Veröffentlicht von Manuelmagiera am 03.09.2026
Hörig Teil 17
Um kurz nach drei Uhr kamen wir im Club an. Auf dem Weg in den Umkleideraum traf ich Nana. Sie stutzte und fing wegen meines Aufzugs schallend zu lachen an.
„Hallo Isabelle, na, du siehst ja heiß aus. Hast du deinem Tom schon gebeichtet, was mit dir los ist?“
Ich nickte. Und erzählte ihr vom Vormittag. Sie hörte mir interessiert zu und lachte noch lauter, als ich von der Serviererin und der neuen Tante berichtete.
„Damit wirst du rechnen müssen. Er ist bisexuell und wird sicher weiter auch Frauen haben wollen. Aber ich denke, es war gut, dass du ihm alles gesagt hast und seine Reaktion lässt hoffen. Die meisten verlieren ihre Partner und Familien, wenn sie ihnen von ihren geheimsten Wünschen erzählen. Dabei merken die Partner gar nicht, wie sie den Menschen, den sie angeblich lieben nur auf das Geschlecht reduzieren. Wir sind doch eigentlich in erster Linie Menschen. Und man hat den Ehemann oder die Ehefrau doch auch wegen seiner/ihrer Art geheiratet. Die Leute haben noch viel zu lernen.“
„Das sehe ich genauso, Nana. Ich bin so glücklich, dass ich Tom an meiner Seite habe. Frau Dr. Andresen wird mich begleiten und sie soll nächste Woche Tom kennen lernen. Wir werden eine Pause einlegen müssen, denn wir wollen vor meiner Behandlung Eltern werden. Ich muss Schwangerschaft und Geburt noch vor der Hormonbehandlung durchziehen.“
Sie nahm mich spontan in die Arme und freute sich sichtlich.
Wir waren im Umkleideraum angekommen und begannen uns zurecht zu machen. Nana wollte einige Tanzübungen einstudieren und das klappte am besten am Nachmittag, wenn der Club geschlossen war.
Ich erzählte ihr von der Vornamenssuche.
„Also, Isabelle ist ein schöner Name, aber unter diesen Umständen hat Tom Recht. Deine Tochter solltest du anders nennen. Und Jan passt zu dir.“ Wir wurden unterbrochen. Charlene kam herein und sprach mich an.
„Isabelle, wenn du fertig bist, sollst du zum Parkplatz kommen. Uwe will mit euch in die Herbertstraße und einige Mädchen besuchen. Es ist ja ein besonderer Arbeitsplatz und normalerweise für uns auch nicht zugänglich. Aber es ist immer gut, wenn man die Kolleginnen kennt. Und die Frauen, die dort arbeiten, sind mit allen Wassern gewaschen. Und sie können Geschichten erzählen, da klappen dir die Fußnägel hoch.“ Ich beeilte mich mit dem Schminken.
„Das glaube ich. Da möchte ich mal Mäuschen spielen.“ Freudig dachte ich an die vielen Geschichten, die sich um den berühmten Ort auf Hamburgs Sündenmeile rankten. Die Frauen saßen dort hinter Fenstern und deshalb durften nur erwachsene Männer an ihnen vorbei gehen.
Ich wollte mich Kiezmäßig kleiden und wählte ein kurzes Röckchen und eine durchsichtige Bluse sowie knallrote High Heels, die ich mir gerade gekauft hatte. Hier konnte man im Sexshop alles erstehen, was zum Geschäft dazu gehörte und wurde nicht dumm angeschaut.
Als wir auf dem Weg waren, spielte Uwe den gelehrten Kiezführer. Er wusste sehr viel über die Entstehung des Stadtteils und seine besonderen Bewohner.
