Blind Date
Sie kannten weder die Farbe ihrer Augen, noch den Klang ihrer Stimmen. Lediglich neutrale Buchstaben, virtuell auf dem Bildschirm erschienen und wieder vergangen, ließen sie von ihrer Existenz wissen. Als die Worte immer intimer und zutraulicher wurden, rief er sie zu sich.
Während der Fahrt im Zug zupfte Marlene nervös das kurze Kleid zurecht. Er hatte sie gebeten, nackt unter dem Rock zu sein, der Gedanke daran machte sie unsicher.
Jetzt stand sie ihm auf dem dunklen Bahnhof gegenüber. Sie hatte ihn sofort erkannt. Groß, schlank, in edles Tuch gekleidet, kam er mit langen Schritten auf sie zu.
„Du musst Marlene sein.“ Seine Stimme klang tief, ein wenig rauchig.
Sichtbar ängstlich und müde von der Fahrt, reichte sie ihm die Hand.
„Hallo Simon, ich freue mich!“, sagte sie mi