Diese Geschichte knüpft an meine Erzählung "Suite 2050" an, kann aber auch unabhängig davon gelesen werden. Über euer Feedback freue ich mich natürlich ganz besonders.
Ich nehme den letzten Schluck aus meiner großen Cappuccino-Tasse. Ich kann mich nicht erinnern, wann ein Frühstück so gut geschmeckt hat, wie an diesem Mittwochmorgen. Kein Wunder. Nach mehreren Stunden ohne feste Nahrung hätte mir wohl alles Essbare vorzüglich geschmeckt. Jetzt aber fühle ich mich wieder halbwegs gestärkt und verlasse den Frühstücksraum. Plötzlich steht er vor mir. Der junge Kellner, dem ich gestern Abend wohl mehrmals den Atem geraubt habe.
Zu meiner Verwunderung sucht er dieses Mal direkten Blickkontakt. „Guten Morgen“, sagt er freundlich. „Ich habe gesehen, dass Sie noch eine Nacht länger bleiben – schön, dass Sie sich bei uns wohlfühlen“, führt er mit einem Gesichtsausdruck fort, den ich nicht deuten kann.
„Das steht noch gar nicht fest“, antworte ich etwas überrumpelt.
„Achso. Ich habe nur gesehen, dass Ihre Buchung um eine Nacht verlängert wurde. Sollten Sie irgendetwas brauchen, egal was – ich habe bis 16 Uhr Roomservice-Dienst und wäre gerne für Sie da“. Die Art und Weise wie er das „egal was“ betonte und mich dabei ansah, lässt mich sprachlos zurück. Hat mir dieser junge Kerl gerade ein unmoralisches Angebot gemacht? Oder habe ich ihn völlig falsch verstanden? Unbemerkt schüttle ich den Kopf und gehe weiter.
Auf dem Weg in mein Zimmer rufe ich mir die eigenartige Situation noch einmal ins Gedächtnis. Sein Gesichtsausdruck und seine Stimme waren geradezu flehend. Oder bilde ich mir das ein? Ich bin immer noch völlig übermüdet und erschöpft von gestern. Der Gedanke, mich noch einmal ins Bett fallen zu lassen und einen späteren Zug zu nehmen gefällt mir immer besser. Warum auch nicht. Ich habe heute keine Termine und es spielt keine Rolle, wann ich zu Hause bin.
Zurück im Zimmer, hat sich die Idee eines nochmaligen Powernaps zu einem festen Entschluss entwickelt. Ich ziehe mein neues, schönes Blumenkleid aus und hänge es an die Garderobe. Wieder fällt mein Blick auf die hochwertigen schwarzen Spitzen, die meine sensiblen Körperstellen bedecken. Ich gehe ins Schlafzimmer und streife den BH ab. Dann lasse ich mich noch einmal ins Bett fallen. Die weiche Bettwäsche fühlt sich herrlich an. Selbst die Sonnenstrahlen, die nun wieder durch die Glasfront dringen, können nicht verhindern, dass meine Augen nach wenigen Minuten zufallen.
Ich merke, wie mir warm wird. Ich schwitze leicht. Immer wieder flackern Bilder vor meinem geistigen Auge auf. Bilder, die locker aus einem Hardcore-Porno stammen könnten. Aber es sind keine fiktiven Bilder. Es sind echte Erinnerungen an gestern, die mein Verstand nun zu verarbeiten scheint. Das nervenzerreißende Warten auf meinen Gebieter etwa - splitternackt und sprichwörtlich von allen Sinnen beraubt in einem unversperrten Hotelzimmer. Oder das unerwartete Penetrieren durch einen fremden Mann und dessen attraktive, leicht sadistisch veranlagte Frau. Oder der Orgasmus inmitten einer voll besetzten Rooftop-Bar. Ich schlafe schlecht. Es scheint unmöglich, diese Erinnerungen auszublenden. Es sind aber keine negativen Emotionen, die diese wiederaufflackernden Bilder, Gerüche und Geräusche in mir auslösen. Im Gegenteil – sie reizen mich. Plötzlich habe ich das Bild des jungen Kellners vor den Augen. Wie er perplex vor mir stand, als ich ihm völlig nackt die Tür öffnete. Der Ausdruck in seinen Augen. Zuerst die Überforderung und Verlegenheit an der Zimmertür. Dann die zunehmende Neugier und das wachsende Interesse in der Bar am Abend. Und dann der flehend-lustvolle Blick heute morgen im Frühstücksraum. Nichts erregt mich so sehr, wie der Ausdruck purer Lust, die ich bei anderen erzeugen kann. Nach all den Jahren weiß ich, dass genau dies das Fundament meiner stark devoten Neigung ist.
Immer wieder höre ich seine Worte von heute Morgen. „Wenn Sie irgendetwas brauchen – egal was - ich wäre gerne für Sie da.“ Hat er es wirklich so gemeint? Immer wieder stelle ich mir vor, wie er an meiner Zimmertür klopft und ich leicht bekleidet öffne. Wie würde er wohl reagieren? Was würde geschehen? Ich versuche den Gedanken zu verdrängen und noch etwas mehr zu schlafen. Es ist mittlerweile schon wieder weit nach Mittag und ich habe das Gefühl, noch immer kein Auge zugetan zu haben. Aber die Gedanken lassen mich einfach nicht mehr los. Immer wieder spiele ich die Szene im Kopf ab und ich fühle, wie sich die Vorstellung auf meinen Körper auswirkt. Meine nackten Nippel werden empfindlicher. Sie berühren die Bettdecke leicht, was sich gut anfühlt. Im Gedanken ersetze ich Bettdecke durch seine zaghaft erkundenden Finger. Ich lasse meine Hand hinter den zarten Stoff meines Höschens gleiten und stelle mir vor, dass es seine Hand ist. Ich bin selbst überrascht, wie feucht die Stelle ist, die meine Finger nun sanft massieren. Insgeheim weiß ich, dass ich bereits an dem Punkt der Erregung angelangt bin, an dem es für mich kein Zurück mehr gibt.
Schließlich schlage ich die Bettdecke zur Seite und springe aus dem Bett. Zögernd gehe ich im großen und wieder sehr warmen Wohnzimmer hin und her und schmiede einen Plan. Ich werde alles weitere dem Schicksal überlassen. Ich werde an der Rezeption anrufen und etwas aufs Zimmer bestellen. In diesem großen Hotel arbeiten viele Menschen im Room-Service. Vielleicht liefert jemand anderes die Bestellung. Dann soll es so sein. Und wenn nicht … Wenn er vor der Tür steht … dann lasse ich es darauf ankommen.
Ohne weiter nachzudenken wähle ich die Nummer des Room-Service. Eine freundliche weibliche Mitarbeiterin meldet sich. Ich bin enttäuscht. Dann fällt mir ein, dass ich gar nicht überlegt habe, was ich überhaupt haben möchte. Spontan sage ich: „Ich hätte gerne zwei Gin-Tonics auf Zimmer 2050“.
„Sehr gerne“, antwortet die freundliche Stimme. „Wir bringen sie in 10-15 Minuten auf Ihr Zimmer“.
Alles klar, in 10-15 Minuten wird sich also herausstellen, ob mein sexuelles Abenteuer in dieser Stadt ein weiteres Kapitel aufschlägt. Dann überlege ich, wie ich dieses Mal die Tür öffne. Sicher ist, dass ich dieses Mal nicht völlig nackt sein werde. Zu groß ist das Risiko, dass jemand anderes die Getränke liefert. Oder, dass doch er es ist, er aber gar keine sexuellen Absichten hat. Beides wäre mir sehr unangenehm. Schnell fällt die Wahl auf das leichte, weiße Sommerkleid. Viel Auswahl habe ich schließlich auch nicht. Mein neues schwarzes Spitzenhöschen behalte ich an - auf den BH verzichte ich bewusst. Beim Überziehen des Kleides löst dessen Geruch sofort einen weiteren Erregungsschub aus. Und auch der verhärtete Stoff im Bereich der Brüste und des Bauches tut sein Übriges.
Nervös stehe ich im Wohnzimmer. Wie vor fast genau 24 Stunden warte ich an derselben Stelle wieder darauf, dass jemand durch die Zimmertür kommt und eine sexuelle Fantasie Realität werden lässt. Ständig blicke ich auf die Uhr meines Handys. Es sind noch keine 10 Minuten vergangen und es fühlt sich schon wieder wie eine Ewigkeit an. Dann endlich das Klopfen an der Tür. Drei Mal, gleichmäßig und kräftig. Ich hole tief Luft und öffne erwartungsvoll die Tür.
