Veröffentlicht von Manuelmagiera am 03.09.2026
Hörig Teil 16
Etwas Eigenartiges begann in mir zu wachsen. Da war auf der einen Seite mein Leben als verheiratete Frau mit Tom, das zu meinem biologischen Alter passte. Gleichzeitig fiel ich in Gefühle zurück, die mich an eine längst vergangene Zeit erinnerten. Ich durchlief plötzlich ganz frühe Entwicklungsstufen. Tom spielte meinen Onkel, der mit mir ein Sportgeschäft aufsuchte. Ich durfte mir eine Fankappe und einen HSV Schal aussuchen. Der Verkäufer sah den Neffen in mir, das unterstrich die gesamte kuriose Kommunikation im Laden. Ich war sprachlos. Tom zahlte, legte den Arm freundschaftlich, wie ein Vater, auf meine Schulter und spielte seine Rolle so gut, dass ich die Realität um mich herum vergaß. Oder erlebte ich sie gerade neu und ganz anders? Was war real?
Ich wünschte mir schon immer nichts Sehnlicheres, als männlich sein zu dürfen. Nun schlenderte ich in Hamburg in männlichem Geschlecht neben meinem neuen Onkel durch die Straßen. Dass war jetzt im Augenblick gelebte Realität.
Zwei Welten vermischten sich. Das, was ich bisher nicht einmal zu träumen gewagt hatte, war plötzlich Wirklichkeit geworden. Es gab noch etwas anderes: Das, was hinter meinem männlichen Outfit steckte. Der weibliche Körper einer biologischen erwachsenen Frau. Ich erlebte in der männlichen Rolle eine Welle des Glücks. Nie gekannte Gefühle von Glückseligkeit und innerer Einheit erfassten mich. Am liebsten hätte ich meine Freude laut herausgeschrien. Warum eigentlich nicht?,fiel mir abrupt ein.
Wir überquerten gerade einen Platz, in dessen Mitte ein monumentaler Springbrunnen plätscherte. Es war früher Herbst. Ich sprang auf, rannte auf den mehrgeschossigen Brunnen zu und begann Tom nass zu ********.
„Aufhören, Isa…“, er hielt inne. Die Situation war surreal. Er tobte hier mit einem vertrauten Menschen herum, der nach außen wie jemand ganz anderes erschien. In Wirklichkeit war der Bengel an seiner Seite seine Frau, die Gitti hieß und sich im Rotlichtmilieu Isabelle nannte.
Ich hatte die Gefahr unserer ungewöhnlichen Konstellation noch nicht erfasst. Dieser Auftritt war alles andere als normal. Wieder führte ich meine Hand ins Wasser und warf sie Tom entgegen. Ich lachte fröhlich auf, ließ mich von meinem inneren Gefühl leiten. Dann blickte ich auf Tom. Einige Menschen sahen sich bereits nach uns um. Etwas in der Tiefe meiner Seele stieß eine Warnung aus. Ich stockte. Tom setzte sich neben mich.
„Was geschieht mit uns?“
„Ich weiß es nicht, ich bin plötzlich jemand anderes und männlich, obwohl ich eigentlich weiblich sein sollte, das ich aber nie war. Jan durfte bis heute nie leben. Jetzt ist es, als wenn ich gerade neu geboren werde.“
„Was hast du eben gesagt?“
„Dass ich mich wie neu geboren fühle!“
„Nein, davor. Du hast einen Namen genannt. Es war …Jan?“
„Ja, so wollte ich immer heißen. Anfangs hatte meine Mutter sogar mitgespielt, als ich sie darum bat. Irgendwann ließ sie es und ich realisierte, dass sich an meinem weiblichen Geschlecht nun mal nichts ändern ließ.“
„Der Name gefällt mir. Ich hätte ihn unserem Sohn gegeben, wenn wir schon einen bekommen hätten.“
Die Kirchturmuhr schlug zwölf Mal. Nachwuchs? Ja, den wünschte ich mir auch. Wir hatten zu Beginn unserer Ehe davon gesprochen und es war völlig klar, dass wir eines Tages welchen haben würden.
Mein Verstand setzte wieder ein.
