Im Postfach eine Mail von einer unbekannten Adresse. Eigentlich werden sie gelöscht, aber diese hat den Spamfilter überwunden. Hermann ist neugierig, könnte von jemand kommen, den er kennt, zeigt schon die Anrede.
> " Hallo lieber Hermann,
sicherlich wunderst du dich, das ich dir nach so langer Zeit schreibe. Aber ich musste mir deine Adresse erst heimlich besorgen.
Ach so, ich bin es, Maja.
Weiß nicht was ich falsch gemacht habe, aber seit ich damals gefahren bin, herrscht zwischen den Alten und mir Eiszeit. Als ich meine nächsten freien Tage in Isenbüttel verbrachte, haben sie mich total ignoriert. Habe nach einem Tag meinen Aufenthalt abgebrochen und werde mich rar machen. War wohl ein Fehler, wieder zu ihnen zu ziehen, nur weil die Wohnung keine Miete kostet. Bin auf der Suche nach einer neuen Bleibe, ist aber nicht leicht, was erschwingliches zu finden. Schade das du so weit weg wohnst.
Habe ab Dienstag 4 freie Tage. Könnte mal wieder einen schönen Schwanz vertragen. Wärst du damit einverstanden, das ich zu dir komme?
> Alles, nur das nicht. <
Über eine positive Antwort von dir würde ich mich riesig freuen.
Schreib bitte an obige E-Mail, aber bitte nicht ausführlich, denn die Adresse gehört einer Arbeitskollegin und ich möchte keine Erklärungen abgeben. Am besten, du antwortest mit deiner Adresse wenn ich willkommen bin.
> Soso, haben wir Beide was von, aber mich verstecken. Die Adresse muss man nicht erkläre? <
Alles liebe Maja
Es wäre zwar verlockend, weil Hermann schon eine Weile abstinent lebt. Aber nach genauer Überlegung verwirft er diesen Gedanken wieder.
> Gibt nur Ärger und Komplikationen <
Deshalb bekommt Maja keine Antwort.
Oder soll er doch?
Nein! Besser nicht.
Oskar, der Wirt seiner Stammkneipe, wundert sich, weil Hermann so oft bei im aufkreuzt. Ist aber froh darüber, er ist oft der 3. Mann zum Skat.
Hermann würde lieber öfter Dart spielen, aber niemand weiß, warum zwei von den Leuten, mit denen er öfter gespielt hat, nicht mehr kommen. So muss er, wenn überhaupt, mit Dreien vorlieb nehmen, die ihm nicht so sympathisch sind. Sie spielen zwar gut, sind aber von sich selber voreingenommen und prahlen und proleten ihm zu viel. Martin und Viktor gehen noch, aber Olaf ist ein Schwaatlappen der Sonderklasse. Man kann sie nur ruhigstellen, wenn sie verlieren.
An einem Abend ist es besonders schlimm. Als Hermann die Kneipe betritt, begrüßt ihn Olaf.
" Na, willst du auch ein paar Runden verlieren, oder zahlst du freiwillig eine Runde. Olaf ist heute unschlagbar, habe den beiden Schwachmaten schon ein paar Runden abgeknöpft. "
Oskar verdreht die Augen und flüstert ihm zu.
" Stell den Lautsprecher mal ab. "
" Kannst 'ne Runde kriegen, aber die musst du dir verdienen. "
Das tat Olaf dann auch, die drei waren schon eingespielt und Hermann hat lange keine Pfeile mehr in der Hand gehabt. Die ersten 2 Runden gingen auf ihn. Doch dann drehte der Wind. Hermann kam besser ins Spiel, die anderen Beiden stiegen aus und bei Olaf machten sich die Bierchen bemerkbar und ein paar Schnäpschen auch. Olaf verliert 3 Spiele hintereinander, aber er gibt nicht auf. Je mehr er verliert, desto verbissener wird er. Ist dann aber froh, als Hermann ihm eine Revanche verspricht, wenn er wieder nüchtern ist.
Oskar meint nur.
" Schade, hättest ihm ruhig noch ein paar Runden abnehmen können. "
" Weißt doch, ich spiele nicht gegen Besoffene und Anfänger. "
" Das ehrt dich immer wieder. "
Mit der Zeit wird Hermann immer unruhiger. Selber Hand anlegen ist auch nicht das Wahre. Seine Wohnung sauber halten, kochen und lesen lastet ihn auch nicht aus. Täglich viele Stunden in der Kneipe verbringen ist auch nicht sein Ding. Am PC hocken belastet die Augen. Er braucht wieder eine Aufgabe, aber was.
