Veröffentlicht von Jacek_Rogala am 30.03.2026
Die Spritze
Ich war spät dran. Als ich in Dr. Helmers Praxis in Tellingstedt ankam, zeigte die Uhr schon zehn Minuten nach halb sechs. Mein Termin wäre um fünf gewesen. Schuld war allein der Busfahrer, der wegen einer Baustelle einen Umweg über gefühlt ganz Dithmarschen genommen hatte. Nun stand ich etwas verlegen an der Rezeption und schob der Arzthelferin mein Versichertenkärtchen hin.
Die dralle Frau hinter dem Tresen hatte ich hier noch nie gesehen: Mitte vierzig vielleicht, hübsches Gesicht mit Brille, blondes, halblanges Haar und üppige Kurven, genau da, wo es Männern gefällt. An ihrem offenen Kittel steckte ein Namensschild mit der Aufschrift „Wiebke Christiansen". Irgendwie kam sie mir bekannt vor, aber ich konnte mich nicht erinnern, woher.
Ich versuchte, nicht allzu offensichtlich in ihren Ausschnitt zu starren. Vergeblich: Mein Interesse an ihrer Oberweite entging ihr nicht. Sie räusperte sich demonstrativ und sah mich über den Rand ihrer Brille an. Meine Ohren wurden heiß.
„Eicke Hinrichs", sagte ich hastig. „Ich hatte einen Termin um fünf."
„Tja, Herr Hinrichs," meinte sie streng, „der Doktor hat schon Feierabend gemacht. Sie wären heute sein letzter Patient gewesen, aber als Sie um zwanzig nach fünf noch nicht da waren, hat ihn seine Frau … sagen wir mal … sehr nachdrücklich zum Abendbrot nach oben gebeten."
Ich presste die Lippen zusammen. Überall begann die Hasel zu blühen. Ohne die jedes Jahr fällige Depot-Spritze Kortison würde mein extremer Heuschnupfen mich alsbald aus den Socken hauen.
Mein Gesichtsausdruck musste Bände gesprochen haben, denn die Arzthelferin schlug nun einen versöhnlicheren Ton an.
„Na, jetzt gucken Sie nicht so bedröppelt. Auf wen, glauben Sie, warte ich hier? Dr. Helmer hat mich gebeten, bis sechs die Stellung zu halten. Er kennt Sie, seit Sie ein Dreikäsehoch waren. Er weiß, dass Pünktlichkeit nicht ihre Stärke ist."
Sie kramte ein Vorhängeschild unter dem Tresen hervor. „Bitte draussen warten" stand darauf. Mit einem Seufzen legte sie es vor sich hin.
„Wenn Sie mir versprechen, ein tapferer Junge zu sein und nicht zu weinen, dann verpasse ich Ihnen vor meinem Feierabend noch die Spritze, für die Sie gekommen sind."
„Dürfen Sie das denn?"
„Angst vor dem Pieks?"
„Nein, aber –"
„Ich bin medizinische Fachangestellte, und der Doktor hat mich beauftragt. Wo ist das Problem?"
„Könnten Sie Dr. Helmer nicht …"
„... beim Abendbrot stören, ohne dass das Not tut?", fiel sie mir ins Wort. „Bestimmt nicht!"
Weitere Widerworte waren sinnlos. Ihr Tonfall ließ keinen Zweifel daran.
„Also, Herr Hinrichs: Spritze, ja oder nein?"
Resigniert nickte ich. Noch immer fehlte mir die Erinnerung, woher ich sie kannte.
„Sind wir uns schon mal begegnet?", fragte ich vorsichtig in die entstandene Stille.
„Flüchtig", erwiderte sie mit einem süffisanten Lächeln.
„Wo?"
„In Westerborstel. Im Dorfkrug. Ich wohne da in einer Pension gleich um die Ecke."
„Im Dorfkrug? Dort bin ich öfter. Auch meinen Geburtstag hab' ich da mit Freunden gefeiert."
„Ich weiß. Den achtzehnten. Samstagabend vor zwei Wochen."
Ich stutzte.
„Woher wissen Sie das so genau?"
