Erotische Geschichten

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Hochzeiten - Eine Novelle

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Auch wenn es altmodisch kling, es war wahr: Sie hatte sich für ihn „aufbewahrt“ und war immer noch Jungfrau, hatte bisher noch mit keinem Mann geschlafen, wobei „schlafen“ sicherlich nicht ganz das richtige Wort ist… Und dennoch: Dieses, das einmalige, nie wiederholbare Erlebnis, das hatte sie nur mit dem Mann teilen wollen, mit dem sie die Ehe eingehen würde und auch keinesfalls vorher. Dieses erste Mal sollte für sie und ihn ein ganz besonderes Fest werden. Und wie jedes Fest, so wollte auch dieses gut geplant und vorbereitet sein. – Doch wie macht man das? – Wie, wo man doch über das, was kommen würde, so gar nichts wusste? – Wie, wenn man über keinerlei Erfahrungen verfügte? – Also: romantisch sollte es auf jeden Fall sein. Darüber hatte sie ja auch schon seit langer Zeit ganz konkrete Vorstellungen: Das Hotel war ausgesucht und das Zimmer gebucht. Davon wusste Lars allerdings noch nichts. Er ging wohl eher davon aus, man würde die Hochzeitsnacht zu Hause verbringen und dann, zwei Tage später, auf Hochzeitsreise gehen. Eva wollte ihn erst am Ende der Hochzeitsfeier damit überraschen und hatte für ein – wie sie meinte – schönes Ambiente für die erste gemeinsame Nacht gesorgt und auch an das Drumherum gedacht. Vorher ein gutes, aber nicht zu üppiges Essen bei Kerzenlicht – ein leichtes Nachtmahl. Ein leichter Wein dazu und auf dem Zimmer eine Flasche Champagner im Kühler. Man hatte ihr auch zugesichert, vorher für 22:30h in der riesigen Wanne ein warmes, jedoch nicht zu heißes Bad mit einem Schuss Rosenwasser und ein paar Blütenblättern vorzubereiten. Schließlich zählte dieses Haus zu den besten und verfügte natürlich über eine Wellness Abteilung, die sich mit solchen Dingen auskannte! Selbst eine Anzahl ringsum im Badezimmer verteilter Kerzen würde nicht fehlen. Wenn sie für all das gesorgt hätte – so meinte sie – könnte sie sich beruhigt und erwartungsvoll, gespannt und doch entspannt zurücklehnen. Seltsam nur, dass sie trotzdem immer wieder überlegte, ob sie auch wirklich an alles gedacht hatte und sich keineswegs sicher war, alles getan zu haben, um dieses erste Mal auch wirklich zu einem Fest für beide werden zu lassen. Natürlich war Eva eine aufgeklärte Frau, denn auch bei ihr hatte der „Sexualkundeunterricht“ der Schule seine – wenn auch nur theoretischen - Spuren hinterlassen. Allerdings war da auch nur die „technische“ Seite diskutiert worden. Alles Andere war ziemlich zu kurz gekommen. Und wie vielleicht aus etwas Schönem etwas sehr Schönes werden könnte, nein, darüber war überhaupt nicht gesprochen worden. Vielmehr war davor gewarnt worden, den Korb der Erwartungen an die erste Nacht nicht allzu hoch zu hängen. Damit allerdings wollte Eva sich nicht abfinden. Für sie musste es ganz einfach einmalig, es musste einfach himmlisch, musste erfüllend, glücklich und selig machend sein! So, wie sie es in Romanen schon gelesen hatte. Und sie wollte alles dafür tun, damit es genau so würde.
Als die Unsicherheit, die Unruhe einfach nicht von ihr abfallen wollte, entschloss sie sich dann doch, den Rat ihrer Mutter einzuholen. Die war ihr zwar schon bisher bei allen möglichen Vorbereitungen und Planungen mit Rat und Tat behilflich gewesen, doch genau diesen Teil der Hochzeitsnacht, den hatten sie bei all ihren Gesprächen bislang ausgespart. Die Mutter sprach Eva darauf auch nicht an, weil sie glaubte, ihre Tochter wüsste sowieso mehr über Erotik und Sex als sie selbst. Und Eva sprach ihre Mutter nicht an, weil sie ihr damit nicht kundtun wollte, wie wenig sie eigentlich selbst darüber wusste. Sie hätte das einfach für „uncool“ gehalten und hatte es deshalb vermieden. Vielmehr hatte sie erhofft – und erwartet – dass ihre Mutter selbst das Gespräch vielleicht auf das Thema „Hochzeitsnacht“ gebracht hätte. Das aber war bis kurz vor den großen Tag noch nicht geschehen, und nun drängte die Zeit. Also würde sie, Eva, die Initiative ergreifen müssen:

„Mama?“ – „Ja Eva?“ – „Mama, was wollen Männer eigentlich?“ – „Was Männer eigentlich wollen?“ Ihre Mutter schien verwundert. „Ja! – Was erwartet Lars von mir? – Was wird er mögen? – Was wird er nicht mögen und was vielleicht ganz besonders gern haben und was würde vielleicht alles verderben? –Ich hab da keine Ahnung, keine Erfahrung!“ – „Du hast was…?“
Ihre Mutter gehörte zur so genannten 68er Generation, in der der Spruch „Wer zweimal mit demselben pennt, gehört schon zum Establishment“ durchaus ernst genommen worden war. Auch von ihr selbst… Für sie war es also völlig normal über – wie hieß es so schön? – „voreheliche Erfahrungen“ zu verfügen. Umso verwunderter war sie nun, als sie feststellen musste, dass ihre eigene Tochter nicht nur offenbar als Jungfrau in die Ehe gehen würde, sondern auch, dass sie über absolut keine Erfahrungen verfügte. „Kind, das kann doch nicht wahr sein! – Fünfundzwanzig und…“ Eva berichtete ihrer Mutter nun, was sie dazu bewogen hatte, „damit“ bis zur Ehe zu warten. – „Nun gut, ich kann das zwar nicht nachvollziehen, aber offenbar wart ihr euch ja einig, der Lars und du.“ – Eva nickte. „Aber was Deine Frage angeht, was „die Männer“ mögen oder nicht: das ist schwer zu beantworten. Fast so wie bei Radio Eriwan, wo es immer heißt: „…kommt drauf an…“ - Hat Lars dir denn nie Andeutungen gemacht, was er vielleicht besonders gern hat?“ – „Nee, ich hab solche Themen auch immer gleich abgewürgt, wenn er mal wieder davon anfangen wollte. Hatte Angst, es würde ihn allzu sehr erregen und ihn dann quälen. Das hätte es ihm doch nur noch schwerer gemacht zu warten.“ – „Dummchen! – Aber nun nicht mehr zu ändern. – Tja, was kann man da machen?“, dachte ihre Mutter laut und fuhr dann fort: „Also, meine Erfahrungen sind, dass Männer grundsätzlich Augentiere sind. Was sie sehen, das macht sie an. Die meisten, mit denen ich zusammen war, bevor ich auf Deinen Vater stieß, die standen zum Beispiel auf Busen, Po und Reizwäsche, Dessous… verstehst Du?“ – „Na, wenn Lars das jetzt schon braucht…!“ Eva machte aus ihrer Empörung keinen Hehl. – „Also, erstmal geht es nicht darum, ob er’s braucht oder nicht, sondern darum, aus eurer ersten Nacht etwas wirklich Besonderes zu machen. Über kurz oder lang wird er Dich sowieso auffordern, das Zeug dann auszuziehen. Und außerdem: das war einfach nur so’n Rat aus meiner eigenen Erfahrung heraus… wenn Du mich schon fragst… Doch vielleicht ist das auch nur bei meiner eigenen Generation so, und bei euch ist es ganz anders…“
Eva war ins Grübeln gekommen: „Nee, lass mal. Vielleicht ist der Gedanke gar nicht mal schlecht… Wo krieg ich denn so was bloss her? – So was … ganz Besonderes?“ – „Für ein Versandhaus ist es jetzt zu spät, und damit fällt auch das Internet dafür flach. Auch das würde zu lange dauern. Dann wirst du wohl oder übel in einen Erotikshop gehen müssen.“ – „Ich? – In einen von diesen… äh… Schmuddelläden? Allein? – Als Frau? – Da sind doch bloss Männer, die sich da aufgeilen! – Wie käme ich mir denn da vor? – Und außerdem: anpassen müsste ich die Sachen doch auch noch!“ – Ihre Mutter stöhnte leise auf: „Na gut, dann komm ich eben mit, wenn du willst. Auch wenn ich so einen Laden schon seit Jahren… - ach was sag ich: seit Jahrzehnten – nicht mehr betreten habe.“ Dabei schmunzelte sie und bekam ein verdächtiges Glänzen in den Augen. Einerseits entsann sie sich der Zeit, als sie um Evas Vater kämpfte und diesen Kampf schließlich auch gewonnen hatte. Und das hatte schließlich auch mit einem von diesen Läden zu tun gehabt, die damals gerade in jeder größeren Stadt aufmachten…
Andererseits stellte sie sich gerade vor, welche Blicke sie mit ihren Mitte fünfzig in einem „Sexshop“ auf sich ziehen würde…
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Rückblick
Es waren die 70er Jahre und eine Faschingsfete in der Uni – Mensa der Stadt, als Marita und Joachim aufeinander trafen. Sie war dort als feurige Spanierin in einem knallroten Flamencokleid aus glänzendem Satin und gemeinsam mit ihrer Freundin Claudia erschienen und hatte ihre Augenpartie mit einer schwarzen Maske getarnt. Auch Joachim hatte einen Freund dabei und versuchte so etwas wie eine Mischung aus Frosch und Prinz darzustellen in seinem seltsamen, grünen Kostüm und der goldenen Pappkrone auf dem Haar. Marita mit ihrem knalleng auf die Rundungen ihres Hinterteils geschneiderten Kleid und der langen Knopfleiste im Rücken, war Joachim sofort aufgefallen, als sie auf ihren Tisch zusteuerte. Und er ließ sie nicht mehr aus den Augen. Deshalb konnte sie das Treiben um sich herum auch nicht allzu lange nur passiv betrachten, da wurde sie auch schon zum Tanz aufgefordert und fand sich schnell in Joachims zupackenden Armen wieder. Schon die ersten, noch leisen Harmonien des Blues hatte er genutzt, um auf sie zuzustürzen, damit ihm ja keiner zuvor kommen konnte. Natürlich war ihr sein Eifer nicht verborgen geblieben. Amüsiert und mit einem leicht spöttischen Lächeln blickte sie zu ihm auf, der er einen Kopf größer war als sie, erhob sich von ihrem Platz und schmiegte sich in seine Arme. Sie roch sein herb – männliches Aftershave und dachte: „Ja, es passt zu dir!“ – Joachim ging es umgekehrt ganz ähnlich: „Mein Gott Mädchen, was duftest Du herrlich!“, schoss es ihm in den Kopf.
Später, viel später sprachen sie noch oft über diese ersten Momente und darüber, dass an dem Ausspruch mit dem „sich (gut oder nicht) riechen können“ wohl doch viel Wahres sei und man ihn – auch im Umkehrschluss – durchaus wörtlich nehmen könne.
Schon nach wenigen Tanzschritten hatten Marita und Joachim, ohne darüber gesprochen zu haben, das Gefühl, allein auf der Tanzfläche zu sein, nahmen all die Anderen ringsum auf der Tanzfläche nur noch schemenhaft wahr. Als er sie schließlich ganz nah an sich heranzog, mehr als ganz nah, nein, da wehrte sie sich nicht, im Gegenteil! – Auch sie presste sich an ihn, so eng es nur ging. Schließlich kam es ihnen beiden fast so vor, als seien sie nur noch ein Wesen, ein einziges Individuum.
Sie spürte, wie er mit zarten Fingern einer Hand der Knopfleiste des Kleides abwärts folgte und schließlich auf den Rundungen ihres Pos landete, während die andere über ihr von den langen Ärmeln des Kleides bedecktes Schulterblatt wanderte.. Und ja, sie spürte auch die Erregung, die ihn ergriffen hatte. Als hätte er bemerkt, dass ihr das nicht verborgen geblieben war, lockerte er seinen Griff ein wenig, so dass es Marita möglich wurde, ihren Kopf von seiner Brust zu heben und ihn lächelnd anzublicken: „Lass ihn nicht aufhören, diesen Augenblick, diesen Moment, diesen Tanz. Lass uns so tun, als gehörten wir schon eine Ewigkeit zueinander. Halt mich fest, ganz fest. Lass mich nie wieder los““, schien dieser Blick zu sagen.