Nur wenigen Frauen ist es gestattet, die berühmteste Straße Hamburgs, die eigentlich nur eine Gasse ist, zu betreten. Fasziniert sog ich die Atmosphäre in mir auf. Für mich wäre das nichts. Das sagte ich auch meinen beiden Begleitern. Die Frauen begrüßten uns nett. Im letzten Fenster trafen wir Juliette und Marlene. Sie machten mir den Vorschlag bei ihnen zu bleiben und etwas mit ihnen zu arbeiten. Das behagte mir nicht, aber ich mochte auch nichts sagen. Um sieben Uhr abends wollte mich Tom abholen, damit wir rechtzeitig nach Hause fahren konnten. Es waren also noch knapp zwei Stunden, die ich in so einem Fenster sitzen würde. Ich willigte ein. Marlene freute sich, denn sie konnte auf diese Weise etwas früher nach Hause. Tom und Uwe verabschiedeten sich.
Ich blickte die blonde hübsche Juliette hilflos an. Sie sah meine Unsicherheit.
„Das Zur Schaustellen“ macht dir Unbehagen, stimmt’s?“
Ich nickte. „Ja, es ist nicht meines, so auf dem Präsentierteller zu sitzen. Ich denke immer daran, dass plötzlich ein Bekannter vor mir steht.“
„Das kann natürlich passieren, aber die Regel ist es nicht. Wir haben jedoch oft etwas exzentrische Kunden. Wobei wir hier keine Gewalt zu lassen, auch nicht andeutungsweise. Wir betreiben nur das normale Geschäft.“
Ich saß in einem gemütlichen roten Sessel und blickte auf die Straße hinaus. Auf der gegenüberliegenden Seite schlenderten zwei Männer an den Fenstern vorüber und blieben dort stehen. Die Scheiben wurden geöffnet, Frauen sprachen sie an. Ich hörte ihre Stimmem. Die Männer traten durch eine kleine Seitentür und verschwanden im Haus.
Ein junger Mann kam an unserem Fenster vorbei, das noch geöffnet war. Juliette lächelte aufmunternd in meine Richtung. Sie hatte mir bereits den Ablauf meiner Session erklärt. Nun denn. Es gab Schlimmeres, dachte ich bei mir und stand auf.
„Hallo, mein Schatz. Kann ich etwas für dich tun? Ich heiße Isabelle und wer bist du, mein schöner junger Ritter?“
„Christian. Ich trau mich irgendwie nicht.“
„Das merke ich. Sag mal, mein Kleiner, und sei bitte ehrlich: Bist du schon Achtzehn?“
Er lächelte verlegen und stockte. Ich sah Juliette an. Das ging gar nicht. Die Männer durften nur als Erwachsene diese Straße betreten. Juliette übernahm.
„Pass auf, Süßer. Da vorne am Eingang steht ein Schild. Das hast du garantiert gelesen. Wenn du dich also nicht als Erwachsener ausweisen kannst, dann lauf bitte ganz schnell zurück. Hier kommt zwar selten Polizei, aber unsere Männer passen auf, dass nichts Unrechtes geschieht. Es ist schlecht fürs Geschäft, verstehst du?“
Er wehrte ab. „Nein, ich bin sogar schon achtundzwanzig Jahre alt. Ich habe noch nie etwas mit einer Frau gehabt und würde gerne mal ausprobieren, wie es funktioniert.“
Ich beugte mich aus dem Fenster und zog ihn zu mir heran.
„Hast du 200 Euro dabei? Ich helfe dir, solange, bis es geklappt hat. Da habe ich Übung drinnen. Du bist nicht die erste kleine Jungfrau, die ich von ihrem Makel befreie.“
„Okay.“
„Schau, da ist eine kleine Tür. Unscheinbar, aber für dich jetzt das große Tor zum Glück.“
Einige Minuten später saßen wir im typischen Herbertstraßenzimmer. Er druckste.
Ich wollte ihm helfen, aber er legte seine Hand auf die Meine.
„Ich muss dir etwas erzählen. Ich bin nicht als Mann geboren, sondern transsexuell. Vor einem Jahr wurde ich das zweite Mal operiert. Ich sehe unten jetzt wie ein normaler Mann aus, kann im Stehen pinkeln und habe auch Hoden bekommen. In den Penis wurde eine Pumpe eingebaut. Damit kann ich mein Geschlecht dorthin bringen, wohin es bei einer Frau gehört. Das habe ich noch nie ausprobiert. Ich möchte es gerne mal mit einer Frau tun.“
Das haute mich jetzt um. Es dauerte einige Sekunden, bis ich die Situation richtig erfasst hatte und begriff, was dieser besondere Moment für mich bedeutete.
