Liebe Lesebegeisterte,
diese Erzählung ist eine neue Geschichte, geschrieben als eine unterhaltsame Reise in die Welt der Emotionen. Denn bereits ein sinnlich geschriebenes Wort kann entflammender als eine Berührung sein. Taucht ein in die Geschichte voller Liebe und Sehnsucht, die uns an unerwartete Orte führt. Zwischen den Zeilen dieser Geschichte findet ihr Spannung, erotische Leidenschaft und das Flüstern der Vergangenheit.
Eure Anregungen, Ideen und Kritiken haben mir geholfen, diese Geschichte zu formen, deren Fortsetzung nicht ausgeschlossen ist. Ich lade euch ein, eurer Fantasie nun freien Lauf zu lassen.
Viel Vergnügen beim Lesen von „Wenn Träume wahr werden“
Vielleicht wird beim Lesen dieser Geschichte für den einen oder anderen von euch auch ein Traum wahr.
Sollte jemand sich darin erkennen, so ist das unbeabsichtigt geschehen, da die hier handelnden Darsteller und deren Namen selbstverständlich frei erfunden sind.
Viel Spaß mit den nächsten Zeilen und wie immer gilt das Motto:
Lesen ist sexy und macht sexy – wenn man die richtige Lektüre zur Hand hat.
In diesem Sinn, viel Freude.
Eure
Sanne Anderson.
Im Sommer, wenn sich die Insel Rügen mit Leben füllt, spüre ich die sehnsuchtsvollen Blicke der Urlauberinnen, die mich ansehen, als wäre ich Teil dessen, wonach sie hier suchen – nach Freiheit und nach einem lustvollen Abenteuer. Manchmal halte ich den Blickkontakt einen Moment länger als nötig - gelegentlich lächle ich zurück. Ab und an flirte ich mit der einen oder anderen hübschen Urlauberin, oftmals gehe ich aber einfach weiter, während ihre heißen Blicke mir folgen.
Die große Liebe? Ich spüre sie wie eine leise Spannung in der Luft, ein kaum hörbares Knistern, das sich in mir festsetzt. Ich stelle mir vor, dass sie genauso ungeduldig ist wie ich. Schüchtern vielleicht, vorsichtig – als würde sie um den heißen Brei kreisen, immer wieder ansetzen, zurückweichen, um auf ein Zeichen zu warten, das nur wir beide verstehen. Und doch ist da diese innere Unruhe, dieses Prickeln, das verrät, wie sehr sie sich fragt, was geschieht, wenn wir uns endlich begegnen. Vielleicht hat sie sich verlaufen, irgendwo zwischen falschen Abzweigungen und halbherzigen Ausreden. Oder – und dieser Gedanke lässt mein Herz schneller schlagen – vielleicht steht sie längst am Strand. Barfuß im warmen Sand, der Wind spielt mit ihrem Haar, der Blick aufs Meer gerichtet. Und während die Wellen anrollen, fragt sie sich langsam, ob ich überhaupt noch komme. Ob ich den Mut finde, den letzten Schritt zu tun. Ob ich erkenne, dass sie schon da ist – wartend, hoffend, voller leiser Spannung, die nur darauf wartet, sich zu entladen, sobald unsere Wege sich endlich kreuzen.
Ben. Benno Sturm, falls jemand Wert auf vollständige Namen legt. Zweiunddreißig, eins neunzig.
Seit einigen Jahren nenne ich Deutschlands größte Insel mein Zuhause.
Nicht wegen der Postkartenidylle der Kreidefelsen oder der Strände, an denen Touristen ihre Handtücher wie bunte Markierungen im Sand verteilen. Mich hält etwas anderes hier – etwas, das tiefer geht als schöne Aussichten. Mein Alltag beginnt dort, wo die Ostsee aufhört, zahm zu sein da wo der Wind schärfer wird, das Wasser dunkler, und die Luft diesen salzigen Biss bekommt, der einem sagt, dass man weit draußen ist. Und dann tauchen sie auf: die weißen Giganten, die aus dem grau-grünen Wasser ragen wie eine stille Armee. Der Offshore-Windpark vor Rügen.
Als Windenergieanlageningenieur sorge ich dafür, dass sich diese Kolosse weiterdrehen. Klingt technisch, fast steril. Ist es nicht. Da draußen gibt es keine Bürostühle, keine Klimaanlagen, keine kontrollierbaren Bedingungen. Es gibt nur Wind, Wasser, Stahl – und die Gewissheit, dass die Natur stärker ist als alles. Manchmal, wenn wir hinausfahren, fühlt es sich an, als würde ich eine unsichtbare Schwelle übertreten – hinein in ein Reich aus Wind, Stahl und Wellen, das mich prüft und zugleich unwiderstehlich anzieht. Zwischen Mensch und Meer entsteht ein elektrisierendes Knistern, ein Versprechen, dass dort draußen etwas wartet, das mich verändern könnte.
Fast täglich brechen wir auf, und die Ostsee zeigt jedes Mal ein anderes Gesicht. An klaren Tagen funkeln die Wellen wie Splitter aus Glas. Bei Sturm zerrt der Wind an uns, die Gischt schlägt über das Deck, und die See bäumt sich auf wie ein Wesen, das seine Macht demonstriert. Wenn das Wetter kippt, wird jede Überfahrt zur Prüfung. Das Deck schwankt, Salzwasser brennt in den Augen, und ich klammere mich an die Reling, spüre das kalte Metall, während mein Magen sich mit jeder Welle zusammenzieht. Und dann gibt es diese Nebeltage, an denen die Welt verschluckt wird – Küste, Horizont, selbst die eigene Hand. Die Ostsee verhandelt nicht. Sie fordert Respekt. Und vielleicht ist es genau diese kompromisslose Ehrlichkeit, die mich immer wieder hinauszieht – diese Kraft, die einen zwingt, ganz wach, ganz gegenwärtig zu sein. Oben auf den Anlagen, zwischen surrenden Turbinen und dem konstanten Pfeifen des Windes, zählt nur eines: absolute Präsenz. Jeder Handgriff muss sitzen. Ein falscher Schritt auf dem nassen Stahl, ein Moment der Unachtsamkeit, und die Tiefe unter mir wird sehr real. Ich habe gelernt, diese Angst zu respektieren – sie schärft die Sinne, hält mich lebendig. Am Ende all dieser Tage draußen auf der Ostsee bleibt etwas, das sich kaum beschreiben lässt - eine einfache, tiefe Zufriedenheit. Die Insel Rügen ist schön, ja. Aber ihre wahre Schönheit liegt nicht in den Postkartenmotiven, sondern dort draußen, wo die Ostsee zeigt, wer hier das Sagen hat. Und wenn ich spät am Abend am Strand stehe, den Blick auf die blinkenden Lichter des Windparks gerichtet – eine kleine Stadt aus Stahl und Licht mitten im Meer –, dann spüre ich, hier gehöre ich hin.
Rügen hat mich geformt. Das raue Klima auf der Insel, das eisige Wasser der Ostsee, das mich jeden Morgen daran erinnert, dass ich noch lebe. Nicht zuletzt die Radstrecken, auf denen der Wind mir Geschichten zuflüstert, die ich nicht immer verstehe. Manchmal habe ich das Gefühl, die Insel weiß mehr über mich als ich selbst — und verrät es mir nur häppchenweise. Sport ist mein Rückzugsort, mein Kompass, mein stiller Verbündeter. Dort, wo der Alltag verstummt, höre ich nur meinen Atem, meinen Herzschlag und manchmal etwas anderes. Ein leises Echo, ein Gefühl, als würde etwas auf mich zukommen. Etwas, das ich nicht benennen kann, aber das mich trotzdem lächeln lässt. Was davon bleibt, zeichnet sich auf meiner Haut ab: klare Linien, Kraft, eine Präsenz, die mich selbst überrascht, wenn ich meinem Spiegelbild begegne. Es schaut aus, als würde da ein Mann stehen, der mehr sucht, als er zugibt — und vielleicht kurz davor ist, genau das zu finden.
Dieser Tag hätte in meiner Erinnerung perfekt bleiben sollen. Der Himmel war so intensiv blau– dieser satte Farbton, den man so auf Fotos nie eingefangen bekommt. Die Sonne brannte mir auf den Nacken, auf die Unterarme und ich spürte schon, wie meine Haut sich röten würde. Das salzige Aroma der Ostsee hing in der Luft, vermischt mit dem grasig-frisch und erdigen Geruch des Strandhafers, diesem modrigen Duft von angeschwemmtem Tang und den geteerten Buhnen. Ich kannte jeden dieser Gerüche auswendig. Es war meine Stammstrecke, die ich schon hunderte Male gefahren bin, kannte jede Kurve, jeden Anstieg, jeden Punkt, wo der Asphalt brüchig wurde. Meine Beine fanden den Rhythmus von selbst, die Pedale drehten sich, als wären sie Teil von mir. Heute fühlte sich alles leichter an – als hätte jemand die Schwerkraft ein bisschen heruntergedreht. Meine Muskeln waren warm, geschmeidig, der Schweiß lief mir über die Schläfen. Es fühlte sich verdammt gut an. Ich lehnte mich in die Kurve, spürte, wie mein Gewicht das Rad führte, wie die Reifen griffen. Mein Puls beschleunigte – nicht vor Anstrengung, sondern von diesem Adrenalinkick, den ich liebte. Hinter der Hecke öffnete sich die Straße zu einer langen Geraden. Felder zogen sich bis zur Küstenlinie, ein Traktor tuckerte weit vorne vor sich hin, Schwalben zogen ihre Kreise über den Feldern. Mein Kopf war leer. Endlich leer! Kein Gedanke an die Arbeit, an die Anlagen da draußen auf dem Meer, an nichts. Nur das hier – die Straße, das Rad, die Geschwindigkeit. Ich wollte mehr davon. Jetzt. Alles geben. Ich trat härter in die Pedale, spürte, wie meine Oberschenkel brannten, wie die Geschwindigkeit anzog. Der Wind wurde lauter, pfiff an meinem Helm vorbei. Jede Unebenheit der Straße übertrug sich auf meinen Körper. Innerlich musste ich lächeln. Das! - war Freiheit. Dann sah ich ihn – den Kies. Nur für einen Wimpernschlag. Eine kleine Stelle, vielleicht so groß wie meine Handfläche, wo lose Steinchen auf dem Asphalt lagen. Zu spät. Viel zu spät. Das Vorderrad traf die Steinchen, und ich spürte sofort, wie der Grip weg war. Das Rad rutschte zur Seite, als hätte jemand es mir unter den Händen weggezogen. Mein Gehirn schrie: „Korrigieren! JETZT!"
In diesem Augenblick brach das Vorderrad komplett weg.
Und dann flog ich.
Es war surreal – ich sah den Himmel, dann die Straße, dann wieder den Himmel. Mein Körper drehte sich, ich hatte keine Kontrolle mehr. Ein Teil von mir dachte noch klar: „Das wird gleich ganz böse enden." Der Aufprall kam härter als alles, was ich je erlebt hatte. Meine Schulter zuerst – ein stumpfer, explosiver Schmerz, der durch meinen ganzen Körper schoss. Dann der Oberkörper, der in den Lenker einschlug, die Arme und die Hände, die nicht losließen. Ich rutschte, schlitterte über den heißen Asphalt. Ich hörte das Geräusch – dieses grauenhafte Schleifen von Haut auf rauem Stein, das Reißen von Stoff, das Kratzen von Metall. Mein eigenes Keuchen, atemlos, panisch. Der Schmerz war überall. Brennend, stechend, alles auf einmal. Mein Kopf knallte auf den Boden – trotz Helm spürte ich den Aufprall bis tief in den Schädel. Hinter meinen geschlossenen Augen explodierten weiße Lichtblitze, grelle, schmerzhafte Punkte, die nicht verschwinden wollten. Für einen Moment – vielleicht eine Sekunde, vielleicht länger – war da nichts. Nur Weiß. Nur Schmerz. Nur dieses Gefühl, als wäre mein Körper auseinandergerissen.
Dann... Stille.
Nicht wirkliche Stille. Ich lag auf dem Rücken, oder auf der Seite, ich wusste es nicht genau. Irgendwie war mein Körper unnatürlich verdreht. Der Asphalt unter mir war heiß, brannte durch mein zerrissenes Trikot auf meiner Haut. Ich versuchte zu atmen, aber jeder Atemzug stach wie ein Messer in die Rippen - zu flach - zu schnell -nicht genug Luft. Und dann hörte ich es: das Meer. Das gleichmäßige, ewige Rauschen der Wellen in der Ferne. Als wäre alles andere – die Straße, der Wind, mein eigenes Herz – verschwunden. Nur noch das Meer und ich. Ich blinzelte. Der Himmel war immer noch blau. Immer noch perfekt - absurd. Meine Schulter fühlte sich falsch an – als gehörte sie nicht mehr zu mir, als wäre sie um neunzig Grad verdreht. Brennender Schmerz schoss bis in meine Fingerspitzen. Ich wagte nicht, mich zu bewegen. Meine Hüfte – da war etwas Warmes, Klebriges. Blut. Ich musste nicht hinsehen, um es zu wissen. „Fuck! Fuck! Fuck!", flüsterte ich. Meine Stimme klang fremd, brüchig. Oder hatte ich es nur gedacht? Alles drehte sich, obwohl ich still dalag. Das Rauschen des Meeres wurde lauter, füllte meinen Kopf, überdeckte fast mein eigenes Herz, das wie verrückt hämmerte. Dann der sonderbare Geschmack von Blut im Mund – metallisch, salzig. Ich schloss die Augen. Ein einziger Gedanke, klar und einfach: Warum musste mir das gerade heute passieren?
Die Sommersonne stand hoch über der Ostsee. Zuerst war es nur ein fernes Wummern, kaum zu unterscheiden vom Wind. Dann wuchs es – ein dumpfes Tuckern, das die Luft zu füllen begann, bevor man ihn sah. Er tauchte über den Baumwipfeln auf, eine rote Maschine gegen den blauen Himmel, und der Lärm war plötzlich überall, als der Rettungshubschrauber über dem Landeplatz vor der Notaufnahme des Krankenhauses in Bergen einschwebte. Der Abwind erfasste das Gras, peitschte es flach, wirbelte Staub auf. Alle duckten sich instinktiv. Mit einem leisen Ächzen des Fahrwerks setzte er auf.
Ein Radfahrer, Anfang dreißig, war auf der Küstenstraße bei Glowe mit dem Rad gestürzt. Vermutlich ein Schädelhirntrauma und dazu multiple Frakturen beider Arme und Rippen – ein einziges Polytrauma. Die Ärzte kämpften stundenlang im OP, stabilisierten ihn, richteten die Brüche.
Bens Körper wachte aus der Narkose nicht auf, sodass die Ärzte sich entschieden ihn in ein künstliches Koma zu versetzen.
Zwei Tage später betrat Schwester Lena zum ersten Mal das Zimmer 217. Mit 29 Jahren hatte sie schon viele Patienten auf der Intensivstation betreut, doch dieser Fall berührte sie auf seltsame Weise stärker. Der Mann wirkte, als hätte man ein Puzzle zusammengesetzt. Beide Arme verschwanden unter Lagen von Verbänden und Metallschienen, stabilisiert, fixiert. Sein Gesicht – eine geschwollene Maske mit unzähligen Blutergüssen, übersät mit Schrammen, als wäre er über Asphalt geschleift worden. Das einzig Beruhigende: das stetige Piepsen der Monitore, elektronische Lebenszeichen in regelmäßigen Abständen. Das stetige Zischen und Pfeifen der Beatmungsmaschine durchdrang die Stille des Krankenzimmers. Mit jedem mechanischen Atemzug hob und senkte sich sein Brustkorb – fremdbestimmt, präzise getaktet. Die Maschine atmete für ihn, übernahm eine Funktion, die sonst so selbstverständlich war, dass niemand darüber nachdachte.