Vor mir steht der junge Kellner – mit den zwei bestellten Getränken auf seinem Tablet. „Zwei Gin-Tonics für Sie?“, fragt er mit erwartungsvoller Stimme. Auch wenn er es zu verbergen versucht, ist es nicht zu übersehen, dass er mich von Kopf bis Fuß mustert. Sein Gesichtsausdruck ist genau der, den ich mir vorgestellt habe. Nervös, neugierig, erregt. Wie der eines jungen Hundes, der es nicht erwarten kann, dass man den Knochen wirft.
„Ja bitte“, antworte ich mit bemüht ruhiger Stimme. „Macht es Ihnen was aus, wenn Sie mir die Drinks auf den großen Tisch stellen?“.
„Selbstverständlich“, antwortet er schnell und betritt das Zimmer. Ich schließe die Tür hinter ihm und folge ihm zum Tisch.
„Ich habe mich sehr gefreut, als ich die Bestellung gesehen habe“, führt er fort. „Zwei Gin-Tonics auf 2050. Da musste ich schnell handeln, damit ich Ihnen die Getränke bringen konnte und nicht meine Kollegin“.
„Tatsächlich?“ antworte ich geschmeichelt. „Warum wollten gerade SIE mir die Getränke bringen?“.
„Sind Sie allein?“, weicht er meiner Frage aus. „Ist Ihr Mann bereits abgereist?“.
„Er ist nicht mit Mann“, antworte ich. „Er ist ein guter Freund“.
„Ein guter Freund? Achso. Und die anderen beiden?“
„Ebenfalls. Neu gewonnene Freunde zumindest“, antworte ich hastig und verlegen. “Entschuldigen Sie bitte die Frage, aber welche Art von Freundschaft pflegen Sie? Sie haben mir gestern völlig nackt die Tür geöffnet.“
Dass mich dieser zurückhaltend wirkende Kerl gleich dermaßen ins Kreuzverhör nimmt, überfordert mich völlig. Und gleichzeitig gefällt mir, dass er den üblichen Smalltalk zu überspringen scheint.
„Das ist eine sehr intime Frage“, antworte ich übertrieben harsch, „ich weiß nicht, ob man als Hotelmitarbeiter einem Gast solche Fragen stellt“.
Wieder geht er nicht auf meine Antwort ein.
„Das, was ich gestern hier an der Tür gesehen habe und vor allem was danach in der Bar passiert ist – ich glaube ich weiß, welche Art der Freundschaft sie verbindet“.
„Tatsächlich?“, will ich wissen.
„Sie sind seine Sub und er Ihr Dom“.
Ich bin über seine Wortwahl erstaunt und bin tatsächlich für kurze Zeit sprachlos.
„Aber die anderen beiden, welche Rollen spielen Sie?“ bohrt er nach. „Sind Sie rein devote oder haben Sie auch eine dominante Seite?“
Bevor ich überhaupt antworten kann, erklärt er weiter:
„Als ich gestern begriffen habe, was hier wahrscheinlich vor sich geht, wusste ich, dass ich Sie darauf ansprechen muss“.
Meine Gedanken überschlagen sich und ich bringe nur ein knappes „Warum?“ heraus.
„Weil ich mich für solche Spiele interessiere. Enorm sogar. Ich habe schon viel darüber gelesen – und naja – gesehen. Online zumindest. Aber jemanden kennenzulernen, der im echten Leben Erfahrung damit hat, das ist echt krass“.
„So so“, antworte ich nur knapp und bin damit beschäftigt, mir meine Sprachlosigkeit nicht anmerken zu lassen. ‚Krass‘ finde ich, dass dieser Bursche das gestrige Geschehen offenbar korrekt einordnen konnte und vor allem, dass er mich jetzt auch noch so unverhohlen darauf anspricht.
„Sie sind mir noch eine Antwort schuldig“, unterbricht er meine Gedanken.
„Ach ja? Welche denn?“
„Na ob Sie immer devote sind. Oder haben Sie auch eine dominante Seite?“
„Das kommt darauf an“, antworte ich spontan und erlaube ihm somit, sein Kreuzverhör fortzusetzen.
„Worauf?“
„Wer mit mir spielt.“
„Das heißt Sie sind beides? Devote und dominant?“
„Ja. Aber bei Männern bin ich immer devote. Zumindest bisher.“
„Moment. Das heißt, Sie schlafen auch mit Frauen?“
„Ja“
„Krass!“
Ich muss lachen. Mit welcher Selbstverständlichkeit der einst schüchterne Kerl nun höchstpersönliche Fragen stellt, fasziniert und amüsiert mich.
„Und was heißt ‚bisher‘? Wollen Sie damit sagen, dass Sie in Zukunft vielleicht auch mal einen Mann dominieren möchten?“
„Ich weiß nicht“, antworte ich ehrlich. „Bisher hat sich diese Frage für mich noch nie gestellt“. Er scheint über meine Antwort nachzudenken und ich nütze diese Gelegenheit, um selbst wieder die Zügel in die Hand zu nehmen. „Wie sieht es bei dir aus? Sub oder Dom? Was sind deine Fantasien?“
„Ich weiß nicht. Ich glaube ich kann mir beides vorstellen. Ich glaube es hängt auch bei mir vom Gegenüber ab“.
„Das heißt?“
„Naja. Grundsätzlich würde ich mich gerne als Dom versuchen. Aber bei so erfahrenen und attraktiven Frauen, wie Sie es sind, hätte ich Angst mich zu blamieren. Daher könnte ich mir auch vorstellen als Sub zu dienen“.
Auch wenn ich mit Ende Zwanzig nicht übertrieben viel älter bin als der Bursche, hat er hinsichtlich Erfahrung sicherlich recht. Dass er ehrlich ist und mir nichts vorzumachen versucht, gefällt mir zudem. Wie oft habe ich schon Kerle erlebt, die sich als große Casanovas aufplusterten und dann, als es darauf ankam, sprichwörtlich den Schwanz einzogen. Dieser Kerl ist anders - das steht fest. In seinen Augen kann ich die Neugierde und die Lust erkennen, die ihn ihm brennen. Und gleichzeitig wirkt er respektvoll und kontrolliert. Eine gute Basis für einen angehenden Meister. Der Gedanke, ihm zu seinen ersten dominanten Erfahrungen zu verhelfen, reizt mich.
„Als Dom musst du keine Angst haben dich zu blamieren, solange du weißt, was du willst“.
„Ich weiß, was ich will. Aber woher weiß ich, ob es auch das Gegenüber will?“
„Dafür gibt’s Spielregeln. Klare Grenzen, die man vorher vereinbart und die nicht überschritten werden dürfen. Und es gibt das berühmte Safe Word, die Reißleine sozusagen, mit der ein Spiel von beiden Seiten jederzeit abgebrochen werden kann, wenn man an diese Grenzen stößt.“
„Und wo liegen Ihre Grenzen?“
Ich überlege, wie ich antworten soll. Dass sich meine Grenzen im Laufe der Zeit deutlich verschoben haben, womöglich sogar weit über seine Vorstellungskraft hinaus, will ich nicht preisgeben. Schließlich möchte ich ihn nicht überfordern oder gar abschrecken.
„Sagen wir es so: Ich bin ziemlich experimentierfreudig und würde mich als recht ‚leidensfähig‘ bezeichnen. Aber bei allem, was längerfristige Folgen hat oder gar verboten ist, ist natürlich Schluss.“
„Was meinen Sie mit ‚längerfristige Folgen‘?“
„Dinge, die über die Dauer eines Spiels hinauswirken. Ich würde mich zum Beispiel nicht tätowieren lassen, oder Praktiken erlauben, die zu sichtbaren Spuren oder gar Verletzungen führen könnten.“
„Naja, das klingt einleuchtend. Und sonst?“
„Ungeschützter Sex. Kondom ist Pflicht. Außer man kennt sich sehr gut und lässt sich regelmäßig durchchecken“.
„Verstehe. Und weiter?“
„Naja, grundlegende Dinge. Körperhygiene zum Beispiel. Dass man sich vor einem Spiel duscht und saubere Kleidung trägt. Und, dass man auch sonst ‚sauber‘ ist – also nicht auf Drogen ist oder völlig betrunken ist“.
„Naja, klingt logisch. Und sonst gibt es keine Grenzen?“
Auf diese Frage habe ich beinahe gewartet, denn sie verlangt gerade danach der Antwort, die uns vom Reden ins Tun bringt. Kurz überlege ich, aber dann siegt meine Neugier.
„Das kannst du selbst herausfinden – wenn du LUST hast.“
Sein Gesichtsausdruck liegt irgendwo zwischen absoluter Euphorie und blankem Entsetzen. Es ist offensichtlich, dass es die Antwort ist, die er sich erträumt hat, die ihn gleichzeitig aber in Panik versetzt. Ich genieße dieses Schauspiel für ein paar Sekunden, bevor ich mit fragendem und leicht drängendem Blick eine Antwort verlange.