Ihr Lächeln wurde noch eine Spur breiter, und ein mulmiges Gefühl machte sich in meiner Magengrube breit. Der Alkohol war an diesem Abend in Strömen geflossen. Ich erinnerte mich nur noch daran, dass meine Mutter mich irgendwann abgeholt und heimgebracht hatte. Am nächsten Morgen war sie nicht gut auf mich zu sprechen gewesen. Was mochte ich wohl alles verzapft haben?
„Hab' ich mich an dem Abend sehr daneben benommen?", knirschte ich kleinlaut.
Sie beugte sich leicht nach vorn und flüsterte: „Nicht sehr. Nur ein kleines bisschen. Als Sie mir an den Busen gefasst haben."
In dem Moment wünschte ich, der Boden täte sich unter mir auf.
„'Tschuldigung", nuschelte ich.
„Kein Problem. Was Alkohol und Hormone mit Jungs anstellen, ist mir nicht neu. Mein Sohn ist im gleichen Alter wie Sie."
Sie deutete hinüber zur Tür des Behandlungszimmers. „So, und jetzt da rüber mit Ihnen. Ich komme gleich nach – ich hänge nur kurz das Schild raus, für den Fall dass noch jemand kommt, während die Rezeption unbesetzt ist."
***
Seit meiner Kindheit war ich viele Male in diesem Zimmer gewesen. Den Geruch kannte ich, die Liege kannte ich, sogar das Knarzen des Stuhls unter mir kannte ich. Aber so aufgeregt wie jetzt war ich hier noch nie gewesen.
Die Spritze würde ein bisschen wehtun – das wusste ich aus Erfahrung. Dr. Helmer gab sie mir jedes Jahr, immer im Februar. Unangenehm, aber nichts Weltbewegendes. Dennoch schwitzte ich, obwohl es im Raum nicht übermäßig warm war. Gleich würde mir ausgerechnet jene Frau eine Nadel in den Hintern jagen, die ich im Suff angegrabscht hatte. Schiet!
Ich starrte auf die angelehnte Tür und knetete meine Finger. Die Uhr an der Wand tickte. Und tickte. Und je länger ich wartete, desto lauter wurde das Ticken, bis ich es kaum noch ertrug.
Dann kam sie herein: Wiebke Christiansen in all ihrer üppigen Pracht. Mit dem Spritzzeug auf einem Tablett. Und mit einem Grinsen im Gesicht. Ich schluckte trocken.
„Wie lange arbeiten Sie schon hier?", wollte ich wissen. Vielleicht ließ sich der Augenblick der Wahrheit auf diese Weise noch etwas verzögern.
Sie stellte das Tablett auf das Sideboard. „Seit vier Wochen. Ich vertrete Frau Kirschenknapp. Nächste Woche kommt sie von der Kur zurück, dann fahre ich wieder heim nach Flensburg."
Andächtig zog sie die Spritze auf. Selbst ein Pferd hätte Angst vor der schieren Größe bekommen.
„Aus Flensburg kommen Sie? Zeitarbeitsfirma? Deshalb die Pension?", hakte ich nach.
„Sie haben's erfasst!"
Sie hielt die Spritze prüfend gegen das Licht. Als sie die Luftblasen herausdrückte, liefen ein paar Tröpfchen der milchigen Flüssigkeit aus der Kanüle.
„So, Herr Hinrichs. Dann lassen Sie mal die Hosen runter und beugen Sie sich über die Liege."
Das Blut schoss mir in den Kopf. Was war nur los mit mir? Bei Dr. Helmer hatte ich doch nie so weiche Knie, nur wegen einer Spritze.
„Äh – könnte ich die Spritze im Liegen bekommen?"
Ihre Lippen kräuselten sich zu einem vieldeutigen Grinsen.
„Auch recht. Dann legen Sie sich bitte auf den Bauch."
Ich stand auf und ging zur Liege. Bevor ich die Hosen runter ließ, warf ich der Arzthelferin noch einen verstohlenen Blick zu. Sie hielt die Spritze in der Rechten, einen Tupfer in der Linken. Sie schien, sich ein Lachen zu verkneifen.
Seufzend fügte ich mich in mein Schicksal und zog Jeans und Unterhose gerade weit genug herunter, um den Ansatz meines Allerwertesten freizulegen.
