Veröffentlicht von Jacek_Rogala am 04.05.2026
Das Brechen des Siegels
Katja drückte seine Hand einen Augenblick lang, wie zu einer stillen Bestätigung. Ihre Haut fühlte sich warm und vertraut an.
“Hab’ keine Angst, Peter”, flüsterte sie.
Aber er hatte Angst. Denn sie würden ihre Fantasie in die Tat umsetzen. Heute, an diesem langen Abend im Juni. Hier, im Shifuku no ie, dem “Haus der Glückseligkeit”. Die Entscheidung, hierher zu kommen, hatten sie gemeinsam gefällt.
Das Anwesen lag etwas abseits der Straße, und sie hatten den Weg nicht auf Anhieb gefunden. Gerade noch rechtzeitig waren sie angekommen. Peter hasste es, sich zu verspäten.
Vor ihnen lag ein Stück Japan, mitten in Deutschland. Ein wenig verloren standen sie vor dem schmucken Haupthaus im traditionell japanischen Stil und blickten auf einen gepflegten Garten mit stillen Wasserbecken, moosbedeckten Steinen und uralten Kiefern. Konnte es einen Ort wie diesen außerhalb Japans geben? Eigentlich nicht, dachte Peter. Und doch existierte all das, irgendwo tief in der Provinz, weit entfernt von jeder größeren Stadt.
Ohne Einladung kam niemand hierher, so viel war sicher. Die Dienste dieses Hauses waren sündhaft teuer, und Nicht-Japaner konnten sie nur über Beziehungen buchen. Im Gegenzug für einen fürstlichen Rabatt auf Peters Maklerprovision hatte ein japanischer Kunde bei der Hausherrin für Katja und ihn vorgesprochen.
Tatsächlich war ihnen die Gunst eines Termins gewährt worden. Und nun waren sie hier. Und warteten.
Ein wenig abgesetzt vom Hauptgebäude stand ein Häuschen aus dunklem Zedernholz. Es musste sich um ein Badehaus handeln, vermutete Peter, denn als sich die Tür dort öffnete, drangen Dampfschwaden ins Freie. Eine japanisch gekleidete Frau kam heraus. Sie trug ein farbenfrohes Gewand, das um ihre Leibesmitte von einer breiten Binde zusammengehalten wurde. Sie war weder groß noch klein und von schlanker Statur. Das schwarze Haar trug sie glatt frisiert und strikt auf Kinnlänge gestutzt. Peter schätzte ihr Alter auf circa vierzig Jahre, vielleicht etwas älter.
Sie bewegte sich sehr elegant. Ohne Eile kam sie zu ihnen herüber und begrüßte sie lächelnd mit einer leichten Verbeugung.
“Ich bin Akane Kagawa, die Eignerin dieses bescheidenen Hauses. Peter und Katja Fischbach, nehme ich an? Willkommen im Shifuku no ie!”
Peter fand sie sympathisch, wenngleich nichts Weiches an ihr war. Oder vielleicht gerade deshalb. Weder ihr Äußeres noch die Art, wie sie sprach, passten zu dem landläufigen Bild einer sanften Schönheit mit Mandelaugen. Auch die Feinheiten der japanischen Etikette schien sie nicht zu erwarten. Unter ihrer professionellen Freundlichkeit glaubte er, eine gewisse Härte zu spüren. Hätte er sie mit einem Wort beschreiben sollen, so wäre es “drahtig” gewesen.
Katja und er erwiderten die Verbeugung.
"Wir fühlen uns geehrt, hier sein zu dürfen”, sagte Katja respektvoll. “Wäre es in Ordnung, wenn wir bei den Vornamen blieben? Im Hinblick auf das, was wir tun werden, erscheint es mir angemessen.”
"Selbstverständlich, Katja-san. Ganz wie Sie wünschen. Wenn Sie und Peter-san mir nun bitte nach drinnen folgen wollten?”
***
Entsprechend Akanes Beispiel ließen sie ihre Schuhe auf der Veranda zurück und betraten das Haus auf Socken. Der Schritt über die Schwelle war wie der Wechsel in eine fremdartige Sphäre. So empfand es jedenfalls Peter. Alles atmete die Ästhetik der Reduktion: Ein Boden aus hellen Tatami-Matten, leichte Balken aus dunkler Zeder und Gitterwände, bespannt mit milchig-weißem Washi-Papier. Mehr brauchte es nicht, um eine andersweltliche Atmosphäre zu schaffen.