In seinen Sachen hatte man einen Ausweis gefunden. Lenas neuer Patient war Insulaner, 32 Jahre und hieß Benno Sturm. „Guten Morgen, Herr Sturm!”, sagte Lena leise, freundlich lächelnd, während sie seine Vitalwerte kontrollierte. Ihre Haut trug den warmen Ton unzähliger Stunden im Freien, ein sanftes, sonnengebräuntes Leuchten, das selbst im gedämpften Licht des Krankenzimmers nicht verblasste. Wie so oft trug sie einen Hauch ihres Lieblingsparfüms. Der sportlich feminine Duft mit seiner Limettennote wirkte energiegeladen und spritzig – ein lebendiger Auftakt, der sofort Frische und Leichtigkeit verströmte. Der Duft passte zu ihr, zu ihrem bewegten Alltag, zu ihrer Art, den Raum mit stiller Präsenz zu füllen. Trotz der dynamischen, fast sportlichen Basis blieb eine feine Eleganz spürbar. Zarte Nuancen von Neroli oder Freesie rundeten die Limette ab, gaben dem Duft eine weiche, feminine Tiefe. Es war ein Parfüm, das Selbstbewusstsein und Lebensfreude ausstrahlte – modern, unkompliziert, erfrischend und doch mit einer Raffinesse, die man erst im zweiten Atemzug bemerkte. Genau deshalb liebte sie ihn. Dieser Duft war Lena – nah, lebendig, unverwechselbar. Lena hatte einen Körper, der nicht laut um Aufmerksamkeit bat und doch sofort auffiel, wenn man in ihrer Nähe war. Schlank, kompakt, geschmeidig – als wäre jede Bewegung das Ergebnis eines Lebens, das Kraft und Leichtigkeit gleichermaßen verlangte. 1,67 groß, leicht, knappe 52 kg Gewicht, schöne feste Brüste, Körbchen 85 c. Nichts an ihr wirkte hart oder übertrainiert. Die schmale Taille, die ruhige Linie ihres Rückens, die geschmeidigen Hüften – all das fügte sich zu einer Natürlichkeit. Wenn sie sich vorbeugte oder drehte, folgte ihr Körper einer inneren Logik, einer stillen Eleganz, die man erst bemerkte, wenn man ihr wirklich zusah. Ihre Schultern waren definiert, aber nicht kantig; ihre Arme erzählten von Kraft, die aus Alltag und Bewegung kam. Und dann ihr Haar: dunkelblonde Locken, lang genug, um ihr bis zum Po zu reichen, wild und lebendig. Sie hatte sie wie immer für die Arbeit hochgesteckt — nicht streng, sondern mit dieser beiläufigen Eleganz, die entsteht, wenn man etwas oft und ohne Eitelkeit tut. Einzelne Strähnen hatten sich gelöst und kringelten sich frei um ihren Hinterkopf, als wollten sie sich nicht zähmen lassen. Trotz ihrer sportlichen Konturen war etwas unverkennbar Feminines an ihr. Es lag in der Art, wie sie atmete, wie sie den Kopf leicht zur Seite neigte, wie ihr Blick ruhig blieb, selbst wenn ihr Körper nach Anstrengung aussah. Eine Mischung aus Stärke und Sanftheit, die nicht erlernt war, sondern gewachsen – Schicht für Schicht, Jahr für Jahr. Man sah ihr an, dass auch sie ihren Körper forderte.
Lena strich sich eine dunkelblonde Locke aus dem Gesicht und betrachtete Ben nachdenklich. Leise flüsternd sprach sie mit ihrem neuen Patienten. „Ich bin Schwester Lena Richter. Ich werde mich ab sofort um Sie kümmern.”
Niemand wusste, wie lange Ben im Koma bleiben würde. Die Ärzte sprachen von Tagen, vielleicht Wochen.
Im Koma waren Träume seltsam konkret. Er fuhr wieder über die Insel, aber die Straße war endlos leer und Strandhafer wuchs wild am Rand, als wolle er alles überdecken. Manchmal hörte er Stimmen, die wie Muschelschläge an sein Ohr klopften; manchmal war da ein Licht, das nicht zu deuten, manchmal die Präsenz einer Hand, die nicht zu greifen war und immer wieder dieser einzigartige kaum wahrnehmbare Duft von Limette und sonnengebräunter Haut. Schmerzen wurden zu flackernden Bildern, Angst zischte wie Wind.
Seine Mutter war aus Berlin angereist, saß stundenlang an seinem Bett, doch sie musste wieder zurück. „Bitte passen Sie auf meinen Jungen auf. Ben hat sonst niemanden, der sich um ihn kümmern könnte.”, bat sie Lena mit Tränen in den Augen.
Die Tage verloren Namen. Lena übernahm freiwillig so viele Schichten wie möglich in Zimmer 217. Er merkte nur am Rhythmus der Schritte, dass jemand die Grenze zwischen seinem Körper und der Welt bewachte. In den folgenden Wochen entwickelte sich eine stille Routine. Lena wusch Ben vorsichtig, lagerte ihn, massierte seine Beine, strich über seine durchtrainierten Waden, damit die Muskeln nicht verkümmerten. Und sie sprach mit ihm. Anfangs nur über praktische Dinge – das Inselwetter da draußen, ihre Lieblingsmusik und über das, was sonst auf der Welt geschah. Doch eines Tages, an einem besonders schönen Nachmittag, brachte sie ein Buch mit.
„Da ich dich nun schon so lange betreue dachte ich, wir können auch du zueinander sagen. Ich bin Lena und du bist Benno. Bestimmt rufen dich alle nur Ben, so wie deine Mutter - schön dich kennenzulernen Ben.“ Sie streichelte zärtlich über sein immer noch geschwollenes Gesicht. „Ich habe gelesen, dass Komapatienten manchmal Stimmen hören können.”, erklärte sie, mehr zu sich selbst als zu ihm. „Deswegen möchte ich dir fortan etwas vorlesen.” Lena hatte ihren Lieblingsliebesroman von Barbara M, der auf Deutschlands schönster Insel spielte, mitgebracht. Er handelte von einem jungen Paar in einem ähnlichen Alter. Wenn sie vorlas, erfüllte ihre warme, melodisch klingende Stimme das Krankenzimmer. Immer wieder fragte sie sich dabei in ihren Gedanken wie seine Stimme klingen mochte.
Die Tage verschmolzen ineinander. Lenas graue Augen suchten zum Schichtbeginn zuerst nach Bens Gesicht, hofften auf ein Zucken, ein Zeichen. Sie lernte seine Züge kennen – die kleine Narbe über der linken Augenbraue, die Art, wie seine dunklen Locken trotz allem noch leicht nach links fielen. Sie entdeckte an seinem Handgelenk ein verblasstes Tattoo: einen Kompass. „Warst du auf der Suche nach etwas? Oder bist du auf der Suche nach Irgendwem?”, fragte sie leise, während sie das Buch zur Seite legte und seine bandagierte Hand vorsichtig in ihre nahm. „Oder bist du einfach nur gerne unterwegs?”
Lena war schon lange auf der Suche. Nicht nach irgendetwas, sondern nach der Liebe ihres Herzens. Immer wenn sie Ben wusch, lagerte oder seine Wunden neu verband betrachtete sie seinen Körper ausgiebig. Sie mochte seine breiten muskulösen Schultern, genauso wie den Flaum, der langsam wieder zwischen seinen Beinen anfing zu wachsen. Immer wenn sie ihn an seiner intimen Stelle vorsichtig berührte, träumte sie davon, wie es wohl wäre ihn einmal in sich spüren zu können. Sie hatte schon lange keinen Mann mehr im Bett gehabt. Ihren letzten Freund hatte sie abgeschossen, nachdem er sie immer wieder und wieder mit Inselurlauberinnen betrog. Wenn sie die große Lust überkam, halfen erotische Spielzeuge oder ihre flinken Finger das Feuer der Lust zwischen ihren Beinen zu löschen. Aber auf Dauer war das kein wirklicher Ersatz für einen richtigen Schwanz, in den sein Besitzer beim Anblick ihres nackten, braungebrannten, sportlichen Körpers viel Blut pumpte. Sie mochte gut gebaute Männer, liebte es richtig ausgefüllt und hart genommen zu werden. Ihre kleine immer frisch rasierte Muschi brannte förmlich nach einem Exemplar wie diesem hier. Oft nach ihrer Schicht, wenn sie daheim unter der Dusche stand, besorgte sie es sich so heftig mit ihrem dicksten Dildo. Dabei hatte sie stets Bens wohlgeformten, stark geäderten Schwanz vor Augen.
Es war in der zweiten oder dritten Woche, als sie merkte, dass ihre Gefühle über reine Fürsorge hinausgingen. Sie dachte an ihn, wenn sie nach Hause fuhr, stellte sich vor, wie seine Stimme klingen mochte, wie er lachte. Sie fragte sich oftmals, ob er wohl in festen Händen sei. Verwarf diese Gedanken aber immer wieder, denn nie war weiblicher Besuch zu ihm gekommen. Regelmäßig erkundigten sich nur seine Mutter und seine Kollegen nach seinem Befinden. Es war absurd – sie kannte diesen Mann nicht. Und doch fühlte es sich an, als würde sie ihn durch die stillen Stunden, die sie mit ihm verbrachte, besser verstehen als manche Menschen, die sie seit Jahren kannte.
„Ich weiß, das ist verrückt”, gestand sie ihm eines Abends, als das goldene Licht der untergehenden Sonne durchs Fenster fiel. Draußen rauschte die Ostsee. „Aber ich wünsche mir so sehr, dass du aufwachst. Nicht nur, weil du gesund werden sollst. Sondern weil ich dich kennenlernen möchte. Den echten Ben.”
Ihre Kolleginnen hatten es längst bemerkt. „Du verbringst viel Zeit bei ihm.”, warnte ihre Freundin Kerstin sanft. Doch Lena konnte nicht anders. Sie hatte sich längst in Ben verliebt.
Es war an einem Augustnachmittag, als sie wie jeden Tag das Buch zur Hand nahm und zu lesen begann. Plötzlich spürte sie einen winzigen Druck an ihrer Hand. Ihr Herz setzte aus. Sie blickte auf – und sah, wie sich Bens Finger ganz leicht bewegten.
„Ben?”, flüsterte sie, ihre Stimme brüchig vor Hoffnung.
Er erwachte langsam, als würde jemand im Raum ein Fenster öffnen. Zuerst das Gefühl von Fremdheit, dann die unsichere Kontur eines Gesichts. Immer wieder schloss er vor Erschöpfung seine Augen. Langsam, qualvoll langsam, öffnete er sie immer wieder - desorientiert, verwirrt. Sie stand am Fußende seines Bettes, leicht im Licht des Spätnachmittags und wirkte größer in seiner Wahrnehmung als der Raum. Er begann gegen die Maschine, die ihn beatmete, anzukämpfen. Licht nahm Form an – und vor ihm stand sie: eine wunderschöne, sportliche junge Frau. Ihr Haar fiel in dunkelblonden Locken bis zum Po, einzelne Strähnen fielen ihr ins Gesicht. Die Haut war von der Sonne verwöhnt, als hätte sie nur Zeit am Meer verbracht. Dazu dieser zarte Duft von Limette. Eben dieser Duft war es den er so oft im Koma unterschwellig wahrgenommen hatte - nein, es war doch keine Einbildung gewesen - dieser Duft war real. Ihre wachen Augen waren grau, und in ihnen lag etwas, das zugleich aufmerksam und unerschrocken war. Als sie lächelte, war es kein bloßes Lächeln, sondern ein kleiner, souveräner Bogen, der kaum die Mundwinkel anhob und doch die Kälte im Zimmer mildern konnte. Seine Augen suchten den Raum ab, bis sie auf ihrem Gesicht zur Ruhe kamen. Ben fokussierte. Lena drückte rasch die Notfallklingel. Die herbeigeeilten Ärzte untersuchten den Erwachenden sehr genau. Sie sprachen beruhigend mit ihm, erklärten wo er sei, was passiert war. Ben atmete nach Wochen endlich wieder von selbst stabil.
Seine Lippen bewegten sich, formten heiser ein kaum hörbares Wort: „Lena?” Tränen rannen über ihre gebräunten Wangen. „Ja, ich bin es. Willkommen zurück Ben.” Es würde ein langer Weg der Genesung werden. Die Ärzte waren vorsichtig optimistisch. Doch als Ben sie an diesem ersten Tag ansah, mit einem schwachen, aber echten Lächeln, wusste Lena: Manche Geschichten beginnen in der Stille, in den Momenten, in denen man einfach da ist, wartet und hofft. Und manchmal, ganz manchmal, bekommen sie eine zweite Chance. Sie bewegte sich mit dieser routinierten Gelassenheit derer, die oft zwischen Not und Fürsorge vermitteln. Ihre Stimme, als sie sprach, war sanft und doch bestimmt. Sie sagte seinen Namen, und in dem Klang war die Bestätigung, dass die Welt noch da war. Die ersten Minuten waren fragil. Worte kamen langsam, als müssten sie die angeschlagene Muskulatur umgehen. Er fand kaum die Kraft, sich zu orientieren, aber jede Bewegung wurde mit einer sorgfältigen Frage belohnt, jeder Blick mit einem prüfenden, ruhigen Interesse. Ihre Hände blieben in Ruhe, hielten nur die Distanz, die bei einer ersten Begegnung angemessen schien. Ben beobachtete sie, versuchte, die Form ihrer Stirn zu lesen, die Art, wie ihr Kinn leicht geneigt war, das fließende Muster aus Locken, die in der Dämmerung wie eine dunkle Welle glänzten. In ihren grauen Augen glomm etwas, das ihn überraschte. Eine stille Neugier, etwas Warmes, Offenes, das ihn näher an sie heranzog, ohne dass sie sich bewegte. Lena sah ihn an, als wollte sie jede Schicht seines Schweigens verstehen. Ihre Fragen standen unausgesprochen in ihrem Blick, drängend, neugierig, fast vertraulich – als hätte sie längst Zugang zu einem Teil von ihm, den er sonst niemandem zeigte. Sie beugte sich nur einen Hauch näher, doch dieser winzige Abstand reichte, um die Luft zwischen ihnen zu verändern. Ben spürte, wie sein Schmerz sich zurückzog, nicht weil er verschwunden wäre, sondern weil ihr Blick ihn festhielt, ihn ernst nahm, ihn auf eine Weise berührte, die er nicht erwartet hatte. Für einen Moment fühlte er sich gesehen, entblößt und zugleich geschützt – ein Widerspruch, der ihm den Atem stocken ließ. Langsam erzählte sie von den nächsten Schritten, von Operationen und Physiotherapie.
Die Wochen danach fühlten sich für Ben an wie das Erlernen einer neuen Sprache. Jeder Handgriff, jede Therapieeinheit forderte Geduld. Lena machte sich immer besonders zurecht, bevor sie in Bens Zimmer kam. Jedes Mal war der Reißverschluss ihres Kittels etwas weiter geöffnet als sonst üblich, gewährte Ben einen tiefen Einblick auf ihre wundervollen braungebrannten Brüste. Sie dachte immer an ein Sprichwort: „Mit Speck fängt man bekanntlich Mäuse.“ Ben genoss diesen Ein – und Anblick sehr. In seiner Fantasie malte er sich aus wie es wäre, einmal diese beiden festen Brüste in seinen Händen zu halten, sie zu küssen, verträumt mit der Zunge ihre Nippel zu verwöhnen und intensiv an ihnen zu saugen. Ihn hatte sie längst in ihrem Bann.
Seine Genesung ging schneller voran als von den Ärzten erwartet. Er war ein Kämpfer und das war es, was Lena so großartig an ihm fand.
Die Krankenstation war ruhig in dieser Abendstunde. Das gedämpfte Licht warf lange Schatten auf die weißen Wände, und irgendwo auf dem Gang summte leise ein Gerät. Lena hatte ihre letzte Runde fast abgeschlossen, als sie das Zimmer von Ben betrat – wie jeden Abend, um die Werte zu prüfen und zu sehen, ob er noch etwas brauchte. Rasch öffnete sie den Reißverschluss ihres Kittels etwas weiter als sonst. Er saß aufrecht im Bett, das Buch auf dem Schoß – aufgeschlagen, ungelesen. Er hatte nicht einmal versucht, so zu tun als ob. Nicht heute Abend.
Als sie eintrat, lagen seine Augen sofort auf ihr. Dieser Blick – sie kannte ihn inzwischen zu gut. Nicht aufdringlich oder unangenehm - nein. Es war der Blick von Jemandem, der etwas genau betrachtete.
„Endlich bist du da.“, murmelte er, leise genug, dass es fast wie ein Geheimnis klang. Dieses kleine, herausfordernde Lächeln spielte um seine Lippen – das Lächeln, das Lena jedes Mal aus dem Konzept brachte.
„Natürlich, ich komme zu meine Abendrunde.“ Sie lehnte sich an den Türrahmen, ließ die Tür langsam ins Schloss gleiten und hob eine Augenbraue. „Wer sonst sollte sich so hingebungsvoll um meinen Lieblingspatienten kümmern?“
„Hingebungsvoll, hm?“ „Lieblingspatienten." Er ließ die Worte stehen. „Das klingt fast gefährlich." Er verschränkte die Arme, als wolle er sie testen. „Ich dachte schon, du kommst nur vorbei, um mir wieder eine dieser fiesen ******** zu geben.“
Lena trat einen Schritt näher, gerade so weit, dass er ihren Duft wahrnahm. „Wenn ich dich ärgern will, merkst du das. Das hier…“ Sie deutete auf ihn, auf den Raum, auf die Spannung dazwischen. „…ist persönlicher Service.“
„Service?“ Er lachte leise. „Dann hoffe ich, dass der heute besonders gründlich ausfällt.“
„Mach dir keine Sorgen.“ Sie lächelte süß und frech-erotisierend zugleich. „Ich bin bekannt für gründliche Arbeit. Das solltest du mittlerweile gemerkt haben.“
„Das klingt nach Dienst nach Vorschrift.", sagte er leise und dann: „Lügnerin!“
Sie sah Ben intensiv an. Er hielt ihrem Blick stand – ruhig, warm, mit diesem leisen Leuchten, das ihr den Atem kurz verschlug, wenn sie nicht aufpasste.
Sie passte nicht auf.
Lena trat näher, griff gefühlvoll nach seinem Handgelenk, suchte routiniert seinen Puls. Nichts weiter.
„Wie geht es dir heute Abend?", fragte sie ihn leise lächelnd.
„Besser!", sagte er. „- ähm – genau seit ungefähr fünfundvierzig Sekunden."
Seine Haut fühlte sich heute Abend besonders warm an. Ihr Puls – nicht seiner – machte etwas, das sie nicht laut dachte.
„Erhöht.", murmelte sie mehr zu sich selbst.