Er fängt wieder an, diverse Seiten zu durchforsten. Stellt jedoch fest, passende Angebote gibt es immer weniger. Ein Inserat ist ihm aufgefallen. Nicht nur, weil sie gut ist, sondern weil sie mit dem gleichen Wortlaut in 3 verschiedenen Magazinen auftaucht.
> Hallo, muss ich erst in einer Fremdsprache mein Anliegen vorbringen und hoffen, das Spinner und Faker diese Sprache nicht beherrschen. Zuschriften bekomme ich genug, aber immer von den falschen Kerlen, die nicht in der Lage sind, mein Inserat richtig zu lesen. Von den Antworten ganz abgesehen. Aber nicht jeder hat Lesen und Schreiben richtig gelernt. Noch einmal ganz langsam.
Heisse Gabriela,
> Soll man das " heisse " zweideutig verstehen? <
bin 55 Jahre alt, sehe auch so aus ( Obwohl andere Leute was anderes behaupten ) und fühle mich auch so. Bin 1,71 m groß. habe ein paar Pölsterchen ( mich stören sie nicht ), wie ich meine an den richtigen Stellen. Hatte mal rotblonde Haare ( Natur ) die aber immer mehr ins hellgraue wechseln. Zum Lesen und Autofahren brauche ich eine Brille, aber ansonsten sehe ich noch alles, was ich gerne sehen will. Wenn nötig habe ich sensible Hände zum Fühlen. Meine Zähne behalte ich auch nachts im Mund und auch sonst bin ich Ersatzteilfrei.
Würde mich freuen, wenn endlich einmal jemand mein Geschreibsel richtig liest und es ihm gefällt. Sonst mache ich wahr, was ich schon länger vorhabe. Ich stelle mich auf einen Berg und schreie um Hilfe. Muss ja nicht gleich ein Ritter kommen. Ein gestandenes Mannsbild würde schon langen. Schließlich hat eine Frau in meinem Alter auch noch gewisse Bedürfnisse.
Aber eines gleich vorweg.
Ich suche keinen Mann der mich heiratet, oder der sofort bei mir einzieht, damit ich für ihn wasche und putze.
Was suche ich denn?
Einen zärtlichen und liebevollen Begleiter, mit dem ich schöne Stunden erleben kann. Wenn ich von ihm bekomme, was ich mir wünsche, gebe ich es auch gerne zurück.
Bitte meldet euch. Aber endlich einmal die " Richtigen " .
Ehe ich es vergesse, ich wohne in einer schönen Gegend am Rande vom Schwarzwald und bin schon Rentnerin.
Nur Mut. Gabriela ( Nur Freunde dürfen mich Gabi nennen ) " <
Diese Anzeige hat was, entspricht Hermanns Vorstellungen, wenn nur die Entfernung nicht wäre. Hermann überlegt es sich reiflich, aber am nächsten Tag schreibt er.
>> " Hallo Gabriela, finde es ist ein schöner Name. Habe deine ausführlichen Zeilen mehrfach und sorgfältig gelesen und lange überlegt, dir zu schreiben. Da ich in der Nähe von Hannover wohne, liege einige Kilometer zwischen unsern Wohnorten. Kann ein Vor -, aber auch ein Nachteil sein.
Anscheinend hast du mit Inseraten die gleichen Erfahrungen sammeln dürfen wie ich, denn in vielen Punkten kann ich dir zustimmen. Aber wie du siehst, ich habe alle Bedenken über Bord geworfen, sonst würde ich nicht schreiben.
Mein Name ist Hermann, bin 59 Jahre alt, 182 cm groß, kräftige Figur, volle graue Haare, kein Bart, Brille. Bin auch schon im Vorruhestand. Hoffe, ich habe deine Anliegen alle verstanden und habe ähnliche Vorstellungen von einer Beziehung ( auch als Fernbeziehung ).
Höre ich von Dir?