Joachim hatte ihn verstanden, diesen Blick, hatte ihn richtig zu deuten gewusst und er fühlte, wie sich sein Herzschlag beschleunigte. Etwas in seinen Ohren begann zu sausen. Die Verlockung war so nah, ganz nah und es fiel ihm verdammt schwer, ihr zu widerstehen. Diese Frau, dieser herrliche, weiblich runde Körper! Und das noch dazu in einem solchen Kleid! Zwar verhüllte es alles, verbarg aber dennoch nichts, sondern unterstrich mit seinen Lichtreflexen all das, was einen Mann an einer Frau reizen konnte, sie besitzen zu wollen. Marita war sich dessen sehr wohl bewusst und hatte deutlich gespürt, welche Erregung sie bei ihm hervorrief. Auch sie war nicht abgeneigt, sich ihm hinzugeben. Doch dieser Ort hier, der war dazu denkbar ungeeignet. – Wieder nahm er sie in den Arm und machte den Versuch, mit ihr zu tanzen, wobei sich ihre Körper gleitend aneinander rieben. Und wieder und wieder streichelten seine Hände über den glänzenden, glatten Stoff, der ihn auf geheimnisvolle Weise so sehr reizte, bis er das Gefühl hatte, kaum noch atmen zu können… „Lass uns an die Bar und einen Schluck trinken gehen.“, brachte er gerade noch hervor, als die Band eine Pause einlegte. – „Meine Freundin…“, begann sie, um von ihm jedoch sofort unterbrochen zu werden: „…ist mit meinem Freund beschäftigt…“, setzte er ihren Satz fort, nachdem er kurz zu deren Tisch geblickt und die beiden erspäht hatte, als sie sich gerade ebenso selbst- wie Weltvergessen und leidenschaftlich küssten. – „Um die beiden brauchen wir uns nicht zu sorgen. Die sind viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt!“, ergänzte er noch, um Marita sogleich mit sich an die Bar zu ziehen.
Während sie sich mit einem Glas Sekt zuprosteten, sah Marita ein verräterisches Blitzen in Joachims Blick und bemerkte, wie seine Augen unablässig an ihr auf und ab wanderten. – „Willst Du mich mit Blicken ausziehen der mich gar auffressen?“, flüsterte sie spitzbübisch in sein Ohr. „Am besten beides – aber nicht nur mit Blicken! – Doch ich sehe ein, dass das hier wohl schwerlich gehen wird.“, meinte er und seufzte mit gespielter Enttäuschung. „Na ja, aufgeschoben ist ja nicht aufgehoben..“ versprach Marita und er fieberte dem entgegen, was nun erst einmal aufzuschieben war.

Sie hatten kaum einen Tanz ausgelassen, als sie den Faschingsball am frühen Morgen endlich verließen. Die Freunde waren schon eine Weile vorher verschwunden. Sie riefen sich ein Taxi, um nach Hause zu fahren. Wenn Joachim einerseits auch hoffte, Marita würde ihn noch auf einen Kaffee mit zu sich nehmen, aus dem sich dann noch etwas entwickeln könnte, so sagte in ihm ein Rest von Gentleman: „Es muss doch nicht gleich in der ersten Nacht sein!“
„Meine Güte! – Hast Du eigentlich immer so eine lange Leitung?“, raunte sie ihm ins Ohr. „Nein, eigentlich nicht. – Aber bei dir bin ich so, so… so gehemmt!“ – „Gehemmt? – Warum das?“ – „So wie du aussiehst? – Da hätte ich mir am Anfang doch nie eine Chance ausgerechnet… Und am ersten Abend schon gleich gar nicht!“ – Sie lachte: „Dummer! – So wenig Selbstvertrauen?“ – Marita schmiegte sich fest an ihn und meinte nur: „Bei mir hat es jedenfalls sofort gefunkt, als Du mich zum ersten Tanz gebeten hast.“ – Er spürte, wie ihm das Blut zu Kopf stieg und an seinen Schläfen zu pochen begann. Schlagartig hatte sich seine Pulsfrequenz erhöht, als er begann, den ersten Knopf der langen Reihe auf ihrem Rücken zu öffnen. Würde sie es geschehen lassen? – Wie würde sie reagieren?

Er war zuvor mit ihr aus dem Taxi ausgestiegen, als man vor ihrer Haustür angekommen war. Eigentlich nur, um sich von ihr zu verabschieden, wie er sich einzureden versuchte, und sie dann noch ein letztes Mal in die Arme zu nehmen, noch einmal ihren ganzen Körper an seinem zu spüren, ihn zu streicheln, zu liebkosen und sie zu küssen. Mehr hatte er kaum zu hoffen gewagt.
Während er noch um den Wagen herumgegangen war, um ihr den Schlag zu öffnen, hatte Marita schon den Fahrer bezahlt und ihn dann entlassen. Marita wusste schon immer was sie wollte. Und jetzt wollte sie ihn, wollte Joachim. Es war ihr auch egal, dass sie sich erst vor ein paar Stunden kennen gelernt hatten und eigentlich noch so gar nichts übereinander wussten. Und dass er auch sie wollte, das hatte sie im Verlauf des Abends mehrfach und nur allzu deutlich gespürt! – Bei Anderen wäre ihr das vielleicht unangenehm gewesen, nicht aber bei ihm, bei Joachim. Ja, sie hatte sogar ein wenig mit ihrer offensichtlichen Macht über ihn gespielt und hätte es nun mehr als gemein gefunden, ihn einfach nach Hause fahren zu lassen. – Wie selbstverständlich hatte sie ihn deshalb noch in ihre kleine Wohnung gebeten. Auf einen „Absacker“, hatte sie gemeint. – Und nun standen sie sich gegenüber, eng aneinander gepresst und mit klopfendem Herzen in der Erwartung des Kommenden… Keiner von beiden fragte nach der Ursache dieser Anziehungskraft, und sie nahmen es einfach hin, dass die Chemie zwischen ihnen so wunderbar stimmte.

