein Gott, so tief, oi, oi, oi! Pump mich voll!"
Leer, regungslos nach Atem ringend lag er schwer auf ihr. Ihre und seine Brust pumpten in kurzen, aber heftigen Stößen Luft in ihre Lungen. Sie schmiegte sich an ihn, umschlang ihn fest mit ihren Händen und ihren Beinen, die sie um seinen zuckenden Arsch geschlungen hatte, drückte ihn an sich, ihre schweißnassen Körper klebten aneinander. Sein schlaff gewordener Schwanz wollte aus dem glitschig nassen Nest rutschen, sie hielt ihn fest, ließ ihn nicht los – du gehörst jetzt mir, flüsterte sie lachend - er strich ihr zärtlich übers Haar, küsste sie auf ihre Augen, zeichnete mit den Fingern ihre Augenbrauen nach. Der Schweiß begann abzutrocknen, ihre Herzen schlugen wieder im Sekundentakt – tak, tak, tak – und er löste sich aus ihrer Umklammerung, glitt von ihr herab, küsste sie auf den Mund und legte sich auf den Rücken.
Für sie war ihr Weg, der sie durch viele Betten – oh all ihr ahnungslosen Prinzen, Kapitäne, Lügner und Idioten, ihr ward ihrer Liebe nicht wert – quer durch zwei Kontinente geführt hatte, hier zu Ende. Ein Weg, den sie mit nichts außer ihrem kleinen, abgewetzten Koffer, in dem sie ihr ganzes Leben mit sich trug, alles was sie besaß, ihr geblieben war, und den sie, als er sie bei der Hand nahm, wegführte, sie wortlos in Besitz nahm, achtlos zurückgelassen, einfach vergessen hatte, weil sie vom ersten Augenblick an wusste, dass sie bei ihm das Ziel erreicht hatte. Niemals zuvor sah sie in der Klarheit wie jetzt, dass alles, was bisher in ihrem Leben geschehen war, nur dem einen Zweck diente: sie vorzubereiten. Es war ihr bestimmt, hier bei ihm anzukommen. Es war zwecklos gewesen, so uneinsichtig und verzweifelt dagegen anzukämpfen, zu wollen, was nicht vorgesehen, sich dem mächtigen, unerbittlichen Strom der Ereignisse, der sie kraftvoll, mäandernd und ruhig ans Ziel bringen würde, zu widersetzen, es besser gewesen wäre, sich vertrauensvoll, demütig, dankbar und lustvoll dem Lauf des Lebens hinzugeben. Du bist mein Engel des Vergessens, dachte sie, während sie sich an seinen Rücken schmiegte, der sich ruhig im Rhythmus seiner Atemzüge bewegte. Ein wohliger Schauer erfasste sie - ein geseufztes oi - Gänsehaut am ganzen Körper, die Hand zwischen seinen Beinen, sank sie in den Schlaf.
Er lag da, starrte ins Leere, versuchte verzweifelt die Rückkehr der Gedanken hinauszuzögern. Und doch: In diesem Zustand nahe dem absoluten Nullpunkt, hin und her taumelnd zwischen Schlaf und Wirklichkeit befiel ihn eine unerklärliche Angst, die scharf in seine Gedärme schnitt. Warum, wusste er nicht. Er hatte absolut keine Erklärung dafür. Es dauerte eine Weile, bis er sich wieder zurechtfand, ihr leises, regelmäßiges Atmen wahrnehmen konnte, erleichtert wieder zurück, hier bei ihr, Herr seiner Gedanken zu sein. Zufrieden zündete er sich eine Zigarette an, stand auf und ging auf die Toilette.