„Ein bisschen tiefer, bitte – wenn's beliebt, Herr Hinrichs."
In ihrer Stimme schwang jetzt unverkennbar Belustigung mit. Gottergeben machte ich den Hintern frei, diesmal komplett. Dann schwang ich mich bäuchlings auf die Liege. Unter mir raschelte die Papierauflage. Ich legte den Kopf auf die verschränkten Unterarme und schloss die Augen. Mit zusammengepressten Lippen hörte ich ihre Schritte näher kommen.
„Achtung, jetzt wird's ein bisschen kalt am Po", sagte sie und desinfizierte meine Kehrseite mit dem Tupfer. Ich bekam Gänsehaut.
„Ganz tapfer sein. Gleich kommt der Pieks – schön locker lassen …"
Mir stockte der Atem, als die Nadel durch die Haut in mein Fleisch drang. Der Schmerz war scharf. Unwillkürlich spannte ich die Hinterbacken an und biss die Zähne zusammen.
Zwar hatte der Einstich schon wehgetan, aber das war rein gar nichts im Vergleich zu dem höllischen Brennen, als sie mir das dickflüssige Präparat in den Muskel *******e. Ich versuchte, mir nichts anmerken zu lassen, doch die Sache zog sich hin, und schließlich presste ich einen Schmerzenslaut zwischen den Zähnen hervor.
„Tut mir leid", hörte ich ihre resolute Stimme, „aber das ist eine Kristallsuspension. Die wird mit dicker Kanüle ge*******. Gleich vorbei."
Es ziepte nochmal kräftig, als sie mir die Spritze aus dem Hinterteil zog, dann fühlte ich wieder den kalten Tupfer auf der Haut. Ächzend stieß ich Luft aus.
„Also bitte", lachte sie, während sie mir ein Pflaster auf den Einstich klebte, „so schlimm war es nun auch wieder nicht."
„Doch, war es", jammerte ich. „Sie haben gerade meinen Hintern getötet."
„Soll ich pusten, damit es nicht mehr so wehtut?"
Zum Spaß blies sie mir gefühlvoll auf den Po – was eine eigenartige Wirkung hatte: Zwischen meinen Beinen regte sich was. Ich bekam – zu meiner eigenen Überraschung – eine harte Erektion. Und was für eine! Als sie mir dann auch noch einen kameradschaftlichen Klaps auf die Kehrseite versetzte, gerieten meine Hormone vollends in Wallung. Ein wohliges Prickeln lief mir vom Damm bis zur Penisspitze hinauf.
Ich hoffte inständig, meine Erregung würde unbemerkt bleiben.
Eine trügerische Hoffnung!
„So. Sie können jetzt aufstehen und sich wieder anziehen.", flötete sie und ging zum Sideboard, um die gebrauchte Spritze zu entsorgen.
Ich setzte mich vorsichtig auf – und in genau diesem Moment schaute sie beiläufig über die Schulter. Sie sah es sofort. Wie hätte es auch anders sein können? Meine Jeans hing noch auf Halbmast, und was da von innen gegen meine Unterhose drückte, war eben so wenig zu übersehen wie der kleine, feuchte Fleck vorne auf dem Stoff. Ich war unzweifelhaft auf Touren.
Einen Moment lang herrschte völlige Stille im Zimmer. Die Arzthelferin zog eine Augenbraue hoch, nahm die Brille ab und steckte sie betont langsam in die Brusttasche ihres Kittels.
„Na, das ist ja …" Sie ließ den Satz in der Luft hängen und drehte sich ganz zu mir um. Ihr Blick wanderte von meinem Gesicht nach unten und wieder zurück. Ein schelmisches Lächeln umspielte ihre Lippen.
Ich öffnete den Mund. Schloss ihn wieder. Was gab es auch zu sagen? Mein Gesichtsausdruck sprach ohnehin für sich selbst.
Mit wiegenden Hüften trat sie einen Schritt näher, blieb stehen und verschränkte kurz die Arme – so als träfe sie in diesem Moment eine Entscheidung.