Mit geschickten Fingern hatte er die ersten drei kleinen, runden Knöpfe durch die Schlaufen gedrückt und damit die weiche, etwas kühle Haut an Maritas Nacken freigelegt. Sanft strich er über die kleinen Hügel der Wirbel, woraufhin sie ein leises, genussvolles Knurren hören ließ. Fast wie eine zufriedene Katze. „Bist du immer so zärtlich?“, fragte sie ihn. – „Nein, nicht immer.“, gab er mit belegter Stimme zurück, um dann fortzufahren: „Aber ein Festessen, ein Galadinner, das schlingt man doch auch nicht so einfach hinunter. Das genießt man doch! – Happen für Happen, Schluck für Schluck, Bissen für Bissen! – Oder?“ – „Dann genieß du ruhig weiter. Ich tu’s auch.“, machte sie ihm Mut, während sie sich umdrehte, um ihm ihren Rücken darzubieten. Dabei neigte sie ihren Kopf leicht nach vorn, und ihre langen Haare rutschten vom Rücken auf die Brust. Ihr Haaransatz befand sich nun direkt vor seinen Augen. Darunter der kleine, durch die schon geöffneten Knöpfe entstandene Ausschnitt, der ihre duftende Haut freigab. So ließ er seine Hände über Maritas Schultern gleiten, die noch immer vom Stoff des Kleides bedeckt waren, küsste dann jeden der Wirbel unter dem Haaransatz und ein kleines Stückchen tiefer. Spielerisch umkreiste seine Zunge jeden einzelnen von ihnen, während seine Hände um ihren Körper herum nach vorn wanderten. Wie um ihm Mut zu machen, ergriff Marita sie und zeigte ihnen, dass sie auf ihren vollen Brüsten willkommen waren.
Durch den kühlen glatten Stoff hindurch spürte Joachim etwas Seltsames: Marita schien keinen BH zu tragen, denn deutlich war ihre Erregung zu ertasten. Und die stammte nicht von der Kühle des Zimmers, denn es war warm… Und dennoch schien es ihm unmöglich, dass so große Brüste nicht hingen! – Hatte sie etwa…? – Doch nein, das hätte er bemerkt, hätte er schon längst spüren müssen, ertastet haben müssen, wenn da etwas Künstliches… - „Ich hab noch ein paar Wirbel mehr, die ganz gern auch geküsst werden möchten. Die sind allerdings ein Stückchen tiefer und liegen noch unter den Knöpfen verborgen. Pass auf, dass sie auf die oberen nicht eifersüchtig werden.“, hauchte sie ihm zu. Behutsam machte Joachim sich nun daran, Knopf für Knopf zu öffnen, hielt dabei aber immer wieder inne, um den neu frei gewordenen Wirbel zärtlich mit Finger und Mund zu begrüßen. Dass Marita dabei wieder leicht stöhnte und hörbar die Luft durch die Zähne einzog, erregte ihn nur noch mehr.
Schließlich hatte er ihren Rücken fast bis zur Mitte freigelegt und sah nun, dass sie – wider Erwarten – doch einen BH trug, wenn auch einen ganz speziellen. Das gleiche Rot wie das Kleid, der gleiche Stoff mit ein wenig Spitze daran. Mit beiden Händen glitt er nun links und rechts die Träger aufwärts bis zu ihren Schultern, schob dann, unter die Ärmel des Kleides gleitend, den Stoff von ihren Armen, wobei das Oberteil schließlich nach vorn und dann mit einem leisen Rascheln auf ihre Hüften fiel. Jetzt sah er, was ihn zuvor so irritiert hatte: Es war kein gewöhnlicher BH, den sie da trug, sondern eine Hebe! – Das also war des Rätsels Lösung, dass sich ihm diese herrlich großen Brüste so hatten entgegen strecken können, statt den Gesetzen der Schwerkraft zu folgen. – Was er nun sah, ließ ihm fast den Atem stocken, so erregend war dieser Anblick für ihn.
Sie hatte sich ihm wieder zugewandt und lächelte ihn an: „Ich hoffe, ich gefalle dir und du entschuldigst die kleine Mogelei…“ – „Welche Mogelei?“, tat er, als hätte er nicht verstanden. – „Na ja, ich hab schon mal damit geliebäugelt…“, sie deutete auf ihre wunderbaren Brüste, „…mir die Dinger verkleinern zu lassen. Ohne so eine Mogel – Hebe hängen sie nämlich ziemlich. Dabei hab ich das Gefühl doch so gern, wenn sie frei sind!“ – „Einen Teufel wirst Du tun! – Ich liebe sie schon jetzt, obwohl wir uns noch gar nicht richtig begrüßt haben!“, tat Joachim empört und beugte sich zu ihnen hinab. „Wo gibt’s denn so was? Andere lassen sich die Dinger vergrößern, und Du willst…“ Zart ergriff er die Beiden von unten und hob sie noch ein wenig mehr empor, als der Halbschalen – BH es ohnehin schon tat. Zart berührte er die sich ihm entgegenstreckenden, aufgerichteten Warzen, umkreiste sie abwechselnd mit der Zunge und nahm sie schließlich vorsichtig zwischen seine Zähne. Maritas leises Stöhnen und die Tatsache, dass sie ihm ihren Busen nur noch heftiger in das Gesicht drückte, zeigten ihm, dass ihr gefiel, was er tat! Das steigerte seine Lust nur umso mehr, dass er glaubte, sich schon bald nicht mehr beherrschen zu können, ohne ihr das Ballkleid vollends vom Körper zu reißen. Nur mühsam gelang es ihm, sich zumindest jetzt noch im Zaume zu halten, um sich den letzten, noch geschlossen verbliebenen Knöpfen zu widmen, die er nun nach und nach mit zittrigen Fingern aufnestelte. Schließlich glitt das Kleid mit einem geheimnisvollen Rascheln zu Boden und Marita machte einen Schritt nach vorn, um ihre Füße davon zu befreien: „Komm.“, sagte sie nur und streckte ihm ihre Hand entgegen, um Joachim sogleich mit sich zu ziehen. Wie sie so vor ihm ging war Marita der Inbegriff von Weib. Sie trug nur noch die rote Hebe am Leib, ein dazu passendes Nichts von einem G-String, Strapse, an denen schwarze, glänzende Nahtstrümpfe befestigt waren und an den kleinen Füßen goldfarbene Sling-Pumps mit zehn Zentimeter hohen Absätzen. Sie bewirkten, dass Maritas Hüften bei jedem ihrer kleinen Schritte schwangen und die runden Apfelbacken leise zitterten….
Schließlich hatten sie das Schlafzimmer erreicht, wobei sich beide sofort auf das breite Bett fallen ließen, nachdem Joachim sich hastig seiner Kleidung entledigt hatte. – „Tu was Du willst.“, raunte sie ihm zu, nachdem er ihr Gesicht mit kleinen, zärtlichen Küssen bedeckt hatte. Fragend blickte er sie an. Als sie seine Zweifel bemerkte, meinte sie nur: „Ich meine, was ich sage. Zieh mich vorher aus oder nimm mich, wie ich bin. Sanft und zärtlich oder wild und leidenschaftlich… oder beides… Ich bin nicht zimperlich! – Zeig mir, wer und was du bist, was dir gefällt, wie du es gern hast… Vielleicht gefällt mir das ja auch… Wir werden sehen.“ – Joachim war irritiert. Zwar war Marita nicht die erste Frau, doch noch nie zuvor war ihm eine derart selbstbewusste begegnet. Einerseits fühlte er sich wie auf einer Art Prüfstand, andererseits aufgefordert, sich gehen zu lassen, seine Gefühle nicht den Zwängen des Denkens zu unterwerfen. Allerdings war ihm völlig klar, dass er das sowieso nicht mehr lange können würde, selbst wenn er es gewollt hätte, wenn er den überlegenen Verführer hätte spielen wollen. Diese Frau trieb ihn einfach nur zur Raserei, so wie sie nun unter ihm lag, so, wie er sie jetzt sah, als er sich über sie beugte. Das Gefühl, dass seine Hände ihm vermittelten, die er über ihren ganzen Körper hatte wandern lassen, ohne auch nur einen Zentimeter davon auszulassen, dieses Gefühl begann, die letzten Fetzen seiner noch vorhandenen Denkfähigkeit zu lähmen. Für den Bruchteil der Sekunde eines letzten, halbwegs klaren Gedankens meinte er, nun jedoch vollends den Verstand zu verlieren. Es war der allerletzte Moment, bevor Hormone und Adrenalin in seinen Adern, seinem Hirn, gänzlich die Oberhand gewinnen sollten. Als er nun spürte, wie Marita sich unter ihm wand und ihre Fingernägel sich in seinen nackten Rücken krallten, da nahm er sich nicht mehr die Zeit für den langsamen Genuss, ihr auch noch die letzten Fetzen Stoff vom Leib zu ziehen und auch nicht die Zeit, ihr die Pumps noch abzustreifen oder gar die Strümpfe… Etwas, das er nun nicht mehr steuern konnte, beherrschte ihn völlig. Marita spreizte leicht ihre Schenkel, schob den G-String ein Stückchen beiseite und stöhnte: „Komm endlich zu mir…“
Den ganzen Abend hatte er ihren weichen, weiblichen Körper in den Armen gehalten, hatte ihre geschmeidigen, katzengleichen Bewegungen gespürt. Dabei war das Gefühl, sie besitzen zu wollen, Stunde um Stunde stärker geworden. Nun endlich sollte es tatsächlich soweit sein? – Ihm schien, als wäre das Zimmer ringsum ein Nichts und gar nicht mehr vorhanden, diese Welt nicht mehr existent, als sei sie vergessen, nicht mehr vorhanden, nie da gewesen, als sie schließlich eins wurden. Da war nichts mehr von Sanftheit, von vorsichtigem Tasten, von Zärtlichkeit. Und sie ließen sich einfach in den Rausch einer nicht enden wollenden Ekstase hinab gleiten, die schließlich wie eine Woge über ihnen zusammenschlug, wild und unbändig. Ausgehungert, so als hätte man einem Hungrigen lange Zeit ein köstliches Mahl vor die Augen gehalten, ohne dass er davon hätte kosten dürfen, waren sie nu nein einziges Individuum geworden, das für einen Augenblick von der Ewigkeit, von der Unendlichkeit, von der Unsterblichkeit kosten durfte.