„Wo wurdest du operiert?“ Er erzählte mir von einem Arzt, der in einer Berliner Klinik sogenannte All in One Operationen durchführte. Es gab je nachdem, nur zwei Sitzungen. In anderen Krankenhäusern, wie auch den Unikliniken wurde der geschlechtsangleichende Eingriff bei den Männern in mehreren Einzelschritten durchgeführt. Das wollte er damals nicht, aus Angst, es könnte zwischendurch etwas passieren, was die nächste Operation hinauszögert. Außerdem müsste man sich immer wieder neu narkotisieren lassen und fiele bei der Arbeit längere Zeit aus. Bei der Berliner Methode dauerte der erste Eingriff gerade mal 14 Tage und eine dreimonatige Erholungsphase schloss sich an. Ein halbes Jahr später werden die Pumpe eingebaut und die Hoden geformt.
Ich hörte sprachlos zu. Wie geil war das denn? Nun hatte ich auf kuriose Weise bereits alles Wissenswerte und Wichtige für meine eigene Operation erfahren. Das einzige Problem waren die Krankenkassen, die die Kosten der teuren Privatklinik nicht immer übernehmen wollten. Für mich war das natürlich kein Problem, solange ich meinen Nebenerwerb ausüben und zusätzliches Geld verdienen konnte.
Sollte ich ihm etwas über mich erzählen? Nein, ich beschloss mein Geheimnis für mich zu behalten. Vielleicht kommt er mal zurück und spricht mit Juliette. Auf diese Weise würde sich mein Problem auf eine ganz dämliche Weise auf dem Kiez verbreiten. Es war besser, ich schwieg und besprach die Angelegenheit erst mit Tom und Frau Andresen.
„Du, lass mich mal schauen. Mich interessiert das sehr. Eine Freundin will sich ebenfalls operieren lassen. Ich werde ihr berichten, ob alles funktioniert.“ Er zog sich aus und ich versuchte ihn ein wenig in Fahrt zu bringen. Was ich erblickte löste spontane Freude aus. Es war wie bei einem ganz normalen Mann. Er zeigte auf eine Stelle, berührte sie und stand, im wahrsten Sinne des Wortes.
Vorsichtig half ich ihm und ließ ihn sich selbst fühlen und führen. Er wurde langsam immer selbstsicherer.
Für mich war es nur ein Job, wie jeder andere. Doch es meldeten sich Gefühle. Irgendwann würde ich bei einer Frau sein und genau dasselbe tun. Ich hatte mit Emilia und Fritzi Freude gehabt und war davon überzeugt, nach meiner Operation ebenfalls den Kontakt zu Frauen nicht auszuschlagen. Andererseits hatte ich mir schon oft ausgemalt, wie es mit Tom wäre, wenn wir uns als zwei Männer trafen.
„Hast du schon etwas davon gehabt?“ Er lächelte und schüttelte den Kopf.
„Nein, ich bin nicht genug erregt dazu. Die Pumpe funktioniert und ich kann sie Händeln. Wie war es bei dir? Hat dir etwas wehgetan?“
„Nein, das lag aber nicht an dem künstlichen Penis, sondern an deiner Unerfahrenheit. Du musst öfter kommen und lernen.“
Ich erzählte ihm, dass ich nur zur Aushilfe hier war und eigentlich an den Wochenenden bei Uwe arbeitete, nannte ihm den Namen des Lokals.
„Darf ich dich dort besuchen? Ich werde sicher wieder kommen. Du strahlst für mich etwas ganz Besonderes aus. Ich habe ein Problem. Ich denke immer daran, dass Frauen zum Sex gezwungen werden und dies eine erniedrigende und entwürdigende Tätigkeit für euch ist. Ich habe Mitgefühl mit dir.“
Er sprach an, was auch ich oft dachte.
