Veröffentlicht von Manuelmagiera am 27.07.2026
Hörig Teil 15
Die Begrüßung in der Bar bei Uwe war professionell. Sie führten mich nach draußen in die Große Freiheit. Die bunte Neonreklame, die Tag und Nacht leuchtete, die Bilder von halbnackten Frauen und die Huren, die am Weg standen lösten Erregung in mir aus. Wir betraten einige Häuser weiter den Eingang zu einem Laufhaus. Dort arbeiteten Frauen in Zimmern, für die sie Miete zahlten. Uwe schob mich in ein Büro, in dem zwei dunkelhaarige Männer saßen und sich unterhielten.
„Hallo Mario. Hier ist die Neue. Sie heißt Isabelle, gehört zu Tom und arbeitet für mich.“ Der angesprochene Mittvierziger sah südländisch aus und als er mich ansprach bestätigte er meinen Verdacht, er könnte Italiener sein.
„Bella, du bist eine Bereicherung für unser Haus. Du wirst heute für mich arbeiten. Giovanni hier wird dir gleich dein Zimmer zeigen und erklären, wie die Bezahlung bei uns abläuft. Aber erst kommst du mal mit mir nach nebenan. Ich bin Italiener, man hört es sicher. Italiener sind bekannt für die Liebe.“
Er nahm eine Flasche Sekt aus seinem Kühlschrank heraus und führte mich auf den Flur. Das zweite Zimmer auf der linken Seite war frei. Ich ging mit ihm hinein.
Nachdem er die Flasche geöffnet hatte, begann er mich zu befingern und wollte mich aufs Bett legen.
Oh, nein, mein kleiner Italiener! So funktioniert das bei einer professionellen Hure nicht. Ich drückte ihn sanft von meinem Körper fort.
„Halt ein, mein Süßer. Normalerweise ist jetzt die Bezahlung fällig. Ich denke, das hast du mit Uwe anders geregelt, obgleich ich mich natürlich für jede kleine finanzielle Aufmerksamkeit freue.
Als erstes gehst du mal da hinein. Das nennt man Bad. Ich komme mit und helfe dir aus den Hosen, damit dein kleiner Freund sich schon entfalten kann. Ich habe gerade geduscht. Du wirst es gleich. Danach schauen wir uns bei dir um.
Wenn etwas da ist, was mir gefällt, ziehen wir ein kleines hübsches Gummi drüber, gerne mit Geschmack. Ich liebe Erdbeere und Kirsche. Danach verwöhne ich dich, dass du unsere Nacht nie mehr vergisst.“
Ich ließ keine Widerrede zu. Er sah mich verblüfft an und benahm sich gleichzeitig äußerst respektvoll.
Als Bordellbesitzer und Lude musste er die Arbeitsweise der Frauen kennen. Und ich beherrschte die Grundregeln aus dem FF.
Als wir im Bett lagen und es ans Eingemachte ging, war ich sehr zufrieden. Er hatte nicht zu viel versprochen, wobei natürlich die Geschichte von den heißblütigen liebestollen und erfahrenen Italienern auch ein Klischee sein konnte. So viele Herren der ehrenwerten Gesellschaft kannte ich nicht, um mir ein abschließendes Urteil darüber erlauben zu können.
Er machte mir einige Komplimente. Als wir wieder im Büro standen, versuchte er mich sogar abzuwerben.
Uwe lachte. Nein, ich war nicht zu verkaufen. Aber für Geschäfte wäre er jederzeit zu haben. Tom nickte. Es war erniedrigend daneben zu stehen und wie eine Ware behandelt zu werden. Ich sagte den Herren, was ich von ihrem Verhalten hielt.
„Leute, ich weiß nicht woher ihr kommt. Aber ich habe im Fernsehen gesehen, dass Italiener ihre Frauen mit Respekt behandeln. Und diesen fordere ich jetzt ein. Als erstes möchte ich ein weiteres Glas Sekt. Ohne Betriebsstoff kann ich nicht arbeiten.“
Giovanni lächelte charmant. Er warf mir einen zärtlichen Blick zu und musterte mich abschätzend. Wahrscheinlich rechnete er sich den nächsten Sex mit mir aus und überlegte, wie er sich meine Gunst am besten sichern konnte. Ich lächelte zurück, berührte liebevoll seinen Arm und strich mit meinen Fingern sanft über seine Hand, als er mir das Glas gab. Wir prosteten einander zu.