Erschöpft keuchend lagen sie schließlich nebeneinander, sprachlos nach Atem ringend, zitternd, schweißgebadet und beide mit dem Glänzen unendlichen Glücks in den Augen. Still hielten sie sich bei den Händen.
Marita war die Erste, die wieder in die Realität zurückgefunden hatte: „Wir haben den „Absacker“ ganz vergessen. Hatte Dich doch extra dazu eingeladen!“, meinte sie lächelnd, während sie sich über ihn beugte, um ihn sanft zu küssen, ihm über die Haare zu streicheln. Als dabei ihre Brüste unmittelbar vor seinem Mund tanzten, nahm er sie schnell in beide Hände und presste sein Gesicht dazwischen. Doch Marita entzog sich schnell seinem Griff: „Also mein Herr, das geht jetzt aber zu weit. Sie habe doch gerade erst gegessen! – Etwa schon wieder hungrig?“ – „Nein, nicht direkt hungrig. Nur ein bisschen Appetit. Ich denke, ein Dessert könnte ich noch ab… Vielleicht nicht sofort und gleich, aber…“ – „Erstmal den „Absacker“, meinte Marita bestimmt und verschwand mit schwingenden Hüften in der Küche. Dabei wirkte sie ganz natürlich und überhaupt nicht gekünstelt. Ihr Gang war schwebend, gleitend, rund und unendlich aufreizend, selbst wenn das jetzt gar nicht ihre Absicht gewesen war. Joachim sah ihr nach: „Was für eine Frau, welch ein Weib! – Viel zu schön für einen One Night Stand. – Aber vielleicht bleibt es ja auch nicht nur dabei…“, dachte er, als sie auch schon wieder vor ihm stand, zwei gefüllte Champagnerschalen in den Händen. Sie hatte sich ein fast durchsichtiges Neglige übergeworfen und mit dem Gürtel vorn nur leicht verknotet. Es offenbarte eigentlich mehr, als dass es etwas verbarg… und Joachim reizte das umso mehr. Er hob sein Glas und blickte ihr in die Augen: „Marita, es ist schön mit dir… sehr schön…“ – „Hmm… mit dir auch.“ – „Wird es…“ – Marita legte ihm den Zeigefinger auf den Mund, so dass Joachim seinen gerade begonnenen Satz, seine Frage, nicht beenden konnte und sagte: „Heut ist heut und heut ist es schön… Nicht an morgen denken…“ – Joachim spürte plötzlich ein Gefühl der Trauer in sich aufkeimen. – Also doch! – Nur ein One Night Stand. Nur eine Faschingslaune… nur ein Moment, der mit dem heraufziehenden Tag zu Ende sein würde.

Als er sie wieder in seine Arme zog, war er der festen Überzeugung, diese erste Nacht mit ihr würde gleichzeitig auch die letzte sein…
So wie man Abschied nimmt von etwas sehr Schönem, sehr bewusst, sehr zärtlich und innig, sehr hingebungsvoll
und zugewandt, umfing er sie erneut. Er streichelte sie in grenzenloser Zärtlichkeit, irgendwie aber auch voller Trauer; umfasste ihr Gesicht mit beiden Händen, drückte ihr zarte Küsse auf ihre geschlossenen Lider, die Nase, die Wangen und den Mund. Wie etwas unendlich Kostbares nahm er ihre Brüste, um sie leise zu liebkosen. Gerade so, als wäre es ein Abschied für immer… Und dabei hatte sie doch weder ja noch nein gesagt. Nur „heute ist heut“, das hatte sie gesagt…
Joachim löste sich von ihr, rollte sich herum, blieb auf dem Rücken liegen und starrte an die Decke. – „Hey, was ist los? – Hat dir was die Stimmung versaut?“ – „Ja und nein… Aber lass nur…“ – Er schob seine düsteren Gedanken beiseite und lockte: „Du bist dran! – Tu mit mir, was du möchtest. Gnä Frau, ich stehe voll zu ihrer Verfügung.“ Joachim lächelte Marita an. Auch wenn es so klang: so ganz uneigennützig war sein Angebot nicht. Nun sollte sie die Initiative übernehmen. Und das würde am besten gehen, wenn sie über ihm wäre. Der für Joachim überaus angenehme Nebeneffekt wäre, dass er sie in dieser Position in all ihrer Pracht würde bewundern können. Nachdem nun sein erster Hunger nach ihr gestillt war, war Zeit für das „Dessert“, für den vollendeten Genuss. Und wenn es das letzte Mal sein würde…

Marita drehte sich zu ihm um und schwang sich über ihn, nackt wie Gott sie geschaffen hatte. Leise stöhnte Joachim auf: „Mein Gott, wie bist du schön!“, entfuhr es ihm, als sie nun mit gespreizten Beinen über ihm kniete. Die leichte Wölbung ihres Bauches, die Rundungen ihrer Hüften und diese herrlich großen, runden Brüste, über die sich ein Teil ihrer dunklen, langen Haare verteilte und sie da und dort wie ein Schleier bedeckten. Seine Hände begannen, ihren ganzen Körper mit all seinen reizvollen Rundungen zu erkunden, zu entdecken, zu erforschen und zu streicheln. Doch immer wieder machten sie an Maritas Brüsten Halt, um sie leise zu kneten, zu drücken und mit den Fingern die Brustwarzen zu umkreisen. – Marita bewegte sich kaum, und dennoch spürte Joachim wieder dieses unvergleichliche, fast die Sinne raubende Ziehen, das in der Lendengegend begann und nach und nach den ganzen Körper überflutete und er sehnte den Moment herbei, in dem es in seinem Kopf, in seinem Hirn ankommen würde, um dort zu explodieren. – Marita beugte sich zu ihm hinunter, wobei ihre Brüste wieder und wieder leicht, streichelnd Joachims Gesicht berührten. Ohne sich auch nur einen Millimeter von ihm zu trennen, drehte und wand sie sich auf ihm, über ihm, drückte sich schließlich mit dem ganzen Körper eng an ihn, gerade so, als wolle sie sich in ihn hineinpressen, um das Einssein damit vollkommen zu machen. Das genügte, und es dauerte nicht lange, bis Joachim das Gefühl hatte, als verwandele sich sein ganzer Körper von den Zehen bis zu den Haarspitzen in einen grellweißen, alles auslöschenden Blitz, der nur noch Platz ließ für das Gefühl der Unsterblichkeit, Unendlichkeit, des Vergehens in Auflösung….

Sie liebten sich noch öfter in dieser Nacht, bis es draußen schließlich endgültig hell wurde. Die Flasche Champagner war inzwischen leer geworden und eigentlich beide völlig erschöpft. Doch in ihren Adern kreisten noch immer die Hormone und das Adrenalin, so dass – trotz ihrer Erschöpfung – an Schlaf nicht zu denken gewesen war. Wieder – und diesmal intensiver als zuvor – hatte das Gefühl von Abschied und Trauer Besitz von Joachim ergriffen, denn er wusste, diese Nacht würde schon sehr bald zu Ende sein. Er würde sich anziehen, ein Taxi rufen und nach Hause fahren. Er kannte die Regeln eines „ONS“, eines „One Night Stand“. Ein gemeinsames Frühstück gehörte schon nicht mehr mit dazu. Das hätte etwas Bürgerliches, Verbindliches. Zwar spürte er mehr als deutlich, dass Marita für ihn schon jetzt viel mehr zu sein schien, als ein „ONS“, wenn er auch nicht wusste, warum das so war. – Doch wie war es bei ihr? – Mehrfach hatte er den Versuch unternommen, ihr die alles entscheidende Frage nach einem Wiedersehen zu stellen. Immer wieder hatte sie ihm mit dem Zeigefinger – wenn auch lächelnd – den Mund verschlossen, ohne je seine Frage beantwortet zu haben.
So blickte er sie schließlich mit so etwas wie Abschiedsschmerz in den Augen an und meinte: „Dann muss ich wohl…“, und stand auf um zu gehen. „Was musst du?“ – „Na ja, es ist Morgen und mir scheint, ich muss jetzt wohl gehen. Sieht so aus, als wärest du nicht sonderlich interessiert, mich näher kennen zu lernen. – Ein ONS ist eben ein ONS… gerade im Fasching…“ Schon resigniert wandte er sich von ihr ab und kramte seine Sachen zusammen, die immer noch verstreut im ganzen Zimmer umher lagen. – „Was ist mit ner Tasse Kaffee und einem Toast?“, fragte sie ihn, und sein Gesicht hellte sich auf. Durfte er sich denn doch noch Hoffnungen machen? – „Ja, gern!“, erwiderte er, als auch sie sich nun aus dem Bett erhoben hatte: „Dann lass mich erstmal unter die Dusche. Wenn du dann anschließend im Bad bist, mach ich uns ein Frühstück.“ – Sein Herz vollführte einen kleinen Hüpfer, der ältere Leute veranlasst hätten, zu ihrem Beta – Blocker zu greifen in der Annahme, sie hätten Herzrhythmusstörungen. Joachim warf seine Sachen vorerst wieder auf einen Sessel und legte sich aufs Bett, nachdem Marita im Bad verschwunden war. Er hörte die Dusche rauschen und Marita ein Liedchen trällern. Verträumt blickte er zur Decke. – „Du kaaanst!“, hörte er sie schließlich rufen. Er schwang sich aus dem Bett und ging in die Richtung, aus der er ihre Stimme vernommen hatte. Wie zufällig trafen beide an der engsten Stelle, nämlich in der Tür zum Bad aufeinander. Marita drückte sich grinsend an ihm vorbei: „Damit du nicht gleich wieder auf dumme Gedanken kommst, verschwinde ich mal lieber in der Küche. Sie stellte sich kurz auf die Zehenspitzen und küsste ihn flüchtig auf die Nase…