„Ich habe um 16 Uhr Dienstschluss. Dann komme ich wieder, in Ordnung?“, bringt er mit zittriger Stimme heraus. Ich nicke zustimmend. Ohne ein weiteres Wort zu verlieren, verlässt er mit seinem Tablett das Zimmer.
Es ist kurz nach 15 Uhr. Wie gestern dringt die Nachmittagssonne gnadenlos durch die große Glasfront. Die Klimaanlage arbeitet noch immer nicht und es ist unangenehm warm. Und wieder macht sich eine prickelnde Mischung aus Anspannung und Erregung in mir breit. So wie es aussieht, wird dieses Hotelzimmer ein weiteres Mal Schauplatz eines sexuellen Abenteuers. Dieses Mal wird es aber definitiv anders ablaufen – falls der Bursche überhaupt auftaucht. Dieses Mal habe ich es nicht mit einem erfahrenen Dom zu tun, der meine Bedürfnisse und Fantasien kennt und weiß, wie er damit spielen kann. Dieses Mal habe ich es mit einem Anfänger zu tun. Einem, den ich anleiten muss, dem ich aber gleichzeitig auch gehorchen soll. Und noch etwas ist anders: ich kenne den jungen Mann überhaupt nicht. Auch wenn er deutlich jünger ist, ist und bleibt er ein Mann, dem ich körperlich unterlegen bin. Mein Bauchgefühl gibt mir zwar grünes Licht, dennoch werde ich dieses Mal vorsichtiger sein müssen.
Ob Anfänger oder nicht – er soll mich jedenfalls von meiner besten Seite kennenlernen. Also gehe ich noch einmal unter die Dusche und stelle sicher, dass alle Stellen meines Körpers makellos glatt und sauber sind. Nach etwa einer halben Stunde bin ich so weit. Ich trockne meinen Körper ab und öffne die fürs Duschen hochgebundenen Haare. Nackt schreite ich an die Garderobe. Während ich in das schwarze Spitzenhöschen schlüpfe und den dazu passenden BH anziehe, überlege ich, welches der beiden Kleider ich wählen soll. Noch einmal das kurze Weiße, das zweifellos Rückschlüsse auf den gestrigen Abend zulässt, oder das Neue, Elegante, das mir mein Meister für die Heimreise geschenkt hatte. Meine Wahl fällt auf letzteres. Schließlich soll mich der Bursche frisch und ohne den eindeutigen Geruch von Körpersäften anderer erleben können. Schlussendlich bleibt nur noch Zeit für ein dezentes Make-up und einen schnellen Gang auf die Toilette. Dann ist es 16 Uhr und mein Puls beginnt unweigerlich zu steigen.
Während ich warte, male ich mir unterschiedliche Szenarien aus. Wird er überhaupt kommen oder hat er doch kalte Füße bekommen? Falls er kommt – wie unbeholfen wird er sein? Oder wird er mich überraschen oder gar überfordern? Lasse ich mich auf ein zu unüberlegtes Spiel ein? Gerade als ich meine Nervosität mit einem kräftigen Schluck aus dem Gin&Tonic-Glas dämpfe, klopft es an der Tür. Wieder sind es die drei kräftigen Schläge, mit denen sich der junge Kellner zu erkennen gibt. Ich atme einmal tief ein und aus und öffne dann die Tür. Etwas außer Atem steht er vor mir. Beinahe hätte ich ihn nicht wieder erkannt. In seinen privaten Klamotten sieht er ganz anders aus – deutlich ‚cooler‘ als in seiner steifen Hoteluniform, aber irgendwie auch jünger. Und auch seine Haare sind anders. Ich bitte ihn ins Zimmer.
„Du bist etwas verspätet“, bemerke ich neckisch.
„Meine Chefin hat mich nur zehn Minuten früher Schluss machen lassen, und dann musste ich mich ja noch duschen und umziehen! Schneller ging es einfach nicht“, antwortet er kurzatmig. „Sie sehen übrigens hammer aus. Die offenen Haare, das Kleid. Echt Wahnsinn.“
„Danke“, antworte ich geschmeichelt. „Du siehst auch gut aus in deinem privaten Look – ganz anders als in deiner Hoteluniform“.
„Danke“, antwortet er knapp und will auf weiteren Smalltalk offenbar verzichten.
„Und jetzt? Wie geht es jetzt weiter?“
„Zuerst sollten wir uns beide mal einen Schluck genehmigen. Damit du Drinks nicht umsonst hier rauf gebracht hast. Außerdem beruhigt das die Nerven“. Ich reiche ihm ein Glas und stoße aufmunternd mit ihm an. „Und dann solltest du vielleicht damit aufhören, mich zu siezen. Ich kenne keinen Dom, der seine Sub siezt.“
„Das heißt, Sie … ich meine du – willst also w i r k l i c h meine Sub sein?“, fragt er ungläubig und begeistert zugleich. Die offensichtliche Erregung, die dem Burschen ins Gesicht geschrieben steht, turnt mich an.
„Das ist deine Gelegenheit – es liegt an dir, ob du sie nützt“, antworte ich gespielt gleichgültig.
„Also gut“, antwortet er nach kurzem Zögern. „Du hast vorhin das Safe Word erwähnt. Wie lautet es?“
Die Frage bestätigt mein Bauchgefühl. Er scheint die Spielregeln verstanden zu haben und sie ernst zu nehmen.
„Ananas“ antworte ich klar und deutlich. „Oder ein zweimaliges kurzes Klopfen, wenn ich gerade nicht sprechen kann. So wie beim Kampfsport“.
„Ananas“, wiederholt er konzentriert, „oder zweimal Klopfen - alles klar.“
Sekunden vergehen, während er mich eindringlich von oben bis unten mustert. Ich sehe, wie unzählige Gedanken durch seinen Kopf jagen. Absichtlich sage ich nichts und warte darauf, dass er den nächsten Schritt setzt. Schließlich lässt er sich mit seinem Drink auf der großen Ledercouch nieder. Ich bleibe am Tisch stehen und stelle mein Glas ab.
„Als erstes möchte ich, dass du mir genau erzählst, was gestern in diesem Zimmer passiert ist. Was genau habt ihr gemacht? Und wer waren die anderen?“.
Also erzähle ich ihm von meinem Meister und seinen Gästen und wie es dazu kam, dass ich ihm – dem jungen Kellner – völlig nackt die Tür öffnete. Und warum ich Stunden später in der Rooftop-Bar kaum in der Lage war, ein Getränk bei ihm zu bestellen. Sprachlos hängt er an meinen Lippen, kann manche Schilderungen kaum fassen und will dennoch jedes kleinste Detail in Erfahrung bringen. Mehrmals mache ich im klar, dass es sich um kein alltägliches Spiel handelte, sondern um eines, das nur deshalb möglich war, weil ich meinen Meister schon lange kenne und ihm blind vertraue. Nach etwa zehn Minuten bringe ich meine Schilderung des gestrigen Abends zu ende, was er einmal mehr mit einem „richtig krass“ kommentiert.
Nach einigen Sekunden, die er offensichtlich braucht, um sich gedanklich wieder in die Gegenwart zu versetzen, folgt dann endlich seine erste Anweisung - sofern man sie als solche bezeichnen kann.
„Ich finde deine offenen Haare voll sexy, aber könntest du sie bitte trotzdem nochmal so zusammenbinden wie gestern?“, fragt er vorsichtig.
„Jawohl, MEISTER“, antworte ich laut und deutlich und betone dabei besonders die Anrede. Ich gehe ins Badezimmer, hole ein Haarband, und kehre zum großen Arbeitstisch zurück. Vor seinen Augen binde ich meine langen blonden Haare zu einem straffen Pferdeschwanz zusammen. Wieder merke ich, dass er zögert. Also frage ich nach, um ihm den nächsten Schritt zu erleichtern.
„Und nun, Meister, wie kann ich dir dienen?“
„Was trägst du unter deinem Kleid?“, will er wissen.
„Einen BH und ein Höschen. Beides in schwarz“.
„Zieh bitte beides aus, aber behalte dein Kleid dabei an“.
Die Anweisung gefällt mir. Sie ist kein plumper ‚Zieh-dich-aus‘-Befehl, wie ich ihn eigentlich erwartet hätte. Es ist ein verspielterer Ansatz. Ohne nachzufragen, fasse ich nach hinten und öffne den Verschluss meines BHs. Die etwas umständliche Art aus den Trägern zu schlüpfen, scheint ihm zu gefallen. Als ich wenige Sekunden später den Stoff aus meinem Dekolletee ziehe und ihn vor meine Füße zu Boden fallen lasse, ist mir seine ungeteilte Aufmerksamkeit sicher. Als nächstes greife ich den Stoff meines Kleids und ziehe ihn gerade so weit hoch, dass ich nach meinem Höschen greifen kann. Dann fällt auch dieser elegante schwarze Spitzenstoff zu Boden.