„Komm, Bellissima, ich werde dich herumführen und dir alles zeigen. Die meisten Italiener haben Stil und achten die Schönheit und Ehre einer Frau. Ich werde dich auf meinen Händen tragen.“
Nun, er übertrieb etwas, aber er wusste was sich gehörte. Als wir ins nächstgelegene freie Zimmer gingen, verschwand er sofort im Bad.
Er war sehr zärtlich und einfühlsam, was ich ihm bestätigte.
Die Arbeit in einem Laufhaus unterschied sich nicht viel vom Ansprechen im Lokal oder auf dem Hof.
Man saß vor seinem Zimmer und wartete auf einen Gast. Ich konnte bis zum nächsten Morgen einiges verdienen. Mario küsste mir zum Abschied die Hand und gab mir 500 Euro. Tom, der mich abgeholt hatte, streckte draußen seine aus. Ich gab ihm meine, als wenn ich hallo sagen wollte und lächelte ihn verschmitzt an.
Er hatte verstanden, nahm mich in den Arm. Im Hotel ließ ich mich erweichen und gab ihm 100 Euro ab.
Ich hatte einiges an Unkosten, die ich wieder hereinholen musste. Das sah auch er ein.
Als wir im Bett lagen, schmuste er solange an mir herum, bis ich nachgab. Befriedigt schlief er danach sofort ein und ließ mich selbst schnarchend wach zurück. Der Sonntag stand uns vormittags zur freien Verfügung. Ich wollte ausgiebig frühstücken und ein paar Sehenswürdigkeiten in Hamburg anschauen.
Tom war einverstanden. Wir fuhren mit der U-Bahn zum Hafen. Ich hatte mir eine Jeans angezogen und die Brust abgebunden. Ein dunkelblaues T-Shirt und eine lockere schwarze Nylonjacke aus der Twenabteilung vervollständigte mein Outfit, das mit den Turnschuhen nicht an Damenmode erinnerte. Ich fühlte mich in meiner legeren Kleidung pudelwohl.
Tom schüttelte den Kopf, sagte aber nichts. Ich merkte, wie er nachdachte. Die Situation machte ihm mehr zu schaffen als er bereit war einzugestehen.
Wir gingen Hand in Hand spazieren, er zog mich an den Elbbrücken zu sich heran und küsste mich zärtlich. Als ich die Augen öffnete registrierte ich einige irritierte Blicke anderer Spaziergänger. Eine Polizeistreife ging an uns vorüber. Ich musste zur Toilette. Als ich auf dem Weg in das öffentliche Klo in die Glaswand blickte, erkannte ich mich selbst nicht wieder. Das war keine Frau im Spiegelbild. Mein Herz begann wild zu schlagen. Ich verstand plötzlich, was die Passanten bewegte. Wenn die Polizei genauso dachte, müsste Tom wohl seine Papiere zeigen und ich die meinen. Bei mir stand natürlich ein weiblicher Name im Ausweis und das Bild war mit meinem tatsächlichen Alter annähernd identisch. Auch die kurzen Haare würden an meiner Identität nichts ändern.
Die Polizisten waren weitergegangen. Ich bezahlte den Eintritt und steuerte auf die Damentoilette zu. Niemand war da. Auch das Männerklo schien frei zu sein. Ich dachte an den Alltagstest. Wenn ich als Mann leben wollte, musste ich wohl oder übel das Klo wechseln. Natürlich konnte ich nichts mit einem Becken anfangen. Aber es gab in jeder Herrentoilette Kabinen. Ich fasste mir ein Herz und betrat den Raum, der eigentlich nur für Penisträger vorgesehen war. Tom sah mich mit offenem Mund an, als ich wieder auf der Straße stand.