„Tom, ich habe mich gerade eben so gefühlt, wie ich es immer wollte. Es ist, als erlebe ich eine frühe Zeit erneut, nur in der Rolle, in der ich sie bisher nie erleben konnte. Aber ich bin körperlich nicht nur weiblich, sondern auch schon 32 Jahre alt. Und ich sollte mich darum kümmern, Mutter zu werden. Stattdessen träume ich davon, männliche Hormone einzunehmen und nach einer Operation im Stehen pinkeln zu können.“
„Das was du spürst, das bist du selbst. Aber dein weiblicher erwachsener Körper, das bist du auch. Du kannst deine Vergangenheit im falschen Geschlecht nicht ungeschehen machen. Ich denke sogar, dass das Weibliche an dir nur auf der Sozialisation beruht. Der wirkliche Mensch, das ist das, was dir jetzt in den Sinn kam, und das jetzt ganz schnell erwachsen werden muss, damit du im realen Leben ankommst. Du musst 20 Jahre deines bisher nicht gelebten Lebens nachholen.“ Tom hatte plötzlich Tränen in den Augen. Aber er sah nicht aus, als wenn er traurig wäre.
Er hielt meine Hände mit einer Hand fest und begann mit der anderen Wasser zu schaufeln. Sprachlos ließ ich es geschehen und hatte im nächsten Moment eine Ladung kühles Nass auf den Wangen.
„Was denkst du dir, du böser Lausebengel! Den armen alten Onkel, der dir so tolle Sachen geschenkt hat, nass zu ********? Das sage ich alles deiner Mama, wenn ich dich nachher wieder abliefere.“ Dann nahm er mich in die Arme und zog meinen Kopf an seine Brust.
Ich versuchte in mich hinein zu spüren. War es das, was ich wollte? Einen Onkel und selbst eine Rolle spielen? Nein, war die Antwort, die tief aus meinem Herzen kam. Ich wollte ein Mann sein und mit einem Mann zusammen leben, mit diesem Mann, an dem mein Kopf lehnte. Der geschlechtliche Teil meines Körpers war verkehrt, meine Gefühle vollkommen richtig.
„Ich muss alles noch einmal erleben, bis ich endlich erwachsen bin. Tom, ich bin psychisch gerade vier Jahre älter geworden. Wenn es so schnell weiter geht, bin ich emotional in ein paar Monaten mit der Schule fertig und kann studieren.“ Wir sahen uns an.
„Ich bin gespannt, was deine Ärztin dazu sagt. Du kannst den Termin für uns gemeinsam festlegen. Kann ich dich nicht nächste Woche einfach begleiten? Ich kann sie für mich auch in bar bezahlen und dich rechnet sie über die Kasse ab. Wir sollten sie einbeziehen, damit wir nicht irgendetwas übersehen. Und ich denke, wir sollten uns hier eine Selbsthilfegruppe suchen um Informationen über einen Geschlechtswechsel zu bekommen.“
„Ja, sie hat mir auch gesagt, ich soll nicht ständig daran denken, weil es einen verrückt macht. Du hast Recht. Wir müssen viel überlegen und es langsam angehen lassen. Vor allem, weil ich erst schwanger von dir werden will. Vielleicht müssen wir dafür umziehen. Und die Eltern sollten sich auch mit Frau Dr. Andresen unterhalten. Mutter wird es leichter verstehen und Schwiegermutter erzählen können, wenn sie sich mit einer Ärztin über das Problem austauschen konnte. Möglicherweise macht sie sich auch Selbstvorwürfe und glaubt, dass bei ihr etwas nicht in Ordnung war, als sie mich geboren hatte. Das ist garantiert Quatsch. Niemand kann etwas für eine transidentische Prägung. Tom, ich liebe dich. Wirst du bei mir bleiben?“
„Schatz, ich habe eine wunderschöne Frau geheiratet, die sich plötzlich zur Nutte entwickelte und für mich auf den Strich geht. Deine Einkünfte werden mir schon jetzt fehlen. Nun erfahre ich, dass ich in Wirklichkeit mit einem Bengel zusammenlebe, der ein Mann werden will. Ich habe also so ziemlich alles gesehen, was man als bisexueller Mann sehen kann. Ich sollte, wenn wir mit allem durch sind, ein Buch über uns schreiben. Ja, ich bleibe bei dir und irgendwann lassen wir uns beide einen Bart wachsen und stellen uns zum Pinkeln auf dem Herrenklo des Stadions nebeneinander an die Becken. Und, jetzt höre mir gut zu: Ich will, das neben uns beiden schwulen Männern unser Nachwuchs steht. Schatz, wir werden erstmal dafür sorgen, dass wir Eltern werden. Ich will eine Familie mit dir. Wenn wir Zwillinge kriegen und das zweite weiblich ist, wäre es noch schöner. So, und jetzt wollen wir uns einen Namen für dich ausdenken. Innerhalb von einem Monat hast du zwei neue Namen bekommen. Isabelle und …?“
Ich hatte zugehört, überwältigende Emotionen ließen mir keine Ruhe und doch, ich schwelgte im Glück. Es würde ein schwieriger Weg werden, wir müssen Hindernisse überwinden, die die meisten Menschen nicht einmal aus dem Fernsehen kannten, aber wir würden es schaffen.