„Und nun? – Was jetzt? – Was machen wir draus?“
Sie hatten ihr Frühstück beendet und Marita war es, die diese Frage stellte und damit den Anschein erweckte, als wisse sie nicht mit dieser Situation umzugehen. – „Ich wüsste da schon was…“ – Joachim hatte Zeit gehabt und so hatten sich Hormone und Adrenalin im Blut beruhigt. Damit hatte er auch Zeit zum Nachdenken gehabt und in ihm stand mittlerweile der Entschluss fest: kampflos würde er dieses Feld nicht räumen! – Nicht das Feld namens Marita! – „Ich habe mich verliebt!“, sagte er nach einer Weile und lächelte sie dabei an. Sie schien nachdenklich und brachte nur ein „Hmm!“ über ihre Lippen, wobei sie allerdings nickte, als fühle sie genauso. Er hakte nach: „Warum sagst du nichts? – Was ist mit dir? – Wie ist das bei dir?“ – „Ach Joachim!“ – Sie seufzte dabei. „Was denn? – Marita, ich will dich nicht nur für eine Nacht. Ich will mehr! Will mit dir zusammen sein, dich besser kennen lernen. Warum soll es zwischen uns denn nur beim Sex klappen? Und warum nur in einer Nacht?“ – „Weißt du, ich hab gerade so eine Scheißbeziehung hinter mir. Die fing so ähnlich an und dann?...“ – „Angst? – Kann ich irgendwie verstehen! – Aber gib uns doch eine Chance!“ – „Es tut noch ziemlich weh. Hab das Ganze noch nicht abgehakt. Und das wäre dir gegenüber unfair, wenn ich im Hinterstübchen immer noch die andere Geschichte hätte. Schlechte Zeit für etwas Neues. Schlechte Zeit … für dich…“ – „Endgültig?“ – „Nein, nicht endgültig. Ich mag dich wirklich, sonst hätte ich nicht auch schon in der ersten Nacht mit dir geschlafen und dich mit zu mir genommen. – Aber mehr? – Nein Joachim, dazu müsste ich innerlich erstmal wieder frei sein, und das bin ich noch nicht… Tut mir Leid, Joachim!“ Bei den letzten Worten hatte sie ihm ihre Hand auf den Arm gelegt und ihn traurig angeschaut.
Er spürte einen Kloß im Hals, als er mit nun rauer Stimme sagte: „Dann muss ich das wohl so akzeptieren und warten, bis die Zeiten für mich besser werden… dir Zeit geben… Glaube aber bitte nicht, dass ich dich so einfach vergessen werde… Darf ich dich mal anrufen?“ – Sie schmunzelte: „Klar kannst du mich anrufen! Scheinst ja nicht so schnell aufzugeben. Warum sollte ich es dir also verbieten…?“
„Du glaubst ja nicht wie stur ich sein kann! Und schließlich bin ich ein Löwe. Löwen sind das Kämpfen gewohnt… und das geduldige Warten auch…“
Er hatte sich ein Taxi gerufen, nahm sie noch einmal – das letzte Mal? – zärtlich in den Arm und küsste sie innig und voll Leidenschaft, bis sie sich von ihm löste: „Ich sag auf Wiedersehen und nicht tschüss, Marita. Wenn du willst, kannst ja auch du mich mal anrufen. Meine Nummer hast du ja… egal wie spät es ist. Ruf mich einfach an und ich komme, wenn du es nur möchtest.“ – „Das weiß ich.“, nickte Marita und schob ihn mit sanfter Gewalt zur Türe hinaus: „Bitte geh jetzt und mach es uns nicht noch schwerer als es eh schon ist… bitte… „, meinte Marita leise. – Joachim löste sich von ihr, ging die Treppen hinunter, bestieg das wartende Taxi und fuhr in seine Junggesellenbude. Jetzt spürte er, dass und wie er die Nacht durchgemacht hatte und schlagartig überfiel ihn bleierne Müdigkeit. Er schlief von einer Sekunde auf die andere ein…
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Er hatte Wort gehalten und sie – mehr oder minder regelmäßig – angerufen. Doch ihm schien, als sei er ihr dabei kein Stückchen näher gekommen. Hinzu kam, dass sie ihn jedes Mal abblockte, wenn er versuchte, das Gespräch auf ihre erste Nacht zu bringen und darauf, was sie beide füreinander empfunden hatten.
Umgekehrt hatte Marita allerdings nie versucht, Jochen telefonisch zu erreichen. Immer war er es gewesen. Das ging jetzt schon ein halbes Jahr so. – Konnte es wirklich sein, dass sie ihrer alten Beziehung immer noch hinterher trauerte? – Oder steckte etwas Anderes dahinter? – Und wenn ja: was? – Er kam nicht dahinter und sie ließ ihm keine Chance.
Irgendwann hatte Joachim begonnen – auch wenn es ihm schwer gefallen war – sich mit der scheinbaren Realität abzufinden. Marita schien in unerreichbare Ferne gerückt. Doch auch, wenn er nun schon mehrfach versucht hatte, sich mit anderen Frauen abzulenken, sich auf sie einzulassen, es war ihm nicht gelungen. Dass ihm so etwas passieren musste! – Gerade ihm, der immer soviel darauf hielt, rational und kopfgesteuert zu sein! – Nüchtern betrachtet wusste er, dass – wie er es überall verkündete, wo immer sich die Gelegenheit bot – Verliebtheit nichts ist als „ein biochemischer Vorgang, der mit der unkontrollierten Ausschüttung von Hormonen einhergeht und durch bestimmte, variable Schlüsselreize ausgelöst werden.“ – Dass aber seine eigene „hormonelle Störung“, wie er sie nannte, nun schon über ein halbes Jahr anhielt, ohne auch nur das geringste Anzeichen einer Besserung zu zeigen, eine Abschwächung also nicht in Sicht schien, das irritierte ihn denn doch. Sein Kopf, auf dessen Fähigkeiten er sich immer soviel eingebildet hatte, schien in diesem Fall zu versagen. Und so konnte er sich die Frage nicht beantworten, was das war, das ihn an Marita so faszinierte, dass sie von seinem Denken und Fühlen
dermaßen Besitz ergriffen hatte, dass er es für ausgeschlossen hielt, sie je wieder vergessen zu können. Wie oft hatte er sich nicht schon ihren ersten Abend, die erste gemeinsame Nacht wieder in Erinnerung gerufen und dabei ein sehnsuchtsvolles Ziehen gespürt. Und er hatte geglaubt – ja, gehofft – dass es sich abnützen, mit der Zeit weniger heftig werden würde… doch er hatte sich getäuscht…
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„Mensch Marita!“, blaffte Claudia ihre Freundin fast an: „Ich kann ja verstehen, dass Du Angst davor hast, wieder enttäuscht zu werden. Aber meinst Du, es ruft Dich jemand über ein halbes Jahr lang an, immer wieder und wieder, und das, obwohl du ihm die kalte Schulter zeigst, ohne dass dieser jemand mehr will als nur Sex und Abenteuer?“ – „Aber er kennt mich doch gar nicht! – Abgefahren ist er auf mich – ja! Aber da ist er weiß Gott nicht der Erste und nicht der Einzige!“ – „Stimmt, ja. Aber wenn du so weitermachst, dann mag es ja eine Weile noch ganz lustig sein mit den flüchtigen Abenteuern. Turbo-Sex und dann Tschüss. Doch irgendwann ist Schluss und du wirst den Rest deines Lebens allein bleiben. So einfach ist das! – Und nur, weil du eine kleine, beschissene Angst hast, wieder mal enttäuscht zu werden, wieder verletzt zu werden? – Nein danke! Ich jedenfalls wüsste, was ich zu tun hätte!“ – „Du brauchst mir das nicht zu sagen, Claudia, denn ich kann’s mir denken.“ – „Sei jetzt bitte nicht eingeschnappt. Schließlich bin ich deine Freundin. Und als solche kann ich dir ja nun nicht nur nach der Schnauze reden – oder?“ – Marita nickte und fasste einen Entschluss…