Nach dem ich diese Anweisung ausgeführt habe, warte ich mit leicht geöffneten Beinen auf die nächste Anweisung. Ich fühle, wie sich meine Nippel erhärten und gegen den zarten Stoff des Kleides drücken.
„Heb dein Höschen auf und bring es mir“.
Mit durchgestreckten Beinen beuge ich mich nach vorne und greife nach dem bisschen Stoff. Ich lasse mir dabei bewusst Zeit und gewähre meinem Gegenüber einen tiefen Blick in den Ausschnitt. Langsam und elegant gehe ich auf ihn zu und reiche ihm den Slip. Seine zittrigen Finger nehmen ihn entgegen und verschließen ihn fest in einer Faust.
„Dreh dich bitte um“, folgt sein nächster Befehl, der dieses Mal schneller kommt. Ich höre, wie er sich von der Couch erhebt und direkt hinter mich tritt. Plötzlich fühle ich seine beiden Hände auf meinen Schultern. Sie gleiten langsam nach unten, bis sie den zarten Stoff meines Kleides hinter sich lassen und erstmals meine Haut berühren. Etwas unterhalb der Ellbogen machen sie eine Kehrtwende und gleiten in umgekehrter Richtung nach oben. Nun streicht eine Hand sanft über meinen Nacken, während die andere auf meiner Schulter ruht. Ich fühle, dass er noch näher an mich heranrückt und spüre seinen Atem. Seine Finger gleiten nun vorsichtig über meinen Hals nach vorne, über das Schlüsselbein und weiter in Richtung Dekolletee. Zentimeter für Zentimeter tasten sie sich voran, zaghaft, beinahe so, als würden sie ein ‚Halt – das reicht‘ erwarten. Aber dazu kommt es nicht und so treffen seine Fingerspitzen bald auf meinen harten Nippel. Zunächst erkunden sie ihn vorsichtig, umkreisen und drücken ihn sanft. Dann nimmt seine ganze Hand meine Brust fest in ihren Griff. Zeitgleich spüre ich seinen Körper, der nun von hinten gegen meinen drückt. Während die Hand weiterhin meine Brust massiert, wandert die andere entlang meiner Seite nach unten und dann vor zur Knopfleiste, die mein Kleid vorne schließt. Unerwartet geschickt öffnen seine Finger einen der Knöpfe in Höhe meines Bauchnabels. Sie ermöglichen es seiner Hand, hinter den Stoff meines Kleides zu dringen. Wieder tasten sich seine Finger nur langsam voran. Zugegeben fühlt sich dieses zaghafte, zärtliche Erkunden meines Körpers unheimlich erregend an. Und so laufen die Drüsen in meinem Lustkanal auf Volllast, während sich seine Finger Zentimeter für Zentimeter über die zarte, vollkommen glatte Haut meines Venushügels vorarbeiten. Als sie schließlich auf meine Lustperle treffen, zucken unsere Körper gleichermaßen zusammen. Ich öffne meine Beine instinktiv, um seiner weiter vordringenden Hand Platz zu machen. Mit sanftem Druck legt sie sich über meine Scham, teilt meine Lippen, sodass sich mein Saft üppig über die erkundenden Finger ergießt. Ich spüre, wie auch sein Körper von purer Erregung ergriffen wird und sich noch fester gegen meinen drückt. Für ein paar weitere Sekunden setzen seine Hände das Erkunden meiner Brust und Vulva fort. Dann ziehen sie sich plötzlich zurück.
„Dreh dich wieder um“, befiehlt er und bin etwas enttäuscht, dass dieses vielversprechende Kennenlernen so abrupt endet. Als ich seiner Anweisung folge, sitzt er bereits wieder auf der Couch.
„Zieh jetzt dein Kleid aus. Mach es aber langsam. Öffne einen Knopf nach dem anderen“. Während ich seinen Befehl umsetze, beobachtet er mich gebannt und reibt seinen Finger unverhohlen unter der Nase, so, als würde er an einer teuren kubanischen Zigarre riechen. Ich spiele sein Spiel und lasse mir beim Öffnen der Knöpfe viel Zeit. Seine Augen fixiere ich währenddessen unentwegt mit einem lasziven Blick. Als die letzten Knöpfe an der Reihe sind, kann er seine Ungeduld kaum noch verbergen. Dann bin ich so weit. In Zeitlupe öffne ich das Kleid und lasse es lautlos zu Boden fallen.
Splitternackt stehe ich nun vor ihm. Sein Mund steht sprichwörtlich offen und ich kann ein verdrücktes „Aaaalter …“ hören. Beinahe muss ich lachen, aber meine eigene Erregung hilft, Contenance zu wahren.
„Komm her und knie dich über mich“, folgt sein nächster Befehl, während er sich auf der großen schwarzen Ledercouch ganz nach hinten lehnt. Ich gehorche und positioniere meine Knie links und rechts von seinem Becken, sodass mein nasser Schritt nur wenige Zentimeter über seiner aufgewölbten Hose ruht. Am liebsten würde ich diese sofort öffnen und sein offensichtlich startklares Stück sofort in mich aufnehmen. Aber ich halte mich zurück, lasse ihm das Kommando und warte ungeduldig auf die nächste Anweisung.
„Bleib genau so und zeig mir, wie du es dir machst. Ich will sehen, wie du dich befriedigst“. Ich bin enttäuscht, dass ich seinen noch jungen, aber durchaus männlichen Körper nicht sofort berühren und verwöhnen darf. Aber die Art und Weise, wie er mich ansieht, während ich mich selbst berühre, entschädigt und lässt meine Lust noch schneller wachsen. Die Hand, die nun über meinen Oberkörper streicht und meine Brüste massiert und die andere, die mit perfektem Druck über Kitzler und Schamlippen reibt, fühlen sich unheimlich gut an. Als meine Finger schließlich in meinen tropfnassen Lustkanal gleiten, wünsche ich mir nichts mehr, als dass er genau diese Bewegung mit seiner Hand - oder seinem Körper - fortführt. Doch ich warte vergebens. Stattdessen lässt er seine Hände an meinen Seiten sanft zwischen Hüfte und Brustansatz auf und ab gleiten. Dieses subtile Spiel und seine vor Erregung schreienden Augen bringen mich wenig später an den Höhepunkt. Schnell frage ich noch, ob ich kommen darf, was er offensichtlich überrumpelt bejaht. Der Orgasmus ist heftig und jagt wie die Druckwelle durch meinen Körper. Begleitet von einem intensiven Stöhnen bäume ich mich einige Male auf, bevor ich erschöpft in mich zusammensacke.
Mit pochendem Herzen liege ich splitternackt auf dem bekleideten Körper meines jungen Meisters.
„Ich denke, das war erfolgreich, oder?“, frägt er mit zufriedener Stimme. „Aber ich habe nicht gesagt, dass du mich berühren sollst“, fährt er erstmals in einem mahnenden Ton fort.
„Du hast vorhin erwähnt, dass du ‚leidensfähig‘ wärst. Wie genau hast du das gemeint?“.
Noch immer von meinem Höhepunkt benommen, richte ich mich wieder auf und versuche eine klare Antwort zu finden.
„Dass ich im Zuge eines Spiels auch eher unangenehme Dinge ertrage, solange sie innerhalb der vereinbarten Grenzen bleiben“.
„Das heißt, man darf dich auch – bestrafen – wenn du etwas falsch gemacht hast?“.
„Ja“, antworte ich knapp.
„Ich habe mal ein Video gesehen, in dem eine Sub mittels Spanking bestraft wurde, weil sie nicht gehorsam war. Weißt du, was das ist?“
„Natürlich weiß ich, was Spanking ist“, antworte ich prompt und bin gespannt, worauf er hinaus will.
„Ich möchte dich auch so bestrafen, weil du dich auf mich gelegt hast, obwohl ich dir das nicht befohlen habe.“
Kurz bin ich sprachlos. Nicht nur, weil ich vor wenigen Sekunden einen richtig guten Orgasmus hatte und mich noch immer davon erhole. Auch, weil sein Wunsch mich zu bestrafen überraschend kommt und gar nicht zu seinem vorsichtigen und zurückhaltenden Verhalten passt. Aber ich bin neugierig. Und schließlich wollte ich von Anfang an, dass er bei diesem Spiel erste Dom-Erfahrungen sammeln kann. Also antworte ich ohne weiter darüber nachzudenken: „Wenn das dein Wunsch ist, Meister…“.