„Also, Herr Hinrichs", sagte sie mit der sachlichen Bestimmtheit einer Frau, die schon alles gesehen hat, was es bei Männern zu sehen gibt, „gegen diese 'akute Verhärtung' sollte man was unternehmen. Sonst kriegen Sie die Hose nicht mehr zu."
Ich kaute auf meiner Unterlippe herum und nickte aus purer Verlegenheit.
Sie quittierte das mit einem verschwörerischen Lächeln, so als hätten wir eine geheime Verabredung getroffen.
Ganz leise schloss sie die Tür und drehte den Schlüssel. Als sie sich wieder zu mir umdrehte, sah ich das Blitzen in ihren Augen.
„Tja, dann schauen wir uns das besser mal aus der Nähe an, junger Mann!"
Ihr Tonfall ließ mich aufhorchen.
„Bitte?"
Ihr Blick war pure Herausforderung.
„Schiss inne Büx? Im Dorfkrug warst du mutiger!"
Mit diesen Worten trat sie direkt vor mich hin und griff mir genüsslich in die Unterhose.
Ich sog scharf die Luft ein. Ein Teil von mir wollte protestieren, ein anderer Teil eher nicht. Ganz im Gegenteil! Ihre Hand war warm. Sie wusste genau, was sie tat.
„Ganz ruhig", sagte sie in völliger Sachlichkeit, „und schön locker lassen. Tut diesmal bestimmt nicht weh. Versprochen."
Ihre Finger schlossen sich fest um meinen Penis. Unwillkürlich kam mir ein Stöhnen über die Lippen.
„Pst!", machte sie und legte ihren freien Arm um meine Schultern. „Wir wollen doch Dr. Helmer nicht beim Essen stören, oder?"
Ich presste mein Gesicht auf ihren Busen. Die harten Nippel drückten von innen gegen den Stoff.
„Na also", murmelte sie, während ihre Finger an meinen Schaft langsam auf und ab glitten. „Geht doch.
Ich stöhnte heiser.
„Leise!" raunte sie, und ihre Lippen legten sich auf meine.
Irgendwann – ich hätte nicht sagen können, wann genau – waren wir nackt, und trieben es miteinander auf der Behandlungsliege. Die Papierauflage unter uns knisterte bei jeder Bewegung. Wiebke ritt auf mir, ließ sich Zeit und hatte mich völlig unter Kontrolle. Sie allein diktierte das Tempo. Präzise, wie alles, was sie tat.
Jedes Mal, wenn ich einen Laut von mir gab, verschloss sie meinen Mund mit ihrer fordernden Zunge. Eine Weile noch versuchte ich, mich zu beherrschen, konnte den Höhepunkt aber nicht lange vermeiden und entlud mich zuckend in ihr.
Ich schämte mich ein wenig dafür, dass ich den Gipfel ohne sie erstürmt hatte. Sie aber schien das nicht zu stören. Sie nahm meine Hand und führte sie dorthin, wo es ihr gut tat. Bereitwillig ließ ich mich von ihr führen, umkreiste mit meinen Fingerspitzen das Zentrum ihrer Lust, bis auch sie endlich auf ihre Kosten kam.
***
Erschöpft keuchend lagen wir aufeinander.
Ich starrte an die Decke und lauschte auf das Ticken der Uhr.
Dann fiel es mir ein.
„Mist", sagte ich.
„Was?"
„Der letzte Bus. Der ist längst weg."
Wiebke stützte sich auf und sah mich an.
„Wo wohnst du?", fragte sie mit einem Seufzen.
„Welmbüttel."
„Das ist nicht weit." Sie kletterte von mir herunter und begann, sich anzuziehen. „Ich fahr dich heim."
Die Fahrt war kurz und sehr still. Sie machte das Autoradio nicht an. Ich saß neben ihr und wusste nicht, was ich sagen sollte. Vor unserem Hof hielt sie an und ließ den Motor laufen.
„Wiebke –"
„Hm."
„Könnten wir das … wiederholen?"
Sie schwieg einen Moment.
„Nein, Eicke. Besser nicht."
„Warum nicht?"
„Weil verletzte Gefühle wehtun. Früher oder später."
Ich wollte etwas erwidern, aber mir fehlten die passenden Worte. Sie hatte recht, und wir beide wussten das. Bevor ich ausstieg, drehte sie sich noch einmal zu mir, nahm mein Gesicht in beide Hände und küsste mich.