Zum ersten Mal nach dieser denkwürdigen Nacht war es nun Marita, die zum Hörer griff: „Hallo, ich bin’s!“ – Joachim hatte ihre Stimme sofort erkannt und musste vor Überraschung heftig schlucken. „Du?“, fragte er völlig verwundert. „Ja, ich! – Ich… ich,… äh… können wir uns vielleicht treffen?“ – Das war nun eine Marita, die er noch nicht kannte. Zweifelnd, unsicher, verlegen und scheinbar ängstlich. Doch es war ganz unzweifelhaft „seine“ Marita und er spürte seinen Herzschlag heftiger als zuvor. – „Wann? – Wo?“, fragte er hastig, schon befürchtend, sie könne sich eines Anderen besinnen. „Heute Abend? – Und vielleicht diesmal bei dir? – Der Gerechtigkeit halber, meine ich?“ – „Kein Problem. Du hast meine Adresse noch?“, fragte er zur Sicherheit. – „Denkst du, ich hätte den Zettel weggeworfen?“ – „Um ganz ehrlich zu sein: so wie du mich die ganze Zeit hast abblitzen lassen, so wie du zu gemacht hast, da hatte ich tatsächlich schon fast alle Hoffnungen fallen lassen. Und ja: da liegt es doch nahe, dass du ihn vielleicht vernichtet haben könntest.“ – „Hab ich aber nicht!“ – „Nicht?“ – „Nein!“ – Also schien er ihr doch mehr zu bedeuten als er befürchtet hatte, so schlussfolgerte er und fuhr fort: „Dann weißt du ja, wo du mich findest. – Um acht?“ – „Nee, lieber eine Stunde später. Möchte mich nach der Arbeit doch ein wenig frisch machen… für dich…!“ – „Na ja, hab ich schon so lange gewartet, da kommt’s auf eine Stunde mehr oder weniger nun wirklich nicht mehr an.“, meinte er scherzhaft und lachte, um dann fortzufahren: „Und eine Kleinigkeit zu Essen mache ich für uns auch noch, wenn’s Recht ist.“ – „Gute Idee! – Du kannst also kochen?“ – „Für den Hausgebrauch eines Junggesellen reicht es und ich hoffe auch für… für…“ Er suchte nach einer passenden Bezeichnung für sie, doch es wollte ihm keine einfallen. – „Für wen?“, hakte sie nach, wobei sie das Gefühl hatte, nun ein wenig wieder die Oberhand zu gewinnen. – „Für eine Frau, die ein halbes Jahr lang nicht so recht etwas von mir wissen wollte.“, fand Joachim den Dreh. Sie lachte: „Na, so ganz stimmt das ja nicht. Aber darüber sollten wir reden… Wie über vieles Andere auch…“ – „Ich freu mich auf dich!“, schloss Joachim, und beide legten nachdenklich den Hörer auf.
Was war nur geschehen, dass Marita sich aus ihrem Schneckenhaus heraus gewagt und die Initiative ergriffen hatte?

So unbefangen, freizügig und locker wie ihr erster gemeinsamer Abend, wie die erste, denkwürdige Nacht miteinander verlaufen war, so gehemmt waren beide, als Marita seine Wohnung betrat. Zwar hatten sie sich still umarmt und Joachim wollte sie gar nicht wieder loslassen. Ihren Namen flüsternd hatte er sein Gesicht in ihrem Haar vergraben, ihren Duft tief einatmend. Zwar hatten sie sich innig und zart geküsst, wobei ein Stück alter Vertrautheit wieder wach geworden war. Und doch hatten beide das Gefühl, als stünde etwas zwischen ihnen, das sie nicht richtig zueinander finden ließ.
Joachim hatte gekocht, den Tisch feierlich gedeckt, eine Flasche funkelnden Rotwein entkorkt und auch eine Kerze auf dem Tisch nicht vergessen. Doch die alte Vertrautheit, die Lockerheit, sie wollte sich einfach nicht wieder einstellen… Beide schienen verunsichert und wussten nicht so recht, wie sie sich begegnen sollte. Beiden war klar, dass aus einem unverbindlichen One Night Stand etwas Anderes zu werden drohte, dass Unverbindlichkeit nun nicht mehr zuließ, sondern sie in die Verantwortung füreinander nahm. In die Verantwortung für sich und das Leben des Anderen. Das aber war neu und unbekannt, ungewohnt und machte ihnen Angst, wobei die auf Maritas Seite wohl größer war, denn Joachim wusste schon längst, dass das, wovon er ergriffen worden war, alles andere als nur eine „kleine, temporäre hormonelle Störung“ war. Er hatte auch aufgehört, sich das Hirn zu zermartern, dass genau das eigentlich nicht sein konnte, dass er sie tatsächlich liebte, obwohl er sie kaum kannte. Doch wie sie so vor ihm saß und an ihrem Weinglas nippte, da spürte er eine große Wärme in sich aufsteigen, die er so noch nie erlebt hatte. Ja, Verliebtheit, die hatte er schon häufiger erlebt mit all ihrer Aufgeregtheit und Ekstase. Das hier war anders. Das war wohl Liebe…
Marita unterbrach seine Gedanken: „Sex oder reden?“, fragte sie völlig unvermittelt und irgendwie schüchtern, nachdem auch sie zuvor eine Weile geschwiegen hatte. „Beides… aber in umgekehrter Reihenfolge.“ – „Aber vielleicht geht das nicht mehr, nachdem wir geredet haben?“ – „Bestimmt wird’s gehen!“ – „Also zuerst reden… - worüber?“ – „Über uns! – Marita, ich kann nicht mehr einfach mit dir schlafen und fertig…“ – „Gibt es da eine Andere?“, fragte sie schnell. Er lachte: „Nein, …nichts von Bedeutung. Und auch nichts Festes, keine Beziehung, wenn du das meinst. Dazu…“ – Er stockte ein wenig, fuhr dann aber mutig fort: „Dazu steckt eine gewisse Marita zu tief in mir drin. Jeder Versuch, eine andere Beziehung aufzubauen, wäre ihr gegenüber Betrug.“ – „Ich kenne das, wenn das Herz nicht wirklich frei ist. Man läuft Gefahr…“ – „Du brauchst nicht weiter zu reden. Ich weiß genau was du meinst. Aber dass du mich angerufen hast, dass du heute Abend hier bei mir bist, das zeigt mir, dass auch du wohl mehr empfinden musst, als nur die Lust auf Sex mit mir. – Oder? – Und das lässt mich hoffen, dass du diese alte Beziehung abgetrauert hast…“ – „Ich bin mir noch nicht ganz sicher. Allerdings bin ich mir sicher, dass ich dich auf gar keinen Fall verlieren möchte und dich schon viel zu lange habe zappeln lassen.“
Beiden, die sich für „modern“ und „progressiv“ hielten fiel es schwer, sich und dem Anderen einzugestehen, dass das älteste aller menschlichen Gefühle sie erwischt hatte und ihr Gehirn, ihre ach so logischen Denkstrukturen dagegen nichts hatten ausrichten, geschweige denn Erklärungen hätten geben können. Aber genau das waren sie nicht gewöhnt, wo sie doch gelernt hatten, alles Altüberkommene zu hinterfragen, auf den Prüfstand der Intellektualität zu stellen und regelmäßig zu verwerfen. Dennoch spürten sie, dass sie genau darüber würden reden müssen… Sex war leicht zu jener Zeit. Gefühle verkomplizierten alles. Also verdrängte man sie, bis es gar nicht mehr anders ging. Es ging nun nicht mehr anders. Sie waren an dem Punkt, wo man sie sich entweder eingestehen musste – mit allen Konsequenzen – oder sich für immer und ewig trennen. Das mit der Trennung – auch das war ihnen beiden klar – hatte schon bislang nicht geklappt. Nun gab es nur noch diesen einen Weg. Doch es war so verdammt schwer ihn zu gehen…
Es war Joachim, der, nachdem er lange nach Worten gesucht hatte, nachdenklich sagte: „Marita, der Fasching ist endgültig vorüber. Das hier, das ist das echte Leben. Diese Gefühle, die wir füreinander empfinden, das sind die echten, richtigen, tiefen. Ich bin mir darüber schon seit langem im Klaren. Und vielleicht kannst ja auch du dich dazu bekennen, auch wenn ich deine Angst, enttäuscht zu werden, nachempfinden kann. Aber ist denn das Risiko, sich von dieser Angst lähmen zu lassen nicht viel kleiner, als die Chance, miteinander glücklich werden zu können?“ – „Ja, Joachim. Vielleicht hast du Recht. Und irgendwie in mir drinnen spüre ich das ja auch. Sonst wäre ich wohl heute nicht hier. Und ja, jetzt bin ich auch innerlich frei, wenn da nur nicht immer wieder diese Angst wäre!“ – „Lass mich dir beweisen, dass sie unbegründet ist. Lass dich auf mich ein, lass dich mit mir ein… nicht nur im Bett… aber bitte auch dort!“ – Joachim war aufgestanden, hatte den Tisch umrundet und zog Marita nun von ihrem Stuhl hoch und an sich: „Hör auf, dich dagegen zu wehren.“, meinte er leise zu ihr. „Bisher war alles ein – zugegebenermaßen schönes – Spiel. Lass uns Ernst machen, lass es uns versuchen, ja?“ – „Ja, Joachim, lass es uns versuchen.“ – „Marita, Liebes, ich kann dir nur versprechen, dass ich dich niemals bewusst verletzen, dich nie bewusst kränken und dir Schmerzen zufügen werde.“ – „Ich glaube dir!“ – Ihre Arme schlangen sich um seinen Nacken. Plötzlich schien der Bann gebrochen und die Unsicherheit, die Fremdheit wie verflogen. – „Ich will dich Marita. Jetzt und gleich!“ – „Ich dich auch Joachim… ich dich auch…“, hauchte sie nur…
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Ja, so war das gewesen damals… Marita schmunzelte bei dem Gedanken an das, was sie ihre „wilden 70er“ nannte. Sie hatten sich ausgetobt, Joachim und sie. An „AIDS“ dachte damals noch niemand. Pille und Spirale hatten damals gerade ihren Siegeszug angetreten und den Weg zur „sexuellen Revolution“ geebnet. War vorher stets die Angst vor ungewollter Schwangerschaft sexueller Abenteuer gewesen, so konnte man – oder besser: Frau – nun alles selbst steuern. Das hatte sie damals frei gemacht. Und dennoch war auch sie im Ehehafen gelandet. Joachim hatte sein Versprechen wahr gemacht, sie niemals bewusst verletzt, und war stets ein aufmerksamer, zärtlicher, phantasievoller Ehemann und Liebhaber und später seiner Tochter Eva ein fürsorglicher Vater gewesen. Er hatte ihr Leben vom ersten Schrei an begleitet, denn – damals noch absolut unüblich, so dass die Hebamme sorgenvoll sagte: „Nu fall’n se mir nur nich‘ in Ohnmacht!“ – er hatte darauf bestanden, bei ihrer Geburt dabei zu sein. Danach hatte er seine Marita nur noch mehr geliebt… tiefer… inniger.