"Teil 2: Die Praxis" folgt in Kürze ...
Ich nehme den letzten Schluck aus meiner großen Cappuccino-Tasse. Ich kann mich nicht erinnern, wann ein Frühstück so gut geschmeckt hat, wie an diesem Mittwochmorgen. Kein Wunder. Nach mehreren Stunden ohne feste Nahrung hätte mir wohl alles Essbare vorzüglich geschmeckt. Jetzt aber fühle ich mich wieder halbwegs gestärkt und verlasse den Frühstücksraum. Plötzlich steht er vor mir. Der junge Kellner, dem ich gestern Abend wohl mehrmals den Atem geraubt habe.
Zu meiner Verwunderung sucht er dieses Mal direkten Blickkontakt. „Guten Morgen“, sagt er freundlich. „Ich habe gesehen, dass Sie noch eine Nacht länger bleiben – schön, dass Sie sich bei uns wohlfühlen“, führt er mit einem Gesichtsausdruck fort, den ich nicht deuten kann.
„Das steht noch gar nicht fest“, antworte ich etwas überrumpelt.
„Achso. Ich habe nur gesehen, dass Ihre Buchung um eine Nacht verlängert wurde. Sollten Sie irgendetwas brauchen, egal was – ich habe bis 16 Uhr Roomservice-Dienst und wäre gerne für Sie da“. Die Art und Weise wie er das „egal was“ betonte und mich dabei ansah, lässt mich sprachlos zurück. Hat mir dieser junge Kerl gerade ein unmoralisches Angebot gemacht? Oder habe ich ihn völlig falsch verstanden? Unbemerkt schüttle ich den Kopf und gehe weiter.
Auf dem Weg in mein Zimmer rufe ich mir die eigenartige Situation noch einmal ins Gedächtnis. Sein Gesichtsausdruck und seine Stimme waren geradezu flehend. Oder bilde ich mir das ein? Ich bin immer noch völlig übermüdet und erschöpft von gestern. Der Gedanke, mich noch einmal ins Bett fallen zu lassen und einen späteren Zug zu nehmen gefällt mir immer besser. Warum auch nicht. Ich habe heute keine Termine und es spielt keine Rolle, wann ich zu Hause bin.
Zurück im Zimmer, hat sich die Idee eines nochmaligen Powernaps zu einem festen Entschluss entwickelt. Ich ziehe mein neues, schönes Blumenkleid aus und hänge es an die Garderobe. Wieder fällt mein Blick auf die hochwertigen schwarzen Spitzen, die meine sensiblen Körperstellen bedecken. Ich gehe ins Schlafzimmer und streife den BH ab. Dann lasse ich mich noch einmal ins Bett fallen. Die weiche Bettwäsche fühlt sich herrlich an. Selbst die Sonnenstrahlen, die nun wieder durch die Glasfront dringen, können nicht verhindern, dass meine Augen nach wenigen Minuten zufallen.
Ich merke, wie mir warm wird. Ich schwitze leicht. Immer wieder flackern Bilder vor meinem geistigen Auge auf. Bilder, die locker aus einem Hardcore-Porno stammen könnten. Aber es sind keine fiktiven Bilder. Es sind echte Erinnerungen an gestern, die mein Verstand nun zu verarbeiten scheint. Das nervenzerreißende Warten auf meinen Gebieter etwa - splitternackt und sprichwörtlich von allen Sinnen beraubt in einem unversperrten Hotelzimmer. Oder das unerwartete Penetrieren durch einen fremden Mann und dessen attraktive, leicht sadistisch veranlagte Frau. Oder der Orgasmus inmitten einer voll besetzten Rooftop-Bar. Ich schlafe schlecht. Es scheint unmöglich, diese Erinnerungen auszublenden. Es sind aber keine negativen Emotionen, die diese wiederaufflackernden Bilder, Gerüche und Geräusche in mir auslösen. Im Gegenteil – sie reizen mich. Plötzlich habe ich das Bild des jungen Kellners vor den Augen. Wie er perplex vor mir stand, als ich ihm völlig nackt die Tür öffnete. Der Ausdruck in seinen Augen. Zuerst die Überforderung und Verlegenheit an der Zimmertür. Dann die zunehmende Neugier und das wachsende Interesse in der Bar am Abend. Und dann der flehend-lustvolle Blick heute morgen im Frühstücksraum. Nichts erregt mich so sehr, wie der Ausdruck purer Lust, die ich bei anderen erzeugen kann. Nach all den Jahren weiß ich, dass genau dies das Fundament meiner stark devoten Neigung ist.
Immer wieder höre ich seine Worte von heute Morgen. „Wenn Sie irgendetwas brauchen – egal was - ich wäre gerne für Sie da.“ Hat er es wirklich so gemeint? Immer wieder stelle ich mir vor, wie er an meiner Zimmertür klopft und ich leicht bekleidet öffne. Wie würde er wohl reagieren? Was würde geschehen? Ich versuche den Gedanken zu verdrängen und noch etwas mehr zu schlafen. Es ist mittlerweile schon wieder weit nach Mittag und ich habe das Gefühl, noch immer kein Auge zugetan zu haben. Aber die Gedanken lassen mich einfach nicht mehr los. Immer wieder spiele ich die Szene im Kopf ab und ich fühle, wie sich die Vorstellung auf meinen Körper auswirkt. Meine nackten Nippel werden empfindlicher. Sie berühren die Bettdecke leicht, was sich gut anfühlt. Im Gedanken ersetze ich Bettdecke durch seine zaghaft erkundenden Finger. Ich lasse meine Hand hinter den zarten Stoff meines Höschens gleiten und stelle mir vor, dass es seine Hand ist. Ich bin selbst überrascht, wie feucht die Stelle ist, die meine Finger nun sanft massieren. Insgeheim weiß ich, dass ich bereits an dem Punkt der Erregung angelangt bin, an dem es für mich kein Zurück mehr gibt.
Schließlich schlage ich die Bettdecke zur Seite und springe aus dem Bett. Zögernd gehe ich im großen und wieder sehr warmen Wohnzimmer hin und her und schmiede einen Plan. Ich werde alles weitere dem Schicksal überlassen. Ich werde an der Rezeption anrufen und etwas aufs Zimmer bestellen. In diesem großen Hotel arbeiten viele Menschen im Room-Service. Vielleicht liefert jemand anderes die Bestellung. Dann soll es so sein. Und wenn nicht … Wenn er vor der Tür steht … dann lasse ich es darauf ankommen.
Ohne weiter nachzudenken wähle ich die Nummer des Room-Service. Eine freundliche weibliche Mitarbeiterin meldet sich. Ich bin enttäuscht. Dann fällt mir ein, dass ich gar nicht überlegt habe, was ich überhaupt haben möchte. Spontan sage ich: „Ich hätte gerne zwei Gin-Tonics auf Zimmer 2050“.
„Sehr gerne“, antwortet die freundliche Stimme. „Wir bringen sie in 10-15 Minuten auf Ihr Zimmer“.
Alles klar, in 10-15 Minuten wird sich also herausstellen, ob mein sexuelles Abenteuer in dieser Stadt ein weiteres Kapitel aufschlägt. Dann überlege ich, wie ich dieses Mal die Tür öffne. Sicher ist, dass ich dieses Mal nicht völlig nackt sein werde. Zu groß ist das Risiko, dass jemand anderes die Getränke liefert. Oder, dass doch er es ist, er aber gar keine sexuellen Absichten hat. Beides wäre mir sehr unangenehm. Schnell fällt die Wahl auf das leichte, weiße Sommerkleid. Viel Auswahl habe ich schließlich auch nicht. Mein neues schwarzes Spitzenhöschen behalte ich an - auf den BH verzichte ich bewusst. Beim Überziehen des Kleides löst dessen Geruch sofort einen weiteren Erregungsschub aus. Und auch der verhärtete Stoff im Bereich der Brüste und des Bauches tut sein Übriges.
Nervös stehe ich im Wohnzimmer. Wie vor fast genau 24 Stunden warte ich an derselben Stelle wieder darauf, dass jemand durch die Zimmertür kommt und eine sexuelle Fantasie Realität werden lässt. Ständig blicke ich auf die Uhr meines Handys. Es sind noch keine 10 Minuten vergangen und es fühlt sich schon wieder wie eine Ewigkeit an. Dann endlich das Klopfen an der Tür. Drei Mal, gleichmäßig und kräftig. Ich hole tief Luft und öffne erwartungsvoll die Tür.