„Alles Gute zum achtzehnten Geburtstag, Eicke. Nachträglich."
Wir haben uns nicht wiedergesehen.
Die dralle Frau hinter dem Tresen hatte ich hier noch nie gesehen: Mitte vierzig vielleicht, hübsches Gesicht mit Brille, blondes, halblanges Haar und üppige Kurven, genau da, wo es Männern gefällt. An ihrem offenen Kittel steckte ein Namensschild mit der Aufschrift „Wiebke Christiansen". Irgendwie kam sie mir bekannt vor, aber ich konnte mich nicht erinnern, woher.
Ich versuchte, nicht allzu offensichtlich in ihren Ausschnitt zu starren. Vergeblich: Mein Interesse an ihrer Oberweite entging ihr nicht. Sie räusperte sich demonstrativ und sah mich über den Rand ihrer Brille an. Meine Ohren wurden heiß.
„Eicke Hinrichs", sagte ich hastig. „Ich hatte einen Termin um fünf."
„Tja, Herr Hinrichs," meinte sie streng, „der Doktor hat schon Feierabend gemacht. Sie wären heute sein letzter Patient gewesen, aber als Sie um zwanzig nach fünf noch nicht da waren, hat ihn seine Frau … sagen wir mal … sehr nachdrücklich zum Abendbrot nach oben gebeten."
Ich presste die Lippen zusammen. Überall begann die Hasel zu blühen. Ohne die jedes Jahr fällige Depot-Spritze Kortison würde mein extremer Heuschnupfen mich alsbald aus den Socken hauen.
Mein Gesichtsausdruck musste Bände gesprochen haben, denn die Arzthelferin schlug nun einen versöhnlicheren Ton an.
„Na, jetzt gucken Sie nicht so bedröppelt. Auf wen, glauben Sie, warte ich hier? Dr. Helmer hat mich gebeten, bis sechs die Stellung zu halten. Er kennt Sie, seit Sie ein Dreikäsehoch waren. Er weiß, dass Pünktlichkeit nicht ihre Stärke ist."
Sie kramte ein Vorhängeschild unter dem Tresen hervor. „Bitte draussen warten" stand darauf. Mit einem Seufzen legte sie es vor sich hin.
„Wenn Sie mir versprechen, ein tapferer Junge zu sein und nicht zu weinen, dann verpasse ich Ihnen vor meinem Feierabend noch die Spritze, für die Sie gekommen sind."
„Dürfen Sie das denn?"
„Angst vor dem Pieks?"
„Nein, aber –"
„Ich bin medizinische Fachangestellte, und der Doktor hat mich beauftragt. Wo ist das Problem?"
„Könnten Sie Dr. Helmer nicht …"
„... beim Abendbrot stören, ohne dass das Not tut?", fiel sie mir ins Wort. „Bestimmt nicht!"
Weitere Widerworte waren sinnlos. Ihr Tonfall ließ keinen Zweifel daran.
„Also, Herr Hinrichs: Spritze, ja oder nein?"
Resigniert nickte ich. Noch immer fehlte mir die Erinnerung, woher ich sie kannte.
„Sind wir uns schon mal begegnet?", fragte ich vorsichtig in die entstandene Stille.
„Flüchtig", erwiderte sie mit einem süffisanten Lächeln.
„Wo?"
„In Westerborstel. Im Dorfkrug. Ich wohne da in einer Pension gleich um die Ecke."
„Im Dorfkrug? Dort bin ich öfter. Auch meinen Geburtstag hab' ich da mit Freunden gefeiert."
„Ich weiß. Den achtzehnten. Samstagabend vor zwei Wochen."
Ich stutzte.
„Woher wissen Sie das so genau?"
Ihr Lächeln wurde noch eine Spur breiter, und ein mulmiges Gefühl machte sich in meiner Magengrube breit. Der Alkohol war an diesem Abend in Strömen geflossen. Ich erinnerte mich nur noch daran, dass meine Mutter mich irgendwann abgeholt und heimgebracht hatte. Am nächsten Morgen war sie nicht gut auf mich zu sprechen gewesen. Was mochte ich wohl alles verzapft haben?