Sie erwachte aus ihrem traumlosen Schlaf, allein, keine Ahnung, wo sie sich befand, wie sie hierhergekommen war, konnte sich nur erinnern, ihm an seiner Hand, ohne auf den Weg und die Umgebung geachtet zu haben, wortlos gefolgt zu sein, wohin er sie führte. Nervös, zaudernd, ängstlich schweifte ihr Blick durch das kahle, schummrige, kleine Zimmer, in dem nur das Bett an einer fensterlosen, mit Mückenleichen und schmutzigen F*****n übersäten, einstmals rosafarbenen Wand stand, auf dem sie nackt und schutzlos, zusammengerollt wie ein Fötus, regungslos lag. Direkt über dem Bett hinter ihr hing ein Foto, schwarzweiß, auf dem sie, so sehr sie sich auch bemühte, nichts erkennen konnte. Mitten im Raum hing einsam von der Decke an zwei dünnen Drähten eine verstaubte Glühbirne, die vermutlich weißen Vorhänge, jetzt dunkelgrau bis schwarz, und die Fensterläden, halb geschlossen, hielten den Raum in einer furchteinflößenden Düsterheit gefangen.
Laute Stimmen einer Frau – hysterisch, eines Mannes – wütend, das Schlagen einer Türe – täng! – und unbekannte Geräusche drangen an ihre Ohren, vor dem Haus hielt quietschend eine Straßenbahn. In seinen Armen, getragen von seiner Leidenschaft und Lust, spürte sie nur Liebe, aber jetzt, getrennt von ihm, fühlte sie sich benutzt, fremd, schämte sich, wollte weg, nur weg, sprangen sie Dämonen der Angst und Verzweiflung mit feixenden Fratzen von allen Seiten her an, drangen tief in sie, fraßen sich schmatzend und schmerzvoll durch ihre Gedärme. Tränen der Verzweiflung und Angst überschwemmten ihr Gesicht in einem breiten Strom, vermischt mit dem Rotz, der ihr aus der Nase triefte. Schwindel, Übelkeit und Schmerz nahmen ihr den Atem, und doch war es für sie reinste Poesie und Liebkosung. Sie schwor bei allem, was ihr – heilig wollte sie jetzt nicht denken, sie entschied sich nach einigem hin und her, auch wenn sie es nicht ganz passend fand, aber doch ausreichend, für das was geschehen war, für – lieb war, es sei Liebe, es sei ihre Bestimmung, ihn wieder zum Leben zu erwecken, zu retten, ihn nicht untergehen zu lassen, so als würde dieses Bekenntnis sie von jeder erdenklichen Schuld freisprechen, sie erlösen. Angestrengt, verzweifelt versuchte sie, sich zu erinnern, zurückzuholen, was sie so voll Liebe hatte sein lassen, zu spüren, zu riechen, zu schmecken, dem sie sich in einem gewaltigen Rausch, wie selbstverständlich, gedankenlos, ohne Zögern, ohne Reue unterworfen hatte, dass sie im Sturm fortgerissen und ein Trommelfeuer ungekannter Empfindungen in ihr gezündet hatte, die sie wegschmelzen ließen wie Wachs, bis ihr der Atem wegblieb, und die sie sich jetzt so flehentlich zurücksehnte. Sie hatte gedacht, sie hätte schon alles gesehen, erlebt und erlitten, es könnte sie nichts mehr überraschen und doch wurde sie überwältigt von all den Gefühlen, die sie durchströmten, ihre Gedanken in Besitz nahmen, sie festhielten, hin und her zerrten, sie fliegen ließen und wieder zu Boden schmetterten, die allesamt fremd und ungekannt waren, die zu erfahren sie ihr ganzes Leben erträumt, aber die Hoffnung auf Erfüllung schon längst aufgegeben hatte.