„Warst du etwa im Herrenklo?“
„Japp!“
„Einfach so?“
„Japp!“
„Du siehst nicht wie ein erwachsener Mann aus.“
„Japp!“
„Ich hatte schon Angst, die Polizistin wollte meinen Ausweis sehen und hätte mich gefragt, wer du bist.“
„Und was hättest du gesagt?“
„Die Wahrheit, natürlich!“
„Und die wäre?“
Er setzte sich auf die Bank, die zufällig neben uns stand. Sein Gesicht sah angestrengt aus.
„Schatz, ich verkrafte das jetzt gerade nicht. Die Wahrheit ist, dass du meine Ehefrau bist, Gitti heißt und über dreißig bist. Neuerdings nennst du dich Isabelle und arbeitest im Rotlicht. So wie du herumläufst siehst du aber nicht wie eine Frau aus. Und ich stehe mit einem Bein im Knast, weil du zwar als männliche Person durchgehst, aber eben nicht als Mann. Das kriege ich alles noch nicht richtig zusammen.“ Er atmete aus.
„Willst du ein Bier? Lass uns da drüben auf die Hafenterrasse gehen und etwas trinken. Dann redet es sich gemütlicher.“ Er nickte und stand auf, gab mir die Hand. Ein Platz mit herrlichem Blick auf den Hafen war frei. Er bestellte ein Bier. Ich wollte auch erst eines trinken. Mir fiel mein Äußeres ein. Kleider machten anscheinend doch Leute. Die Serviererin hätte Tom angeschaut und mich vielleicht geduzt und gefragt, ob ich schon alt genug für ein Bier wäre, malte ich mir aus. Das wollte ich ihm nicht antun und begnügte mich mit einer Light Cola.
„Mir geht es ähnlich, Schatz. Aber ich muss ausprobieren, ob ich wirklich trans bin. Das wird nicht in einer Minute gehen. Deshalb der Alltagstest mit der Toilette. Ich muss ebenso umdenken wie du. Es liegt an unserer Sozialisation. Wir werden als Babys auf das äußere Geschlecht reduziert und entsprechend erzogen.
Bei Transmenschen klafft zwischen dem sichtbaren Geburtsgeschlecht und der Psyche eine unüberwindbare Lücke. Sie kann nur geschlossen werden, wenn das äußerliche an das gefühlte Geschlecht operativ und hormonell angeglichen wird. Erst dann erlebt sich der Mensch als eine Einheit, Seele und Körper werden eins.“
Er trank sein Bier, sah mir in die Augen.
„Kannst du mir einen Termin bei Frau Andresen machen? Ich will nicht mit dir zusammen rein, sondern allein mit ihr sprechen. Ich glaube, ich brauche jetzt Hilfe.
Schatz, ich liebe dich von ganzem Herzen und ich liebe dich, so wie du bist. Aber ich kenne dich als meine Frau, so wie du mich geheiratet hast und Isabelle ist immer noch meine Frau. Sie ist eine Rolle und ich spiele bei Uwe eine Rolle.
Ich habe nichts gegen Männer. Ich bin bi. Wenn ich jetzt einen Mann kennenlernen würde und er erregte mich, wäre das kein Problem.
Nur, dass du plötzlich ein ganz anderer werden sollst, das übersteigt derzeit meine Vorstellungskraft.
Ich muss mir über mich selbst im klaren werden. Es wird viele Wege für dich geben, deine Gefühle auszuleben. Bitte lass uns Zeit. Das hier ist vielleicht gar keine schlechte Idee.
Wir spielen jetzt einfach eine Rolle. Du bist mein Freund, nur dein männliches Aussehen lässt nach außen etwas Unerlaubtes erscheinen. Wir müssen vorsichtig sein.
Was hältst du davon, wenn ich in der Hamburger Öffentlichkeit als dein Onkel auftrete? Wir dürfen dann nur eingeschränkt schmusen und uns nicht so deutlich küssen. Du kannst aber meine Hand nehmen und wir können alles tun und ansehen, wozu wir Lust haben. Abends verwandelst du dich in Isabelle und zuhause bist du die burschikose Gitti mit kurzen Haaren, Hosen und T-Shirts und kaum sichtbarem Busen. Dann können sich deine Eltern und das Dorf langsam an dich gewöhnen.