„Ja." Er sah sie an. „Bei dir auch?"
Ganz langsam ließ Lena sein Handgelenk los.
„Tabletten?", fragte sie sichtlich verwirrt.
„Natürlich."
Sie reichte sie ihm, das Glas Wasser dazu. Er nahm beides, trank, gab ihr das Glas zurück – seine Finger streiften ihre, kurz, und keiner von beiden tat so, als wäre es nicht passiert.
„Weißt du", sagte er, „ich frage mich manchmal, was du machst, wenn du hier rausgehst und Feierabend hast."
Lena dachte bei sich, wenn du wüsstest, was ich manches Mal unter der Dusche so mache und mir dabei vorstelle, dass ich es mit dir treibe – du würdest rot werden. Nur das konnte sie ihm nicht sagen. Es blieb ihr geheimster Wunsch.
„Schlafen.", sagte sie schnell, denn etwas Besseres fiel ihr auf die Schnelle nicht ein. Mit der Wahrheit konnte sie nicht um die Ecke kommen – noch nicht. Man Lena, dachte sie bei sich, was redest du für einen Blödsinn. Kann es sein, dass du mächtig untervögelt bist, meldete sich ihr Unterbewusstsein einmal mehr zu Wort.
„Und davor?", fragte Ben weiter.
„Nach Hause radeln, was sonst.", antwortete sie frecher als von Ben erwartet.
„Und davor?", Ben hörte nicht auf mit dieser Fragerei. Er schien sichtlich Spaß daran zu haben, merkte er doch, dass sie eigentlich etwas ganz anderes Antworten wollte.
Sie hob lächelnd den Blick. „Du hattest drei Versuche gehabt."
„Ich brauche keinen vierten." Seine Stimme war jetzt leiser. „Ich frage mich nämlich auch, ob du das Gleiche fühlst wie ich."
Draußen begann das Wummern – erst fern, dann drängend, das Tuckern des Hubschraubers, das die Stille des Abends verschlang. Die Jalousien zitterten. Der Abwind warf sich gegen die Scheibe. Der Landeplatz unten wurde von Licht und Wind erfasst, alles beugte sich.
Sie stand am Fenster und schaute hinaus, spürte, dass er sie ansah. Das Licht der Abendsonne zeichnete ihre sexy sportlich wirkende Figur nach.
„Beeindruckend.", sagte er.
„Der Hubschrauber?", fragte Lena.
„Was auch immer du möchtest."
Da war es plötzlich - das Knistern.
Es begann, bevor beide es benennen konnten. Ein Gefühl, das sich einschleicht — leise, fast beiläufig — und trotzdem den ganzen Raum verändert. Die Luft wurde dichter. Nicht schwerer, aber irgendwie bewusster. Als würde der Raum selbst bemerken, was zwischen zwei Menschen geschieht.
Ihre Körper wussten es zuerst. Der Verstand suchte noch nach Erklärungen, während der Körper längst entschieden hatte. Eine Wärme, die nicht vom Wetter kommt. Ein Kribbeln auf der Haut, obwohl niemand sie berührt hat. Die Feinhärchen am Unterarm, die sich aufstellen, wenn die andere Person zu nah kommt — oder auch nur nahe genug, um die Möglichkeit zu spüren. Der Blick, der eine Sekunde zu lang bleibt. Und in dieser einen Sekunde passiert etwas Unwiderrufliches: Man hat sich gesehen. Wirklich gesehen. Nicht das Gesicht — sondern die Absicht dahinter.
Sie drehte sich um. Er hatte das Buch auf den Nachttisch gelegt – irgendwann, ohne dass sie es bemerkt hatte. Ben sah sie an, offen, ohne das Lächeln diesmal. Nur dieser eine besondere Blick.
Lena trat einen Schritt näher. Dann noch einen.
„Das hier…", sagte sie leise, „…ist keine gute Idee."
„Nein?", fragte er mit einem erotischen lächeln und dieser Stimme, die Lenas Knie weich werden ließen. „Wahrscheinlich nicht. Aber……" Ben ließ den Satz unvollendet.
Keiner von beiden bewegte sich. Ben schaute tief in ihre grauen Augen. Und dann bewegten sie sich beide. Sie wusste später nicht, wer zuerst – vielleicht war das auch gar keine Frage, die sich stellte.
Es war kein leidenschaftlicher Kuss. Eher ein vorsichtiges Anklopfen. Seine Lippen – trocken, warm – legten sich ganz sachte auf ihre, ohne Druck, ohne Forderung. Ein Atemzug lang hielten beide inne, als würden sie lauschen, ob sich die Welt um sie herum weiterdrehte. Und wie sie sich weiterdrehte.
Ihre Zungen fanden sich sofort – fordernd, kreisend, als wollten beide aufholen, was zu lange auf sich hatte warten lassen. Seine Zunge drängte sich gegen ihre – nicht unhöflich, aber eindeutig. Sie stöhnte leise, fast gegen ihren Willen, und er nahm das als Antwort, die er gesucht hatte.
Ihr Atem kam in Stößen, als sie sich endlich lösten.
Ihre Hand lag an seiner Wange, seine Finger hatten ihren Arm gefunden, und der Kuss war nicht zögerlich. Dann lehnte er sich zurück und sah sie an, ohne Entschuldigung, aber auch ohne Erwartung.
„Das, ", flüsterte er, „– das war keine Tablette." „Nicht wirklich -nein." Er lächelte – anders als vorher, weicher. „Aber das gerade eben war viel wirksamer."
Sie richtete sich auf, ohne ihn anzusehen. Ihre Wangen verrieten sie trotzdem. Lena stand da, das Tablet in der Hand, und spürte, wie ihr Herz vor lauter Freude einen Purzelbaum schlug. Sie öffnete den Mund, schloss ihn wieder. Was hätte sie auch sagen sollen – das geht nicht, das ist nicht erlaubt, ich bin deine Krankenschwester – blieb unausgesprochen. es war doch schließlich ihr innigster Wunsch gewesen, diese Lippen einmal mit ihrem Mund berühren zu dürfen.
„Ich muss die nächsten Zimmer noch machen.", sagte sie schließlich, leise.
„Ich weiß", sagte er. „Kommst du später noch einmal vorbei?“ flüsterte Ben „Bekomme ich jetzt jeden Abend diese besonderen Tabletten von dir?“, fragte er frivol grinsend, während er ihr dabei zuzwinkerte.
„Vielleicht!“, antwortete Lena schnell, zu schnell. „-weil ... Dein Kuss eben schmeckte nach mehr.“, flüsterte sie.
Und mit diesem kleinen, geteilten Einverständnis trat sie einen Schritt zurück in die Welt, aus der sie für einen Moment herausgefallen war. Als sie leise die Tür zu seinem Patientenzimmer schloss, merkte Lena, dass ihre Knie leicht zitterten. Mehr noch spürte sie, wie feucht doch ihre kleine zarte Muschi geworden war. Zum Glück war ihr Feierabend zum Greifen nah. Egal wie fertig sie von dieser Schicht auch war, sie brauchte heute noch zwei Dinge. Ihre Dusche und ihren größten Dildo. Sie musste es sich nachher auf jeden Fall heftig besorgen, so sehr hatte Bens Kuss sie gerade erregt.
Schon beim Radeln nach Hause drückte sie ihre kleine heiße Muschi heftiger gegen den Sattel als üblich. Sie rieb ihre Spalte daran – machte sich schon heiß auf das, was gleich folgen würde. Ein leichter Schauer durchströmte in diesem Augenblick ihren Körper. Die kleinen Härchen an ihren Armen stellten sich auf, sie bekam Gänsehaut als Lena merkte, dass sie förmlich auslief. Es war schon dunkel, als sie daheim ankam. Niemand, außer ihr, nahm die nasse Stelle an ihrer kurzen ausgefransten Jeans wahr. Fuck, dachte sie bei sich. Lena, du bist sowas von heillos untervögelt, bist eine kleine versaute Bitch, wenn du es deiner süßen Spalte schon an dem Fahrradsattel besorgen musst. Selbst schuld, wenn deine Hose dann so ausschaut. Es wird langsam Zeit, dass da mal wieder ein Typ aus Fleisch und Blut zwischen deine Beine darf. Oben angekommen, kickte sie mit dem Hacken die Tür leise ins Schloss. Schon im Flur ließ sie ihre Sachen fallen. Zog das Tanktop über ihren Kopf und die knappe Jeans runter, befreite sich geschickt von ihrem spärlichen Tanga. Zielstrebig steuerte sie auf das Badezimmer und auf die Dusche zu. Sie stellte das Wasser an und genoss den ersten warmen Schwall davon auf ihrer Haut. Es erregte sie heute noch mehr als sonst als das Wasser in kleinen Rinnsalen ihre Schenkel runter floss. Sie spreizte leicht ihre Beine, schon war sie mit ihre Hand an ihrem Lustzentrum. Vor ihrem geistigen Auge lief erneut das gerade mit Ben erlebte wie ein Film. Wieder und wieder – in Endlosschleife. Sie leckte über ihre Lippen und meinte seinen Atem erneut zu spüren, den Duft seiner Haut riechen zu können, während ihre Finger schnell zu ihrer herrlich geschwollenen Perle vordrangen. Gedankenversunken spielte sie mit ihr, heizte sich noch mehr an. Sie ergriff mit der freien Hand ihren Lieblingsdildo, platzierte ihn auf dem Boden der Dusche. Lena war allein durch die Gedanken an Bens Kuss und ihre Berührungen mit der Hand so feucht geworden wie selten zuvor. Sie hockte über ihm. Langsam gefühlvoll ging sie immer tiefer. Sie merkte, wie er ihre Schamlippen berührte. Ganz von allein flutschte er tief in sie hinein – gleich bis zum Anschlag. Er verschwand komplett in ihrer heißen Lusthöhle, etwas, dass ihr sonst nicht auf Anhieb gelang. Ein lautes, langgezogenes, entspannendes „Aaaaahhhhhhhhh!“ entwich ihren Lippen. Vor ihrem geistigen Auge lief ein Film. Lena stellte sich vor das es Ben wäre der sie gerade von hinten so nahm. Dass er es war, der ohne große Vorwarnung mit nur einem kräftigen Stoß in sie eindrang. Er hielt sie dabei mit einer Hand an ihren Haaren, mit der anderen Hand gab er ihr den einen oder anderen Klaps auf ihren Po bevor er anfing ihre festen Brüste zu kneten. Viel Zutun bedurfte es nicht mehr. Ein-, zweimal raus und dann wieder rein, tief zwischen ihre Schamlippen und Lenas Körper wurde mehrfach von einem Orgasmus geschüttelt. Wieder und wieder hatte sie das Gefühl, als würden sie Millionen Ameisen beißen, als hätte jemand 100.000 Volt durch ihren Körper geschickt. Sie merkte, wie ihre Beine nachgaben, bis sie an der Duschwand langsam hinunterglitt. Sie hielt ihren Lieblingsdildo immer noch fest zwischen ihren Schamlippen gefangen, genoss den Moment des vollständigen Ausgefüllt sein. Das warme Wasser der Regenwalddusche traf Lenas Haut wie hundert kleine Hände — und sie schloss die Augen, gab nach, ließ sich innerlich fallen, ohne sich zu bewegen. Mit der einen Hand begann sie erneut ihre Perle zu verwöhnen, während die andere Hand Mühe hatte den Dildo zu greifen. Langsam zog sie ihn raus, aber nur, um ihn wieder kräftig zurückzuschieben – bis zum Anschlag. Rein und wieder raus und wieder rein, etwas gedreht, mal seichter, mal fester - dann wieder langsam rausziehen. Ihre süße Muschi schmatzte, während sie dabei jedes Mal laut vor Lust kehlig stöhnte. Lena liebte es richtig hart genommen zu werden. Fuhr darauf ab komplett ausgefüllt zu sein und wurde erst richtig heiß, je heftiger der Typ tief und tiefer bis zum Anschlag in sie eindrang. Sie liebte es zu merken, wie die Eichel immer wieder oben in ihrer Muschi anstieß. Und vollends glücklich war sie, wenn der Typ richtiges Stehvermögen hatte, durchhielt bis auch sie kurz vor ihrer Explosion war, um sie dann mit kräftigen Hüben seines heißen Saftes vollzupumpen.
Zur gleichen Zeit im Krankenhaus erging es Ben ähnlich. Schon vor seinem Unfall hatte er kaum Gelegenheit, mit oder ohne weibliches Zutun, zu entspannen. Er konnte in diesem Augenblick nicht anders. Auch er musste es sich selbst besorgen - hier und jetzt, so groß war sein Druck. Ben konnte noch immer den Duft von Lenas Haut und ihrem Parfüm in seinem Zimmer wahrnehmen, hatte noch immer das Gefühl ihre warmen Lippen auf seinen zu spüren. Das allein genügte. Er musste feststellen, dass Lena ganz schön raffiniert ihre Reize bei ihm einsetzte und ihre Weiblichkeit gut in Szene gesetzt hatte. Jedes Mal war da ein frivoles, zufriedenes Grinsen auf ihren Lippen, wenn er tief in ihren Ausschnitt späte, um sich an dem Anblick ihrer festen Brüste zu erregen. Er merkte, wie sein Körper bei diesen Gedanken immer mehr Blut in sein bestes Stück pumpte. Seine Eichel wurde groß und immer heißer. Langsam glitten seine Finger zwischen seine Beine und er begann mit leichten Bewegungen seine Eier zu massieren. Völlig gedankenversunken spielte er mit ihnen. Mal vorsichtiger, mal kräftiger, ab und an zog er leicht daran. Und dabei stellte er sich vor, dass es Lena wäre, die ihn so verwöhnte. Ben liebte es, wenn er einen Blowjob bekam, wenn die Frau dabei seine Eier nicht vernachlässigte und sich ihnen hingebungsvoll widmete. Es turnte ihn unwahrscheinlich an, wenn sie mit ihrer Zunge darüberstrich, vorsichtig daran saugte oder an ihnen knabberte. Da sein bestes Stück doch etwas größer als normal war hatte so Manche Mühe ihn vollständig in den Mund zu bekommen. Mit der zweiten Hand strich er immer wieder von der Wurzel bis zum Bändchen hoch. Sein Schwanz zuckte jedes Mal, wenn er oben ankam und mit dem Fingernagel etwas daran rumspielte, diese Stelle stimulierte. Lange dauerte es nicht und die ersten Glückstropfen kamen. Geschickt nahm er dieses natürliche Gleitmittel massierte damit über seine Eichel, machte sie feucht. Er schloss seine Augen, ließ das Kopfkino anlaufen und stellte sich vor, es wäre Lena, wie sie vor ihm hockte, nackt. Sie gab ihm gerade einen geilen Blowjob, sah ihn dabei immer wieder von unten herauf an mit dem unschuldigsten Blick aus ihren wahnsinnig schönen grauen Augen. Auf und ab, fester zugedrückt, dann wieder etwas sanfter. Mit der Zunge die Eichel umspielen und mit der Hand am Schaft auf und ab. Mal schnell, mal gefühlvoll langsam. Saugen. Lösen. Saugen und nach ein paar Augenblicken erst wieder lösen. Dazu gefühlvoll mit den Zähnen an der Eichel geknabbert, so wie an einem Maiskolben. Gedankenversunken machte er dabei ein schmatzendes Geräusch mit seinem Mund, so wie er es schon oft erlebt hatte, wenn es eine Frau ihm so besorgte. Jedes Mal, wenn er so kurz vor dem Höhepunkt war, ließ er von sich ab, atmete tief ein und aus, auch wenn ihn das sehr viel Überwindung kostete. So zögerte er seinen Orgasmus etwas hinaus. Mit der anderen Hand massierte er weiter seine Eier. Ab und an strich er am Damm entlang. Drei, vier Mal machte er das so, dann kam auch Ben. Er schoss eine große Menge seines warmen Saftes bis weit auf seinen Bauch. Sein Schwanz zuckte unaufhörlich und pumpte eine Ladung warmer Soße nach der anderen aus ihm raus.
Der Tag seiner Entlassung kam früher als erwartet.
Lena erfuhr es nicht von ihm, sondern vom Bettenbelegungsplan – da sein Name seit heute auf der Liste fehlte. Sie stand einen Moment im Schwesternzimmer und starrte auf den Bildschirm, bevor sie sich wieder fing.
Natürlich. So war das nun einmal. Patienten kamen und gingen. Das war der Job.
Sie redete sich das den ganzen Vormittag ein.
Als sie kurz vor Mittag an seinem Zimmer vorbeikam, stand die Tür halb offen. Er saß auf dem Bett, angezogen – zum ersten Mal seit Wochen in echten Klamotten, eine Tasche neben sich. Der Anblick traf sie seltsam. Er wirkte vertraut und gleichzeitig fremd, als hätte er eine Haut abgelegt und eine neue angelegt. Sie wusste nicht, welches von beidem sie mehr verunsicherte.
Er sah auf, als sie in der Tür erschien. Sein Blick blieb an ihr hängen – eine Sekunde zu lang für jemanden, der einfach nur „Hallo“ sagt.
„Ich wollte mich noch gerne von dir verabschieden."
„Das dachte ich mir schon." Sie trat einen Schritt ins Zimmer. Nur einen.
„Deine Werte waren gut?"
„Ja."
Schweigen. Nicht unangenehm – aber schwer. Die Art von Schweigen, die sich anfühlt wie eine Frage, auf die keiner zuerst antworten will.