Liebe Grüße Hermann " <<
In den nächsten Stunden und Tagen gingen mehrere Mails hin und her. Mit jeder geht Gabi ( als guter Freund darf ich sie so nennen ) mehr ins Detail und man kann den Schriftwechsel schon fast als pornografisch bezeichnen. Nur eines schreibt sie nicht, keine Telefonnummer und keine Adresse. Erst als Hermann ihr mitteilt, er würde sie gerne besuchen, geht Gabi darauf ein und erklärt sich damit einverstanden. Sie teilt ihm aber lediglich mit, sie würde in der Nähe von Offenburg wohnen. Hermann schreibt ihr, dann würde er mit dem Zug anreisen. Ist weniger Stress und er käme für andere Dinge ausgeruht an.
Gabriela ist begeistert und schlägt das nächste Wochenende zum treffen vor. Sie schreibt, sie holt ihn vom Bahnhof ab und nennt einen Treffpunkt. Hermann kommen Bedenken, aber gleichzeitig ist er neugierig und erklärt sich einverstanden. Sucht einen passenden Zug heraus und teilt ihr die Ankunft mit. Zweifel hat er immer noch, deshalb beschließt er, doch mit dem Auto zu fahren, ohne ihr das zu verkünden.
Am Freitag fährt er frühzeitig los und ist lange vor Ankunft des Zuges vor Ort. Als Treffpunkt ist die Gebäudeecke direkt am Ausgang des Tunnels erkoren.
Auf der anderen Seite ist ein Kiosk mit Kaffeeausschank, wo man auch sitzen kann. Dort platziert er sich und bei einem Kaffee und Lesen, harrt er der Dinge, die da kommen.
Ungefähr 10 Minuten vor der Zeit kommen 3 Frauen, alle so um die 40 Jahre. Sie setzen sich 2 Tische von ihm weg. Er beachtet sie erst nicht, bis er einen Gesprächsfetzen aufschnappt, der ihn hellhörig werden lässt.
" Glaubst du wirklich der Kerl kommt auf deine wenigen Angaben von so weit her? "
" Der kommt, den habe ich so geil gemacht, der kommt."
" Ich würde es nicht tun. "
" Du hast ja auch keinen notgeilen ******. "
Irgendwann gerätst du mal an den Falschen. "
" Wie auch, der weiß weder meinen Nachnamen, noch Adresse und Telefonnummer. Unke hier nicht rum. Hauptsache, wir haben unseren Spaß. Nachher bei mir, Sekt steht schon kalt. "
Spätestens jetzt weiß Hermann, woran er ist. Er ist auf einen bösen Streich von frustrieten Weibern reingefallen.
> Wieder eine Erfahrung mehr. Aber Mädchen, nicht mit Hermann, der dreht den Spieß um. <
Der ICE fährt ein und es kommen einige Leute aus dem Tunnel. Als der letzte Nachzügler durch ist, schauen die Drei doch etwas dumm aus der Wäsche. Weil sie aus Richtung des Parkplatzes gekommen sind, macht Hermann sich schon einmal auf den Weg. Kurz nach ihm kommen die 3 Grazien, eine scheint ziemlich angepisst zu sein. Sie steigen in ein auffälliges gelbes Auto und als sie losfahren, setzt sich Hermann auf ihre Fährte. Weit muss er dem Auto nicht folgen, in einem Vorort parken sie und verschwinden in einem Mehrfamilienhaus. Anhand der Klingelschilder, es gibt nur eines, wo ein G. vor Wölfel steht, das muss sie sein. Hermann fotografiert aber vorsorglich die ganze Leiste. Er überlegt zu klingeln und ein bisschen Randale zu machen. Aber dann hätte sie ja Zeuginnen. Im Telefonverzeichnis findet er die Nummer unter Gabriela Wölfel.
>>> B I N G O ! ! ! <<<
Etwas frustriert fährt er dann in Richtung Norden
> Selber Schuld, wenn man sich so blauäugig auf solch ein vages Ding einlässt. Hirn einschalten und nicht immer Schwanzgesteuert sein.
Je länger er unterwegs ist, desto besser wird seine Laune. Er malt sich bildlich aus, wie seine Rache aussieht.
Weil der Verkehr zugenommen hat, erreicht er seinen Wohnort erst gegen 21 Uhr. Hat Sehnsucht nach einem großen Bier und einem oder auch mehreren Pötten vom Schottenwasser.
Das muss erst einmal warten.
Zuerst kommt: " Rache ist süß. "
Am Bahnhof gibt es noch eine Telefonzelle, von der tätigt er einen Anruf.