Vor mir steht der junge Kellner – mit den zwei bestellten Getränken auf seinem Tablet. „Zwei Gin-Tonics für Sie?“, fragt er mit erwartungsvoller Stimme. Auch wenn er es zu verbergen versucht, ist es nicht zu übersehen, dass er mich von Kopf bis Fuß mustert. Sein Gesichtsausdruck ist genau der, den ich mir vorgestellt habe. Nervös, neugierig, erregt. Wie der eines jungen Hundes, der es nicht erwarten kann, dass man den Knochen wirft.
„Ja bitte“, antworte ich mit bemüht ruhiger Stimme. „Macht es Ihnen was aus, wenn Sie mir die Drinks auf den großen Tisch stellen?“.
„Selbstverständlich“, antwortet er schnell und betritt das Zimmer. Ich schließe die Tür hinter ihm und folge ihm zum Tisch.
„Ich habe mich sehr gefreut, als ich die Bestellung gesehen habe“, führt er fort. „Zwei Gin-Tonics auf 2050. Da musste ich schnell handeln, damit ich Ihnen die Getränke bringen konnte und nicht meine Kollegin“.
„Tatsächlich?“ antworte ich geschmeichelt. „Warum wollten gerade SIE mir die Getränke bringen?“.
„Sind Sie allein?“, weicht er meiner Frage aus. „Ist Ihr Mann bereits abgereist?“.
„Er ist nicht mit Mann“, antworte ich. „Er ist ein guter Freund“.
„Ein guter Freund? Achso. Und die anderen beiden?“
„Ebenfalls. Neu gewonnene Freunde zumindest“, antworte ich hastig und verlegen. “Entschuldigen Sie bitte die Frage, aber welche Art von Freundschaft pflegen Sie? Sie haben mir gestern völlig nackt die Tür geöffnet.“
Dass mich dieser zurückhaltend wirkende Kerl gleich dermaßen ins Kreuzverhör nimmt, überfordert mich völlig. Und gleichzeitig gefällt mir, dass er den üblichen Smalltalk zu überspringen scheint.
„Das ist eine sehr intime Frage“, antworte ich übertrieben harsch, „ich weiß nicht, ob man als Hotelmitarbeiter einem Gast solche Fragen stellt“.
Wieder geht er nicht auf meine Antwort ein.
„Das, was ich gestern hier an der Tür gesehen habe und vor allem was danach in der Bar passiert ist – ich glaube ich weiß, welche Art der Freundschaft sie verbindet“.
„Tatsächlich?“, will ich wissen.
„Sie sind seine Sub und er Ihr Dom“.
Ich bin über seine Wortwahl erstaunt und bin tatsächlich für kurze Zeit sprachlos.
„Aber die anderen beiden, welche Rollen spielen Sie?“ bohrt er nach. „Sind Sie rein devote oder haben Sie auch eine dominante Seite?“
Bevor ich überhaupt antworten kann, erklärt er weiter:
„Als ich gestern begriffen habe, was hier wahrscheinlich vor sich geht, wusste ich, dass ich Sie darauf ansprechen muss“.
Meine Gedanken überschlagen sich und ich bringe nur ein knappes „Warum?“ heraus.
„Weil ich mich für solche Spiele interessiere. Enorm sogar. Ich habe schon viel darüber gelesen – und naja – gesehen. Online zumindest. Aber jemanden kennenzulernen, der im echten Leben Erfahrung damit hat, das ist echt krass“.
„So so“, antworte ich nur knapp und bin damit beschäftigt, mir meine Sprachlosigkeit nicht anmerken zu lassen. ‚Krass‘ finde ich, dass dieser Bursche das gestrige Geschehen offenbar korrekt einordnen konnte und vor allem, dass er mich jetzt auch noch so unverhohlen darauf anspricht.
„Sie sind mir noch eine Antwort schuldig“, unterbricht er meine Gedanken.
„Ach ja? Welche denn?“
„Na ob Sie immer devote sind. Oder haben Sie auch eine dominante Seite?“
„Das kommt darauf an“, antworte ich spontan und erlaube ihm somit, sein Kreuzverhör fortzusetzen.
„Worauf?“
„Wer mit mir spielt.“
„Das heißt Sie sind beides? Devote und dominant?“
„Ja. Aber bei Männern bin ich immer devote. Zumindest bisher.“
„Moment. Das heißt, Sie schlafen auch mit Frauen?“
„Ja“
„Krass!“
Ich muss lachen. Mit welcher Selbstverständlichkeit der einst schüchterne Kerl nun höchstpersönliche Fragen stellt, fasziniert und amüsiert mich.
„Und was heißt ‚bisher‘? Wollen Sie damit sagen, dass Sie in Zukunft vielleicht auch mal einen Mann dominieren möchten?“
„Ich weiß nicht“, antworte ich ehrlich. „Bisher hat sich diese Frage für mich noch nie gestellt“. Er scheint über meine Antwort nachzudenken und ich nütze diese Gelegenheit, um selbst wieder die Zügel in die Hand zu nehmen. „Wie sieht es bei dir aus? Sub oder Dom? Was sind deine Fantasien?“
„Ich weiß nicht. Ich glaube ich kann mir beides vorstellen. Ich glaube es hängt auch bei mir vom Gegenüber ab“.
„Das heißt?“
„Naja. Grundsätzlich würde ich mich gerne als Dom versuchen. Aber bei so erfahrenen und attraktiven Frauen, wie Sie es sind, hätte ich Angst mich zu blamieren. Daher könnte ich mir auch vorstellen als Sub zu dienen“.
Auch wenn ich mit Ende Zwanzig nicht übertrieben viel älter bin als der Bursche, hat er hinsichtlich Erfahrung sicherlich recht. Dass er ehrlich ist und mir nichts vorzumachen versucht, gefällt mir zudem. Wie oft habe ich schon Kerle erlebt, die sich als große Casanovas aufplusterten und dann, als es darauf ankam, sprichwörtlich den Schwanz einzogen. Dieser Kerl ist anders - das steht fest. In seinen Augen kann ich die Neugierde und die Lust erkennen, die ihn ihm brennen. Und gleichzeitig wirkt er respektvoll und kontrolliert. Eine gute Basis für einen angehenden Meister. Der Gedanke, ihm zu seinen ersten dominanten Erfahrungen zu verhelfen, reizt mich.
„Als Dom musst du keine Angst haben dich zu blamieren, solange du weißt, was du willst“.
„Ich weiß, was ich will. Aber woher weiß ich, ob es auch das Gegenüber will?“
„Dafür gibt’s Spielregeln. Klare Grenzen, die man vorher vereinbart und die nicht überschritten werden dürfen. Und es gibt das berühmte Safe Word, die Reißleine sozusagen, mit der ein Spiel von beiden Seiten jederzeit abgebrochen werden kann, wenn man an diese Grenzen stößt.“
„Und wo liegen Ihre Grenzen?“
Ich überlege, wie ich antworten soll. Dass sich meine Grenzen im Laufe der Zeit deutlich verschoben haben, womöglich sogar weit über seine Vorstellungskraft hinaus, will ich nicht preisgeben. Schließlich möchte ich ihn nicht überfordern oder gar abschrecken.
„Sagen wir es so: Ich bin ziemlich experimentierfreudig und würde mich als recht ‚leidensfähig‘ bezeichnen. Aber bei allem, was längerfristige Folgen hat oder gar verboten ist, ist natürlich Schluss.“
„Was meinen Sie mit ‚längerfristige Folgen‘?“
„Dinge, die über die Dauer eines Spiels hinauswirken. Ich würde mich zum Beispiel nicht tätowieren lassen, oder Praktiken erlauben, die zu sichtbaren Spuren oder gar Verletzungen führen könnten.“
„Naja, das klingt einleuchtend. Und sonst?“
„Ungeschützter Sex. Kondom ist Pflicht. Außer man kennt sich sehr gut und lässt sich regelmäßig durchchecken“.
„Verstehe. Und weiter?“
„Naja, grundlegende Dinge. Körperhygiene zum Beispiel. Dass man sich vor einem Spiel duscht und saubere Kleidung trägt. Und, dass man auch sonst ‚sauber‘ ist – also nicht auf Drogen ist oder völlig betrunken ist“.
„Naja, klingt logisch. Und sonst gibt es keine Grenzen?“
Auf diese Frage habe ich beinahe gewartet, denn sie verlangt gerade danach der Antwort, die uns vom Reden ins Tun bringt. Kurz überlege ich, aber dann siegt meine Neugier.
„Das kannst du selbst herausfinden – wenn du LUST hast.“
Sein Gesichtsausdruck liegt irgendwo zwischen absoluter Euphorie und blankem Entsetzen. Es ist offensichtlich, dass es die Antwort ist, die er sich erträumt hat, die ihn gleichzeitig aber in Panik versetzt. Ich genieße dieses Schauspiel für ein paar Sekunden, bevor ich mit fragendem und leicht drängendem Blick eine Antwort verlange.