Lena verschränkte die Arme, löste sie wieder. Sie wusste nicht, wohin damit. In diesem Zimmer hatte sie immer gewusst, wo sie stand – buchstäblich und im übertragenen Sinne. Jetzt verschoben sich die Koordinaten unter ihr, ganz leise, ganz unaufhaltsam.
„Ich habe keine Ahnung, ob das eine gute Idee ist…", sagte sie schließlich den Satz nicht vollendend.
„Was?", fragte Ben leise.
Statt einer Antwort streckte sie die Hand aus. „Gib mir mal deinen Arm."
Er sah sie einen Moment an – dieser ruhige, abwartende Blick, den sie inzwischen kannte – und reichte ihn ihr dann, die Innenseite nach oben. Eine kleine Geste des Vertrauens. Sie griff in ihre Kitteltasche und kramte darin, bis sie das Gesuchte fand. Lena zog ihren Edding hervor. Sie nahm die Kappe zwischen die Lippen und öffnete ihn. Ihre Finger umschlossen derweil sein Handgelenk fester als nötig. Sie spürte seinen Puls darunter pochen – langsam, aber nicht ganz gleichmäßig. Nicht mehr.
Sie schrieb ihre Nummer auf seine Haut. Die Ziffern wurden kleiner gegen Ende, weil sie nicht so weit geschrieben hatte wie gedacht – oder weil ihre Hand doch nicht so ruhig war, wie von ihr erhofft. Dann, fast trotzig, malte sie ein paar kleine Herzchen daneben.
Als sie aufsah, war er näher, als sie erwartet hatte.
Ihre Blicke trafen sich. Keiner wich zurück.
Die Luft zwischen ihnen war auf einmal anders. Dichter. Wie der Moment kurz vor einem Gewitter, wenn man schon den Regen riecht, bevor der erste Tropfen fällt. Sie spürte die Wärme, die von ihm ausging, bevor sie sich dessen bewusst wurde. Sein Blick glitt kurz zu ihren Lippen – nur eine Sekunde, kaum merklich. Aber Lena merkte es.
Sie wusste nicht, wer den letzten Schritt machte. Vielleicht keiner von beiden. Vielleicht war es einfach die Schwerkraft, die zwischen ihnen entstanden war in all diesen Wochen.
Ihre Lippen trafen sich. Erst vorsichtig, fast fragend, als wollten sie sichergehen, dass der andere das hier auch genauso meint. Dann noch einmal, schon sicherer. Er küsste sie langsam, mit einer Sorgfalt, die ihr den Atem nahm – als hätte er Zeit, als wäre dieses Zimmer nicht mehr das, aus dem er gerade entlassen wurde. Seine Hand fand ihre Taille, tastend zuerst, dann fester. Sie spürte die Wärme seiner Finger durch den dünnen Stoff des Kittels.
Sie gab nach. Nicht weil sie musste – sondern weil es sich anfühlte wie das Einzige, was gerade Sinn ergab.
Ihre Hand löste sich von seinem Handgelenk und wanderte, ohne dass sie es bewusst entschieden hatte, an seinen Kragen. Die Finger strichen wie zufällig über seinen Nacken – und sie spürte, wie er den Atem kurz anhielt. Dieser kleine Moment des Innehaltens sagte mehr als alles, was zuvor gesagt worden war.
Der Kuss wurde tiefer, fordernder. Irgendwo in ihr wusste sie, dass sie aufhören sollte – hier, auf dieser Station, in diesem Zimmer, in diesem Kittel. Aber das Wissen blieb weit weg, wie etwas hinter Glas.
Als sie sich schließlich lösten, brauchte sie einen Moment, um wieder zu sich zu kommen. Ihr Herz schlug zu laut. Seine Stirn ruhte kurz an ihrer, beide still, beide mit zu schnellem Atem.
„Das hier…" Ihre Stimme war nicht fest, Lena ließ den Satz unvollendet. Sie machte eine vage Handbewegung, die alles umfasste – den Raum, die letzten Wochen, den Kuss, der ihr immer noch auf den Lippen brannte.
Er stand aufrecht vor ihr, ruhig – und mit einem Lächeln, das sie in keiner Patientenakte hätte beschreiben können.
Er schaute tief in Lenas graue Augen. „Das hier mit uns Beiden…", sagte er leise. „Ich würde sehr gerne wissen, wie es weitergeht."
Sie trat einen Schritt zurück. Dann noch einen. Die Schwelle zwischen ihnen wiederherstellend – die unsichtbare Linie, die in diesem Zimmer immer zwischen Patient und Schwester, zwischen Nähe und Abstand verlaufen war. Nur dass sie jetzt wusste, wie es sich anfühlte, diese Linie zu übertreten.
Er ließ sie gehen. Kein Greifen, kein Zurückhalten. Nur sein Blick, der ihr folgte.
Sie räusperte sich. Griff nach dem Edding, der irgendwo auf dem Bett gelandet war, und steckte ihn zurück in die Kitteltasche. Eine kleine, sinnlose Handlung – aber sie brauchte etwas, womit sie ihre Hände beschäftigen konnte.
„Du solltest nicht vergessen, einen Termin zu machen...,", sagte sie, „…spätestens nächste Woche, beim Hausarzt."
„Ich weiß."
„Und die Tabletten—"
„Lena!"
Sie hielt inne.
Er sagte ihren Namen so, als wäre er etwas, das er schon länger mit sich herumtrug. Als hätte er gewartet, es laut auszusprechen.
„Ich weiß.", sagte er noch einmal. Leiser diesmal. Nicht die Tabletten meinend.
Sie nickte. Schluckte etwas hinunter, das sie nicht benennen wollte.
Draußen auf dem Flur waren Schritte zu hören – das vertraute Scheppern eines Wagens, Stimmen, der ganz normale Lärm einer Station, der weiterging, egal was hinter geschlossenen Türen passierte. Lena war dankbar dafür und hasste es zur gleichen Zeit.
„Ich muss—." Sie machte eine Geste in Richtung Flur.
„Ich weiß."
Dieses Mal lächelte sie. Unwillkürlich, fast gegen ihren Willen.
Sie wandte sich zur Tür, blieb aber mit der Hand am Rahmen stehen. Einmal noch umdrehend.
Er stand noch genau so, wie sie ihn verlassen hatte. Die Tasche neben sich. Die Nummer auf seinem Unterarm. Die Herzchen daneben.
„Pass auf dich auf.", flüsterte sie.
„Du auf dich auch."
Eine Pause. Dünn wie Papier, schwer wie alles Ungesagte.
Dann ging sie.
Sie ließ die Tür halb offen, so wie sie sie vorgefunden hatte – als wäre nichts gewesen, als wäre das hier ein ganz normaler Abschied von einem ganz normalen Patienten. Sie war drei Schritte den Flur entlang, als sie seine Stimme noch einmal hörte. Nicht laut, fast beiläufig, als wäre es ein Nachgedanke.
„Lena!"
Sie blieb stehen. Drehte sich nicht um.
„Die Herzchen …", sagte er. „…hast du das bei allen Patienten so gemacht?"
Eine kurze Pause.
„Nein.", sagte sie. Und ging weiter.
Hinter ihr hörte sie, wie er erleichtert auflachte. Es war das schönste Geräusch, das sie seit Wochen gehört hatte.
Vier Tage später, es war kurz nach halb acht, sie stand in der Küche. Nur mit einem kleinen Slip und ihrem Lieblingsshirt bekleidet, barfuß, den Kaffeebecher in der Hand, noch nicht ganz wach. Das Fenster war einen Spalt offen, draußen regnete es leise. Sie hatte die Nachtschicht hinter sich und den Rest des Tages vor sich wie ein leeres Blatt, auf das sie keine Energie hatte, irgendetwas zu schreiben.
Ihr Handy summte.
Auf dem großen Display leuchtete eine unbekannte Nummer auf.
Sie stellte den Kaffee ab.
Die Nachricht war kurz. Nur drei Zeilen.
Ben: Deine Nummer ist immer noch gut lesbar. Ich habe sie zur Sicherheit zweimal nachgezeichnet, damit sie nicht verwischt. Außerdem wollte ich dir sagen, dass ich heute beim Hausarzt war. Viel wichtiger ist: Es gibt noch keine Antwort auf die Frage, ob es eine gute Idee ist.
Sie stand eine Weile einfach da, das Handy in beiden Händen. Der Regen im Hintergrund hörte langsam auf. Lena setzte sich an den Küchentisch. Las die Nachricht noch einmal. Und nochmal. Wieder und wieder. Das letzte Mal, dass ihr jemand geschrieben hatte und sie danach das Handy nicht weglegen wollte, war so lange her, dass sie aufgehört hatte, sich daran zu erinnern.
Lena nahm das Handy. Ihre Daumen schwebten über dem Bildschirm. Sie tippte. Löschte es wieder. Tippte erneut.
Lena: Beim Hausarzt, ja? Ich bin beeindruckt. Und dann ein Emoji Daumen hoch. Schicken! Zu spät zum Bereuen. Lena, was ist denn mit dir bloß los, was schreibst du für einen Blödsinn, meldete sich ihr Unterbewusstsein zu Wort.
Ben: Ob es eine gute Idee ist meinen Mut zusammenzunehmen, um dir zu schreiben? – auf jeden Fall. Viel mehr frage ich mich jetzt: „Hättest du Lust auf einen Kaffee mit mir?“
Sie sah aus dem Fenster. Über der Ostsee riss die Wolkendecke auf. Langsam kam die Sonne zum Vorschein, die Vögel begannen wild zu zwitschern.
Acht Worte. Neun, wenn man das Fragezeichen zählte. Und trotzdem hatte sie das Gefühl, dass da noch etwas anderes zwischen den Zeilen stand.
Lena: Ich trinke gerade welchen. Und dazu ein Emoji frech grinsend und eine Kaffeetasse dazu.
Sie biss sich auf die Unterlippe. Legte das Handy auf den Tisch, Bildschirm nach oben. Stand auf. Setzte sich wieder. Eine Pause - lang genug, dass sie anfing, die Küchenfliesen zu zählen.
Ben: Dann bin ich im Nachteil. Das müssen wir korrigieren.
Lena: Ach ja? Und wie stellst du dir das vor?
Ben: Indem wir ihn zusammen trinken. Jetzt!
Lena atmete aus. Langsam, kontrolliert, so wie man ausatmet, wenn man nicht möchte, dass jemand merkt, dass man gerade nicht ganz ruhig ist. Dabei war niemand da, der es hätte sehen können. Sie schaute dabei auf ihren Kaffeebecher. Halb voll. Noch warm. Dann auf sich selbst – ihr Lieblingsshirt, der kleine Slip darunter, barfuß und dazu die Haare, die sie morgens nicht wirklich gebändigt bekam.
Lena: Direkt so ungeduldig?
Ben: Nun ja …..
Lena: Ok! Wann und wo?
Ben: In dreißig Minuten bei mir.
Lena: Und wenn ich das nicht will? Wieder ein Emoji frech grinsend mit angehangen.
Ben: Dann lasse ich es sein. Und er sendete ein trauriges Emoji mit.
Ben: Wenn du willst, komme ich auch gerne zu dir. Und ich glaube, dass du es willst und ich glaube, du öffnest mir die Tür, bevor ich überhaupt klopfe.
Er lag nicht falsch. Über ihr Gesicht zog ein breites zufriedenes grinsen. Ihr Herz schlug vor Freude Purzelbaum. Endlich würde sie Ben wiedersehen. Allein dieser Gedanke sorgte dafür, dass Lena etwas erregt wurde. Ihre Nippel begannen sich deutlich unter ihrem Shirt abzuzeichnen.
Lena: Vielleicht. Vielleicht lasse ich dich auch ein bisschen warten.
Und einen Augenblick lang ließ sie Ben wirklich zappeln, bis sie wieder zu ihrem Handy griff und schrieb.
Lena: Ok, komm zu mir. Standort gesendet.
Ben: Warten kann reizvoll sein. Bis gleich.
Dann stand sie auf, trug ihren Kaffeebecher zur Spüle, strich sich einmal mit der Hand durch die Haare – und überlegte kurz, ob sie sich noch umziehen sollte. Sie entschied sich dagegen. Lena legte ihr Handy auf den Tisch, Bildschirm nach unten, lehnte sich gegen die Küchenzeile. Draußen zwitscherten die Vögel noch immer.
Das wurden die längsten dreißig Minuten ihres Lebens.
Ein Auto fuhr vorbei. Irgendwo tropfte noch Regen von einer Dachrinne. Noch ein weiteres Auto fuhr vorbei. Die Küche roch nach Kaffee und nach dem Morgen, der noch nicht entschieden hatte, was er werden wollte.
Er stand eine halbe Stunde später vor ihrer Tür.
Sie hatte in dieser Zeit die Wohnung nicht aufgeräumt, sich nicht umgezogen, keinen frischen Kaffee gekocht. Sie hatte im Schneidersitz auf dem Sofa gesessen, das Handy in der Hand, und versucht, ruhig zu atmen. Es hatte mäßig funktioniert.
Als es endlich klingelte, öffnete Lena gespannt die Tür. Da stand er nun, ihr Traummann. Lebendig und in Farbe. Sie merkte, dass sie ihn bisher fast immer nur liegend gesehen hatte, immer in diesem Zimmer, immer in diesem Licht. Jetzt stand er in ihrem Treppenhaus, und er war größer als sie erinnert hatte.
„Hallo Lena!", sagte er mit dieser Stimme, die Lena die Knie weich werden ließ.
„Hey Ben."
Eine Pause.
Er musterte sie kurz von oben nach unten, leicht grinsend. Sah er doch deutlich ihre erregten Brustwarzen unter ihrem Shirt - ein Anblick, der ihm gefiel.
„Gut schaust du aus. Darf ich rein? Ich dachte ich bringe Croissants zum Frühstück mit." Ben hielt eine Tüte voll mit duftenden Buttercroissants hoch.
Sie trat zur Seite.
Er kam herein, sah sich kurz um – nicht neugierig, eher so, als würde er versuchen, etwas zu verstehen. Sie sah ihre Wohnung für einen Moment durch seine Augen: die Bücherstapel, das Fenster, das immer einen Spalt geöffnet war, ihre Fotoaufnahmen an den Wänden.
„Kaffee?", fragte sie, weil ihr nichts Besseres einfiel.
„Gerne."
Sie ging in die Küche. Er folgte ihr, lehnte sich an den Türrahmen. Sie spürte seinen Blick im Rücken, während sie die Maschine einschaltete, Tassen herausholte, irgendetwas mit den Händen tat.
„Macht meine Anwesenheit dich wirklich nervös?", fragte er frech grinsend.
„Ich bin nicht nervös."
„Du hast die Tasse zweimal umgedreht."
Sie stellte die Tasse ab. „OK!“, kam es langgezogen aus ihrem Mund. „Ja, ich bin ein bisschen nervös."
Er lachte leise. Dieses Lachen, das sie schon aus dem Krankenhaus kannte – ruhig, ohne Schärfe, als würde er sich über sie und sich selbst gleichzeitig amüsieren.
„Wenn es dich beruhigt - ich bin es auch.", sagte er.
Sie drehte sich um. Er stand noch im Türrahmen, die Arme locker verschränkt, aber sein Blick war offen und direkt. Sie erkannte darin, was sie selbst gerade fühlte – dieses Zittern unter der Oberfläche, dass man nicht Angst nennen konnte, weil es sich zu gut anfühlte.
Der Kaffee lief durch. Keiner von beiden schaute hin.
Sie trat einen Schritt auf ihn zu. Nur einen – aber in dieser Wohnung, ohne weiße Wände und Stationsgeräusche und die Rolle, die sie dort immer gespielt hatte, fühlte sich ein Schritt anders an. Weiter. Entschiedener.
Er löste sich langsam vom Türrahmen.
Sie trafen sich in der Mitte der Küche, und diesmal wussten beide, was als nächstes kam. Kein Zögern mehr, keine unausgesprochene Frage. Seine Hände fanden zuerst unter dem Shirt ihre Taille, dann ihren Rücken – fest, warm, als hätte er genau gewusst, wohin sie gehörten. Sie griff nach seinem Kragen, dann spürte sie, wie er den Atem kurz anhielt, genau wie damals.
Der Kuss war anders als der im Krankenhaus. Dort war es ein Anfang gewesen, tastend und aufgeladen mit allem Ungesagten. Hier war es eine Fortsetzung – tiefer, sicherer, hungriger, als hätten sie vier Tage in einem Atemzug nachgeholt.
Irgendwann hörte die Kaffeemaschine auf zu rauschen.
Keiner von beiden bemerkte es.
Er zog sie näher, und sie ließ es zu, beide taumelnd einen halben Schritt rückwärts, bis sie mit dem Rücken an die Küchenzeile stieß. Sie keuchte leise gegen seinen Mund. Seine Lippen wanderten – kurz zu ihrem Kiefer, dann zu ihrem Hals – und sie schloss die Augen und vergaß für einen Moment vollständig, dass sie jemals irgendetwas anderes getan hatte als genau das hier.
„Der Kaffee wird kalt", murmelte sie.
„Ja", sagte er, ohne aufzuhören.
Sie lachte – atemlos, leise – und zog ihn am Kragen tiefer in die Wohnung.