Ein metallisches lautes Klack! und das singende Knarren einer auf- und zugehenden Türe, vermischt mit dem Rauschen einer Toilettenspülung begleitet von einem tik-tik-tik in den sichtbar durch das Zimmer verlaufenden Heizungsrohren, schreckte sie aus ihren Visionen in Schwarzweiß, ihren Gelübden und Schwüren, Schritte eilten – back-back-back – auf sie zu, Hitze wallte aus der Mitte ihres Körpers, stieg jäh an die Hautoberfläche, floss über die hart gewordenen Brustwarzen, ihr Herz pochte dröhnend gegen die Schläfen, die Augen verweigerten das Sehen, quälend lange, endlose Sekunden bis ausgestreckte Arme sie kräftig umfassten, sie drückten, hochhoben, Finger durch ihre Haare fuhren, ihren Rücken entlang glitten, Lippen die ihren küssten, als wären die Küsse der Atem. Ihr Herz blies sich auf mit Liebe, schnellte hoch wie ein Luftballon. Sie waren am Wendepunkt von Nacht zu Tag angelangt, alles schien selbstverständlich, vorherbestimmt und einfach, es gab nur noch Antworten anstelle von Fragen. Sie hatten nur noch das Tor, das weit offenstand, bevor es sich wieder für immer schließen würde, zu durchschreiten, ja zu Gewissheit, statt Zweifel, zu Hingabe statt Widerstand, zu wir, statt ich zu sagen und abzuwarten, wohin sie geführt werden, die Kontrolle aufzugeben.
Sie sank seufzend auf das Bett zurück, bereit dazu das Tor zu durchschreiten, sich bedingungslos zu unterwerfen, zog ihn mit sich hinab, legte seinen Kopf auf ihre jetzt flach gewordenen Brüste, er umspielte mit seiner Zunge die rosafarbenen Nippel und biss beide summend - schöne, warme, weiche Frau, ich erinnere mich genau, Turaluraluralu, ich mach BuBu - was machst du? hart – oi, oi
Dieses Mal wurde es ein kurzes, aber intensives Vergnügen. Als es ihnen gekommen war, blieben sie einfach benommen liegen, wo sie gerade waren, ausgepumpt und leer, sie seinen Schwanz mit der Hand zärtlich drückend, er sein Bein zwischen ihren klebrig nassen Schenkeln, zu aufgelöst, um sich noch zu bewegen schliefen sie ein.
Er lebte sein Leben schon immer in der Vergangenheit, eingewoben in ein dichtes Netz aus Erinnerungen, an verpassten Gelegenheiten. Sein Leben war voll von diesen hätte-sollen-Augenblicken, diesen unscheinbaren Ereignissen, auf den ersten Blick bedeutungslos, in denen sich vielmals sein ganzes weiteres Leben entschied, die unbemerkt und plötzlich aus dem Nichts auftauchten und ebenso schnell auch wieder dorthin verschwanden. Er hätte in diesen Augenblicken fühlen, gehorchen, bleiben, gehen, zuhören, lächeln, küssen, lieben sollen. Er tat es nicht. Warum auch immer, er konnte es nicht sagen, er wusste nur, für ihn machten all diese verpassten Gelegenheiten die Zukunft vorhersehbar. Sein Leben war eine endlose Aneinanderreihung von Versäumnissen. Nichts ist von Dauer, nichts von Bedeutung.
Als sie in sein Leben trat, war etwas Unvorhergesehenes geschehen. Er konnte es sich nicht erklären, wusste nur, dieses eine Mal durfte er es nicht wieder verpassen. Sie hatte den Kokon der Verbitterung, der ihn gefangen hielt, einfach mit ihren Blicken zerstört, Zukunft und Vergangenheit zum Stillstand gebracht, das Jetzt in seinem Leben manifestiert. So, oder zumindest so ähnlich, hatte er versucht sich das Unbegreifliche erklärt und war fest entschlossen, dies auch zu glauben, dass mit ihr alles anders werden konnte, er mit ihrer Hilfe aus seiner Melancholie, seiner Lieblosigkeit, seiner Todessehnsucht, den Weg zurück ins Leben finden würde. Ihr hatte er bisher nie davon erzählt, wie auch, er war davon selbst nicht wirklich überzeugt, er zwang sich einfach, daran zu glauben, durch sie seine unbedeutende, lächerliche Existenz einfach weglieben zu können und nicht mehr weglügen zu müssen.