Die Ärztin muss mir helfen, meinen Weg zu finden und wenn ich bereit dazu bin, stehen wir im Dorf zu dem, was du bist. Es geht um dein Leben und du musst dir sicher sein, als was du es leben willst. Und ich muss mir sicher sein, als was ich dich begleiten will und kann.“
Nach diesen Worten schossen mir Tränen in die Augen, ohne dass ich es verhindern konnte. Und ich wollte es auch nicht. Ich liebte meinen Mann und wollte ihn spontan umarmen, ließ es abrupt. Auch meine Tränen durften nicht sein.
Ich stand auf, ging auf ihn zu und drückte ihn.
Dann sagte ich laut:
„Ja, so machen wir es. Danke, Onkel Tom. Gehen wir nächstes Wochenende in den Zoo?“
Er hatte verstanden. Das Lokal war gut besucht. Um uns herum saßen etliche Gäste. Wir durften nicht auffallen. Und Rollenspiele waren inzwischen unsere Spezialität.
Er wuschelte mit der Hand durch meine Haare.
„Als erstes kaufen wir dir mal eine vernünftige Kappe. Du bist schließlich mein Neffe und als HSV Fan weiß ich schon, was du bekommst.“
„Oh ja, dann will ich auch einen Schal und wir schauen uns das nächste Heimspiel im Stadion an. Bitte, bitte, Onkel Tom. Ich bin auch ganz artig.“
„Du bist nicht artig, du bist ein Räuber. Aber ich war auch seit ewigen Zeiten nicht mehr im Stadion. Ich nehme dich beim Wort. Willst du noch etwas trinken?“ Ich schüttelte den Kopf.
„Zahlen, bitte.“ Die Serviererin erschien.
„Na, du hast aber einen netten Onkel, dann viel Spaß beim Fußball und einen schönen Tag.“
Tom grinste. „Ihnen auch.“
Er nahm mich burschikos in den Arm und raunte mir ins Ohr:
„Was meinst du, wär das eine liebe Tante für dich?“
Ich musste schlucken. Bingo, eins zu null für ihn. Daran hatte ich noch gar nicht gedacht. Mein Tom war auf jeden Fall bisexuell. Ich musste also damit rechnen, dass er sich weiterhin mit Frauen vergnügte. Das komische Gefühl konnte ich als Eifersucht lokalisieren. Was hatte ich bloß angerichtet? Da kam noch einiges auf uns zu!
„Hallo Mario. Hier ist die Neue. Sie heißt Isabelle, gehört zu Tom und arbeitet für mich.“ Der angesprochene Mittvierziger sah südländisch aus und als er mich ansprach bestätigte er meinen Verdacht, er könnte Italiener sein.
„Bella, du bist eine Bereicherung für unser Haus. Du wirst heute für mich arbeiten. Giovanni hier wird dir gleich dein Zimmer zeigen und erklären, wie die Bezahlung bei uns abläuft. Aber erst kommst du mal mit mir nach nebenan. Ich bin Italiener, man hört es sicher. Italiener sind bekannt für die Liebe.“
Er nahm eine Flasche Sekt aus seinem Kühlschrank heraus und führte mich auf den Flur. Das zweite Zimmer auf der linken Seite war frei. Ich ging mit ihm hinein.
Nachdem er die Flasche geöffnet hatte, begann er mich zu befingern und wollte mich aufs Bett legen.
Oh, nein, mein kleiner Italiener! So funktioniert das bei einer professionellen Hure nicht. Ich drückte ihn sanft von meinem Körper fort.
„Halt ein, mein Süßer. Normalerweise ist jetzt die Bezahlung fällig. Ich denke, das hast du mit Uwe anders geregelt, obgleich ich mich natürlich für jede kleine finanzielle Aufmerksamkeit freue.
Als erstes gehst du mal da hinein. Das nennt man Bad. Ich komme mit und helfe dir aus den Hosen, damit dein kleiner Freund sich schon entfalten kann. Ich habe gerade geduscht. Du wirst es gleich. Danach schauen wir uns bei dir um.