Den Kaffee tranken sie später. Endlich wurden Träume wahr.
diese Erzählung ist eine neue Geschichte, geschrieben als eine unterhaltsame Reise in die Welt der Emotionen. Denn bereits ein sinnlich geschriebenes Wort kann entflammender als eine Berührung sein. Taucht ein in die Geschichte voller Liebe und Sehnsucht, die uns an unerwartete Orte führt. Zwischen den Zeilen dieser Geschichte findet ihr Spannung, erotische Leidenschaft und das Flüstern der Vergangenheit.
Eure Anregungen, Ideen und Kritiken haben mir geholfen, diese Geschichte zu formen, deren Fortsetzung nicht ausgeschlossen ist. Ich lade euch ein, eurer Fantasie nun freien Lauf zu lassen.
Viel Vergnügen beim Lesen von „Wenn Träume wahr werden“
Vielleicht wird beim Lesen dieser Geschichte für den einen oder anderen von euch auch ein Traum wahr.
Sollte jemand sich darin erkennen, so ist das unbeabsichtigt geschehen, da die hier handelnden Darsteller und deren Namen selbstverständlich frei erfunden sind.
Viel Spaß mit den nächsten Zeilen und wie immer gilt das Motto:
Lesen ist sexy und macht sexy – wenn man die richtige Lektüre zur Hand hat.
In diesem Sinn, viel Freude.
Eure
Sanne Anderson.
Im Sommer, wenn sich die Insel Rügen mit Leben füllt, spüre ich die sehnsuchtsvollen Blicke der Urlauberinnen, die mich ansehen, als wäre ich Teil dessen, wonach sie hier suchen – nach Freiheit und nach einem lustvollen Abenteuer. Manchmal halte ich den Blickkontakt einen Moment länger als nötig - gelegentlich lächle ich zurück. Ab und an flirte ich mit der einen oder anderen hübschen Urlauberin, oftmals gehe ich aber einfach weiter, während ihre heißen Blicke mir folgen.
Die große Liebe? Ich spüre sie wie eine leise Spannung in der Luft, ein kaum hörbares Knistern, das sich in mir festsetzt. Ich stelle mir vor, dass sie genauso ungeduldig ist wie ich. Schüchtern vielleicht, vorsichtig – als würde sie um den heißen Brei kreisen, immer wieder ansetzen, zurückweichen, um auf ein Zeichen zu warten, das nur wir beide verstehen. Und doch ist da diese innere Unruhe, dieses Prickeln, das verrät, wie sehr sie sich fragt, was geschieht, wenn wir uns endlich begegnen. Vielleicht hat sie sich verlaufen, irgendwo zwischen falschen Abzweigungen und halbherzigen Ausreden. Oder – und dieser Gedanke lässt mein Herz schneller schlagen – vielleicht steht sie längst am Strand. Barfuß im warmen Sand, der Wind spielt mit ihrem Haar, der Blick aufs Meer gerichtet. Und während die Wellen anrollen, fragt sie sich langsam, ob ich überhaupt noch komme. Ob ich den Mut finde, den letzten Schritt zu tun. Ob ich erkenne, dass sie schon da ist – wartend, hoffend, voller leiser Spannung, die nur darauf wartet, sich zu entladen, sobald unsere Wege sich endlich kreuzen.
Ben. Benno Sturm, falls jemand Wert auf vollständige Namen legt. Zweiunddreißig, eins neunzig.
Seit einigen Jahren nenne ich Deutschlands größte Insel mein Zuhause.
Nicht wegen der Postkartenidylle der Kreidefelsen oder der Strände, an denen Touristen ihre Handtücher wie bunte Markierungen im Sand verteilen. Mich hält etwas anderes hier – etwas, das tiefer geht als schöne Aussichten. Mein Alltag beginnt dort, wo die Ostsee aufhört, zahm zu sein da wo der Wind schärfer wird, das Wasser dunkler, und die Luft diesen salzigen Biss bekommt, der einem sagt, dass man weit draußen ist. Und dann tauchen sie auf: die weißen Giganten, die aus dem grau-grünen Wasser ragen wie eine stille Armee. Der Offshore-Windpark vor Rügen.
Als Windenergieanlageningenieur sorge ich dafür, dass sich diese Kolosse weiterdrehen. Klingt technisch, fast steril. Ist es nicht. Da draußen gibt es keine Bürostühle, keine Klimaanlagen, keine kontrollierbaren Bedingungen. Es gibt nur Wind, Wasser, Stahl – und die Gewissheit, dass die Natur stärker ist als alles. Manchmal, wenn wir hinausfahren, fühlt es sich an, als würde ich eine unsichtbare Schwelle übertreten – hinein in ein Reich aus Wind, Stahl und Wellen, das mich prüft und zugleich unwiderstehlich anzieht. Zwischen Mensch und Meer entsteht ein elektrisierendes Knistern, ein Versprechen, dass dort draußen etwas wartet, das mich verändern könnte.
Fast täglich brechen wir auf, und die Ostsee zeigt jedes Mal ein anderes Gesicht. An klaren Tagen funkeln die Wellen wie Splitter aus Glas. Bei Sturm zerrt der Wind an uns, die Gischt schlägt über das Deck, und die See bäumt sich auf wie ein Wesen, das seine Macht demonstriert. Wenn das Wetter kippt, wird jede Überfahrt zur Prüfung. Das Deck schwankt, Salzwasser brennt in den Augen, und ich klammere mich an die Reling, spüre das kalte Metall, während mein Magen sich mit jeder Welle zusammenzieht. Und dann gibt es diese Nebeltage, an denen die Welt verschluckt wird – Küste, Horizont, selbst die eigene Hand. Die Ostsee verhandelt nicht. Sie fordert Respekt. Und vielleicht ist es genau diese kompromisslose Ehrlichkeit, die mich immer wieder hinauszieht – diese Kraft, die einen zwingt, ganz wach, ganz gegenwärtig zu sein. Oben auf den Anlagen, zwischen surrenden Turbinen und dem konstanten Pfeifen des Windes, zählt nur eines: absolute Präsenz. Jeder Handgriff muss sitzen. Ein falscher Schritt auf dem nassen Stahl, ein Moment der Unachtsamkeit, und die Tiefe unter mir wird sehr real. Ich habe gelernt, diese Angst zu respektieren – sie schärft die Sinne, hält mich lebendig. Am Ende all dieser Tage draußen auf der Ostsee bleibt etwas, das sich kaum beschreiben lässt - eine einfache, tiefe Zufriedenheit. Die Insel Rügen ist schön, ja. Aber ihre wahre Schönheit liegt nicht in den Postkartenmotiven, sondern dort draußen, wo die Ostsee zeigt, wer hier das Sagen hat. Und wenn ich spät am Abend am Strand stehe, den Blick auf die blinkenden Lichter des Windparks gerichtet – eine kleine Stadt aus Stahl und Licht mitten im Meer –, dann spüre ich, hier gehöre ich hin.
Rügen hat mich geformt. Das raue Klima auf der Insel, das eisige Wasser der Ostsee, das mich jeden Morgen daran erinnert, dass ich noch lebe. Nicht zuletzt die Radstrecken, auf denen der Wind mir Geschichten zuflüstert, die ich nicht immer verstehe. Manchmal habe ich das Gefühl, die Insel weiß mehr über mich als ich selbst — und verrät es mir nur häppchenweise. Sport ist mein Rückzugsort, mein Kompass, mein stiller Verbündeter. Dort, wo der Alltag verstummt, höre ich nur meinen Atem, meinen Herzschlag und manchmal etwas anderes. Ein leises Echo, ein Gefühl, als würde etwas auf mich zukommen. Etwas, das ich nicht benennen kann, aber das mich trotzdem lächeln lässt. Was davon bleibt, zeichnet sich auf meiner Haut ab: klare Linien, Kraft, eine Präsenz, die mich selbst überrascht, wenn ich meinem Spiegelbild begegne. Es schaut aus, als würde da ein Mann stehen, der mehr sucht, als er zugibt — und vielleicht kurz davor ist, genau das zu finden.
Dieser Tag hätte in meiner Erinnerung perfekt bleiben sollen. Der Himmel war so intensiv blau– dieser satte Farbton, den man so auf Fotos nie eingefangen bekommt. Die Sonne brannte mir auf den Nacken, auf die Unterarme und ich spürte schon, wie meine Haut sich röten würde. Das salzige Aroma der Ostsee hing in der Luft, vermischt mit dem grasig-frisch und erdigen Geruch des Strandhafers, diesem modrigen Duft von angeschwemmtem Tang und den geteerten Buhnen. Ich kannte jeden dieser Gerüche auswendig. Es war meine Stammstrecke, die ich schon hunderte Male gefahren bin, kannte jede Kurve, jeden Anstieg, jeden Punkt, wo der Asphalt brüchig wurde. Meine Beine fanden den Rhythmus von selbst, die Pedale drehten sich, als wären sie Teil von mir. Heute fühlte sich alles leichter an – als hätte jemand die Schwerkraft ein bisschen heruntergedreht. Meine Muskeln waren warm, geschmeidig, der Schweiß lief mir über die Schläfen. Es fühlte sich verdammt gut an. Ich lehnte mich in die Kurve, spürte, wie mein Gewicht das Rad führte, wie die Reifen griffen. Mein Puls beschleunigte – nicht vor Anstrengung, sondern von diesem Adrenalinkick, den ich liebte. Hinter der Hecke öffnete sich die Straße zu einer langen Geraden. Felder zogen sich bis zur Küstenlinie, ein Traktor tuckerte weit vorne vor sich hin, Schwalben zogen ihre Kreise über den Feldern. Mein Kopf war leer. Endlich leer! Kein Gedanke an die Arbeit, an die Anlagen da draußen auf dem Meer, an nichts. Nur das hier – die Straße, das Rad, die Geschwindigkeit. Ich wollte mehr davon. Jetzt. Alles geben. Ich trat härter in die Pedale, spürte, wie meine Oberschenkel brannten, wie die Geschwindigkeit anzog. Der Wind wurde lauter, pfiff an meinem Helm vorbei. Jede Unebenheit der Straße übertrug sich auf meinen Körper. Innerlich musste ich lächeln. Das! - war Freiheit. Dann sah ich ihn – den Kies. Nur für einen Wimpernschlag. Eine kleine Stelle, vielleicht so groß wie meine Handfläche, wo lose Steinchen auf dem Asphalt lagen. Zu spät. Viel zu spät. Das Vorderrad traf die Steinchen, und ich spürte sofort, wie der Grip weg war. Das Rad rutschte zur Seite, als hätte jemand es mir unter den Händen weggezogen. Mein Gehirn schrie: „Korrigieren! JETZT!"
In diesem Augenblick brach das Vorderrad komplett weg.
Und dann flog ich.
Es war surreal – ich sah den Himmel, dann die Straße, dann wieder den Himmel. Mein Körper drehte sich, ich hatte keine Kontrolle mehr. Ein Teil von mir dachte noch klar: „Das wird gleich ganz böse enden." Der Aufprall kam härter als alles, was ich je erlebt hatte. Meine Schulter zuerst – ein stumpfer, explosiver Schmerz, der durch meinen ganzen Körper schoss. Dann der Oberkörper, der in den Lenker einschlug, die Arme und die Hände, die nicht losließen. Ich rutschte, schlitterte über den heißen Asphalt. Ich hörte das Geräusch – dieses grauenhafte Schleifen von Haut auf rauem Stein, das Reißen von Stoff, das Kratzen von Metall. Mein eigenes Keuchen, atemlos, panisch. Der Schmerz war überall. Brennend, stechend, alles auf einmal. Mein Kopf knallte auf den Boden – trotz Helm spürte ich den Aufprall bis tief in den Schädel. Hinter meinen geschlossenen Augen explodierten weiße Lichtblitze, grelle, schmerzhafte Punkte, die nicht verschwinden wollten. Für einen Moment – vielleicht eine Sekunde, vielleicht länger – war da nichts. Nur Weiß. Nur Schmerz. Nur dieses Gefühl, als wäre mein Körper auseinandergerissen.
Dann... Stille.
Nicht wirkliche Stille. Ich lag auf dem Rücken, oder auf der Seite, ich wusste es nicht genau. Irgendwie war mein Körper unnatürlich verdreht. Der Asphalt unter mir war heiß, brannte durch mein zerrissenes Trikot auf meiner Haut. Ich versuchte zu atmen, aber jeder Atemzug stach wie ein Messer in die Rippen - zu flach - zu schnell -nicht genug Luft. Und dann hörte ich es: das Meer. Das gleichmäßige, ewige Rauschen der Wellen in der Ferne. Als wäre alles andere – die Straße, der Wind, mein eigenes Herz – verschwunden. Nur noch das Meer und ich. Ich blinzelte. Der Himmel war immer noch blau. Immer noch perfekt - absurd. Meine Schulter fühlte sich falsch an – als gehörte sie nicht mehr zu mir, als wäre sie um neunzig Grad verdreht. Brennender Schmerz schoss bis in meine Fingerspitzen. Ich wagte nicht, mich zu bewegen. Meine Hüfte – da war etwas Warmes, Klebriges. Blut. Ich musste nicht hinsehen, um es zu wissen. „Fuck! Fuck! Fuck!", flüsterte ich. Meine Stimme klang fremd, brüchig. Oder hatte ich es nur gedacht? Alles drehte sich, obwohl ich still dalag. Das Rauschen des Meeres wurde lauter, füllte meinen Kopf, überdeckte fast mein eigenes Herz, das wie verrückt hämmerte. Dann der sonderbare Geschmack von Blut im Mund – metallisch, salzig. Ich schloss die Augen. Ein einziger Gedanke, klar und einfach: Warum musste mir das gerade heute passieren?
Die Sommersonne stand hoch über der Ostsee. Zuerst war es nur ein fernes Wummern, kaum zu unterscheiden vom Wind. Dann wuchs es – ein dumpfes Tuckern, das die Luft zu füllen begann, bevor man ihn sah. Er tauchte über den Baumwipfeln auf, eine rote Maschine gegen den blauen Himmel, und der Lärm war plötzlich überall, als der Rettungshubschrauber über dem Landeplatz vor der Notaufnahme des Krankenhauses in Bergen einschwebte. Der Abwind erfasste das Gras, peitschte es flach, wirbelte Staub auf. Alle duckten sich instinktiv. Mit einem leisen Ächzen des Fahrwerks setzte er auf.
Ein Radfahrer, Anfang dreißig, war auf der Küstenstraße bei Glowe mit dem Rad gestürzt. Vermutlich ein Schädelhirntrauma und dazu multiple Frakturen beider Arme und Rippen – ein einziges Polytrauma. Die Ärzte kämpften stundenlang im OP, stabilisierten ihn, richteten die Brüche.
Bens Körper wachte aus der Narkose nicht auf, sodass die Ärzte sich entschieden ihn in ein künstliches Koma zu versetzen.
Zwei Tage später betrat Schwester Lena zum ersten Mal das Zimmer 217. Mit 29 Jahren hatte sie schon viele Patienten auf der Intensivstation betreut, doch dieser Fall berührte sie auf seltsame Weise stärker. Der Mann wirkte, als hätte man ein Puzzle zusammengesetzt. Beide Arme verschwanden unter Lagen von Verbänden und Metallschienen, stabilisiert, fixiert. Sein Gesicht – eine geschwollene Maske mit unzähligen Blutergüssen, übersät mit Schrammen, als wäre er über Asphalt geschleift worden. Das einzig Beruhigende: das stetige Piepsen der Monitore, elektronische Lebenszeichen in regelmäßigen Abständen. Das stetige Zischen und Pfeifen der Beatmungsmaschine durchdrang die Stille des Krankenzimmers. Mit jedem mechanischen Atemzug hob und senkte sich sein Brustkorb – fremdbestimmt, präzise getaktet. Die Maschine atmete für ihn, übernahm eine Funktion, die sonst so selbstverständlich war, dass niemand darüber nachdachte.