„Dann wollen wir Jan als Erstnamen unserem Sohn vorbehalten und Isabelle soll unsere Tochter heißen. Was hältst du von zwei Vornamen?“
„Gute Idee. Darf ich auswählen?“
„Genauso hatte ich das gedacht, du verlierst deine Frau und bekommst stattdessen einen Freund und Ehemann. Dann solltest du auch seinen Namen aussuchen dürfen.“
Wir lagen einander in den Armen, hinter uns plätscherte der Brunnen. Vor uns liefen Menschen geschäftig vorbei. Über den U-Bahnausgang kamen Menschen herauf und andere eilten in den Tunnel hinunter. Niemand nahm Notiz von dem Paar, das heute sein altes Leben hinter sich ließ und dabei war, seine Beziehung völlig neu zu gestalten.
„Ich bin anderer Ansicht. Du sollst Jan heißen, weil du dich mit ihm identifizierst. Dann wirst du schneller erwachsen. Unser Sohn wird Jantje heißen, das ist holländisch und gilt für beide Geschlechter. Es hat den Vorteil, dass er seinen Vornamen nicht wechseln muss, wenn er auch transidentisch ist. Isabelle ist für meine Tochter nicht geeignet. Da muss ich immer an die besondere Arbeit ihrer wunderschönen Mutter denken und das möchte ich für meine Süße nicht. Wir werden zu gegebener Zeit einen Namen für sie aussuchen, den sie auch tragen kann, wenn sie sich entschließt männlich zu leben. Und wir werden auf unseren Nachwuchs hören. Wenn sie eine Transprägung haben, werden wir sie unterstützen, damit sie im gefühlten Geschlecht aufwachsen können. Und jetzt wird Jan erst einmal wieder zu Isabelle. Wir müssen um drei Uhr im Club sein. Du musst etwas arbeiten und Geld verdienen für deine Operation.“
„Du hörst dich an, wie Uwe und Kalle. Du mieser Möchtegernzuhälter! Der Kiez färbt auf euch Männer ab. Aber, ja, so machen wir es. Lass uns die U-Bahn nehmen, ich muss mich umziehen und stylen.“
Ich wünschte mir schon immer nichts Sehnlicheres, als männlich sein zu dürfen. Nun schlenderte ich in Hamburg in männlichem Geschlecht neben meinem neuen Onkel durch die Straßen. Dass war jetzt im Augenblick gelebte Realität.
Zwei Welten vermischten sich. Das, was ich bisher nicht einmal zu träumen gewagt hatte, war plötzlich Wirklichkeit geworden. Es gab noch etwas anderes: Das, was hinter meinem männlichen Outfit steckte. Der weibliche Körper einer biologischen erwachsenen Frau. Ich erlebte in der männlichen Rolle eine Welle des Glücks. Nie gekannte Gefühle von Glückseligkeit und innerer Einheit erfassten mich. Am liebsten hätte ich meine Freude laut herausgeschrien. Warum eigentlich nicht?,fiel mir abrupt ein.
Wir überquerten gerade einen Platz, in dessen Mitte ein monumentaler Springbrunnen plätscherte. Es war früher Herbst. Ich sprang auf, rannte auf den mehrgeschossigen Brunnen zu und begann Tom nass zu ********.
„Aufhören, Isa…“, er hielt inne. Die Situation war surreal. Er tobte hier mit einem vertrauten Menschen herum, der nach außen wie jemand ganz anderes erschien. In Wirklichkeit war der Bengel an seiner Seite seine Frau, die Gitti hieß und sich im Rotlichtmilieu Isabelle nannte.