„Du hast Achtung und Respekt vor einer Frau und benutzt sie nicht, wie es normale Männer tun. Das ist deiner weiblichen Sozialisation geschuldet. Du brauchst dir keine Gedanken zu machen. Die meisten Mädchen, die hier arbeiten, tun es freiwillig und können jederzeit aufhören. Die Barbesitzer achten darauf, dass keiner von Ihnen Gewalt anwendet, auch nicht psychisch. Es schadet dem Geschäft und dem ganzen Kiez. Komm, du hast alles richtig gemacht. Ich wollte dir das eigentlich nicht erzählen. Willst du mir versprechen, dass du das, was du jetzt hörst, vorerst für dich behältst? Dann gebe ich dir auch meine private Telefonnummer. Es kann sein, dass wir einander sehr gut helfen können?“
Er sah mich überrascht an. Dann erzählte ich ihm von mir. Wir beschlossen uns bei Juliette nichts anmerken zu lassen. Ich verabschiedete ihn in der üblichen Weise. Die zweihundert Euro hatte ich Juliette gegeben, wie verabredet.
Noch ein weiterer Kunde, diesmal von der angeborenen Art, ließ sich von mir bedienen. Professionell streifte ich ihm den Gummi drüber, nachdem ich ihn gewaschen hatte. Nach kurzem Anblasen kamen wir zur Sache und er begann zu stoßen und zu stöhnen. Fast automatisch kam ich auch, natürlich nicht in echt, aber der Freier war zufrieden.
Juliette gratulierte mir. Alles war wie es sein sollte. Einige Männer kamen vorbei und baggerten uns an, aber es gelang uns nicht, sie hereinzuholen.
Kurz vor 7 Uhr kam Tom, ließ sich verführen und wollte sofort zu mir reinkommen. Ich sah Juliette an, die den Verdienst natürlich brauchte.
„Kein Problem, Süßer, du bist mein letzter Kunde heute. Meine Kollegin Julie hier erhält 200 Euro, die nimmst du von deinem Taschengeld, damit sie keinen Verlust hat.“
Schmunzelnd steckte er Juliette die Geldscheine ins Dekolletee und gab ihr einen Kuss.
Er musste sich waschen lassen. Sein kleiner Freund stand bereits und streckte sich mir stolz entgegen
Auf dem Heimweg erzählte ich ihm von Christian.
„Hallo Isabelle, na, du siehst ja heiß aus. Hast du deinem Tom schon gebeichtet, was mit dir los ist?“
Ich nickte. Und erzählte ihr vom Vormittag. Sie hörte mir interessiert zu und lachte noch lauter, als ich von der Serviererin und der neuen Tante berichtete.
„Damit wirst du rechnen müssen. Er ist bisexuell und wird sicher weiter auch Frauen haben wollen. Aber ich denke, es war gut, dass du ihm alles gesagt hast und seine Reaktion lässt hoffen. Die meisten verlieren ihre Partner und Familien, wenn sie ihnen von ihren geheimsten Wünschen erzählen. Dabei merken die Partner gar nicht, wie sie den Menschen, den sie angeblich lieben nur auf das Geschlecht reduzieren. Wir sind doch eigentlich in erster Linie Menschen. Und man hat den Ehemann oder die Ehefrau doch auch wegen seiner/ihrer Art geheiratet. Die Leute haben noch viel zu lernen.“
„Das sehe ich genauso, Nana. Ich bin so glücklich, dass ich Tom an meiner Seite habe. Frau Dr. Andresen wird mich begleiten und sie soll nächste Woche Tom kennen lernen. Wir werden eine Pause einlegen müssen, denn wir wollen vor meiner Behandlung Eltern werden. Ich muss Schwangerschaft und Geburt noch vor der Hormonbehandlung durchziehen.“
Sie nahm mich spontan in die Arme und freute sich sichtlich.
Wir waren im Umkleideraum angekommen und begannen uns zurecht zu machen. Nana wollte einige Tanzübungen einstudieren und das klappte am besten am Nachmittag, wenn der Club geschlossen war.
Ich erzählte ihr von der Vornamenssuche.
„Also, Isabelle ist ein schöner Name, aber unter diesen Umständen hat Tom Recht. Deine Tochter solltest du anders nennen. Und Jan passt zu dir.“ Wir wurden unterbrochen. Charlene kam herein und sprach mich an.