Und nun war Eva fünfundzwanzig und wollte unbedingt ihren Lars heiraten. Wie anders doch die Verhältnisse geworden waren! – Das Pendel war wieder voll zurückgeschlagen, denn immer mehr schien es „in Mode“ zu kommen, als Jungfrau in die Ehe gehen zu wollen. Nun allerdings nicht mehr, weil die Eltern, die Familie es so verlangten, sondern aus freien Stücken. – Seltsam… Marita überlegte: Hätte sie damals ihre Mutter um Rat gefragt, wie man am besten den eigenen Mann verführt? – Nie im Leben! – Und ein klein wenig stolz war sie schon, dass ihre Tochter sich da anders verhielt. – „Mama, ich seh‘ da so ein verdächtiges Lächeln! – Woran denkst du gerade?“ – „Ach, Eva, ich dachte gerade an vergangene Zeiten und daran, wie ich damals deinen Vater verführt habe und an die Zeit, in der wir zusammen gekommen sind… Nichts weiter…!“ – „Also wenn ich mir so dein Gesicht betrachte, dann muss es sehr schön gewesen sein.“ – „Ja, das stimmt! – Es war sehr schön, auch wenn er nicht der Erste war und ich für ihn nicht die Erste. – Trotzdem… oder vielleicht sogar eben deshalb, denn wir wussten zu vergleichen.“ – „Meinst du es ist falsch, auf den Einzigen, den Richtigen zu warten?“ – „Richtig… falsch… wer kann das schon sagen? –Ich denke einfach nur, es hat uns nicht geschadet, deinem Vater und mir. Eher im Gegenteil. Weißt du Erotik und Sex, das ist wie ein Wunderland, ein unbekanntes. Und wenn man ein fremdes Land betritt, dann ist man unsicher, hat so seine Ängste. Hat man sich aber schon längere Zeit darin bewegt, am Anfang vielleicht sogar mit einem guten Führer, der einem die Ängste nimmt, wenn man das Eine oder Andere schon kennt, wenn man sicherer geworden ist, dann sind auch die Ängste weg. Und wenn man dann und wann einmal jemanden nach dem Weg fragen kann, ohne Angst haben zu müssen, ausgelacht zu werden, dann ist es umso besser. Wie mit allem Anderen, so ist es auch mit dem Sex so, dass man erst viel lernen muss. Willst du ein schönes Bild malen, dann klappt das auch selten auf Anhieb. Und nicht alle passen mit ihren Wünschen und Neigungen so zusammen, dass sie miteinander die Erfüllung finden und dabei ein Stück von der Ewigkeit naschen dürfen. Umso schöner, dass es bei deinem Vater und mir sogar heute noch so ist. Und weil es nun mal war wie es war, vermag ich nicht zu sagen, wie es denn geworden wäre, ohne dass wir – jeder für sich – vorher so unsere Erfahrungen gesammelt hätten.“ Noch immer schmunzelte Marita. „Mama, du machst mir ein bisschen Angst!“ – „Eva, Angst ist der schlechteste aller Berater. Sei einfach offen für alles, was Lust versprechen könnte und baue nicht schon von vornherein Tabus auf. Das mit den Dessous vorhin, das war so eine spontane Reaktion, ein Tabu, so wie du darauf reagiert hast. Und es gibt noch so viel mehr, dass du spontan erstmal zurückweisen wirst, es gar nicht erst ausprobieren willst.“ – „Was meinst du damit?“ – „Ich denke, darüber sollten wir später einmal reden. Jetzt lass uns erstmal los und dir für deine Hochzeitsnacht das hoffentlich Richtige besorgen. – Sonst verunsichere ich dich nur noch mehr!“ – Marita nahm ihre Tochter in den Arm und lachte. – Wieder gingen ihre Gedanken in die Vergangenheit, und sie dachte an ihre eigene Hochzeitsnacht, die ja eigentlich keine mehr war und an die „Vorbereitungen“, die sie seinerzeit getroffen hatte…
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Noch lange Zeit nach ihrem Entschluss, aus dieser Faschingsbekanntschaft, aus einer Liebelei etwas Anderes zu machen hatten Marita und Joachim ihre Wohnungen beide noch behalten, und es war sogar von besonderem Reiz, immer wieder die Frage zu stellen: „Gehen wir zu Dir oder zu mir?“, oder auch den Anderen damit zu überraschen und ihm zu sagen: „Ich hab da was vorbereitet, lass uns heute zu mir gehen.“ – Heiraten? – Nein, daran hatten beide lange Zeit nicht gedacht… warum auch? Sie waren auch ohne Trauschein glücklich und führten auch so ein erfülltes Leben. Dann aber änderte sich alles schlagartig. „Joachim, ich muss dir was sagen.“ – „Ja, Schatz, was denn?“ – Joachim war gerade dabei, einen Bausatz für eine Lampe zusammen zu setzen und blickte deshalb kaum auf. „Joachim, erinnerst Du Dich noch an meine Pillenpause neulich??“ – „Ja klar! – Eigentlich wollten wir uns ja zusammenreißen. Aber dann haben wir es trotzdem nicht geschafft. Na ja, aber ich habe ja aufgepasst.“ – „Hat aber nicht genügt!“ – „Willst du damit sagen…“ – „Ja, ich will damit sagen, dass ich schwanger bin.“ – Jetzt war Joachim wie elektrisiert, blickte sie aber mit strahlenden Augen an: „Mann! – Toll! – Ich werde Vater! – Ach Marita, du glaubst ja gar nicht, wie ich mich freu!“ – Sofort machte er Pläne: „Also, als erstes müssten wir uns dann ja wohl nach einer gemeinsamen größeren Wohnung umsehen. Und dann? – Ja, weißt du, wenn ein Kind da ist, dann sollten wir eigentlich auch heiraten. Meinst Du nicht auch?“
Sie hatten schon häufiger über Kinder aus den so genannten „wilden Ehen“ gesprochen und waren übereingekommen, dies wäre der einzige Grund, zu heiraten, weil es für das Kind besser sein würde. Eltern und Freunde wunderten sich zwar über den „plötzlichen“ Sinneswandel, ahnten aber von dessen Gründen nichts.
Innerhalb eines Monats war es Marita und Joachim gelungen, alles auf die Reihe zu bekommen: Eine bezahlbare Wohnung konnte gefunden werden und mit Hilfe der Freunde wurden selbst die Umzüge noch zu einer feucht – fröhlichen Fete. Und schließlich standen Polterabend und Hochzeit bevor. Für eine Weile hatten sie über das Für und Wider einer kirchlichen Trauung debattiert, waren sich dann aber einig geworden, sich auch den Segen einer höheren Instanz zu holen, wenn auch beide mit der „Institution Kirche“ nicht so sonderlich viel am Hute hatten. Und außerdem: Auch wenn sie der „68er Generation“ angehörten, so hatten sie ihren Sinn für das Romantische denn doch nicht ganz verloren. Gerade in ihrer Zweisamkeit pflegten sie sie auf sehr intensive Art und hatten Freude daran, sich immer wieder aufs Neue mit Ideen zu überraschen. – Also würde es jetzt auch eine Hochzeit „in Weiß“ geben.