„Ich habe um 16 Uhr Dienstschluss. Dann komme ich wieder, in Ordnung?“, bringt er mit zittriger Stimme heraus. Ich nicke zustimmend. Ohne ein weiteres Wort zu verlieren, verlässt er mit seinem Tablett das Zimmer.
Es ist kurz nach 15 Uhr. Wie gestern dringt die Nachmittagssonne gnadenlos durch die große Glasfront. Die Klimaanlage arbeitet noch immer nicht und es ist unangenehm warm. Und wieder macht sich eine prickelnde Mischung aus Anspannung und Erregung in mir breit. So wie es aussieht, wird dieses Hotelzimmer ein weiteres Mal Schauplatz eines sexuellen Abenteuers. Dieses Mal wird es aber definitiv anders ablaufen – falls der Bursche überhaupt auftaucht. Dieses Mal habe ich es nicht mit einem erfahrenen Dom zu tun, der meine Bedürfnisse und Fantasien kennt und weiß, wie er damit spielen kann. Dieses Mal habe ich es mit einem Anfänger zu tun. Einem, den ich anleiten muss, dem ich aber gleichzeitig auch gehorchen soll. Und noch etwas ist anders: ich kenne den jungen Mann überhaupt nicht. Auch wenn er deutlich jünger ist, ist und bleibt er ein Mann, dem ich körperlich unterlegen bin. Mein Bauchgefühl gibt mir zwar grünes Licht, dennoch werde ich dieses Mal vorsichtiger sein müssen.
Ob Anfänger oder nicht – er soll mich jedenfalls von meiner besten Seite kennenlernen. Also gehe ich noch einmal unter die Dusche und stelle sicher, dass alle Stellen meines Körpers makellos glatt und sauber sind. Nach etwa einer halben Stunde bin ich so weit. Ich trockne meinen Körper ab und öffne die fürs Duschen hochgebundenen Haare. Nackt schreite ich an die Garderobe. Während ich in das schwarze Spitzenhöschen schlüpfe und den dazu passenden BH anziehe, überlege ich, welches der beiden Kleider ich wählen soll. Noch einmal das kurze Weiße, das zweifellos Rückschlüsse auf den gestrigen Abend zulässt, oder das Neue, Elegante, das mir mein Meister für die Heimreise geschenkt hatte. Meine Wahl fällt auf letzteres. Schließlich soll mich der Bursche frisch und ohne den eindeutigen Geruch von Körpersäften anderer erleben können. Schlussendlich bleibt nur noch Zeit für ein dezentes Make-up und einen schnellen Gang auf die Toilette. Dann ist es 16 Uhr und mein Puls beginnt unweigerlich zu steigen.
Während ich warte, male ich mir unterschiedliche Szenarien aus. Wird er überhaupt kommen oder hat er doch kalte Füße bekommen? Falls er kommt – wie unbeholfen wird er sein? Oder wird er mich überraschen oder gar überfordern? Lasse ich mich auf ein zu unüberlegtes Spiel ein? Gerade als ich meine Nervosität mit einem kräftigen Schluck aus dem Gin&Tonic-Glas dämpfe, klopft es an der Tür. Wieder sind es die drei kräftigen Schläge, mit denen sich der junge Kellner zu erkennen gibt. Ich atme einmal tief ein und aus und öffne dann die Tür. Etwas außer Atem steht er vor mir. Beinahe hätte ich ihn nicht wieder erkannt. In seinen privaten Klamotten sieht er ganz anders aus – deutlich ‚cooler‘ als in seiner steifen Hoteluniform, aber irgendwie auch jünger. Und auch seine Haare sind anders. Ich bitte ihn ins Zimmer.
„Du bist etwas verspätet“, bemerke ich neckisch.
„Meine Chefin hat mich nur zehn Minuten früher Schluss machen lassen, und dann musste ich mich ja noch duschen und umziehen! Schneller ging es einfach nicht“, antwortet er kurzatmig. „Sie sehen übrigens hammer aus. Die offenen Haare, das Kleid. Echt Wahnsinn.“
„Danke“, antworte ich geschmeichelt. „Du siehst auch gut aus in deinem privaten Look – ganz anders als in deiner Hoteluniform“.
„Danke“, antwortet er knapp und will auf weiteren Smalltalk offenbar verzichten.
„Und jetzt? Wie geht es jetzt weiter?“
„Zuerst sollten wir uns beide mal einen Schluck genehmigen. Damit du Drinks nicht umsonst hier rauf gebracht hast. Außerdem beruhigt das die Nerven“. Ich reiche ihm ein Glas und stoße aufmunternd mit ihm an. „Und dann solltest du vielleicht damit aufhören, mich zu siezen. Ich kenne keinen Dom, der seine Sub siezt.“
„Das heißt, Sie … ich meine du – willst also w i r k l i c h meine Sub sein?“, fragt er ungläubig und begeistert zugleich. Die offensichtliche Erregung, die dem Burschen ins Gesicht geschrieben steht, turnt mich an.
„Das ist deine Gelegenheit – es liegt an dir, ob du sie nützt“, antworte ich gespielt gleichgültig.
„Also gut“, antwortet er nach kurzem Zögern. „Du hast vorhin das Safe Word erwähnt. Wie lautet es?“
Die Frage bestätigt mein Bauchgefühl. Er scheint die Spielregeln verstanden zu haben und sie ernst zu nehmen.
„Ananas“ antworte ich klar und deutlich. „Oder ein zweimaliges kurzes Klopfen, wenn ich gerade nicht sprechen kann. So wie beim Kampfsport“.
„Ananas“, wiederholt er konzentriert, „oder zweimal Klopfen - alles klar.“
Sekunden vergehen, während er mich eindringlich von oben bis unten mustert. Ich sehe, wie unzählige Gedanken durch seinen Kopf jagen. Absichtlich sage ich nichts und warte darauf, dass er den nächsten Schritt setzt. Schließlich lässt er sich mit seinem Drink auf der großen Ledercouch nieder. Ich bleibe am Tisch stehen und stelle mein Glas ab.
„Als erstes möchte ich, dass du mir genau erzählst, was gestern in diesem Zimmer passiert ist. Was genau habt ihr gemacht? Und wer waren die anderen?“.
Also erzähle ich ihm von meinem Meister und seinen Gästen und wie es dazu kam, dass ich ihm – dem jungen Kellner – völlig nackt die Tür öffnete. Und warum ich Stunden später in der Rooftop-Bar kaum in der Lage war, ein Getränk bei ihm zu bestellen. Sprachlos hängt er an meinen Lippen, kann manche Schilderungen kaum fassen und will dennoch jedes kleinste Detail in Erfahrung bringen. Mehrmals mache ich im klar, dass es sich um kein alltägliches Spiel handelte, sondern um eines, das nur deshalb möglich war, weil ich meinen Meister schon lange kenne und ihm blind vertraue. Nach etwa zehn Minuten bringe ich meine Schilderung des gestrigen Abends zu ende, was er einmal mehr mit einem „richtig krass“ kommentiert.
Nach einigen Sekunden, die er offensichtlich braucht, um sich gedanklich wieder in die Gegenwart zu versetzen, folgt dann endlich seine erste Anweisung - sofern man sie als solche bezeichnen kann.
„Ich finde deine offenen Haare voll sexy, aber könntest du sie bitte trotzdem nochmal so zusammenbinden wie gestern?“, fragt er vorsichtig.
„Jawohl, MEISTER“, antworte ich laut und deutlich und betone dabei besonders die Anrede. Ich gehe ins Badezimmer, hole ein Haarband, und kehre zum großen Arbeitstisch zurück. Vor seinen Augen binde ich meine langen blonden Haare zu einem straffen Pferdeschwanz zusammen. Wieder merke ich, dass er zögert. Also frage ich nach, um ihm den nächsten Schritt zu erleichtern.
„Und nun, Meister, wie kann ich dir dienen?“
„Was trägst du unter deinem Kleid?“, will er wissen.
„Einen BH und ein Höschen. Beides in schwarz“.
„Zieh bitte beides aus, aber behalte dein Kleid dabei an“.
Die Anweisung gefällt mir. Sie ist kein plumper ‚Zieh-dich-aus‘-Befehl, wie ich ihn eigentlich erwartet hätte. Es ist ein verspielterer Ansatz. Ohne nachzufragen, fasse ich nach hinten und öffne den Verschluss meines BHs. Die etwas umständliche Art aus den Trägern zu schlüpfen, scheint ihm zu gefallen. Als ich wenige Sekunden später den Stoff aus meinem Dekolletee ziehe und ihn vor meine Füße zu Boden fallen lasse, ist mir seine ungeteilte Aufmerksamkeit sicher. Als nächstes greife ich den Stoff meines Kleids und ziehe ihn gerade so weit hoch, dass ich nach meinem Höschen greifen kann. Dann fällt auch dieser elegante schwarze Spitzenstoff zu Boden.