„Isabelle, wenn du fertig bist, sollst du zum Parkplatz kommen. Uwe will mit euch in die Herbertstraße und einige Mädchen besuchen. Es ist ja ein besonderer Arbeitsplatz und normalerweise für uns auch nicht zugänglich. Aber es ist immer gut, wenn man die Kolleginnen kennt. Und die Frauen, die dort arbeiten, sind mit allen Wassern gewaschen. Und sie können Geschichten erzählen, da klappen dir die Fußnägel hoch.“ Ich beeilte mich mit dem Schminken.
„Das glaube ich. Da möchte ich mal Mäuschen spielen.“ Freudig dachte ich an die vielen Geschichten, die sich um den berühmten Ort auf Hamburgs Sündenmeile rankten. Die Frauen saßen dort hinter Fenstern und deshalb durften nur erwachsene Männer an ihnen vorbei gehen.
Ich wollte mich Kiezmäßig kleiden und wählte ein kurzes Röckchen und eine durchsichtige Bluse sowie knallrote High Heels, die ich mir gerade gekauft hatte. Hier konnte man im Sexshop alles erstehen, was zum Geschäft dazu gehörte und wurde nicht dumm angeschaut.
Als wir auf dem Weg waren, spielte Uwe den gelehrten Kiezführer. Er wusste sehr viel über die Entstehung des Stadtteils und seine besonderen Bewohner.
Nur wenigen Frauen ist es gestattet, die berühmteste Straße Hamburgs, die eigentlich nur eine Gasse ist, zu betreten. Fasziniert sog ich die Atmosphäre in mir auf. Für mich wäre das nichts. Das sagte ich auch meinen beiden Begleitern. Die Frauen begrüßten uns nett. Im letzten Fenster trafen wir Juliette und Marlene. Sie machten mir den Vorschlag bei ihnen zu bleiben und etwas mit ihnen zu arbeiten. Das behagte mir nicht, aber ich mochte auch nichts sagen. Um sieben Uhr abends wollte mich Tom abholen, damit wir rechtzeitig nach Hause fahren konnten. Es waren also noch knapp zwei Stunden, die ich in so einem Fenster sitzen würde. Ich willigte ein. Marlene freute sich, denn sie konnte auf diese Weise etwas früher nach Hause. Tom und Uwe verabschiedeten sich.
Ich blickte die blonde hübsche Juliette hilflos an. Sie sah meine Unsicherheit.
„Das Zur Schaustellen“ macht dir Unbehagen, stimmt’s?“
Ich nickte. „Ja, es ist nicht meines, so auf dem Präsentierteller zu sitzen. Ich denke immer daran, dass plötzlich ein Bekannter vor mir steht.“
„Das kann natürlich passieren, aber die Regel ist es nicht. Wir haben jedoch oft etwas exzentrische Kunden. Wobei wir hier keine Gewalt zu lassen, auch nicht andeutungsweise. Wir betreiben nur das normale Geschäft.“
Ich saß in einem gemütlichen roten Sessel und blickte auf die Straße hinaus. Auf der gegenüberliegenden Seite schlenderten zwei Männer an den Fenstern vorüber und blieben dort stehen. Die Scheiben wurden geöffnet, Frauen sprachen sie an. Ich hörte ihre Stimmem. Die Männer traten durch eine kleine Seitentür und verschwanden im Haus.
Ein junger Mann kam an unserem Fenster vorbei, das noch geöffnet war. Juliette lächelte aufmunternd in meine Richtung. Sie hatte mir bereits den Ablauf meiner Session erklärt. Nun denn. Es gab Schlimmeres, dachte ich bei mir und stand auf.
„Hallo, mein Schatz. Kann ich etwas für dich tun? Ich heiße Isabelle und wer bist du, mein schöner junger Ritter?“
„Christian. Ich trau mich irgendwie nicht.“
„Das merke ich. Sag mal, mein Kleiner, und sei bitte ehrlich: Bist du schon Achtzehn?“
Er lächelte verlegen und stockte. Ich sah Juliette an. Das ging gar nicht. Die Männer durften nur als Erwachsene diese Straße betreten. Juliette übernahm.