> " Wölfel . "
" Na, hast du deinen Spaß gehabt, Gabriela. "
" Wer ist denn da? "
" Kannst du dir das nicht denken? Wenn nicht, dann ganz langsam zu mitschreiben:> Hermann < "
Aufgelegt.
Nach einigen Minuten der nächste Versuch.
" Hallo. "
" Wage es nicht noch einmal aufzulegen, ehe ich es dir erlaube, dann komme ich nämlich selber vorbei.
Du und dein Hühnerhaufen, ihr haltet euch wohl für " Superschlau ". Dabei seit ihr dummer als ein Kanten trockenes Brot. Hätte ihr euch mal vorher vorsichtig umgeschaut, ehe ihr euch , über die, ach so doofen Kerle auslasst, oder einmal in den Rückspiegel geschaut, dann hättet ihr von eurer Umwelt auch was mitgekriegt.
> Man hört nur heftiges Atmen <
Pass jetzt genau auf was ich dir sage, sage es nämlich nur einmal und hoffe dein Spatzenhirn begreift.
Man verarscht mich nur einmal.
Kenne deinen Nachnamen, deine Adresse und deine Telefonnummer. Das hast selbst du schon begriffen.
Weiß auch welches Auto du fährst und kenne das Kennzeichen und weiß wo es parkt. Habe dich total im Auge.
Versuche jetzt nicht bei einer deiner Freundinnen unterzutauchen, sonst weiß ich auch noch wo diese wohnen.
Würde an deiner Stelle meine Wohnung so bald nicht verlassen. Vielleicht vergesse ich dich dann um so eher.
An deiner Stelle würde ich umziehen. Könnte ja sein .es tauchen ein paar finstere Gestalten bei dir auf, die alles f...en was nicht schnell genug auf die Bäume kommt.
So, viel Spaß und süße Träume. Kannst jetzt auflegen. "
Das geschah auch sofort.
Diese dumme Pflaume hatte jetzt mit Sicherheit eine etwas unruhige Nacht mit vielen schönen Träumen.
Die hatte Hermann auch. Nach einigen Bieren und anderen Beruhigungsmitteln, schläft er wie ein Bär.
Von der lieben Gabriela hörte er auch nichts mehr.
> " Hallo lieber Hermann,
sicherlich wunderst du dich, das ich dir nach so langer Zeit schreibe. Aber ich musste mir deine Adresse erst heimlich besorgen.
Ach so, ich bin es, Maja.
Weiß nicht was ich falsch gemacht habe, aber seit ich damals gefahren bin, herrscht zwischen den Alten und mir Eiszeit. Als ich meine nächsten freien Tage in Isenbüttel verbrachte, haben sie mich total ignoriert. Habe nach einem Tag meinen Aufenthalt abgebrochen und werde mich rar machen. War wohl ein Fehler, wieder zu ihnen zu ziehen, nur weil die Wohnung keine Miete kostet. Bin auf der Suche nach einer neuen Bleibe, ist aber nicht leicht, was erschwingliches zu finden. Schade das du so weit weg wohnst.
Habe ab Dienstag 4 freie Tage. Könnte mal wieder einen schönen Schwanz vertragen. Wärst du damit einverstanden, das ich zu dir komme?
> Alles, nur das nicht. <
Über eine positive Antwort von dir würde ich mich riesig freuen.
Schreib bitte an obige E-Mail, aber bitte nicht ausführlich, denn die Adresse gehört einer Arbeitskollegin und ich möchte keine Erklärungen abgeben. Am besten, du antwortest mit deiner Adresse wenn ich willkommen bin.
> Soso, haben wir Beide was von, aber mich verstecken. Die Adresse muss man nicht erkläre? <
Alles liebe Maja
Es wäre zwar verlockend, weil Hermann schon eine Weile abstinent lebt. Aber nach genauer Überlegung verwirft er diesen Gedanken wieder.
> Gibt nur Ärger und Komplikationen <
Deshalb bekommt Maja keine Antwort.
Oder soll er doch?
Nein! Besser nicht.
Oskar, der Wirt seiner Stammkneipe, wundert sich, weil Hermann so oft bei im aufkreuzt. Ist aber froh darüber, er ist oft der 3. Mann zum Skat.