Ich hatte die Gefahr unserer ungewöhnlichen Konstellation noch nicht erfasst. Dieser Auftritt war alles andere als normal. Wieder führte ich meine Hand ins Wasser und warf sie Tom entgegen. Ich lachte fröhlich auf, ließ mich von meinem inneren Gefühl leiten. Dann blickte ich auf Tom. Einige Menschen sahen sich bereits nach uns um. Etwas in der Tiefe meiner Seele stieß eine Warnung aus. Ich stockte. Tom setzte sich neben mich.
„Was geschieht mit uns?“
„Ich weiß es nicht, ich bin plötzlich jemand anderes und männlich, obwohl ich eigentlich weiblich sein sollte, das ich aber nie war. Jan durfte bis heute nie leben. Jetzt ist es, als wenn ich gerade neu geboren werde.“
„Was hast du eben gesagt?“
„Dass ich mich wie neu geboren fühle!“
„Nein, davor. Du hast einen Namen genannt. Es war …Jan?“
„Ja, so wollte ich immer heißen. Anfangs hatte meine Mutter sogar mitgespielt, als ich sie darum bat. Irgendwann ließ sie es und ich realisierte, dass sich an meinem weiblichen Geschlecht nun mal nichts ändern ließ.“
„Der Name gefällt mir. Ich hätte ihn unserem Sohn gegeben, wenn wir schon einen bekommen hätten.“
Die Kirchturmuhr schlug zwölf Mal. Nachwuchs? Ja, den wünschte ich mir auch. Wir hatten zu Beginn unserer Ehe davon gesprochen und es war völlig klar, dass wir eines Tages welchen haben würden.
Mein Verstand setzte wieder ein.
„Tom, ich habe mich gerade eben so gefühlt, wie ich es immer wollte. Es ist, als erlebe ich eine frühe Zeit erneut, nur in der Rolle, in der ich sie bisher nie erleben konnte. Aber ich bin körperlich nicht nur weiblich, sondern auch schon 32 Jahre alt. Und ich sollte mich darum kümmern, Mutter zu werden. Stattdessen träume ich davon, männliche Hormone einzunehmen und nach einer Operation im Stehen pinkeln zu können.“
„Das was du spürst, das bist du selbst. Aber dein weiblicher erwachsener Körper, das bist du auch. Du kannst deine Vergangenheit im falschen Geschlecht nicht ungeschehen machen. Ich denke sogar, dass das Weibliche an dir nur auf der Sozialisation beruht. Der wirkliche Mensch, das ist das, was dir jetzt in den Sinn kam, und das jetzt ganz schnell erwachsen werden muss, damit du im realen Leben ankommst. Du musst 20 Jahre deines bisher nicht gelebten Lebens nachholen.“ Tom hatte plötzlich Tränen in den Augen. Aber er sah nicht aus, als wenn er traurig wäre.
Er hielt meine Hände mit einer Hand fest und begann mit der anderen Wasser zu schaufeln. Sprachlos ließ ich es geschehen und hatte im nächsten Moment eine Ladung kühles Nass auf den Wangen.
„Was denkst du dir, du böser Lausebengel! Den armen alten Onkel, der dir so tolle Sachen geschenkt hat, nass zu ********? Das sage ich alles deiner Mama, wenn ich dich nachher wieder abliefere.“ Dann nahm er mich in die Arme und zog meinen Kopf an seine Brust.
Ich versuchte in mich hinein zu spüren. War es das, was ich wollte? Einen Onkel und selbst eine Rolle spielen? Nein, war die Antwort, die tief aus meinem Herzen kam. Ich wollte ein Mann sein und mit einem Mann zusammen leben, mit diesem Mann, an dem mein Kopf lehnte. Der geschlechtliche Teil meines Körpers war verkehrt, meine Gefühle vollkommen richtig.
„Ich muss alles noch einmal erleben, bis ich endlich erwachsen bin. Tom, ich bin psychisch gerade vier Jahre älter geworden. Wenn es so schnell weiter geht, bin ich emotional in ein paar Monaten mit der Schule fertig und kann studieren.“ Wir sahen uns an.