„Pass auf, Süßer. Da vorne am Eingang steht ein Schild. Das hast du garantiert gelesen. Wenn du dich also nicht als Erwachsener ausweisen kannst, dann lauf bitte ganz schnell zurück. Hier kommt zwar selten Polizei, aber unsere Männer passen auf, dass nichts Unrechtes geschieht. Es ist schlecht fürs Geschäft, verstehst du?“
Er wehrte ab. „Nein, ich bin sogar schon achtundzwanzig Jahre alt. Ich habe noch nie etwas mit einer Frau gehabt und würde gerne mal ausprobieren, wie es funktioniert.“
Ich beugte mich aus dem Fenster und zog ihn zu mir heran.
„Hast du 200 Euro dabei? Ich helfe dir, solange, bis es geklappt hat. Da habe ich Übung drinnen. Du bist nicht die erste kleine Jungfrau, die ich von ihrem Makel befreie.“
„Okay.“
„Schau, da ist eine kleine Tür. Unscheinbar, aber für dich jetzt das große Tor zum Glück.“
Einige Minuten später saßen wir im typischen Herbertstraßenzimmer. Er druckste.
Ich wollte ihm helfen, aber er legte seine Hand auf die Meine.
„Ich muss dir etwas erzählen. Ich bin nicht als Mann geboren, sondern transsexuell. Vor einem Jahr wurde ich das zweite Mal operiert. Ich sehe unten jetzt wie ein normaler Mann aus, kann im Stehen pinkeln und habe auch Hoden bekommen. In den Penis wurde eine Pumpe eingebaut. Damit kann ich mein Geschlecht dorthin bringen, wohin es bei einer Frau gehört. Das habe ich noch nie ausprobiert. Ich möchte es gerne mal mit einer Frau tun.“
Das haute mich jetzt um. Es dauerte einige Sekunden, bis ich die Situation richtig erfasst hatte und begriff, was dieser besondere Moment für mich bedeutete.
„Wo wurdest du operiert?“ Er erzählte mir von einem Arzt, der in einer Berliner Klinik sogenannte All in One Operationen durchführte. Es gab je nachdem, nur zwei Sitzungen. In anderen Krankenhäusern, wie auch den Unikliniken wurde der geschlechtsangleichende Eingriff bei den Männern in mehreren Einzelschritten durchgeführt. Das wollte er damals nicht, aus Angst, es könnte zwischendurch etwas passieren, was die nächste Operation hinauszögert. Außerdem müsste man sich immer wieder neu narkotisieren lassen und fiele bei der Arbeit längere Zeit aus. Bei der Berliner Methode dauerte der erste Eingriff gerade mal 14 Tage und eine dreimonatige Erholungsphase schloss sich an. Ein halbes Jahr später werden die Pumpe eingebaut und die Hoden geformt.
Ich hörte sprachlos zu. Wie geil war das denn? Nun hatte ich auf kuriose Weise bereits alles Wissenswerte und Wichtige für meine eigene Operation erfahren. Das einzige Problem waren die Krankenkassen, die die Kosten der teuren Privatklinik nicht immer übernehmen wollten. Für mich war das natürlich kein Problem, solange ich meinen Nebenerwerb ausüben und zusätzliches Geld verdienen konnte.
Sollte ich ihm etwas über mich erzählen? Nein, ich beschloss mein Geheimnis für mich zu behalten. Vielleicht kommt er mal zurück und spricht mit Juliette. Auf diese Weise würde sich mein Problem auf eine ganz dämliche Weise auf dem Kiez verbreiten. Es war besser, ich schwieg und besprach die Angelegenheit erst mit Tom und Frau Andresen.
„Du, lass mich mal schauen. Mich interessiert das sehr. Eine Freundin will sich ebenfalls operieren lassen. Ich werde ihr berichten, ob alles funktioniert.“ Er zog sich aus und ich versuchte ihn ein wenig in Fahrt zu bringen. Was ich erblickte löste spontane Freude aus. Es war wie bei einem ganz normalen Mann. Er zeigte auf eine Stelle, berührte sie und stand, im wahrsten Sinne des Wortes.