Hermann würde lieber öfter Dart spielen, aber niemand weiß, warum zwei von den Leuten, mit denen er öfter gespielt hat, nicht mehr kommen. So muss er, wenn überhaupt, mit Dreien vorlieb nehmen, die ihm nicht so sympathisch sind. Sie spielen zwar gut, sind aber von sich selber voreingenommen und prahlen und proleten ihm zu viel. Martin und Viktor gehen noch, aber Olaf ist ein Schwaatlappen der Sonderklasse. Man kann sie nur ruhigstellen, wenn sie verlieren.
An einem Abend ist es besonders schlimm. Als Hermann die Kneipe betritt, begrüßt ihn Olaf.
" Na, willst du auch ein paar Runden verlieren, oder zahlst du freiwillig eine Runde. Olaf ist heute unschlagbar, habe den beiden Schwachmaten schon ein paar Runden abgeknöpft. "
Oskar verdreht die Augen und flüstert ihm zu.
" Stell den Lautsprecher mal ab. "
" Kannst 'ne Runde kriegen, aber die musst du dir verdienen. "
Das tat Olaf dann auch, die drei waren schon eingespielt und Hermann hat lange keine Pfeile mehr in der Hand gehabt. Die ersten 2 Runden gingen auf ihn. Doch dann drehte der Wind. Hermann kam besser ins Spiel, die anderen Beiden stiegen aus und bei Olaf machten sich die Bierchen bemerkbar und ein paar Schnäpschen auch. Olaf verliert 3 Spiele hintereinander, aber er gibt nicht auf. Je mehr er verliert, desto verbissener wird er. Ist dann aber froh, als Hermann ihm eine Revanche verspricht, wenn er wieder nüchtern ist.
Oskar meint nur.
" Schade, hättest ihm ruhig noch ein paar Runden abnehmen können. "
" Weißt doch, ich spiele nicht gegen Besoffene und Anfänger. "
" Das ehrt dich immer wieder. "
Mit der Zeit wird Hermann immer unruhiger. Selber Hand anlegen ist auch nicht das Wahre. Seine Wohnung sauber halten, kochen und lesen lastet ihn auch nicht aus. Täglich viele Stunden in der Kneipe verbringen ist auch nicht sein Ding. Am PC hocken belastet die Augen. Er braucht wieder eine Aufgabe, aber was.
Er fängt wieder an, diverse Seiten zu durchforsten. Stellt jedoch fest, passende Angebote gibt es immer weniger. Ein Inserat ist ihm aufgefallen. Nicht nur, weil sie gut ist, sondern weil sie mit dem gleichen Wortlaut in 3 verschiedenen Magazinen auftaucht.
> Hallo, muss ich erst in einer Fremdsprache mein Anliegen vorbringen und hoffen, das Spinner und Faker diese Sprache nicht beherrschen. Zuschriften bekomme ich genug, aber immer von den falschen Kerlen, die nicht in der Lage sind, mein Inserat richtig zu lesen. Von den Antworten ganz abgesehen. Aber nicht jeder hat Lesen und Schreiben richtig gelernt. Noch einmal ganz langsam.
Heisse Gabriela,
> Soll man das " heisse " zweideutig verstehen? <
bin 55 Jahre alt, sehe auch so aus ( Obwohl andere Leute was anderes behaupten ) und fühle mich auch so. Bin 1,71 m groß. habe ein paar Pölsterchen ( mich stören sie nicht ), wie ich meine an den richtigen Stellen. Hatte mal rotblonde Haare ( Natur ) die aber immer mehr ins hellgraue wechseln. Zum Lesen und Autofahren brauche ich eine Brille, aber ansonsten sehe ich noch alles, was ich gerne sehen will. Wenn nötig habe ich sensible Hände zum Fühlen. Meine Zähne behalte ich auch nachts im Mund und auch sonst bin ich Ersatzteilfrei.
Würde mich freuen, wenn endlich einmal jemand mein Geschreibsel richtig liest und es ihm gefällt. Sonst mache ich wahr, was ich schon länger vorhabe. Ich stelle mich auf einen Berg und schreie um Hilfe. Muss ja nicht gleich ein Ritter kommen. Ein gestandenes Mannsbild würde schon langen. Schließlich hat eine Frau in meinem Alter auch noch gewisse Bedürfnisse.
Aber eines gleich vorweg.