„Hab' ich mich an dem Abend sehr daneben benommen?", knirschte ich kleinlaut.
Sie beugte sich leicht nach vorn und flüsterte: „Nicht sehr. Nur ein kleines bisschen. Als Sie mir an den Busen gefasst haben."
In dem Moment wünschte ich, der Boden täte sich unter mir auf.
„'Tschuldigung", nuschelte ich.
„Kein Problem. Was Alkohol und Hormone mit Jungs anstellen, ist mir nicht neu. Mein Sohn ist im gleichen Alter wie Sie."
Sie deutete hinüber zur Tür des Behandlungszimmers. „So, und jetzt da rüber mit Ihnen. Ich komme gleich nach – ich hänge nur kurz das Schild raus, für den Fall dass noch jemand kommt, während die Rezeption unbesetzt ist."
***
Seit meiner Kindheit war ich viele Male in diesem Zimmer gewesen. Den Geruch kannte ich, die Liege kannte ich, sogar das Knarzen des Stuhls unter mir kannte ich. Aber so aufgeregt wie jetzt war ich hier noch nie gewesen.
Die Spritze würde ein bisschen wehtun – das wusste ich aus Erfahrung. Dr. Helmer gab sie mir jedes Jahr, immer im Februar. Unangenehm, aber nichts Weltbewegendes. Dennoch schwitzte ich, obwohl es im Raum nicht übermäßig warm war. Gleich würde mir ausgerechnet jene Frau eine Nadel in den Hintern jagen, die ich im Suff angegrabscht hatte. Schiet!
Ich starrte auf die angelehnte Tür und knetete meine Finger. Die Uhr an der Wand tickte. Und tickte. Und je länger ich wartete, desto lauter wurde das Ticken, bis ich es kaum noch ertrug.
Dann kam sie herein: Wiebke Christiansen in all ihrer üppigen Pracht. Mit dem Spritzzeug auf einem Tablett. Und mit einem Grinsen im Gesicht. Ich schluckte trocken.
„Wie lange arbeiten Sie schon hier?", wollte ich wissen. Vielleicht ließ sich der Augenblick der Wahrheit auf diese Weise noch etwas verzögern.
Sie stellte das Tablett auf das Sideboard. „Seit vier Wochen. Ich vertrete Frau Kirschenknapp. Nächste Woche kommt sie von der Kur zurück, dann fahre ich wieder heim nach Flensburg."
Andächtig zog sie die Spritze auf. Selbst ein Pferd hätte Angst vor der schieren Größe bekommen.
„Aus Flensburg kommen Sie? Zeitarbeitsfirma? Deshalb die Pension?", hakte ich nach.
„Sie haben's erfasst!"
Sie hielt die Spritze prüfend gegen das Licht. Als sie die Luftblasen herausdrückte, liefen ein paar Tröpfchen der milchigen Flüssigkeit aus der Kanüle.
„So, Herr Hinrichs. Dann lassen Sie mal die Hosen runter und beugen Sie sich über die Liege."
Das Blut schoss mir in den Kopf. Was war nur los mit mir? Bei Dr. Helmer hatte ich doch nie so weiche Knie, nur wegen einer Spritze.
„Äh – könnte ich die Spritze im Liegen bekommen?"
Ihre Lippen kräuselten sich zu einem vieldeutigen Grinsen.
„Auch recht. Dann legen Sie sich bitte auf den Bauch."
Ich stand auf und ging zur Liege. Bevor ich die Hosen runter ließ, warf ich der Arzthelferin noch einen verstohlenen Blick zu. Sie hielt die Spritze in der Rechten, einen Tupfer in der Linken. Sie schien, sich ein Lachen zu verkneifen.
Seufzend fügte ich mich in mein Schicksal und zog Jeans und Unterhose gerade weit genug herunter, um den Ansatz meines Allerwertesten freizulegen.
„Ein bisschen tiefer, bitte – wenn's beliebt, Herr Hinrichs."
In ihrer Stimme schwang jetzt unverkennbar Belustigung mit. Gottergeben machte ich den Hintern frei, diesmal komplett. Dann schwang ich mich bäuchlings auf die Liege. Unter mir raschelte die Papierauflage. Ich legte den Kopf auf die verschränkten Unterarme und schloss die Augen. Mit zusammengepressten Lippen hörte ich ihre Schritte näher kommen.