„Ich bin gespannt, was deine Ärztin dazu sagt. Du kannst den Termin für uns gemeinsam festlegen. Kann ich dich nicht nächste Woche einfach begleiten? Ich kann sie für mich auch in bar bezahlen und dich rechnet sie über die Kasse ab. Wir sollten sie einbeziehen, damit wir nicht irgendetwas übersehen. Und ich denke, wir sollten uns hier eine Selbsthilfegruppe suchen um Informationen über einen Geschlechtswechsel zu bekommen.“
„Ja, sie hat mir auch gesagt, ich soll nicht ständig daran denken, weil es einen verrückt macht. Du hast Recht. Wir müssen viel überlegen und es langsam angehen lassen. Vor allem, weil ich erst schwanger von dir werden will. Vielleicht müssen wir dafür umziehen. Und die Eltern sollten sich auch mit Frau Dr. Andresen unterhalten. Mutter wird es leichter verstehen und Schwiegermutter erzählen können, wenn sie sich mit einer Ärztin über das Problem austauschen konnte. Möglicherweise macht sie sich auch Selbstvorwürfe und glaubt, dass bei ihr etwas nicht in Ordnung war, als sie mich geboren hatte. Das ist garantiert Quatsch. Niemand kann etwas für eine transidentische Prägung. Tom, ich liebe dich. Wirst du bei mir bleiben?“
„Schatz, ich habe eine wunderschöne Frau geheiratet, die sich plötzlich zur Nutte entwickelte und für mich auf den Strich geht. Deine Einkünfte werden mir schon jetzt fehlen. Nun erfahre ich, dass ich in Wirklichkeit mit einem Bengel zusammenlebe, der ein Mann werden will. Ich habe also so ziemlich alles gesehen, was man als bisexueller Mann sehen kann. Ich sollte, wenn wir mit allem durch sind, ein Buch über uns schreiben. Ja, ich bleibe bei dir und irgendwann lassen wir uns beide einen Bart wachsen und stellen uns zum Pinkeln auf dem Herrenklo des Stadions nebeneinander an die Becken. Und, jetzt höre mir gut zu: Ich will, das neben uns beiden schwulen Männern unser Nachwuchs steht. Schatz, wir werden erstmal dafür sorgen, dass wir Eltern werden. Ich will eine Familie mit dir. Wenn wir Zwillinge kriegen und das zweite weiblich ist, wäre es noch schöner. So, und jetzt wollen wir uns einen Namen für dich ausdenken. Innerhalb von einem Monat hast du zwei neue Namen bekommen. Isabelle und …?“
Ich hatte zugehört, überwältigende Emotionen ließen mir keine Ruhe und doch, ich schwelgte im Glück. Es würde ein schwieriger Weg werden, wir müssen Hindernisse überwinden, die die meisten Menschen nicht einmal aus dem Fernsehen kannten, aber wir würden es schaffen.
„Dann wollen wir Jan als Erstnamen unserem Sohn vorbehalten und Isabelle soll unsere Tochter heißen. Was hältst du von zwei Vornamen?“
„Gute Idee. Darf ich auswählen?“
„Genauso hatte ich das gedacht, du verlierst deine Frau und bekommst stattdessen einen Freund und Ehemann. Dann solltest du auch seinen Namen aussuchen dürfen.“
Wir lagen einander in den Armen, hinter uns plätscherte der Brunnen. Vor uns liefen Menschen geschäftig vorbei. Über den U-Bahnausgang kamen Menschen herauf und andere eilten in den Tunnel hinunter. Niemand nahm Notiz von dem Paar, das heute sein altes Leben hinter sich ließ und dabei war, seine Beziehung völlig neu zu gestalten.
„Ich bin anderer Ansicht. Du sollst Jan heißen, weil du dich mit ihm identifizierst. Dann wirst du schneller erwachsen. Unser Sohn wird Jantje heißen, das ist holländisch und gilt für beide Geschlechter. Es hat den Vorteil, dass er seinen Vornamen nicht wechseln muss, wenn er auch transidentisch ist. Isabelle ist für meine Tochter nicht geeignet. Da muss ich immer an die besondere Arbeit ihrer wunderschönen Mutter denken und das möchte ich für meine Süße nicht. Wir werden zu gegebener Zeit einen Namen für sie aussuchen, den sie auch tragen kann, wenn sie sich entschließt männlich zu leben. Und wir werden auf unseren Nachwuchs hören. Wenn sie eine Transprägung haben, werden wir sie unterstützen, damit sie im gefühlten Geschlecht aufwachsen können. Und jetzt wird Jan erst einmal wieder zu Isabelle. Wir müssen um drei Uhr im Club sein. Du musst etwas arbeiten und Geld verdienen für deine Operation.“
„Du hörst dich an, wie Uwe und Kalle. Du mieser Möchtegernzuhälter! Der Kiez färbt auf euch Männer ab. Aber, ja, so machen wir es. Lass uns die U-Bahn nehmen, ich muss mich umziehen und stylen.“
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