Gemeinsam mit ihrer Mutter fuhr Marita extra zu einem Brautausstatter und probierte wohl mehr als ein Dutzend prachtvoller Hochzeitskleider. Zuletzt entschied sie sich für ein hoch geschlossenes, bis hin zur Taille eng geschnittenes, langes, in einem weiten Rock mit Schleppe endendes Kleid aus schwerem, weißen Satin. – „Kind, das ist doch viel zu empfindlich und außerdem knittert der Stoff auch noch!“ – Maritas Mutter war eher praktisch, denn romantisch veranlagt. – „Ach was, Mama, es ist doch sowieso nur für diesen Tag. Und außerdem bin ich mir sicher, dass Joachim es mögen wird. Ausflippen wird er!“ – „Ja aber…“ – Ihre Mutter kannte ihre Tochter gut genug um zu wissen: wenn Marita sich etwas in den Kopf gesetzt hatte, dann gab es kein „Aber“ mehr. So beendete sie ihren Satz auch gar nicht erst und schaute sich im Laden nach weiteren Accessoires um. Auch die Brautschuhe – weiße Satinpumps natürlich – Strümpfe samt Strumpfbändern und auch der (offene!!) Kranz samt kurzem Schleier waren schnell gefunden. Nur mit dem „Darunter“ gab es Probleme: „Nee, das ist mir alles viel zu bieder.“, hängte Marita die verspielte Spitzenkorsage wieder an ihren Platz. – „Aber Kind, die ist doch so süß!“ – „Bieder ist sie… bieder! – Einfach zu bieder!“ – „Na, also ich finde sie ganz schön…äh…sexy!“ – „Ach Mama! Davon verstehst du nichts. Vielleicht für deine Generation, ja, da mag sie sexy sein. – Aber nicht für mich und … auch nicht für Joachim.“ – „Ja was versteht denn ihr unter sexy?“ – „Bestimmt nichts von dem, was man hier so kaufen kann.“ Ihre Hand beschrieb dabei einen Halbkreis, während sie auf das deutete, was man in diesem Laden für das angemessene Outfit für eine Hochzeitsnacht hielt. – „Nee, da muss ich schon woanders hin!“ – „Woanders? – Ja wo denn, Kind?“ – „Ich denke Mama, da geh ich am besten alleine hin. Du würdest wahrscheinlich da vor Scham im Boden versinken.“ – „Du meinst doch nicht etwa…“ – „Doch, genau das meine ich! – Diesen Erotikshop neben dem neuen Einkaufscenter. Da hab ich neulich im Schaufenster schon Dinge gesehen… ich sag dir!“ – Ihre Mutter runzelte die Stirn: „Wenn du meinst… Aber du hast ja Recht! Da gehst du am besten ohne mich hin…“ – „Klar doch. Werde vielleicht Claudia bitten, mich zu begleiten. Die ist schließlich Schuld daran, dass Joachim und ich überhaupt zusammen gekommen sind.“
Am nächsten Tag – sie hatte sich tatsächlich mit Claudia verabredet – betraten sie um kurz nach zehn den Laden, in dem sich zu der Zeit lediglich eine Verkäuferin aufhielt: „Bitte? – Sie wünschen?“, fragte sie freundlich. Dann bemerkte sie die erstaunten, unsicheren Blicke der beiden Freundinnen und schmunzelte: „Nein, zu dieser frühen Stunde, da ist hier kaum einmal männliche Kundschaft. Die kommen erst am Nachmittag…“ – Trotz aller „progressiver“ Aufgeklärtheit der beiden jungen Frauen, schienen sie aber doch erleichtert durchzuatmen, als sie vernahmen, dass zu dieser Tageszeit männliche Kundschaft kaum zu erwarten war.. – „Ja, also wir würden uns gern einmal bei den Dessous umsehen.“, meinte Claudia und hatte die entsprechenden Abteilung auch schon entdeckt, um sogleich – Marita an ihrer Hand – darauf zuzustreben. – „Mann oh Mann, wusste gar nicht, dass es so scharfe Sachen überhaupt gibt!“, entfuhr es ihr beim Anblick von Lack, Leder, Spitze, Gummi, hauchdünnem Nylon, Netzstrümpfen, Strapsen und Sets in allen erdenklichen Materialien und Variationen. – „Ich such was ganz Bestimmtes!“ – „Was denn?“ – „Wirst schon sehen! – Hoffe nur, dass die hier so was auch haben. Aber wenn nicht hier, wo sonst?“, murmelte Marita. – Dann hatte sie es auch schon entdeckt: „Ja genau, das ist es. Jetzt muss es nur noch passen!“ – Marita verschwand in einer der Umkleidekabinen, während Claudia sich überlegte, mit welchem Stück sie denn wohl ihren Jürgen mal wieder so richtig in Rage bringen könnte. – „Also eigentlich müsste es passen, auch wenn ich es hier nicht am nackten Körper probieren konnte.“, meinte Marita, als sie nach wenigen Minuten wieder zum Vorschein kam. – „Kommst du mit zu mir? – Kann’s gar nicht erwarten, dir das auf meinem Alabasterkörper vorzuführen. Bin gespannt, was du dazu sagst.“ – „Gut, dann lass uns gleich los. – Ich habe übrigens auch etwas gefunden. Vielleicht hilft es Jürgen ja, mich mal wieder als Frau und Weib wahrzunehmen.“, antwortete Claudia. „Prima! – Machen wir bei mir doch einfach mal Dessous – Party nur für uns zwei Frauen!“

Marita hatte die Heizung schon ein wenig höher gedreht, als sie zu Hause bei ihr angekommen waren, eine Flasche Sekt aus dem Kühlschrank geholt, und begann nun, ihre Einkäufe auszupacken. Zum Vorschein kam ein weißes Set, bestehend aus Slip, Hüftgürtel und BH. Das Raffinierte daran waren die Löcher an den „richtigen“ Stellen. „Mann, ist das geil!“, entfuhr es Claudia, die die Teile prüfend zur Hand nahm, und sie meinte: „Komm, zieh das doch mal an!“ – „Geht gleich los!“, lachte Marita und verschwand im Schlafzimmer. Joachim würde so bald nicht wiederkommen, denn er musste mal wieder Überstunden machen. Das wusste sie. Also konnte man sich Zeit lassen. – Im Nu hatte sie sich ihrer Alltagskleidung entledigt, zog den Slip über die Hüften, band den Tanzgürtel um und befestigte zuletzt die weißen Netzstrümpfe daran. Dann band sie sich den BH um und stellte einmal mehr fest, dass ihre Brüste eigentlich doch ein wenig zu groß geraten waren. Oder aber der BH war ein klein wenig zu klein. Für einen Moment zweifelte sie, ob das nun das Richtige wäre… aber nur für einen Moment, denn sie kannte ihren Joachim und dessen Vorlieben: „Lieber etwas zuviel als zu wenig…“, sagte er immer.
Sie streifte ihre Hochzeitspumps über, ging wieder ins Wohnzimmer und stellte sich so ihrer Freundin vor. Dabei drehte sie sich wie ein Mannequin auf dem Laufsteg und fragte schließlich: „Na, was hältst du davon?“ – „Geil, einfach nur geil! – Aber meinst du nicht, der BH ist ein wenig zu gewagt? - Sieht man nicht unter dem Kleid sofort, dass er ouvert ist? “- „Solange es nicht zu kühl wird nicht!“, kicherte Marita. „Und wer sagt dir, dass es dort nicht kühl ist?“ – Dem Pastor fällt doch das Monokel ins Taufbecken, wenn er das spitzkriegt. Und er wird es spitzkriegen, wetten?“ – „ Ach, da fällt mir schon noch was ein…“, antwortete Marita, völlig zufrieden mit ihrem Kauf. Was scherte sie der Pastor! Joachim wollte sie gefallen. Mit ihm wollte sie doch ihre Hochzeitsnacht verbringen! – „Jetzt bist du aber dran, Claudia!“ – Auch Claudia verschwand mit ihrer Tüte nun für kurze Zeit im Schlafzimmer, um sich umzuziehen und betrat kurz darauf wieder das Wohnzimmer. „Auch nicht schlecht!“, meinte Marita, als sie Claudia nun vor sich sah. Sie war sich völlig sicher: Wenn Jürgen davon nicht angetörnt werden würde, dann wäre ihm wirklich nicht mehr zu helfen: Der pinkfarbene, fast durchsichtige BH konnte wahlweise geschlossen oder auch ouvert getragen werden, denn er besaß an den gewissen Stellen je drei Schleifchen zum Öffnen, die sich auch am Slip wiederholten. Dazu trug Claudia knallrote, halterlose Netzstrümpfe und rote, hochhackige Sandaletten. „Jürgen steht eigentlich mehr auf „natur“, wie er immer sagt. Aber im Moment scheint er auf rein gar nichts mehr zu stehen. Völlig gestresst, der Mann. Vielleicht hilft ja doch mal eine kleine Veränderung wie diese hier.“, sagte Claudia und ihre Stimme klang dabei fast ein wenig resignierend. „Ach, Claudi, Armes. Aber weißt du, vielleicht traut er sich auch einfach nicht, dir zu sagen, was er wirklich möchte und mag. Manche Männer sind so! Und dann behauptet er einfach, er liebt es „natur“ pur, nur weil er das für „normal“ hält. Hast du’s denn schon mal so ähnlich ausprobiert?“ – „Nö, auf die Idee war ich bisher noch gar nicht gekommen.“ – „Siehste! – Aber denk dran, Männer sind nun mal Augentiere. Und wenn er dich so sieht, dann muss er doch fast denken, er hätte eine ganz andere Frau im Bett. Wirst schon sehen!“ – „Hoffen wir’s Beste!“
Die Freundinnen nahmen sich in den Arm, worauf es Claudia entfuhr: „Mann, du fühlst dich ja auch wirklich geil an so… Dieser glatte Stoff auf deinem Luxuskörper! – Könnte glatt lesbisch werden!“ – „Aber ich nicht!“, lachte Maria und löste sich schnell wie
  • Geschrieben von Kurt
  • Veröffentlicht am 17.12.2017
  • Gelesen: 4987 mal

Kommentare

  • Harald (nicht registriert) 20.12.2017 00:45

    Klasse geschrieben! Bitte mehr von dieser Sorte...

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