In seinen Sachen hatte man einen Ausweis gefunden. Lenas neuer Patient war Insulaner, 32 Jahre und hieß Benno Sturm. „Guten Morgen, Herr Sturm!”, sagte Lena leise, freundlich lächelnd, während sie seine Vitalwerte kontrollierte. Ihre Haut trug den warmen Ton unzähliger Stunden im Freien, ein sanftes, sonnengebräuntes Leuchten, das selbst im gedämpften Licht des Krankenzimmers nicht verblasste. Wie so oft trug sie einen Hauch ihres Lieblingsparfüms. Der sportlich feminine Duft mit seiner Limettennote wirkte energiegeladen und spritzig – ein lebendiger Auftakt, der sofort Frische und Leichtigkeit verströmte. Der Duft passte zu ihr, zu ihrem bewegten Alltag, zu ihrer Art, den Raum mit stiller Präsenz zu füllen. Trotz der dynamischen, fast sportlichen Basis blieb eine feine Eleganz spürbar. Zarte Nuancen von Neroli oder Freesie rundeten die Limette ab, gaben dem Duft eine weiche, feminine Tiefe. Es war ein Parfüm, das Selbstbewusstsein und Lebensfreude ausstrahlte – modern, unkompliziert, erfrischend und doch mit einer Raffinesse, die man erst im zweiten Atemzug bemerkte. Genau deshalb liebte sie ihn. Dieser Duft war Lena – nah, lebendig, unverwechselbar. Lena hatte einen Körper, der nicht laut um Aufmerksamkeit bat und doch sofort auffiel, wenn man in ihrer Nähe war. Schlank, kompakt, geschmeidig – als wäre jede Bewegung das Ergebnis eines Lebens, das Kraft und Leichtigkeit gleichermaßen verlangte. 1,67 groß, leicht, knappe 52 kg Gewicht, schöne feste Brüste, Körbchen 85 c. Nichts an ihr wirkte hart oder übertrainiert. Die schmale Taille, die ruhige Linie ihres Rückens, die geschmeidigen Hüften – all das fügte sich zu einer Natürlichkeit. Wenn sie sich vorbeugte oder drehte, folgte ihr Körper einer inneren Logik, einer stillen Eleganz, die man erst bemerkte, wenn man ihr wirklich zusah. Ihre Schultern waren definiert, aber nicht kantig; ihre Arme erzählten von Kraft, die aus Alltag und Bewegung kam. Und dann ihr Haar: dunkelblonde Locken, lang genug, um ihr bis zum Po zu reichen, wild und lebendig. Sie hatte sie wie immer für die Arbeit hochgesteckt — nicht streng, sondern mit dieser beiläufigen Eleganz, die entsteht, wenn man etwas oft und ohne Eitelkeit tut. Einzelne Strähnen hatten sich gelöst und kringelten sich frei um ihren Hinterkopf, als wollten sie sich nicht zähmen lassen. Trotz ihrer sportlichen Konturen war etwas unverkennbar Feminines an ihr. Es lag in der Art, wie sie atmete, wie sie den Kopf leicht zur Seite neigte, wie ihr Blick ruhig blieb, selbst wenn ihr Körper nach Anstrengung aussah. Eine Mischung aus Stärke und Sanftheit, die nicht erlernt war, sondern gewachsen – Schicht für Schicht, Jahr für Jahr. Man sah ihr an, dass auch sie ihren Körper forderte.
Lena strich sich eine dunkelblonde Locke aus dem Gesicht und betrachtete Ben nachdenklich. Leise flüsternd sprach sie mit ihrem neuen Patienten. „Ich bin Schwester Lena Richter. Ich werde mich ab sofort um Sie kümmern.”
Niemand wusste, wie lange Ben im Koma bleiben würde. Die Ärzte sprachen von Tagen, vielleicht Wochen.
Im Koma waren Träume seltsam konkret. Er fuhr wieder über die Insel, aber die Straße war endlos leer und Strandhafer wuchs wild am Rand, als wolle er alles überdecken. Manchmal hörte er Stimmen, die wie Muschelschläge an sein Ohr klopften; manchmal war da ein Licht, das nicht zu deuten, manchmal die Präsenz einer Hand, die nicht zu greifen war und immer wieder dieser einzigartige kaum wahrnehmbare Duft von Limette und sonnengebräunter Haut. Schmerzen wurden zu flackernden Bildern, Angst zischte wie Wind.
Seine Mutter war aus Berlin angereist, saß stundenlang an seinem Bett, doch sie musste wieder zurück. „Bitte passen Sie auf meinen Jungen auf. Ben hat sonst niemanden, der sich um ihn kümmern könnte.”, bat sie Lena mit Tränen in den Augen.
Die Tage verloren Namen. Lena übernahm freiwillig so viele Schichten wie möglich in Zimmer 217. Er merkte nur am Rhythmus der Schritte, dass jemand die Grenze zwischen seinem Körper und der Welt bewachte. In den folgenden Wochen entwickelte sich eine stille Routine. Lena wusch Ben vorsichtig, lagerte ihn, massierte seine Beine, strich über seine durchtrainierten Waden, damit die Muskeln nicht verkümmerten. Und sie sprach mit ihm. Anfangs nur über praktische Dinge – das Inselwetter da draußen, ihre Lieblingsmusik und über das, was sonst auf der Welt geschah. Doch eines Tages, an einem besonders schönen Nachmittag, brachte sie ein Buch mit.
„Da ich dich nun schon so lange betreue dachte ich, wir können auch du zueinander sagen. Ich bin Lena und du bist Benno. Bestimmt rufen dich alle nur Ben, so wie deine Mutter - schön dich kennenzulernen Ben.“ Sie streichelte zärtlich über sein immer noch geschwollenes Gesicht. „Ich habe gelesen, dass Komapatienten manchmal Stimmen hören können.”, erklärte sie, mehr zu sich selbst als zu ihm. „Deswegen möchte ich dir fortan etwas vorlesen.” Lena hatte ihren Lieblingsliebesroman von Barbara M, der auf Deutschlands schönster Insel spielte, mitgebracht. Er handelte von einem jungen Paar in einem ähnlichen Alter. Wenn sie vorlas, erfüllte ihre warme, melodisch klingende Stimme das Krankenzimmer. Immer wieder fragte sie sich dabei in ihren Gedanken wie seine Stimme klingen mochte.
Die Tage verschmolzen ineinander. Lenas graue Augen suchten zum Schichtbeginn zuerst nach Bens Gesicht, hofften auf ein Zucken, ein Zeichen. Sie lernte seine Züge kennen – die kleine Narbe über der linken Augenbraue, die Art, wie seine dunklen Locken trotz allem noch leicht nach links fielen. Sie entdeckte an seinem Handgelenk ein verblasstes Tattoo: einen Kompass. „Warst du auf der Suche nach etwas? Oder bist du auf der Suche nach Irgendwem?”, fragte sie leise, während sie das Buch zur Seite legte und seine bandagierte Hand vorsichtig in ihre nahm. „Oder bist du einfach nur gerne unterwegs?”
Lena war schon lange auf der Suche. Nicht nach irgendetwas, sondern nach der Liebe ihres Herzens. Immer wenn sie Ben wusch, lagerte oder seine Wunden neu verband betrachtete sie seinen Körper ausgiebig. Sie mochte seine breiten muskulösen Schultern, genauso wie den Flaum, der langsam wieder zwischen seinen Beinen anfing zu wachsen. Immer wenn sie ihn an seiner intimen Stelle vorsichtig berührte, träumte sie davon, wie es wohl wäre ihn einmal in sich spüren zu können. Sie hatte schon lange keinen Mann mehr im Bett gehabt. Ihren letzten Freund hatte sie abgeschossen, nachdem er sie immer wieder und wieder mit Inselurlauberinnen betrog. Wenn sie die große Lust überkam, halfen erotische Spielzeuge oder ihre flinken Finger das Feuer der Lust zwischen ihren Beinen zu löschen. Aber auf Dauer war das kein wirklicher Ersatz für einen richtigen Schwanz, in den sein Besitzer beim Anblick ihres nackten, braungebrannten, sportlichen Körpers viel Blut pumpte. Sie mochte gut gebaute Männer, liebte es richtig ausgefüllt und hart genommen zu werden. Ihre kleine immer frisch rasierte Muschi brannte förmlich nach einem Exemplar wie diesem hier. Oft nach ihrer Schicht, wenn sie daheim unter der Dusche stand, besorgte sie es sich so heftig mit ihrem dicksten Dildo. Dabei hatte sie stets Bens wohlgeformten, stark geäderten Schwanz vor Augen.
Es war in der zweiten oder dritten Woche, als sie merkte, dass ihre Gefühle über reine Fürsorge hinausgingen. Sie dachte an ihn, wenn sie nach Hause fuhr, stellte sich vor, wie seine Stimme klingen mochte, wie er lachte. Sie fragte sich oftmals, ob er wohl in festen Händen sei. Verwarf diese Gedanken aber immer wieder, denn nie war weiblicher Besuch zu ihm gekommen. Regelmäßig erkundigten sich nur seine Mutter und seine Kollegen nach seinem Befinden. Es war absurd – sie kannte diesen Mann nicht. Und doch fühlte es sich an, als würde sie ihn durch die stillen Stunden, die sie mit ihm verbrachte, besser verstehen als manche Menschen, die sie seit Jahren kannte.
„Ich weiß, das ist verrückt”, gestand sie ihm eines Abends, als das goldene Licht der untergehenden Sonne durchs Fenster fiel. Draußen rauschte die Ostsee. „Aber ich wünsche mir so sehr, dass du aufwachst. Nicht nur, weil du gesund werden sollst. Sondern weil ich dich kennenlernen möchte. Den echten Ben.”
Ihre Kolleginnen hatten es längst bemerkt. „Du verbringst viel Zeit bei ihm.”, warnte ihre Freundin Kerstin sanft. Doch Lena konnte nicht anders. Sie hatte sich längst in Ben verliebt.
Es war an einem Augustnachmittag, als sie wie jeden Tag das Buch zur Hand nahm und zu lesen begann. Plötzlich spürte sie einen winzigen Druck an ihrer Hand. Ihr Herz setzte aus. Sie blickte auf – und sah, wie sich Bens Finger ganz leicht bewegten.
„Ben?”, flüsterte sie, ihre Stimme brüchig vor Hoffnung.
Er erwachte langsam, als würde jemand im Raum ein Fenster öffnen. Zuerst das Gefühl von Fremdheit, dann die unsichere Kontur eines Gesichts. Immer wieder schloss er vor Erschöpfung seine Augen. Langsam, qualvoll langsam, öffnete er sie immer wieder - desorientiert, verwirrt. Sie stand am Fußende seines Bettes, leicht im Licht des Spätnachmittags und wirkte größer in seiner Wahrnehmung als der Raum. Er begann gegen die Maschine, die ihn beatmete, anzukämpfen. Licht nahm Form an – und vor ihm stand sie: eine wunderschöne, sportliche junge Frau. Ihr Haar fiel in dunkelblonden Locken bis zum Po, einzelne Strähnen fielen ihr ins Gesicht. Die Haut war von der Sonne verwöhnt, als hätte sie nur Zeit am Meer verbracht. Dazu dieser zarte Duft von Limette. Eben dieser Duft war es den er so oft im Koma unterschwellig wahrgenommen hatte - nein, es war doch keine Einbildung gewesen - dieser Duft war real. Ihre wachen Augen waren grau, und in ihnen lag etwas, das zugleich aufmerksam und unerschrocken war. Als sie lächelte, war es kein bloßes Lächeln, sondern ein kleiner, souveräner Bogen, der kaum die Mundwinkel anhob und doch die Kälte im Zimmer mildern konnte. Seine Augen suchten den Raum ab, bis sie auf ihrem Gesicht zur Ruhe kamen. Ben fokussierte. Lena drückte rasch die Notfallklingel. Die herbeigeeilten Ärzte untersuchten den Erwachenden sehr genau. Sie sprachen beruhigend mit ihm, erklärten wo er sei, was passiert war. Ben atmete nach Wochen endlich wieder von selbst stabil.
Seine Lippen bewegten sich, formten heiser ein kaum hörbares Wort: „Lena?” Tränen rannen über ihre gebräunten Wangen. „Ja, ich bin es. Willkommen zurück Ben.” Es würde ein langer Weg der Genesung werden. Die Ärzte waren vorsichtig optimistisch. Doch als Ben sie an diesem ersten Tag ansah, mit einem schwachen, aber echten Lächeln, wusste Lena: Manche Geschichten beginnen in der Stille, in den Momenten, in denen man einfach da ist, wartet und hofft. Und manchmal, ganz manchmal, bekommen sie eine zweite Chance. Sie bewegte sich mit dieser routinierten Gelassenheit derer, die oft zwischen Not und Fürsorge vermitteln. Ihre Stimme, als sie sprach, war sanft und doch bestimmt. Sie sagte seinen Namen, und in dem Klang war die Bestätigung, dass die Welt noch da war. Die ersten Minuten waren fragil. Worte kamen langsam, als müssten sie die angeschlagene Muskulatur umgehen. Er fand kaum die Kraft, sich zu orientieren, aber jede Bewegung wurde mit einer sorgfältigen Frage belohnt, jeder Blick mit einem prüfenden, ruhigen Interesse. Ihre Hände blieben in Ruhe, hielten nur die Distanz, die bei einer ersten Begegnung angemessen schien. Ben beobachtete sie, versuchte, die Form ihrer Stirn zu lesen, die Art, wie ihr Kinn leicht geneigt war, das fließende Muster aus Locken, die in der Dämmerung wie eine dunkle Welle glänzten. In ihren grauen Augen glomm etwas, das ihn überraschte. Eine stille Neugier, etwas Warmes, Offenes, das ihn näher an sie heranzog, ohne dass sie sich bewegte. Lena sah ihn an, als wollte sie jede Schicht seines Schweigens verstehen. Ihre Fragen standen unausgesprochen in ihrem Blick, drängend, neugierig, fast vertraulich – als hätte sie längst Zugang zu einem Teil von ihm, den er sonst niemandem zeigte. Sie beugte sich nur einen Hauch näher, doch dieser winzige Abstand reichte, um die Luft zwischen ihnen zu verändern. Ben spürte, wie sein Schmerz sich zurückzog, nicht weil er verschwunden wäre, sondern weil ihr Blick ihn festhielt, ihn ernst nahm, ihn auf eine Weise berührte, die er nicht erwartet hatte. Für einen Moment fühlte er sich gesehen, entblößt und zugleich geschützt – ein Widerspruch, der ihm den Atem stocken ließ. Langsam erzählte sie von den nächsten Schritten, von Operationen und Physiotherapie.
Die Wochen danach fühlten sich für Ben an wie das Erlernen einer neuen Sprache. Jeder Handgriff, jede Therapieeinheit forderte Geduld. Lena machte sich immer besonders zurecht, bevor sie in Bens Zimmer kam. Jedes Mal war der Reißverschluss ihres Kittels etwas weiter geöffnet als sonst üblich, gewährte Ben einen tiefen Einblick auf ihre wundervollen braungebrannten Brüste. Sie dachte immer an ein Sprichwort: „Mit Speck fängt man bekanntlich Mäuse.“ Ben genoss diesen Ein – und Anblick sehr. In seiner Fantasie malte er sich aus wie es wäre, einmal diese beiden festen Brüste in seinen Händen zu halten, sie zu küssen, verträumt mit der Zunge ihre Nippel zu verwöhnen und intensiv an ihnen zu saugen. Ihn hatte sie längst in ihrem Bann.
Seine Genesung ging schneller voran als von den Ärzten erwartet. Er war ein Kämpfer und das war es, was Lena so großartig an ihm fand.
Die Krankenstation war ruhig in dieser Abendstunde. Das gedämpfte Licht warf lange Schatten auf die weißen Wände, und irgendwo auf dem Gang summte leise ein Gerät. Lena hatte ihre letzte Runde fast abgeschlossen, als sie das Zimmer von Ben betrat – wie jeden Abend, um die Werte zu prüfen und zu sehen, ob er noch etwas brauchte. Rasch öffnete sie den Reißverschluss ihres Kittels etwas weiter als sonst. Er saß aufrecht im Bett, das Buch auf dem Schoß – aufgeschlagen, ungelesen. Er hatte nicht einmal versucht, so zu tun als ob. Nicht heute Abend.
Als sie eintrat, lagen seine Augen sofort auf ihr. Dieser Blick – sie kannte ihn inzwischen zu gut. Nicht aufdringlich oder unangenehm - nein. Es war der Blick von Jemandem, der etwas genau betrachtete.
„Endlich bist du da.“, murmelte er, leise genug, dass es fast wie ein Geheimnis klang. Dieses kleine, herausfordernde Lächeln spielte um seine Lippen – das Lächeln, das Lena jedes Mal aus dem Konzept brachte.
„Natürlich, ich komme zu meine Abendrunde.“ Sie lehnte sich an den Türrahmen, ließ die Tür langsam ins Schloss gleiten und hob eine Augenbraue. „Wer sonst sollte sich so hingebungsvoll um meinen Lieblingspatienten kümmern?“
„Hingebungsvoll, hm?“ „Lieblingspatienten." Er ließ die Worte stehen. „Das klingt fast gefährlich." Er verschränkte die Arme, als wolle er sie testen. „Ich dachte schon, du kommst nur vorbei, um mir wieder eine dieser fiesen ******** zu geben.“
Lena trat einen Schritt näher, gerade so weit, dass er ihren Duft wahrnahm. „Wenn ich dich ärgern will, merkst du das. Das hier…“ Sie deutete auf ihn, auf den Raum, auf die Spannung dazwischen. „…ist persönlicher Service.“
„Service?“ Er lachte leise. „Dann hoffe ich, dass der heute besonders gründlich ausfällt.“
„Mach dir keine Sorgen.“ Sie lächelte süß und frech-erotisierend zugleich. „Ich bin bekannt für gründliche Arbeit. Das solltest du mittlerweile gemerkt haben.“
„Das klingt nach Dienst nach Vorschrift.", sagte er leise und dann: „Lügnerin!“
Sie sah Ben intensiv an. Er hielt ihrem Blick stand – ruhig, warm, mit diesem leisen Leuchten, das ihr den Atem kurz verschlug, wenn sie nicht aufpasste.
Sie passte nicht auf.
Lena trat näher, griff gefühlvoll nach seinem Handgelenk, suchte routiniert seinen Puls. Nichts weiter.
„Wie geht es dir heute Abend?", fragte sie ihn leise lächelnd.
„Besser!", sagte er. „- ähm – genau seit ungefähr fünfundvierzig Sekunden."
Seine Haut fühlte sich heute Abend besonders warm an. Ihr Puls – nicht seiner – machte etwas, das sie nicht laut dachte.
„Erhöht.", murmelte sie mehr zu sich selbst.