„Achtung, jetzt wird's ein bisschen kalt am Po", sagte sie und desinfizierte meine Kehrseite mit dem Tupfer. Ich bekam Gänsehaut.
„Ganz tapfer sein. Gleich kommt der Pieks – schön locker lassen …"
Mir stockte der Atem, als die Nadel durch die Haut in mein Fleisch drang. Der Schmerz war scharf. Unwillkürlich spannte ich die Hinterbacken an und biss die Zähne zusammen.
Zwar hatte der Einstich schon wehgetan, aber das war rein gar nichts im Vergleich zu dem höllischen Brennen, als sie mir das dickflüssige Präparat in den Muskel *******e. Ich versuchte, mir nichts anmerken zu lassen, doch die Sache zog sich hin, und schließlich presste ich einen Schmerzenslaut zwischen den Zähnen hervor.
„Tut mir leid", hörte ich ihre resolute Stimme, „aber das ist eine Kristallsuspension. Die wird mit dicker Kanüle ge*******. Gleich vorbei."
Es ziepte nochmal kräftig, als sie mir die Spritze aus dem Hinterteil zog, dann fühlte ich wieder den kalten Tupfer auf der Haut. Ächzend stieß ich Luft aus.
„Also bitte", lachte sie, während sie mir ein Pflaster auf den Einstich klebte, „so schlimm war es nun auch wieder nicht."
„Doch, war es", jammerte ich. „Sie haben gerade meinen Hintern getötet."
„Soll ich pusten, damit es nicht mehr so wehtut?"
Zum Spaß blies sie mir gefühlvoll auf den Po – was eine eigenartige Wirkung hatte: Zwischen meinen Beinen regte sich was. Ich bekam – zu meiner eigenen Überraschung – eine harte Erektion. Und was für eine! Als sie mir dann auch noch einen kameradschaftlichen Klaps auf die Kehrseite versetzte, gerieten meine Hormone vollends in Wallung. Ein wohliges Prickeln lief mir vom Damm bis zur Penisspitze hinauf.
Ich hoffte inständig, meine Erregung würde unbemerkt bleiben.
Eine trügerische Hoffnung!
„So. Sie können jetzt aufstehen und sich wieder anziehen.", flötete sie und ging zum Sideboard, um die gebrauchte Spritze zu entsorgen.
Ich setzte mich vorsichtig auf – und in genau diesem Moment schaute sie beiläufig über die Schulter. Sie sah es sofort. Wie hätte es auch anders sein können? Meine Jeans hing noch auf Halbmast, und was da von innen gegen meine Unterhose drückte, war eben so wenig zu übersehen wie der kleine, feuchte Fleck vorne auf dem Stoff. Ich war unzweifelhaft auf Touren.
Einen Moment lang herrschte völlige Stille im Zimmer. Die Arzthelferin zog eine Augenbraue hoch, nahm die Brille ab und steckte sie betont langsam in die Brusttasche ihres Kittels.
„Na, das ist ja …" Sie ließ den Satz in der Luft hängen und drehte sich ganz zu mir um. Ihr Blick wanderte von meinem Gesicht nach unten und wieder zurück. Ein schelmisches Lächeln umspielte ihre Lippen.
Ich öffnete den Mund. Schloss ihn wieder. Was gab es auch zu sagen? Mein Gesichtsausdruck sprach ohnehin für sich selbst.
Mit wiegenden Hüften trat sie einen Schritt näher, blieb stehen und verschränkte kurz die Arme – so als träfe sie in diesem Moment eine Entscheidung.
„Also, Herr Hinrichs", sagte sie mit der sachlichen Bestimmtheit einer Frau, die schon alles gesehen hat, was es bei Männern zu sehen gibt, „gegen diese 'akute Verhärtung' sollte man was unternehmen. Sonst kriegen Sie die Hose nicht mehr zu."
Ich kaute auf meiner Unterlippe herum und nickte aus purer Verlegenheit.
Sie quittierte das mit einem verschwörerischen Lächeln, so als hätten wir eine geheime Verabredung getroffen.