Ich suche keinen Mann der mich heiratet, oder der sofort bei mir einzieht, damit ich für ihn wasche und putze.
Was suche ich denn?
Einen zärtlichen und liebevollen Begleiter, mit dem ich schöne Stunden erleben kann. Wenn ich von ihm bekomme, was ich mir wünsche, gebe ich es auch gerne zurück.
Bitte meldet euch. Aber endlich einmal die " Richtigen " .
Ehe ich es vergesse, ich wohne in einer schönen Gegend am Rande vom Schwarzwald und bin schon Rentnerin.
Nur Mut. Gabriela ( Nur Freunde dürfen mich Gabi nennen ) " <
Diese Anzeige hat was, entspricht Hermanns Vorstellungen, wenn nur die Entfernung nicht wäre. Hermann überlegt es sich reiflich, aber am nächsten Tag schreibt er.
>> " Hallo Gabriela, finde es ist ein schöner Name. Habe deine ausführlichen Zeilen mehrfach und sorgfältig gelesen und lange überlegt, dir zu schreiben. Da ich in der Nähe von Hannover wohne, liege einige Kilometer zwischen unsern Wohnorten. Kann ein Vor -, aber auch ein Nachteil sein.
Anscheinend hast du mit Inseraten die gleichen Erfahrungen sammeln dürfen wie ich, denn in vielen Punkten kann ich dir zustimmen. Aber wie du siehst, ich habe alle Bedenken über Bord geworfen, sonst würde ich nicht schreiben.
Mein Name ist Hermann, bin 59 Jahre alt, 182 cm groß, kräftige Figur, volle graue Haare, kein Bart, Brille. Bin auch schon im Vorruhestand. Hoffe, ich habe deine Anliegen alle verstanden und habe ähnliche Vorstellungen von einer Beziehung ( auch als Fernbeziehung ).
Höre ich von Dir?
Liebe Grüße Hermann " <<
In den nächsten Stunden und Tagen gingen mehrere Mails hin und her. Mit jeder geht Gabi ( als guter Freund darf ich sie so nennen ) mehr ins Detail und man kann den Schriftwechsel schon fast als pornografisch bezeichnen. Nur eines schreibt sie nicht, keine Telefonnummer und keine Adresse. Erst als Hermann ihr mitteilt, er würde sie gerne besuchen, geht Gabi darauf ein und erklärt sich damit einverstanden. Sie teilt ihm aber lediglich mit, sie würde in der Nähe von Offenburg wohnen. Hermann schreibt ihr, dann würde er mit dem Zug anreisen. Ist weniger Stress und er käme für andere Dinge ausgeruht an.
Gabriela ist begeistert und schlägt das nächste Wochenende zum treffen vor. Sie schreibt, sie holt ihn vom Bahnhof ab und nennt einen Treffpunkt. Hermann kommen Bedenken, aber gleichzeitig ist er neugierig und erklärt sich einverstanden. Sucht einen passenden Zug heraus und teilt ihr die Ankunft mit. Zweifel hat er immer noch, deshalb beschließt er, doch mit dem Auto zu fahren, ohne ihr das zu verkünden.
Am Freitag fährt er frühzeitig los und ist lange vor Ankunft des Zuges vor Ort. Als Treffpunkt ist die Gebäudeecke direkt am Ausgang des Tunnels erkoren.
Auf der anderen Seite ist ein Kiosk mit Kaffeeausschank, wo man auch sitzen kann. Dort platziert er sich und bei einem Kaffee und Lesen, harrt er der Dinge, die da kommen.
Ungefähr 10 Minuten vor der Zeit kommen 3 Frauen, alle so um die 40 Jahre. Sie setzen sich 2 Tische von ihm weg. Er beachtet sie erst nicht, bis er einen Gesprächsfetzen aufschnappt, der ihn hellhörig werden lässt.
" Glaubst du wirklich der Kerl kommt auf deine wenigen Angaben von so weit her? "
" Der kommt, den habe ich so geil gemacht, der kommt."
" Ich würde es nicht tun. "
" Du hast ja auch keinen notgeilen ******. "
Irgendwann gerätst du mal an den Falschen. "
" Wie auch, der weiß weder meinen Nachnamen, noch Adresse und Telefonnummer. Unke hier nicht rum. Hauptsache, wir haben unseren Spaß. Nachher bei mir, Sekt steht schon kalt. "
Spätestens jetzt weiß Hermann, woran er ist. Er ist auf einen bösen Streich von frustrieten Weibern reingefallen.