Sie konnte sich nicht erinnern, jemals so verwirrt gewesen zu sein, wie damals, als sie sich unter all den vielen lärmenden Menschen das erste Mal trafen. Sie starrten einander an, konnten und wollten den Blick nicht abwenden, und sie konnte ihm durch traurige Augen bis tief auf den Grund seiner Seele blicken, seine Verzweiflung, seine Hoffnungslosigkeit sehen und spüren und war sofort fest entschlossen ihn aus seiner Verbitterung ein für allemal zu befreien. Sie wollte nicht, dass er etwas sagt, diesen magischen Augenblick durch belangloses Reden zu zerstören. Sie streckte ihre Hand aus, wollte ihm den Finger auf die Lippen legen – nein, sag nichts – er griff nach ihrem Handgelenk, mehr ein Reflex, eine Abwehr, schob die Hand weg, ließ sie nicht los, umklammerte ihr Handgelenk so fest, dass es sie zu schmerzen begann, um dann ihre Hand an seine Lippen zu führen und sie zu küssen, ohne ein Wort gesagt und den starren Blick von ihr abgewendet zu haben. Ihr Blut sang in den Ohren, ihr Herz schlug im Hals, hoch oben zwischen ihren Schenkeln spürte sie ein Zittern, immer stärker, das sie fortriss.
Sie ging einfach mit ihm, stellte keine Fragen, wehrte sich nicht, ließ sich entführen, ohne Zweifel, ohne Angst, ihres gemeinsamen Schicksals gewiss, entschlossen, ihn aus seiner Verbitterung zu befreien, sicher, das Ziel ihrer Reise endlich erreicht zu haben, angekommen zu sein, ihre Bestimmung gefunden zu haben. Später erzählte sie ihm davon, dass es ihr, als er sie so kräftig am Arm gepackt hatte, sofort gekommen war, und sie sich in diesem kurzen Moment sicher war, dass sie beide füreinander bestimmt wären.
Er umarmte sie, klammerte sich an sie wie ein Ertrinkender, voll Furcht, er könnte sie wieder verlieren und im Ozean der Einsamkeit ertrinken, wenn er sie nicht festhielte. Er hatte die Hoffnung schon längst aufgegeben, wusste nur zu gut, aus seinen vergeudeten Zeiten mit allen vor ihr, nicht ein Name fiel ihm in diesem Moment ein, wie es ist, alleine zu kommen, sich gesichtslose Zärtlichkeiten und Leidenschaft träumen zu müssen, im Bett, am Klo – scheiß drauf! - zu onanieren und sich zu sehnen, weshalb er, ja, fast so etwas wie Dankbarkeit empfand. Verpass es nicht wieder, du Idiot. Für einen Moment war er überzeugt, das muss Liebe sein! Ja, ich bin mir sicher. In diesem Moment fühlte er sich entschlossen, bereit, stark, voller Energie und Zuversicht.
Das erste Mal in seinem Leben sprach er atemlos, schnell, leise von seinen Träumen, Sehnsüchten, Enttäuschungen, seinen Ängsten, Wünschen, fühlte, wie mit jeder Silbe, die über seine Lippen raste, wie die Erleichterung größer und größer wurde, das Eis, unter dem seine Seele beinahe erfroren wäre, zu schmelzen begann, Hoffnung, Freude, Zuversicht sich breit machten und er aus der Vergangenheit in das unvergängliche Jetzt zurückkehrte. Er konnte fühlen, dass er wirklich fühlte, was er fühlte, wie er aus seiner Erstarrung erlöst wurde, vom Friedhof der Vergänglichkeiten einfach fortgetragen wurde.