Wenn etwas da ist, was mir gefällt, ziehen wir ein kleines hübsches Gummi drüber, gerne mit Geschmack. Ich liebe Erdbeere und Kirsche. Danach verwöhne ich dich, dass du unsere Nacht nie mehr vergisst.“
Ich ließ keine Widerrede zu. Er sah mich verblüfft an und benahm sich gleichzeitig äußerst respektvoll.
Als Bordellbesitzer und Lude musste er die Arbeitsweise der Frauen kennen. Und ich beherrschte die Grundregeln aus dem FF.
Als wir im Bett lagen und es ans Eingemachte ging, war ich sehr zufrieden. Er hatte nicht zu viel versprochen, wobei natürlich die Geschichte von den heißblütigen liebestollen und erfahrenen Italienern auch ein Klischee sein konnte. So viele Herren der ehrenwerten Gesellschaft kannte ich nicht, um mir ein abschließendes Urteil darüber erlauben zu können.
Er machte mir einige Komplimente. Als wir wieder im Büro standen, versuchte er mich sogar abzuwerben.
Uwe lachte. Nein, ich war nicht zu verkaufen. Aber für Geschäfte wäre er jederzeit zu haben. Tom nickte. Es war erniedrigend daneben zu stehen und wie eine Ware behandelt zu werden. Ich sagte den Herren, was ich von ihrem Verhalten hielt.
„Leute, ich weiß nicht woher ihr kommt. Aber ich habe im Fernsehen gesehen, dass Italiener ihre Frauen mit Respekt behandeln. Und diesen fordere ich jetzt ein. Als erstes möchte ich ein weiteres Glas Sekt. Ohne Betriebsstoff kann ich nicht arbeiten.“
Giovanni lächelte charmant. Er warf mir einen zärtlichen Blick zu und musterte mich abschätzend. Wahrscheinlich rechnete er sich den nächsten Sex mit mir aus und überlegte, wie er sich meine Gunst am besten sichern konnte. Ich lächelte zurück, berührte liebevoll seinen Arm und strich mit meinen Fingern sanft über seine Hand, als er mir das Glas gab. Wir prosteten einander zu.
„Komm, Bellissima, ich werde dich herumführen und dir alles zeigen. Die meisten Italiener haben Stil und achten die Schönheit und Ehre einer Frau. Ich werde dich auf meinen Händen tragen.“
Nun, er übertrieb etwas, aber er wusste was sich gehörte. Als wir ins nächstgelegene freie Zimmer gingen, verschwand er sofort im Bad.
Er war sehr zärtlich und einfühlsam, was ich ihm bestätigte.
Die Arbeit in einem Laufhaus unterschied sich nicht viel vom Ansprechen im Lokal oder auf dem Hof.
Man saß vor seinem Zimmer und wartete auf einen Gast. Ich konnte bis zum nächsten Morgen einiges verdienen. Mario küsste mir zum Abschied die Hand und gab mir 500 Euro. Tom, der mich abgeholt hatte, streckte draußen seine aus. Ich gab ihm meine, als wenn ich hallo sagen wollte und lächelte ihn verschmitzt an.
Er hatte verstanden, nahm mich in den Arm. Im Hotel ließ ich mich erweichen und gab ihm 100 Euro ab.
Ich hatte einiges an Unkosten, die ich wieder hereinholen musste. Das sah auch er ein.
Als wir im Bett lagen, schmuste er solange an mir herum, bis ich nachgab. Befriedigt schlief er danach sofort ein und ließ mich selbst schnarchend wach zurück. Der Sonntag stand uns vormittags zur freien Verfügung. Ich wollte ausgiebig frühstücken und ein paar Sehenswürdigkeiten in Hamburg anschauen.
Tom war einverstanden. Wir fuhren mit der U-Bahn zum Hafen. Ich hatte mir eine Jeans angezogen und die Brust abgebunden. Ein dunkelblaues T-Shirt und eine lockere schwarze Nylonjacke aus der Twenabteilung vervollständigte mein Outfit, das mit den Turnschuhen nicht an Damenmode erinnerte. Ich fühlte mich in meiner legeren Kleidung pudelwohl.
Tom schüttelte den Kopf, sagte aber nichts. Ich merkte, wie er nachdachte. Die Situation machte ihm mehr zu schaffen als er bereit war einzugestehen.