> Wieder eine Erfahrung mehr. Aber Mädchen, nicht mit Hermann, der dreht den Spieß um. <
Der ICE fährt ein und es kommen einige Leute aus dem Tunnel. Als der letzte Nachzügler durch ist, schauen die Drei doch etwas dumm aus der Wäsche. Weil sie aus Richtung des Parkplatzes gekommen sind, macht Hermann sich schon einmal auf den Weg. Kurz nach ihm kommen die 3 Grazien, eine scheint ziemlich angepisst zu sein. Sie steigen in ein auffälliges gelbes Auto und als sie losfahren, setzt sich Hermann auf ihre Fährte. Weit muss er dem Auto nicht folgen, in einem Vorort parken sie und verschwinden in einem Mehrfamilienhaus. Anhand der Klingelschilder, es gibt nur eines, wo ein G. vor Wölfel steht, das muss sie sein. Hermann fotografiert aber vorsorglich die ganze Leiste. Er überlegt zu klingeln und ein bisschen Randale zu machen. Aber dann hätte sie ja Zeuginnen. Im Telefonverzeichnis findet er die Nummer unter Gabriela Wölfel.
>>> B I N G O ! ! ! <<<
Etwas frustriert fährt er dann in Richtung Norden
> Selber Schuld, wenn man sich so blauäugig auf solch ein vages Ding einlässt. Hirn einschalten und nicht immer Schwanzgesteuert sein.
Je länger er unterwegs ist, desto besser wird seine Laune. Er malt sich bildlich aus, wie seine Rache aussieht.
Weil der Verkehr zugenommen hat, erreicht er seinen Wohnort erst gegen 21 Uhr. Hat Sehnsucht nach einem großen Bier und einem oder auch mehreren Pötten vom Schottenwasser.
Das muss erst einmal warten.
Zuerst kommt: " Rache ist süß. "
Am Bahnhof gibt es noch eine Telefonzelle, von der tätigt er einen Anruf.
> " Wölfel . "
" Na, hast du deinen Spaß gehabt, Gabriela. "
" Wer ist denn da? "
" Kannst du dir das nicht denken? Wenn nicht, dann ganz langsam zu mitschreiben:> Hermann < "
Aufgelegt.
Nach einigen Minuten der nächste Versuch.
" Hallo. "
" Wage es nicht noch einmal aufzulegen, ehe ich es dir erlaube, dann komme ich nämlich selber vorbei.
Du und dein Hühnerhaufen, ihr haltet euch wohl für " Superschlau ". Dabei seit ihr dummer als ein Kanten trockenes Brot. Hätte ihr euch mal vorher vorsichtig umgeschaut, ehe ihr euch , über die, ach so doofen Kerle auslasst, oder einmal in den Rückspiegel geschaut, dann hättet ihr von eurer Umwelt auch was mitgekriegt.
> Man hört nur heftiges Atmen <
Pass jetzt genau auf was ich dir sage, sage es nämlich nur einmal und hoffe dein Spatzenhirn begreift.
Man verarscht mich nur einmal.
Kenne deinen Nachnamen, deine Adresse und deine Telefonnummer. Das hast selbst du schon begriffen.
Weiß auch welches Auto du fährst und kenne das Kennzeichen und weiß wo es parkt. Habe dich total im Auge.
Versuche jetzt nicht bei einer deiner Freundinnen unterzutauchen, sonst weiß ich auch noch wo diese wohnen.
Würde an deiner Stelle meine Wohnung so bald nicht verlassen. Vielleicht vergesse ich dich dann um so eher.
An deiner Stelle würde ich umziehen. Könnte ja sein .es tauchen ein paar finstere Gestalten bei dir auf, die alles f...en was nicht schnell genug auf die Bäume kommt.
So, viel Spaß und süße Träume. Kannst jetzt auflegen. "
Das geschah auch sofort.
Diese dumme Pflaume hatte jetzt mit Sicherheit eine etwas unruhige Nacht mit vielen schönen Träumen.
Die hatte Hermann auch. Nach einigen Bieren und anderen Beruhigungsmitteln, schläft er wie ein Bär.
Von der lieben Gabriela hörte er auch nichts mehr.
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