„Ja." Er sah sie an. „Bei dir auch?"
Ganz langsam ließ Lena sein Handgelenk los.
„Tabletten?", fragte sie sichtlich verwirrt.
„Natürlich."
Sie reichte sie ihm, das Glas Wasser dazu. Er nahm beides, trank, gab ihr das Glas zurück – seine Finger streiften ihre, kurz, und keiner von beiden tat so, als wäre es nicht passiert.
„Weißt du", sagte er, „ich frage mich manchmal, was du machst, wenn du hier rausgehst und Feierabend hast."
Lena dachte bei sich, wenn du wüsstest, was ich manches Mal unter der Dusche so mache und mir dabei vorstelle, dass ich es mit dir treibe – du würdest rot werden. Nur das konnte sie ihm nicht sagen. Es blieb ihr geheimster Wunsch.
„Schlafen.", sagte sie schnell, denn etwas Besseres fiel ihr auf die Schnelle nicht ein. Mit der Wahrheit konnte sie nicht um die Ecke kommen – noch nicht. Man Lena, dachte sie bei sich, was redest du für einen Blödsinn. Kann es sein, dass du mächtig untervögelt bist, meldete sich ihr Unterbewusstsein einmal mehr zu Wort.
„Und davor?", fragte Ben weiter.
„Nach Hause radeln, was sonst.", antwortete sie frecher als von Ben erwartet.
„Und davor?", Ben hörte nicht auf mit dieser Fragerei. Er schien sichtlich Spaß daran zu haben, merkte er doch, dass sie eigentlich etwas ganz anderes Antworten wollte.
Sie hob lächelnd den Blick. „Du hattest drei Versuche gehabt."
„Ich brauche keinen vierten." Seine Stimme war jetzt leiser. „Ich frage mich nämlich auch, ob du das Gleiche fühlst wie ich."
Draußen begann das Wummern – erst fern, dann drängend, das Tuckern des Hubschraubers, das die Stille des Abends verschlang. Die Jalousien zitterten. Der Abwind warf sich gegen die Scheibe. Der Landeplatz unten wurde von Licht und Wind erfasst, alles beugte sich.
Sie stand am Fenster und schaute hinaus, spürte, dass er sie ansah. Das Licht der Abendsonne zeichnete ihre sexy sportlich wirkende Figur nach.
„Beeindruckend.", sagte er.
„Der Hubschrauber?", fragte Lena.
„Was auch immer du möchtest."
Da war es plötzlich - das Knistern.
Es begann, bevor beide es benennen konnten. Ein Gefühl, das sich einschleicht — leise, fast beiläufig — und trotzdem den ganzen Raum verändert. Die Luft wurde dichter. Nicht schwerer, aber irgendwie bewusster. Als würde der Raum selbst bemerken, was zwischen zwei Menschen geschieht.
Ihre Körper wussten es zuerst. Der Verstand suchte noch nach Erklärungen, während der Körper längst entschieden hatte. Eine Wärme, die nicht vom Wetter kommt. Ein Kribbeln auf der Haut, obwohl niemand sie berührt hat. Die Feinhärchen am Unterarm, die sich aufstellen, wenn die andere Person zu nah kommt — oder auch nur nahe genug, um die Möglichkeit zu spüren. Der Blick, der eine Sekunde zu lang bleibt. Und in dieser einen Sekunde passiert etwas Unwiderrufliches: Man hat sich gesehen. Wirklich gesehen. Nicht das Gesicht — sondern die Absicht dahinter.
Sie drehte sich um. Er hatte das Buch auf den Nachttisch gelegt – irgendwann, ohne dass sie es bemerkt hatte. Ben sah sie an, offen, ohne das Lächeln diesmal. Nur dieser eine besondere Blick.
Lena trat einen Schritt näher. Dann noch einen.
„Das hier…", sagte sie leise, „…ist keine gute Idee."
„Nein?", fragte er mit einem erotischen lächeln und dieser Stimme, die Lenas Knie weich werden ließen. „Wahrscheinlich nicht. Aber……" Ben ließ den Satz unvollendet.
Keiner von beiden bewegte sich. Ben schaute tief in ihre grauen Augen. Und dann bewegten sie sich beide. Sie wusste später nicht, wer zuerst – vielleicht war das auch gar keine Frage, die sich stellte.
Es war kein leidenschaftlicher Kuss. Eher ein vorsichtiges Anklopfen. Seine Lippen – trocken, warm – legten sich ganz sachte auf ihre, ohne Druck, ohne Forderung. Ein Atemzug lang hielten beide inne, als würden sie lauschen, ob sich die Welt um sie herum weiterdrehte. Und wie sie sich weiterdrehte.
Ihre Zungen fanden sich sofort – fordernd, kreisend, als wollten beide aufholen, was zu lange auf sich hatte warten lassen. Seine Zunge drängte sich gegen ihre – nicht unhöflich, aber eindeutig. Sie stöhnte leise, fast gegen ihren Willen, und er nahm das als Antwort, die er gesucht hatte.
Ihr Atem kam in Stößen, als sie sich endlich lösten.
Ihre Hand lag an seiner Wange, seine Finger hatten ihren Arm gefunden, und der Kuss war nicht zögerlich. Dann lehnte er sich zurück und sah sie an, ohne Entschuldigung, aber auch ohne Erwartung.
„Das, ", flüsterte er, „– das war keine Tablette." „Nicht wirklich -nein." Er lächelte – anders als vorher, weicher. „Aber das gerade eben war viel wirksamer."
Sie richtete sich auf, ohne ihn anzusehen. Ihre Wangen verrieten sie trotzdem. Lena stand da, das Tablet in der Hand, und spürte, wie ihr Herz vor lauter Freude einen Purzelbaum schlug. Sie öffnete den Mund, schloss ihn wieder. Was hätte sie auch sagen sollen – das geht nicht, das ist nicht erlaubt, ich bin deine Krankenschwester – blieb unausgesprochen. es war doch schließlich ihr innigster Wunsch gewesen, diese Lippen einmal mit ihrem Mund berühren zu dürfen.
„Ich muss die nächsten Zimmer noch machen.", sagte sie schließlich, leise.
„Ich weiß", sagte er. „Kommst du später noch einmal vorbei?“ flüsterte Ben „Bekomme ich jetzt jeden Abend diese besonderen Tabletten von dir?“, fragte er frivol grinsend, während er ihr dabei zuzwinkerte.
„Vielleicht!“, antwortete Lena schnell, zu schnell. „-weil ... Dein Kuss eben schmeckte nach mehr.“, flüsterte sie.
Und mit diesem kleinen, geteilten Einverständnis trat sie einen Schritt zurück in die Welt, aus der sie für einen Moment herausgefallen war. Als sie leise die Tür zu seinem Patientenzimmer schloss, merkte Lena, dass ihre Knie leicht zitterten. Mehr noch spürte sie, wie feucht doch ihre kleine zarte Muschi geworden war. Zum Glück war ihr Feierabend zum Greifen nah. Egal wie fertig sie von dieser Schicht auch war, sie brauchte heute noch zwei Dinge. Ihre Dusche und ihren größten Dildo. Sie musste es sich nachher auf jeden Fall heftig besorgen, so sehr hatte Bens Kuss sie gerade erregt.
Schon beim Radeln nach Hause drückte sie ihre kleine heiße Muschi heftiger gegen den Sattel als üblich. Sie rieb ihre Spalte daran – machte sich schon heiß auf das, was gleich folgen würde. Ein leichter Schauer durchströmte in diesem Augenblick ihren Körper. Die kleinen Härchen an ihren Armen stellten sich auf, sie bekam Gänsehaut als Lena merkte, dass sie förmlich auslief. Es war schon dunkel, als sie daheim ankam. Niemand, außer ihr, nahm die nasse Stelle an ihrer kurzen ausgefransten Jeans wahr. Fuck, dachte sie bei sich. Lena, du bist sowas von heillos untervögelt, bist eine kleine versaute Bitch, wenn du es deiner süßen Spalte schon an dem Fahrradsattel besorgen musst. Selbst schuld, wenn deine Hose dann so ausschaut. Es wird langsam Zeit, dass da mal wieder ein Typ aus Fleisch und Blut zwischen deine Beine darf. Oben angekommen, kickte sie mit dem Hacken die Tür leise ins Schloss. Schon im Flur ließ sie ihre Sachen fallen. Zog das Tanktop über ihren Kopf und die knappe Jeans runter, befreite sich geschickt von ihrem spärlichen Tanga. Zielstrebig steuerte sie auf das Badezimmer und auf die Dusche zu. Sie stellte das Wasser an und genoss den ersten warmen Schwall davon auf ihrer Haut. Es erregte sie heute noch mehr als sonst als das Wasser in kleinen Rinnsalen ihre Schenkel runter floss. Sie spreizte leicht ihre Beine, schon war sie mit ihre Hand an ihrem Lustzentrum. Vor ihrem geistigen Auge lief erneut das gerade mit Ben erlebte wie ein Film. Wieder und wieder – in Endlosschleife. Sie leckte über ihre Lippen und meinte seinen Atem erneut zu spüren, den Duft seiner Haut riechen zu können, während ihre Finger schnell zu ihrer herrlich geschwollenen Perle vordrangen. Gedankenversunken spielte sie mit ihr, heizte sich noch mehr an. Sie ergriff mit der freien Hand ihren Lieblingsdildo, platzierte ihn auf dem Boden der Dusche. Lena war allein durch die Gedanken an Bens Kuss und ihre Berührungen mit der Hand so feucht geworden wie selten zuvor. Sie hockte über ihm. Langsam gefühlvoll ging sie immer tiefer. Sie merkte, wie er ihre Schamlippen berührte. Ganz von allein flutschte er tief in sie hinein – gleich bis zum Anschlag. Er verschwand komplett in ihrer heißen Lusthöhle, etwas, dass ihr sonst nicht auf Anhieb gelang. Ein lautes, langgezogenes, entspannendes „Aaaaahhhhhhhhh!“ entwich ihren Lippen. Vor ihrem geistigen Auge lief ein Film. Lena stellte sich vor das es Ben wäre der sie gerade von hinten so nahm. Dass er es war, der ohne große Vorwarnung mit nur einem kräftigen Stoß in sie eindrang. Er hielt sie dabei mit einer Hand an ihren Haaren, mit der anderen Hand gab er ihr den einen oder anderen Klaps auf ihren Po bevor er anfing ihre festen Brüste zu kneten. Viel Zutun bedurfte es nicht mehr. Ein-, zweimal raus und dann wieder rein, tief zwischen ihre Schamlippen und Lenas Körper wurde mehrfach von einem Orgasmus geschüttelt. Wieder und wieder hatte sie das Gefühl, als würden sie Millionen Ameisen beißen, als hätte jemand 100.000 Volt durch ihren Körper geschickt. Sie merkte, wie ihre Beine nachgaben, bis sie an der Duschwand langsam hinunterglitt. Sie hielt ihren Lieblingsdildo immer noch fest zwischen ihren Schamlippen gefangen, genoss den Moment des vollständigen Ausgefüllt sein. Das warme Wasser der Regenwalddusche traf Lenas Haut wie hundert kleine Hände — und sie schloss die Augen, gab nach, ließ sich innerlich fallen, ohne sich zu bewegen. Mit der einen Hand begann sie erneut ihre Perle zu verwöhnen, während die andere Hand Mühe hatte den Dildo zu greifen. Langsam zog sie ihn raus, aber nur, um ihn wieder kräftig zurückzuschieben – bis zum Anschlag. Rein und wieder raus und wieder rein, etwas gedreht, mal seichter, mal fester - dann wieder langsam rausziehen. Ihre süße Muschi schmatzte, während sie dabei jedes Mal laut vor Lust kehlig stöhnte. Lena liebte es richtig hart genommen zu werden. Fuhr darauf ab komplett ausgefüllt zu sein und wurde erst richtig heiß, je heftiger der Typ tief und tiefer bis zum Anschlag in sie eindrang. Sie liebte es zu merken, wie die Eichel immer wieder oben in ihrer Muschi anstieß. Und vollends glücklich war sie, wenn der Typ richtiges Stehvermögen hatte, durchhielt bis auch sie kurz vor ihrer Explosion war, um sie dann mit kräftigen Hüben seines heißen Saftes vollzupumpen.
Zur gleichen Zeit im Krankenhaus erging es Ben ähnlich. Schon vor seinem Unfall hatte er kaum Gelegenheit, mit oder ohne weibliches Zutun, zu entspannen. Er konnte in diesem Augenblick nicht anders. Auch er musste es sich selbst besorgen - hier und jetzt, so groß war sein Druck. Ben konnte noch immer den Duft von Lenas Haut und ihrem Parfüm in seinem Zimmer wahrnehmen, hatte noch immer das Gefühl ihre warmen Lippen auf seinen zu spüren. Das allein genügte. Er musste feststellen, dass Lena ganz schön raffiniert ihre Reize bei ihm einsetzte und ihre Weiblichkeit gut in Szene gesetzt hatte. Jedes Mal war da ein frivoles, zufriedenes Grinsen auf ihren Lippen, wenn er tief in ihren Ausschnitt späte, um sich an dem Anblick ihrer festen Brüste zu erregen. Er merkte, wie sein Körper bei diesen Gedanken immer mehr Blut in sein bestes Stück pumpte. Seine Eichel wurde groß und immer heißer. Langsam glitten seine Finger zwischen seine Beine und er begann mit leichten Bewegungen seine Eier zu massieren. Völlig gedankenversunken spielte er mit ihnen. Mal vorsichtiger, mal kräftiger, ab und an zog er leicht daran. Und dabei stellte er sich vor, dass es Lena wäre, die ihn so verwöhnte. Ben liebte es, wenn er einen Blowjob bekam, wenn die Frau dabei seine Eier nicht vernachlässigte und sich ihnen hingebungsvoll widmete. Es turnte ihn unwahrscheinlich an, wenn sie mit ihrer Zunge darüberstrich, vorsichtig daran saugte oder an ihnen knabberte. Da sein bestes Stück doch etwas größer als normal war hatte so Manche Mühe ihn vollständig in den Mund zu bekommen. Mit der zweiten Hand strich er immer wieder von der Wurzel bis zum Bändchen hoch. Sein Schwanz zuckte jedes Mal, wenn er oben ankam und mit dem Fingernagel etwas daran rumspielte, diese Stelle stimulierte. Lange dauerte es nicht und die ersten Glückstropfen kamen. Geschickt nahm er dieses natürliche Gleitmittel massierte damit über seine Eichel, machte sie feucht. Er schloss seine Augen, ließ das Kopfkino anlaufen und stellte sich vor, es wäre Lena, wie sie vor ihm hockte, nackt. Sie gab ihm gerade einen geilen Blowjob, sah ihn dabei immer wieder von unten herauf an mit dem unschuldigsten Blick aus ihren wahnsinnig schönen grauen Augen. Auf und ab, fester zugedrückt, dann wieder etwas sanfter. Mit der Zunge die Eichel umspielen und mit der Hand am Schaft auf und ab. Mal schnell, mal gefühlvoll langsam. Saugen. Lösen. Saugen und nach ein paar Augenblicken erst wieder lösen. Dazu gefühlvoll mit den Zähnen an der Eichel geknabbert, so wie an einem Maiskolben. Gedankenversunken machte er dabei ein schmatzendes Geräusch mit seinem Mund, so wie er es schon oft erlebt hatte, wenn es eine Frau ihm so besorgte. Jedes Mal, wenn er so kurz vor dem Höhepunkt war, ließ er von sich ab, atmete tief ein und aus, auch wenn ihn das sehr viel Überwindung kostete. So zögerte er seinen Orgasmus etwas hinaus. Mit der anderen Hand massierte er weiter seine Eier. Ab und an strich er am Damm entlang. Drei, vier Mal machte er das so, dann kam auch Ben. Er schoss eine große Menge seines warmen Saftes bis weit auf seinen Bauch. Sein Schwanz zuckte unaufhörlich und pumpte eine Ladung warmer Soße nach der anderen aus ihm raus.
Der Tag seiner Entlassung kam früher als erwartet.
Lena erfuhr es nicht von ihm, sondern vom Bettenbelegungsplan – da sein Name seit heute auf der Liste fehlte. Sie stand einen Moment im Schwesternzimmer und starrte auf den Bildschirm, bevor sie sich wieder fing.
Natürlich. So war das nun einmal. Patienten kamen und gingen. Das war der Job.
Sie redete sich das den ganzen Vormittag ein.
Als sie kurz vor Mittag an seinem Zimmer vorbeikam, stand die Tür halb offen. Er saß auf dem Bett, angezogen – zum ersten Mal seit Wochen in echten Klamotten, eine Tasche neben sich. Der Anblick traf sie seltsam. Er wirkte vertraut und gleichzeitig fremd, als hätte er eine Haut abgelegt und eine neue angelegt. Sie wusste nicht, welches von beidem sie mehr verunsicherte.
Er sah auf, als sie in der Tür erschien. Sein Blick blieb an ihr hängen – eine Sekunde zu lang für jemanden, der einfach nur „Hallo“ sagt.
„Ich wollte mich noch gerne von dir verabschieden."
„Das dachte ich mir schon." Sie trat einen Schritt ins Zimmer. Nur einen.
„Deine Werte waren gut?"
„Ja."
Schweigen. Nicht unangenehm – aber schwer. Die Art von Schweigen, die sich anfühlt wie eine Frage, auf die keiner zuerst antworten will.