Nach dem ich diese Anweisung ausgeführt habe, warte ich mit leicht geöffneten Beinen auf die nächste Anweisung. Ich fühle, wie sich meine Nippel erhärten und gegen den zarten Stoff des Kleides drücken.
„Heb dein Höschen auf und bring es mir“.
Mit durchgestreckten Beinen beuge ich mich nach vorne und greife nach dem bisschen Stoff. Ich lasse mir dabei bewusst Zeit und gewähre meinem Gegenüber einen tiefen Blick in den Ausschnitt. Langsam und elegant gehe ich auf ihn zu und reiche ihm den Slip. Seine zittrigen Finger nehmen ihn entgegen und verschließen ihn fest in einer Faust.
„Dreh dich bitte um“, folgt sein nächster Befehl, der dieses Mal schneller kommt. Ich höre, wie er sich von der Couch erhebt und direkt hinter mich tritt. Plötzlich fühle ich seine beiden Hände auf meinen Schultern. Sie gleiten langsam nach unten, bis sie den zarten Stoff meines Kleides hinter sich lassen und erstmals meine Haut berühren. Etwas unterhalb der Ellbogen machen sie eine Kehrtwende und gleiten in umgekehrter Richtung nach oben. Nun streicht eine Hand sanft über meinen Nacken, während die andere auf meiner Schulter ruht. Ich fühle, dass er noch näher an mich heranrückt und spüre seinen Atem. Seine Finger gleiten nun vorsichtig über meinen Hals nach vorne, über das Schlüsselbein und weiter in Richtung Dekolletee. Zentimeter für Zentimeter tasten sie sich voran, zaghaft, beinahe so, als würden sie ein ‚Halt – das reicht‘ erwarten. Aber dazu kommt es nicht und so treffen seine Fingerspitzen bald auf meinen harten Nippel. Zunächst erkunden sie ihn vorsichtig, umkreisen und drücken ihn sanft. Dann nimmt seine ganze Hand meine Brust fest in ihren Griff. Zeitgleich spüre ich seinen Körper, der nun von hinten gegen meinen drückt. Während die Hand weiterhin meine Brust massiert, wandert die andere entlang meiner Seite nach unten und dann vor zur Knopfleiste, die mein Kleid vorne schließt. Unerwartet geschickt öffnen seine Finger einen der Knöpfe in Höhe meines Bauchnabels. Sie ermöglichen es seiner Hand, hinter den Stoff meines Kleides zu dringen. Wieder tasten sich seine Finger nur langsam voran. Zugegeben fühlt sich dieses zaghafte, zärtliche Erkunden meines Körpers unheimlich erregend an. Und so laufen die Drüsen in meinem Lustkanal auf Volllast, während sich seine Finger Zentimeter für Zentimeter über die zarte, vollkommen glatte Haut meines Venushügels vorarbeiten. Als sie schließlich auf meine Lustperle treffen, zucken unsere Körper gleichermaßen zusammen. Ich öffne meine Beine instinktiv, um seiner weiter vordringenden Hand Platz zu machen. Mit sanftem Druck legt sie sich über meine Scham, teilt meine Lippen, sodass sich mein Saft üppig über die erkundenden Finger ergießt. Ich spüre, wie auch sein Körper von purer Erregung ergriffen wird und sich noch fester gegen meinen drückt. Für ein paar weitere Sekunden setzen seine Hände das Erkunden meiner Brust und Vulva fort. Dann ziehen sie sich plötzlich zurück.
„Dreh dich wieder um“, befiehlt er und bin etwas enttäuscht, dass dieses vielversprechende Kennenlernen so abrupt endet. Als ich seiner Anweisung folge, sitzt er bereits wieder auf der Couch.
„Zieh jetzt dein Kleid aus. Mach es aber langsam. Öffne einen Knopf nach dem anderen“. Während ich seinen Befehl umsetze, beobachtet er mich gebannt und reibt seinen Finger unverhohlen unter der Nase, so, als würde er an einer teuren kubanischen Zigarre riechen. Ich spiele sein Spiel und lasse mir beim Öffnen der Knöpfe viel Zeit. Seine Augen fixiere ich währenddessen unentwegt mit einem lasziven Blick. Als die letzten Knöpfe an der Reihe sind, kann er seine Ungeduld kaum noch verbergen. Dann bin ich so weit. In Zeitlupe öffne ich das Kleid und lasse es lautlos zu Boden fallen.
Splitternackt stehe ich nun vor ihm. Sein Mund steht sprichwörtlich offen und ich kann ein verdrücktes „Aaaalter …“ hören. Beinahe muss ich lachen, aber meine eigene Erregung hilft, Contenance zu wahren.
„Komm her und knie dich über mich“, folgt sein nächster Befehl, während er sich auf der großen schwarzen Ledercouch ganz nach hinten lehnt. Ich gehorche und positioniere meine Knie links und rechts von seinem Becken, sodass mein nasser Schritt nur wenige Zentimeter über seiner aufgewölbten Hose ruht. Am liebsten würde ich diese sofort öffnen und sein offensichtlich startklares Stück sofort in mich aufnehmen. Aber ich halte mich zurück, lasse ihm das Kommando und warte ungeduldig auf die nächste Anweisung.
„Bleib genau so und zeig mir, wie du es dir machst. Ich will sehen, wie du dich befriedigst“. Ich bin enttäuscht, dass ich seinen noch jungen, aber durchaus männlichen Körper nicht sofort berühren und verwöhnen darf. Aber die Art und Weise, wie er mich ansieht, während ich mich selbst berühre, entschädigt und lässt meine Lust noch schneller wachsen. Die Hand, die nun über meinen Oberkörper streicht und meine Brüste massiert und die andere, die mit perfektem Druck über Kitzler und Schamlippen reibt, fühlen sich unheimlich gut an. Als meine Finger schließlich in meinen tropfnassen Lustkanal gleiten, wünsche ich mir nichts mehr, als dass er genau diese Bewegung mit seiner Hand - oder seinem Körper - fortführt. Doch ich warte vergebens. Stattdessen lässt er seine Hände an meinen Seiten sanft zwischen Hüfte und Brustansatz auf und ab gleiten. Dieses subtile Spiel und seine vor Erregung schreienden Augen bringen mich wenig später an den Höhepunkt. Schnell frage ich noch, ob ich kommen darf, was er offensichtlich überrumpelt bejaht. Der Orgasmus ist heftig und jagt wie die Druckwelle durch meinen Körper. Begleitet von einem intensiven Stöhnen bäume ich mich einige Male auf, bevor ich erschöpft in mich zusammensacke.
Mit pochendem Herzen liege ich splitternackt auf dem bekleideten Körper meines jungen Meisters.
„Ich denke, das war erfolgreich, oder?“, frägt er mit zufriedener Stimme. „Aber ich habe nicht gesagt, dass du mich berühren sollst“, fährt er erstmals in einem mahnenden Ton fort.
„Du hast vorhin erwähnt, dass du ‚leidensfähig‘ wärst. Wie genau hast du das gemeint?“.
Noch immer von meinem Höhepunkt benommen, richte ich mich wieder auf und versuche eine klare Antwort zu finden.
„Dass ich im Zuge eines Spiels auch eher unangenehme Dinge ertrage, solange sie innerhalb der vereinbarten Grenzen bleiben“.
„Das heißt, man darf dich auch – bestrafen – wenn du etwas falsch gemacht hast?“.
„Ja“, antworte ich knapp.
„Ich habe mal ein Video gesehen, in dem eine Sub mittels Spanking bestraft wurde, weil sie nicht gehorsam war. Weißt du, was das ist?“
„Natürlich weiß ich, was Spanking ist“, antworte ich prompt und bin gespannt, worauf er hinaus will.
„Ich möchte dich auch so bestrafen, weil du dich auf mich gelegt hast, obwohl ich dir das nicht befohlen habe.“
Kurz bin ich sprachlos. Nicht nur, weil ich vor wenigen Sekunden einen richtig guten Orgasmus hatte und mich noch immer davon erhole. Auch, weil sein Wunsch mich zu bestrafen überraschend kommt und gar nicht zu seinem vorsichtigen und zurückhaltenden Verhalten passt. Aber ich bin neugierig. Und schließlich wollte ich von Anfang an, dass er bei diesem Spiel erste Dom-Erfahrungen sammeln kann. Also antworte ich ohne weiter darüber nachzudenken: „Wenn das dein Wunsch ist, Meister…“.
"Teil 2: Die Praxis" folgt in Kürze ...
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