Sie hörte nur zu, tröstete, litt mit ihm, sehnte sich, lachte, träumte, weinte, umarmte, küsste, als wären die Küsse niemals endend, ließ sich mitreißen von der Gezeitenwelle seiner Gefühle, die über all ihre Zweifel – er?, Ängste - Abgrund?, Schuldgefühle alles zurückzulassen, zu verletzen, zu enttäuschen!, mächtig und unaufhaltsam, alles Gewesene gnadenlos, unwiederbringlich auslöschend, hinwegdonnerte, Platz für Neues schuf. Sie sah in seinen Augen Zuversicht, Verzweiflung, Hoffnung, Angst und Zärtlichkeit und spürte seine suchende Hand zwischen ihren Schenkeln, die schon längst weit geöffnet und bereit waren, ihn aufzunehmen, und es kam ihr sofort, als er zärtlich ihre Lippen, über die noch nie ein Wort gekommen war, mit zitternden Fingerspitzen berührte. Zweimal war sie gekommen noch bevor er das erste Mal seinen Schwanz in sie reinsteckte.
“Jetzt, mein Philosoph, jetzt f*ck mich!!”, schleuderte sie ihm mit rauer Stimme entgegen
Jede Faser ihres Körpers bebte, er stempelte mit festen Liebesbissen dunkelrot leuchtende Ornamente seiner Lust auf ihre Haut, die ihr feurig brannte, sie schrie auf wie eine kleine Katze und schlug ihm ihre Krallen spitz in seinen Rücken. Ihr Atem wurde rau, er griff ihr ins Haar, will ihr Gesicht zu sehen bekommen, will durch ihre Augen – sieh mich an! - in ihre Seele sehen, Bestätigung ihrer Unterwerfung bekommen. Sie begann sich zu wehren, es wurde zum Kampf, sehr real und erbittert.
“Ich will dich besitzen!”
Er spürte, wie ihre Seelen sich leidenschaftlich umschlangen, die ganze aufgestaute Energie sich in einer gewaltigen Explosion entladen wollte.
"Du gehörst mir! Ich bin dein Herr! Sag es!"
"Ich ko-ko-komme jetzt!"
"Komm, ja komm! Sag es!"
"Ich gehöre dir, du bist mein Herr! Oh Gott, ich komme, mein Gott, so tief, oi, oi, oi! Pump mich voll!"
Leer, regungslos nach Atem ringend lag er schwer auf ihr. Ihre und seine Brust pumpten in kurzen, aber heftigen Stößen Luft in ihre Lungen. Sie schmiegte sich an ihn, umschlang ihn fest mit ihren Händen und ihren Beinen, die sie um seinen zuckenden Arsch geschlungen hatte, drückte ihn an sich, ihre schweißnassen Körper klebten aneinander. Sein schlaff gewordener Schwanz wollte aus dem glitschig nassen Nest rutschen, sie hielt ihn fest, ließ ihn nicht los – du gehörst jetzt mir, flüsterte sie lachend - er strich ihr zärtlich übers Haar, küsste sie auf ihre Augen, zeichnete mit den Fingern ihre Augenbrauen nach. Der Schweiß begann abzutrocknen, ihre Herzen schlugen wieder im Sekundentakt – tak, tak, tak – und er löste sich aus ihrer Umklammerung, glitt von ihr herab, küsste sie auf den Mund und legte sich auf den Rücken.