Wir gingen Hand in Hand spazieren, er zog mich an den Elbbrücken zu sich heran und küsste mich zärtlich. Als ich die Augen öffnete registrierte ich einige irritierte Blicke anderer Spaziergänger. Eine Polizeistreife ging an uns vorüber. Ich musste zur Toilette. Als ich auf dem Weg in das öffentliche Klo in die Glaswand blickte, erkannte ich mich selbst nicht wieder. Das war keine Frau im Spiegelbild. Mein Herz begann wild zu schlagen. Ich verstand plötzlich, was die Passanten bewegte. Wenn die Polizei genauso dachte, müsste Tom wohl seine Papiere zeigen und ich die meinen. Bei mir stand natürlich ein weiblicher Name im Ausweis und das Bild war mit meinem tatsächlichen Alter annähernd identisch. Auch die kurzen Haare würden an meiner Identität nichts ändern.
Die Polizisten waren weitergegangen. Ich bezahlte den Eintritt und steuerte auf die Damentoilette zu. Niemand war da. Auch das Männerklo schien frei zu sein. Ich dachte an den Alltagstest. Wenn ich als Mann leben wollte, musste ich wohl oder übel das Klo wechseln. Natürlich konnte ich nichts mit einem Becken anfangen. Aber es gab in jeder Herrentoilette Kabinen. Ich fasste mir ein Herz und betrat den Raum, der eigentlich nur für Penisträger vorgesehen war. Tom sah mich mit offenem Mund an, als ich wieder auf der Straße stand.
„Warst du etwa im Herrenklo?“
„Japp!“
„Einfach so?“
„Japp!“
„Du siehst nicht wie ein erwachsener Mann aus.“
„Japp!“
„Ich hatte schon Angst, die Polizistin wollte meinen Ausweis sehen und hätte mich gefragt, wer du bist.“
„Und was hättest du gesagt?“
„Die Wahrheit, natürlich!“
„Und die wäre?“
Er setzte sich auf die Bank, die zufällig neben uns stand. Sein Gesicht sah angestrengt aus.
„Schatz, ich verkrafte das jetzt gerade nicht. Die Wahrheit ist, dass du meine Ehefrau bist, Gitti heißt und über dreißig bist. Neuerdings nennst du dich Isabelle und arbeitest im Rotlicht. So wie du herumläufst siehst du aber nicht wie eine Frau aus. Und ich stehe mit einem Bein im Knast, weil du zwar als männliche Person durchgehst, aber eben nicht als Mann. Das kriege ich alles noch nicht richtig zusammen.“ Er atmete aus.
„Willst du ein Bier? Lass uns da drüben auf die Hafenterrasse gehen und etwas trinken. Dann redet es sich gemütlicher.“ Er nickte und stand auf, gab mir die Hand. Ein Platz mit herrlichem Blick auf den Hafen war frei. Er bestellte ein Bier. Ich wollte auch erst eines trinken. Mir fiel mein Äußeres ein. Kleider machten anscheinend doch Leute. Die Serviererin hätte Tom angeschaut und mich vielleicht geduzt und gefragt, ob ich schon alt genug für ein Bier wäre, malte ich mir aus. Das wollte ich ihm nicht antun und begnügte mich mit einer Light Cola.
„Mir geht es ähnlich, Schatz. Aber ich muss ausprobieren, ob ich wirklich trans bin. Das wird nicht in einer Minute gehen. Deshalb der Alltagstest mit der Toilette. Ich muss ebenso umdenken wie du. Es liegt an unserer Sozialisation. Wir werden als Babys auf das äußere Geschlecht reduziert und entsprechend erzogen.
Bei Transmenschen klafft zwischen dem sichtbaren Geburtsgeschlecht und der Psyche eine unüberwindbare Lücke. Sie kann nur geschlossen werden, wenn das äußerliche an das gefühlte Geschlecht operativ und hormonell angeglichen wird. Erst dann erlebt sich der Mensch als eine Einheit, Seele und Körper werden eins.“
Er trank sein Bier, sah mir in die Augen.