Vorsichtig half ich ihm und ließ ihn sich selbst fühlen und führen. Er wurde langsam immer selbstsicherer.
Für mich war es nur ein Job, wie jeder andere. Doch es meldeten sich Gefühle. Irgendwann würde ich bei einer Frau sein und genau dasselbe tun. Ich hatte mit Emilia und Fritzi Freude gehabt und war davon überzeugt, nach meiner Operation ebenfalls den Kontakt zu Frauen nicht auszuschlagen. Andererseits hatte ich mir schon oft ausgemalt, wie es mit Tom wäre, wenn wir uns als zwei Männer trafen.
„Hast du schon etwas davon gehabt?“ Er lächelte und schüttelte den Kopf.
„Nein, ich bin nicht genug erregt dazu. Die Pumpe funktioniert und ich kann sie Händeln. Wie war es bei dir? Hat dir etwas wehgetan?“
„Nein, das lag aber nicht an dem künstlichen Penis, sondern an deiner Unerfahrenheit. Du musst öfter kommen und lernen.“
Ich erzählte ihm, dass ich nur zur Aushilfe hier war und eigentlich an den Wochenenden bei Uwe arbeitete, nannte ihm den Namen des Lokals.
„Darf ich dich dort besuchen? Ich werde sicher wieder kommen. Du strahlst für mich etwas ganz Besonderes aus. Ich habe ein Problem. Ich denke immer daran, dass Frauen zum Sex gezwungen werden und dies eine erniedrigende und entwürdigende Tätigkeit für euch ist. Ich habe Mitgefühl mit dir.“
Er sprach an, was auch ich oft dachte.
„Du hast Achtung und Respekt vor einer Frau und benutzt sie nicht, wie es normale Männer tun. Das ist deiner weiblichen Sozialisation geschuldet. Du brauchst dir keine Gedanken zu machen. Die meisten Mädchen, die hier arbeiten, tun es freiwillig und können jederzeit aufhören. Die Barbesitzer achten darauf, dass keiner von Ihnen Gewalt anwendet, auch nicht psychisch. Es schadet dem Geschäft und dem ganzen Kiez. Komm, du hast alles richtig gemacht. Ich wollte dir das eigentlich nicht erzählen. Willst du mir versprechen, dass du das, was du jetzt hörst, vorerst für dich behältst? Dann gebe ich dir auch meine private Telefonnummer. Es kann sein, dass wir einander sehr gut helfen können?“
Er sah mich überrascht an. Dann erzählte ich ihm von mir. Wir beschlossen uns bei Juliette nichts anmerken zu lassen. Ich verabschiedete ihn in der üblichen Weise. Die zweihundert Euro hatte ich Juliette gegeben, wie verabredet.
Noch ein weiterer Kunde, diesmal von der angeborenen Art, ließ sich von mir bedienen. Professionell streifte ich ihm den Gummi drüber, nachdem ich ihn gewaschen hatte. Nach kurzem Anblasen kamen wir zur Sache und er begann zu stoßen und zu stöhnen. Fast automatisch kam ich auch, natürlich nicht in echt, aber der Freier war zufrieden.
Juliette gratulierte mir. Alles war wie es sein sollte. Einige Männer kamen vorbei und baggerten uns an, aber es gelang uns nicht, sie hereinzuholen.
Kurz vor 7 Uhr kam Tom, ließ sich verführen und wollte sofort zu mir reinkommen. Ich sah Juliette an, die den Verdienst natürlich brauchte.
„Kein Problem, Süßer, du bist mein letzter Kunde heute. Meine Kollegin Julie hier erhält 200 Euro, die nimmst du von deinem Taschengeld, damit sie keinen Verlust hat.“
Schmunzelnd steckte er Juliette die Geldscheine ins Dekolletee und gab ihr einen Kuss.
Er musste sich waschen lassen. Sein kleiner Freund stand bereits und streckte sich mir stolz entgegen
Auf dem Heimweg erzählte ich ihm von Christian.
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