Für sie war ihr Weg, der sie durch viele Betten – oh all ihr ahnungslosen Prinzen, Kapitäne, Lügner und Idioten, ihr ward ihrer Liebe nicht wert – quer durch zwei Kontinente geführt hatte, hier zu Ende. Ein Weg, den sie mit nichts außer ihrem kleinen, abgewetzten Koffer, in dem sie ihr ganzes Leben mit sich trug, alles was sie besaß, ihr geblieben war, und den sie, als er sie bei der Hand nahm, wegführte, sie wortlos in Besitz nahm, achtlos zurückgelassen, einfach vergessen hatte, weil sie vom ersten Augenblick an wusste, dass sie bei ihm das Ziel erreicht hatte. Niemals zuvor sah sie in der Klarheit wie jetzt, dass alles, was bisher in ihrem Leben geschehen war, nur dem einen Zweck diente: sie vorzubereiten. Es war ihr bestimmt, hier bei ihm anzukommen. Es war zwecklos gewesen, so uneinsichtig und verzweifelt dagegen anzukämpfen, zu wollen, was nicht vorgesehen, sich dem mächtigen, unerbittlichen Strom der Ereignisse, der sie kraftvoll, mäandernd und ruhig ans Ziel bringen würde, zu widersetzen, es besser gewesen wäre, sich vertrauensvoll, demütig, dankbar und lustvoll dem Lauf des Lebens hinzugeben. Du bist mein Engel des Vergessens, dachte sie, während sie sich an seinen Rücken schmiegte, der sich ruhig im Rhythmus seiner Atemzüge bewegte. Ein wohliger Schauer erfasste sie - ein geseufztes oi - Gänsehaut am ganzen Körper, die Hand zwischen seinen Beinen, sank sie in den Schlaf.
Er lag da, starrte ins Leere, versuchte verzweifelt die Rückkehr der Gedanken hinauszuzögern. Und doch: In diesem Zustand nahe dem absoluten Nullpunkt, hin und her taumelnd zwischen Schlaf und Wirklichkeit befiel ihn eine unerklärliche Angst, die scharf in seine Gedärme schnitt. Warum, wusste er nicht. Er hatte absolut keine Erklärung dafür. Es dauerte eine Weile, bis er sich wieder zurechtfand, ihr leises, regelmäßiges Atmen wahrnehmen konnte, erleichtert wieder zurück, hier bei ihr, Herr seiner Gedanken zu sein. Zufrieden zündete er sich eine Zigarette an, stand auf und ging auf die Toilette.
Sie erwachte aus ihrem traumlosen Schlaf, allein, keine Ahnung, wo sie sich befand, wie sie hierhergekommen war, konnte sich nur erinnern, ihm an seiner Hand, ohne auf den Weg und die Umgebung geachtet zu haben, wortlos gefolgt zu sein, wohin er sie führte. Nervös, zaudernd, ängstlich schweifte ihr Blick durch das kahle, schummrige, kleine Zimmer, in dem nur das Bett an einer fensterlosen, mit Mückenleichen und schmutzigen F*****n übersäten, einstmals rosafarbenen Wand stand, auf dem sie nackt und schutzlos, zusammengerollt wie ein Fötus, regungslos lag. Direkt über dem Bett hinter ihr hing ein Foto, schwarzweiß, auf dem sie, so sehr sie sich auch bemühte, nichts erkennen konnte. Mitten im Raum hing einsam von der Decke an zwei dünnen Drähten eine verstaubte Glühbirne, die vermutlich weißen Vorhänge, jetzt dunkelgrau bis schwarz, und die Fensterläden, halb geschlossen, hielten den Raum in einer furchteinflößenden Düsterheit gefangen.