„Kannst du mir einen Termin bei Frau Andresen machen? Ich will nicht mit dir zusammen rein, sondern allein mit ihr sprechen. Ich glaube, ich brauche jetzt Hilfe.
Schatz, ich liebe dich von ganzem Herzen und ich liebe dich, so wie du bist. Aber ich kenne dich als meine Frau, so wie du mich geheiratet hast und Isabelle ist immer noch meine Frau. Sie ist eine Rolle und ich spiele bei Uwe eine Rolle.
Ich habe nichts gegen Männer. Ich bin bi. Wenn ich jetzt einen Mann kennenlernen würde und er erregte mich, wäre das kein Problem.
Nur, dass du plötzlich ein ganz anderer werden sollst, das übersteigt derzeit meine Vorstellungskraft.
Ich muss mir über mich selbst im klaren werden. Es wird viele Wege für dich geben, deine Gefühle auszuleben. Bitte lass uns Zeit. Das hier ist vielleicht gar keine schlechte Idee.
Wir spielen jetzt einfach eine Rolle. Du bist mein Freund, nur dein männliches Aussehen lässt nach außen etwas Unerlaubtes erscheinen. Wir müssen vorsichtig sein.
Was hältst du davon, wenn ich in der Hamburger Öffentlichkeit als dein Onkel auftrete? Wir dürfen dann nur eingeschränkt schmusen und uns nicht so deutlich küssen. Du kannst aber meine Hand nehmen und wir können alles tun und ansehen, wozu wir Lust haben. Abends verwandelst du dich in Isabelle und zuhause bist du die burschikose Gitti mit kurzen Haaren, Hosen und T-Shirts und kaum sichtbarem Busen. Dann können sich deine Eltern und das Dorf langsam an dich gewöhnen.
Die Ärztin muss mir helfen, meinen Weg zu finden und wenn ich bereit dazu bin, stehen wir im Dorf zu dem, was du bist. Es geht um dein Leben und du musst dir sicher sein, als was du es leben willst. Und ich muss mir sicher sein, als was ich dich begleiten will und kann.“
Nach diesen Worten schossen mir Tränen in die Augen, ohne dass ich es verhindern konnte. Und ich wollte es auch nicht. Ich liebte meinen Mann und wollte ihn spontan umarmen, ließ es abrupt. Auch meine Tränen durften nicht sein.
Ich stand auf, ging auf ihn zu und drückte ihn.
Dann sagte ich laut:
„Ja, so machen wir es. Danke, Onkel Tom. Gehen wir nächstes Wochenende in den Zoo?“
Er hatte verstanden. Das Lokal war gut besucht. Um uns herum saßen etliche Gäste. Wir durften nicht auffallen. Und Rollenspiele waren inzwischen unsere Spezialität.
Er wuschelte mit der Hand durch meine Haare.
„Als erstes kaufen wir dir mal eine vernünftige Kappe. Du bist schließlich mein Neffe und als HSV Fan weiß ich schon, was du bekommst.“
„Oh ja, dann will ich auch einen Schal und wir schauen uns das nächste Heimspiel im Stadion an. Bitte, bitte, Onkel Tom. Ich bin auch ganz artig.“
„Du bist nicht artig, du bist ein Räuber. Aber ich war auch seit ewigen Zeiten nicht mehr im Stadion. Ich nehme dich beim Wort. Willst du noch etwas trinken?“ Ich schüttelte den Kopf.
„Zahlen, bitte.“ Die Serviererin erschien.
„Na, du hast aber einen netten Onkel, dann viel Spaß beim Fußball und einen schönen Tag.“
Tom grinste. „Ihnen auch.“
Er nahm mich burschikos in den Arm und raunte mir ins Ohr:
„Was meinst du, wär das eine liebe Tante für dich?“
Ich musste schlucken. Bingo, eins zu null für ihn. Daran hatte ich noch gar nicht gedacht. Mein Tom war auf jeden Fall bisexuell. Ich musste also damit rechnen, dass er sich weiterhin mit Frauen vergnügte. Das komische Gefühl konnte ich als Eifersucht lokalisieren. Was hatte ich bloß angerichtet? Da kam noch einiges auf uns zu!
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