Lena verschränkte die Arme, löste sie wieder. Sie wusste nicht, wohin damit. In diesem Zimmer hatte sie immer gewusst, wo sie stand – buchstäblich und im übertragenen Sinne. Jetzt verschoben sich die Koordinaten unter ihr, ganz leise, ganz unaufhaltsam.
„Ich habe keine Ahnung, ob das eine gute Idee ist…", sagte sie schließlich den Satz nicht vollendend.
„Was?", fragte Ben leise.
Statt einer Antwort streckte sie die Hand aus. „Gib mir mal deinen Arm."
Er sah sie einen Moment an – dieser ruhige, abwartende Blick, den sie inzwischen kannte – und reichte ihn ihr dann, die Innenseite nach oben. Eine kleine Geste des Vertrauens. Sie griff in ihre Kitteltasche und kramte darin, bis sie das Gesuchte fand. Lena zog ihren Edding hervor. Sie nahm die Kappe zwischen die Lippen und öffnete ihn. Ihre Finger umschlossen derweil sein Handgelenk fester als nötig. Sie spürte seinen Puls darunter pochen – langsam, aber nicht ganz gleichmäßig. Nicht mehr.
Sie schrieb ihre Nummer auf seine Haut. Die Ziffern wurden kleiner gegen Ende, weil sie nicht so weit geschrieben hatte wie gedacht – oder weil ihre Hand doch nicht so ruhig war, wie von ihr erhofft. Dann, fast trotzig, malte sie ein paar kleine Herzchen daneben.
Als sie aufsah, war er näher, als sie erwartet hatte.
Ihre Blicke trafen sich. Keiner wich zurück.
Die Luft zwischen ihnen war auf einmal anders. Dichter. Wie der Moment kurz vor einem Gewitter, wenn man schon den Regen riecht, bevor der erste Tropfen fällt. Sie spürte die Wärme, die von ihm ausging, bevor sie sich dessen bewusst wurde. Sein Blick glitt kurz zu ihren Lippen – nur eine Sekunde, kaum merklich. Aber Lena merkte es.
Sie wusste nicht, wer den letzten Schritt machte. Vielleicht keiner von beiden. Vielleicht war es einfach die Schwerkraft, die zwischen ihnen entstanden war in all diesen Wochen.
Ihre Lippen trafen sich. Erst vorsichtig, fast fragend, als wollten sie sichergehen, dass der andere das hier auch genauso meint. Dann noch einmal, schon sicherer. Er küsste sie langsam, mit einer Sorgfalt, die ihr den Atem nahm – als hätte er Zeit, als wäre dieses Zimmer nicht mehr das, aus dem er gerade entlassen wurde. Seine Hand fand ihre Taille, tastend zuerst, dann fester. Sie spürte die Wärme seiner Finger durch den dünnen Stoff des Kittels.
Sie gab nach. Nicht weil sie musste – sondern weil es sich anfühlte wie das Einzige, was gerade Sinn ergab.
Ihre Hand löste sich von seinem Handgelenk und wanderte, ohne dass sie es bewusst entschieden hatte, an seinen Kragen. Die Finger strichen wie zufällig über seinen Nacken – und sie spürte, wie er den Atem kurz anhielt. Dieser kleine Moment des Innehaltens sagte mehr als alles, was zuvor gesagt worden war.
Der Kuss wurde tiefer, fordernder. Irgendwo in ihr wusste sie, dass sie aufhören sollte – hier, auf dieser Station, in diesem Zimmer, in diesem Kittel. Aber das Wissen blieb weit weg, wie etwas hinter Glas.
Als sie sich schließlich lösten, brauchte sie einen Moment, um wieder zu sich zu kommen. Ihr Herz schlug zu laut. Seine Stirn ruhte kurz an ihrer, beide still, beide mit zu schnellem Atem.
„Das hier…" Ihre Stimme war nicht fest, Lena ließ den Satz unvollendet. Sie machte eine vage Handbewegung, die alles umfasste – den Raum, die letzten Wochen, den Kuss, der ihr immer noch auf den Lippen brannte.
Er stand aufrecht vor ihr, ruhig – und mit einem Lächeln, das sie in keiner Patientenakte hätte beschreiben können.
Er schaute tief in Lenas graue Augen. „Das hier mit uns Beiden…", sagte er leise. „Ich würde sehr gerne wissen, wie es weitergeht."
Sie trat einen Schritt zurück. Dann noch einen. Die Schwelle zwischen ihnen wiederherstellend – die unsichtbare Linie, die in diesem Zimmer immer zwischen Patient und Schwester, zwischen Nähe und Abstand verlaufen war. Nur dass sie jetzt wusste, wie es sich anfühlte, diese Linie zu übertreten.
Er ließ sie gehen. Kein Greifen, kein Zurückhalten. Nur sein Blick, der ihr folgte.
Sie räusperte sich. Griff nach dem Edding, der irgendwo auf dem Bett gelandet war, und steckte ihn zurück in die Kitteltasche. Eine kleine, sinnlose Handlung – aber sie brauchte etwas, womit sie ihre Hände beschäftigen konnte.
„Du solltest nicht vergessen, einen Termin zu machen...,", sagte sie, „…spätestens nächste Woche, beim Hausarzt."
„Ich weiß."
„Und die Tabletten—"
„Lena!"
Sie hielt inne.
Er sagte ihren Namen so, als wäre er etwas, das er schon länger mit sich herumtrug. Als hätte er gewartet, es laut auszusprechen.
„Ich weiß.", sagte er noch einmal. Leiser diesmal. Nicht die Tabletten meinend.
Sie nickte. Schluckte etwas hinunter, das sie nicht benennen wollte.
Draußen auf dem Flur waren Schritte zu hören – das vertraute Scheppern eines Wagens, Stimmen, der ganz normale Lärm einer Station, der weiterging, egal was hinter geschlossenen Türen passierte. Lena war dankbar dafür und hasste es zur gleichen Zeit.
„Ich muss—." Sie machte eine Geste in Richtung Flur.
„Ich weiß."
Dieses Mal lächelte sie. Unwillkürlich, fast gegen ihren Willen.
Sie wandte sich zur Tür, blieb aber mit der Hand am Rahmen stehen. Einmal noch umdrehend.
Er stand noch genau so, wie sie ihn verlassen hatte. Die Tasche neben sich. Die Nummer auf seinem Unterarm. Die Herzchen daneben.
„Pass auf dich auf.", flüsterte sie.
„Du auf dich auch."
Eine Pause. Dünn wie Papier, schwer wie alles Ungesagte.
Dann ging sie.
Sie ließ die Tür halb offen, so wie sie sie vorgefunden hatte – als wäre nichts gewesen, als wäre das hier ein ganz normaler Abschied von einem ganz normalen Patienten. Sie war drei Schritte den Flur entlang, als sie seine Stimme noch einmal hörte. Nicht laut, fast beiläufig, als wäre es ein Nachgedanke.
„Lena!"
Sie blieb stehen. Drehte sich nicht um.
„Die Herzchen …", sagte er. „…hast du das bei allen Patienten so gemacht?"
Eine kurze Pause.
„Nein.", sagte sie. Und ging weiter.
Hinter ihr hörte sie, wie er erleichtert auflachte. Es war das schönste Geräusch, das sie seit Wochen gehört hatte.
Vier Tage später, es war kurz nach halb acht, sie stand in der Küche. Nur mit einem kleinen Slip und ihrem Lieblingsshirt bekleidet, barfuß, den Kaffeebecher in der Hand, noch nicht ganz wach. Das Fenster war einen Spalt offen, draußen regnete es leise. Sie hatte die Nachtschicht hinter sich und den Rest des Tages vor sich wie ein leeres Blatt, auf das sie keine Energie hatte, irgendetwas zu schreiben.
Ihr Handy summte.
Auf dem großen Display leuchtete eine unbekannte Nummer auf.
Sie stellte den Kaffee ab.
Die Nachricht war kurz. Nur drei Zeilen.
Ben: Deine Nummer ist immer noch gut lesbar. Ich habe sie zur Sicherheit zweimal nachgezeichnet, damit sie nicht verwischt. Außerdem wollte ich dir sagen, dass ich heute beim Hausarzt war. Viel wichtiger ist: Es gibt noch keine Antwort auf die Frage, ob es eine gute Idee ist.
Sie stand eine Weile einfach da, das Handy in beiden Händen. Der Regen im Hintergrund hörte langsam auf. Lena setzte sich an den Küchentisch. Las die Nachricht noch einmal. Und nochmal. Wieder und wieder. Das letzte Mal, dass ihr jemand geschrieben hatte und sie danach das Handy nicht weglegen wollte, war so lange her, dass sie aufgehört hatte, sich daran zu erinnern.
Lena nahm das Handy. Ihre Daumen schwebten über dem Bildschirm. Sie tippte. Löschte es wieder. Tippte erneut.
Lena: Beim Hausarzt, ja? Ich bin beeindruckt. Und dann ein Emoji Daumen hoch. Schicken! Zu spät zum Bereuen. Lena, was ist denn mit dir bloß los, was schreibst du für einen Blödsinn, meldete sich ihr Unterbewusstsein zu Wort.
Ben: Ob es eine gute Idee ist meinen Mut zusammenzunehmen, um dir zu schreiben? – auf jeden Fall. Viel mehr frage ich mich jetzt: „Hättest du Lust auf einen Kaffee mit mir?“
Sie sah aus dem Fenster. Über der Ostsee riss die Wolkendecke auf. Langsam kam die Sonne zum Vorschein, die Vögel begannen wild zu zwitschern.
Acht Worte. Neun, wenn man das Fragezeichen zählte. Und trotzdem hatte sie das Gefühl, dass da noch etwas anderes zwischen den Zeilen stand.
Lena: Ich trinke gerade welchen. Und dazu ein Emoji frech grinsend und eine Kaffeetasse dazu.
Sie biss sich auf die Unterlippe. Legte das Handy auf den Tisch, Bildschirm nach oben. Stand auf. Setzte sich wieder. Eine Pause - lang genug, dass sie anfing, die Küchenfliesen zu zählen.
Ben: Dann bin ich im Nachteil. Das müssen wir korrigieren.
Lena: Ach ja? Und wie stellst du dir das vor?
Ben: Indem wir ihn zusammen trinken. Jetzt!
Lena atmete aus. Langsam, kontrolliert, so wie man ausatmet, wenn man nicht möchte, dass jemand merkt, dass man gerade nicht ganz ruhig ist. Dabei war niemand da, der es hätte sehen können. Sie schaute dabei auf ihren Kaffeebecher. Halb voll. Noch warm. Dann auf sich selbst – ihr Lieblingsshirt, der kleine Slip darunter, barfuß und dazu die Haare, die sie morgens nicht wirklich gebändigt bekam.
Lena: Direkt so ungeduldig?
Ben: Nun ja …..
Lena: Ok! Wann und wo?
Ben: In dreißig Minuten bei mir.
Lena: Und wenn ich das nicht will? Wieder ein Emoji frech grinsend mit angehangen.
Ben: Dann lasse ich es sein. Und er sendete ein trauriges Emoji mit.
Ben: Wenn du willst, komme ich auch gerne zu dir. Und ich glaube, dass du es willst und ich glaube, du öffnest mir die Tür, bevor ich überhaupt klopfe.
Er lag nicht falsch. Über ihr Gesicht zog ein breites zufriedenes grinsen. Ihr Herz schlug vor Freude Purzelbaum. Endlich würde sie Ben wiedersehen. Allein dieser Gedanke sorgte dafür, dass Lena etwas erregt wurde. Ihre Nippel begannen sich deutlich unter ihrem Shirt abzuzeichnen.
Lena: Vielleicht. Vielleicht lasse ich dich auch ein bisschen warten.
Und einen Augenblick lang ließ sie Ben wirklich zappeln, bis sie wieder zu ihrem Handy griff und schrieb.
Lena: Ok, komm zu mir. Standort gesendet.
Ben: Warten kann reizvoll sein. Bis gleich.
Dann stand sie auf, trug ihren Kaffeebecher zur Spüle, strich sich einmal mit der Hand durch die Haare – und überlegte kurz, ob sie sich noch umziehen sollte. Sie entschied sich dagegen. Lena legte ihr Handy auf den Tisch, Bildschirm nach unten, lehnte sich gegen die Küchenzeile. Draußen zwitscherten die Vögel noch immer.
Das wurden die längsten dreißig Minuten ihres Lebens.
Ein Auto fuhr vorbei. Irgendwo tropfte noch Regen von einer Dachrinne. Noch ein weiteres Auto fuhr vorbei. Die Küche roch nach Kaffee und nach dem Morgen, der noch nicht entschieden hatte, was er werden wollte.
Er stand eine halbe Stunde später vor ihrer Tür.
Sie hatte in dieser Zeit die Wohnung nicht aufgeräumt, sich nicht umgezogen, keinen frischen Kaffee gekocht. Sie hatte im Schneidersitz auf dem Sofa gesessen, das Handy in der Hand, und versucht, ruhig zu atmen. Es hatte mäßig funktioniert.
Als es endlich klingelte, öffnete Lena gespannt die Tür. Da stand er nun, ihr Traummann. Lebendig und in Farbe. Sie merkte, dass sie ihn bisher fast immer nur liegend gesehen hatte, immer in diesem Zimmer, immer in diesem Licht. Jetzt stand er in ihrem Treppenhaus, und er war größer als sie erinnert hatte.
„Hallo Lena!", sagte er mit dieser Stimme, die Lena die Knie weich werden ließ.
„Hey Ben."
Eine Pause.
Er musterte sie kurz von oben nach unten, leicht grinsend. Sah er doch deutlich ihre erregten Brustwarzen unter ihrem Shirt - ein Anblick, der ihm gefiel.
„Gut schaust du aus. Darf ich rein? Ich dachte ich bringe Croissants zum Frühstück mit." Ben hielt eine Tüte voll mit duftenden Buttercroissants hoch.
Sie trat zur Seite.
Er kam herein, sah sich kurz um – nicht neugierig, eher so, als würde er versuchen, etwas zu verstehen. Sie sah ihre Wohnung für einen Moment durch seine Augen: die Bücherstapel, das Fenster, das immer einen Spalt geöffnet war, ihre Fotoaufnahmen an den Wänden.
„Kaffee?", fragte sie, weil ihr nichts Besseres einfiel.
„Gerne."
Sie ging in die Küche. Er folgte ihr, lehnte sich an den Türrahmen. Sie spürte seinen Blick im Rücken, während sie die Maschine einschaltete, Tassen herausholte, irgendetwas mit den Händen tat.
„Macht meine Anwesenheit dich wirklich nervös?", fragte er frech grinsend.
„Ich bin nicht nervös."
„Du hast die Tasse zweimal umgedreht."
Sie stellte die Tasse ab. „OK!“, kam es langgezogen aus ihrem Mund. „Ja, ich bin ein bisschen nervös."
Er lachte leise. Dieses Lachen, das sie schon aus dem Krankenhaus kannte – ruhig, ohne Schärfe, als würde er sich über sie und sich selbst gleichzeitig amüsieren.
„Wenn es dich beruhigt - ich bin es auch.", sagte er.
Sie drehte sich um. Er stand noch im Türrahmen, die Arme locker verschränkt, aber sein Blick war offen und direkt. Sie erkannte darin, was sie selbst gerade fühlte – dieses Zittern unter der Oberfläche, dass man nicht Angst nennen konnte, weil es sich zu gut anfühlte.
Der Kaffee lief durch. Keiner von beiden schaute hin.
Sie trat einen Schritt auf ihn zu. Nur einen – aber in dieser Wohnung, ohne weiße Wände und Stationsgeräusche und die Rolle, die sie dort immer gespielt hatte, fühlte sich ein Schritt anders an. Weiter. Entschiedener.
Er löste sich langsam vom Türrahmen.
Sie trafen sich in der Mitte der Küche, und diesmal wussten beide, was als nächstes kam. Kein Zögern mehr, keine unausgesprochene Frage. Seine Hände fanden zuerst unter dem Shirt ihre Taille, dann ihren Rücken – fest, warm, als hätte er genau gewusst, wohin sie gehörten. Sie griff nach seinem Kragen, dann spürte sie, wie er den Atem kurz anhielt, genau wie damals.
Der Kuss war anders als der im Krankenhaus. Dort war es ein Anfang gewesen, tastend und aufgeladen mit allem Ungesagten. Hier war es eine Fortsetzung – tiefer, sicherer, hungriger, als hätten sie vier Tage in einem Atemzug nachgeholt.
Irgendwann hörte die Kaffeemaschine auf zu rauschen.
Keiner von beiden bemerkte es.
Er zog sie näher, und sie ließ es zu, beide taumelnd einen halben Schritt rückwärts, bis sie mit dem Rücken an die Küchenzeile stieß. Sie keuchte leise gegen seinen Mund. Seine Lippen wanderten – kurz zu ihrem Kiefer, dann zu ihrem Hals – und sie schloss die Augen und vergaß für einen Moment vollständig, dass sie jemals irgendetwas anderes getan hatte als genau das hier.
„Der Kaffee wird kalt", murmelte sie.
„Ja", sagte er, ohne aufzuhören.
Sie lachte – atemlos, leise – und zog ihn am Kragen tiefer in die Wohnung.
Den Kaffee tranken sie später. Endlich wurden Träume wahr.
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