Laute Stimmen einer Frau – hysterisch, eines Mannes – wütend, das Schlagen einer Türe – täng! – und unbekannte Geräusche drangen an ihre Ohren, vor dem Haus hielt quietschend eine Straßenbahn. In seinen Armen, getragen von seiner Leidenschaft und Lust, spürte sie nur Liebe, aber jetzt, getrennt von ihm, fühlte sie sich benutzt, fremd, schämte sich, wollte weg, nur weg, sprangen sie Dämonen der Angst und Verzweiflung mit feixenden Fratzen von allen Seiten her an, drangen tief in sie, fraßen sich schmatzend und schmerzvoll durch ihre Gedärme. Tränen der Verzweiflung und Angst überschwemmten ihr Gesicht in einem breiten Strom, vermischt mit dem Rotz, der ihr aus der Nase triefte. Schwindel, Übelkeit und Schmerz nahmen ihr den Atem, und doch war es für sie reinste Poesie und Liebkosung. Sie schwor bei allem, was ihr – heilig wollte sie jetzt nicht denken, sie entschied sich nach einigem hin und her, auch wenn sie es nicht ganz passend fand, aber doch ausreichend, für das was geschehen war, für – lieb war, es sei Liebe, es sei ihre Bestimmung, ihn wieder zum Leben zu erwecken, zu retten, ihn nicht untergehen zu lassen, so als würde dieses Bekenntnis sie von jeder erdenklichen Schuld freisprechen, sie erlösen. Angestrengt, verzweifelt versuchte sie, sich zu erinnern, zurückzuholen, was sie so voll Liebe hatte sein lassen, zu spüren, zu riechen, zu schmecken, dem sie sich in einem gewaltigen Rausch, wie selbstverständlich, gedankenlos, ohne Zögern, ohne Reue unterworfen hatte, dass sie im Sturm fortgerissen und ein Trommelfeuer ungekannter Empfindungen in ihr gezündet hatte, die sie wegschmelzen ließen wie Wachs, bis ihr der Atem wegblieb, und die sie sich jetzt so flehentlich zurücksehnte. Sie hatte gedacht, sie hätte schon alles gesehen, erlebt und erlitten, es könnte sie nichts mehr überraschen und doch wurde sie überwältigt von all den Gefühlen, die sie durchströmten, ihre Gedanken in Besitz nahmen, sie festhielten, hin und her zerrten, sie fliegen ließen und wieder zu Boden schmetterten, die allesamt fremd und ungekannt waren, die zu erfahren sie ihr ganzes Leben erträumt, aber die Hoffnung auf Erfüllung schon längst aufgegeben hatte.
Ein metallisches lautes Klack! und das singende Knarren einer auf- und zugehenden Türe, vermischt mit dem Rauschen einer Toilettenspülung begleitet von einem tik-tik-tik in den sichtbar durch das Zimmer verlaufenden Heizungsrohren, schreckte sie aus ihren Visionen in Schwarzweiß, ihren Gelübden und Schwüren, Schritte eilten – back-back-back – auf sie zu, Hitze wallte aus der Mitte ihres Körpers, stieg jäh an die Hautoberfläche, floss über die hart gewordenen Brustwarzen, ihr Herz pochte dröhnend gegen die Schläfen, die Augen verweigerten das Sehen, quälend lange, endlose Sekunden bis ausgestreckte Arme sie kräftig umfassten, sie drückten, hochhoben, Finger durch ihre Haare fuhren, ihren Rücken entlang glitten, Lippen die ihren küssten, als wären die Küsse der Atem. Ihr Herz blies sich auf mit Liebe, schnellte hoch wie ein Luftballon. Sie waren am Wendepunkt von Nacht zu Tag angelangt, alles schien selbstverständlich, vorherbestimmt und einfach, es gab nur noch Antworten anstelle von Fragen. Sie hatten nur noch das Tor, das weit offenstand, bevor es sich wieder für immer schließen würde, zu durchschreiten, ja zu Gewissheit, statt Zweifel, zu Hingabe statt Widerstand, zu wir, statt ich zu sagen und abzuwarten, wohin sie geführt werden, die Kontrolle aufzugeben.
Sie sank seufzend auf das Bett zurück, bereit dazu das Tor zu durchschreiten, sich bedingungslos zu unterwerfen, zog ihn mit sich hinab, legte seinen Kopf auf ihre jetzt flach gewordenen Brüste, er umspielte mit seiner Zunge die rosafarbenen Nippel und biss beide summend - schöne, warme, weiche Frau, ich erinnere mich genau, Turaluraluralu, ich mach BuBu - was machst du? hart – oi, oi
Dieses Mal wurde es ein kurzes, aber intensives Vergnügen. Als es ihnen gekommen war, blieben sie einfach benommen liegen, wo sie gerade waren, ausgepumpt und leer, sie seinen Schwanz mit der Hand zärtlich drückend, er sein Bein zwischen ihren klebrig nassen Schenkeln, zu aufgelöst, um sich noch zu bewegen schliefen sie ein.
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