Ganz leise schloss sie die Tür und drehte den Schlüssel. Als sie sich wieder zu mir umdrehte, sah ich das Blitzen in ihren Augen.
„Tja, dann schauen wir uns das besser mal aus der Nähe an, junger Mann!"
Ihr Tonfall ließ mich aufhorchen.
„Bitte?"
Ihr Blick war pure Herausforderung.
„Schiss inne Büx? Im Dorfkrug warst du mutiger!"
Mit diesen Worten trat sie direkt vor mich hin und griff mir genüsslich in die Unterhose.
Ich sog scharf die Luft ein. Ein Teil von mir wollte protestieren, ein anderer Teil eher nicht. Ganz im Gegenteil! Ihre Hand war warm. Sie wusste genau, was sie tat.
„Ganz ruhig", sagte sie in völliger Sachlichkeit, „und schön locker lassen. Tut diesmal bestimmt nicht weh. Versprochen."
Ihre Finger schlossen sich fest um meinen Penis. Unwillkürlich kam mir ein Stöhnen über die Lippen.
„Pst!", machte sie und legte ihren freien Arm um meine Schultern. „Wir wollen doch Dr. Helmer nicht beim Essen stören, oder?"
Ich presste mein Gesicht auf ihren Busen. Die harten Nippel drückten von innen gegen den Stoff.
„Na also", murmelte sie, während ihre Finger an meinen Schaft langsam auf und ab glitten. „Geht doch.
Ich stöhnte heiser.
„Leise!" raunte sie, und ihre Lippen legten sich auf meine.
Irgendwann – ich hätte nicht sagen können, wann genau – waren wir nackt, und trieben es miteinander auf der Behandlungsliege. Die Papierauflage unter uns knisterte bei jeder Bewegung. Wiebke ritt auf mir, ließ sich Zeit und hatte mich völlig unter Kontrolle. Sie allein diktierte das Tempo. Präzise, wie alles, was sie tat.
Jedes Mal, wenn ich einen Laut von mir gab, verschloss sie meinen Mund mit ihrer fordernden Zunge. Eine Weile noch versuchte ich, mich zu beherrschen, konnte den Höhepunkt aber nicht lange vermeiden und entlud mich zuckend in ihr.
Ich schämte mich ein wenig dafür, dass ich den Gipfel ohne sie erstürmt hatte. Sie aber schien das nicht zu stören. Sie nahm meine Hand und führte sie dorthin, wo es ihr gut tat. Bereitwillig ließ ich mich von ihr führen, umkreiste mit meinen Fingerspitzen das Zentrum ihrer Lust, bis auch sie endlich auf ihre Kosten kam.
***
Erschöpft keuchend lagen wir aufeinander.
Ich starrte an die Decke und lauschte auf das Ticken der Uhr.
Dann fiel es mir ein.
„Mist", sagte ich.
„Was?"
„Der letzte Bus. Der ist längst weg."
Wiebke stützte sich auf und sah mich an.
„Wo wohnst du?", fragte sie mit einem Seufzen.
„Welmbüttel."
„Das ist nicht weit." Sie kletterte von mir herunter und begann, sich anzuziehen. „Ich fahr dich heim."
Die Fahrt war kurz und sehr still. Sie machte das Autoradio nicht an. Ich saß neben ihr und wusste nicht, was ich sagen sollte. Vor unserem Hof hielt sie an und ließ den Motor laufen.
„Wiebke –"
„Hm."
„Könnten wir das … wiederholen?"
Sie schwieg einen Moment.
„Nein, Eicke. Besser nicht."
„Warum nicht?"
„Weil verletzte Gefühle wehtun. Früher oder später."
Ich wollte etwas erwidern, aber mir fehlten die passenden Worte. Sie hatte recht, und wir beide wussten das. Bevor ich ausstieg, drehte sie sich noch einmal zu mir, nahm mein Gesicht in beide Hände und küsste mich.
„Alles Gute zum achtzehnten Geburtstag, Eicke. Nachträglich."
Wir haben uns nicht wiedergesehen.
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Spannend, erfrischend frech! Dank an Jacek Rogala
Spannend, erotisch.