"Es empfiehlt sich, in bequemere Kleidung zu schlüpfen", erklärte Akane. “Ich habe etwas für Sie bereitgelegt, das Ihnen dienlicher sein wird, als das, was Sie tragen.”
Sie wies ihnen den Weg zum Umkleidezimmer. Dort fanden sie Gewänder aus leichtem Baumwollstoff. Der Schnitt erinnerte an eine Mischung aus Pyjama und Morgenmantel, und das Gewebe lag weich auf der Haut. Peter genoss das angenehme Gefühl, und auch Katja fühlte sich damit offenbar wohl. Frisch eingekleidet, kehrten sie beide zu Akane zurück.
“Wie nennt man diese Art von Bekleidung?”, fragte Katja begeistert.
“Sie tragen jetzt ein ‘Nemaki’. Wie ich sehe, Katja-san, gefällt es Ihnen. Betrachten Sie es als Geschenk. Zur Erinnerung.”
“Oh! Vielen Dank!”, gab Katja mit einer tiefen Verbeugung zurück.
Auch die Gastgeberin deutete eine Verbeugung an.
“Bitte, kommen Sie beide jetzt mit mir.”
Im Zimmer, zu dem Akane sie brachte, lagen drei Kissen, angeordnet um einen sehr flachen Tisch. Darauf hatte jemand zwei Schälchen gestellt, dazu eine bauchige Flasche aus Steingut. In einer Nische stand ein Podest und darauf eine Vase, in deren schmaler Öffnung eine langstielige Schwertlilie steckte. Eine Repräsentation des Sommers, wie Peter erkannte. Das dunkle Violett ihrer Blüte genügte zur Dekoration des Raumes.
“Bitte nehmen Sie Platz”, bat Akane und kniete sich auf eines der Kissen.
Aus der Flasche goss sie eine süß duftende Flüssigkeit in die Trinkschalen der Gäste.
"Pflaumenwein", erklärte sie. "Ich hoffe, er mundet Ihnen."
Peter trank langsam. Der Wein war aromatisch und erzeugte ein seidiges Gefühl auf der Zunge, das Peter behagte. Sein Blick fiel auf Katja: Sie hatte ihre Schale bereits vom Mund abgesetzt und leer vor sich hingestellt. Ihre Wangen färbten sich rosa. Eine Wirkung des Weins?
Peter räusperte sich leise. Zu Akane gewandt sprach er: "Wir möchten uns nochmals bedanken, dass Sie uns heute empfangen. Ich nehme an, Herr Iwasaki hat Sie dazu bewogen?"
Akane hielt die Flasche aus Steingut für einen Moment in den Händen, als wäge sie ihre Worte ab. Dann sagte sie: "Tatsächlich: Iwasaki-samas besondere Bitte hat den Ausschlag gegeben. Er ist ein alter Freund meiner Familie. Ohne seine Vermittlung hätten wir dieses Anwesen niemals erwerben können. Worum mich Iwasaki-sama bittet, das werde ich tun. Die Ehre meiner Familie gebietet es. Unser Freund legte höchsten Wert darauf, dass Sie das Ritual jederzeit abbrechen können, sollten Sie es wünschen. Auch das sollten Sie wissen.”
Peter schwieg einen Moment. Die Familie Kagawa betrachtete sich also Kenjiro Iwasaki verpflichtet! Nun denn: Diesem Kunden würde er sicher noch öfter Rabatt gewähren.
“Bitte trinken Sie noch etwas von dem Pflaumenwein, Katja-san”, bat die Japanerin. “Er wird Ihnen helfen, ruhig und gelassen zu bleiben. Das ist wichtig für die weitere Vorbereitung.”
Mit diesen Worten schenkte sie Katja nach, die ihr die Schale hinhielt.
“Wie wird es jetzt weitergehen?”, wollte Katja wissen.
“Sobald Sie ausgetrunken haben, werden wir beide einen Ort der Entspannung aufsuchen. Unterwegs können Sie mir weitere Fragen stellen.”
“Ich gehe nicht mit?”, fragte Peter. Er fühlte sich ein wenig unbehaglich.
“Nein, Peter-san. Sie bleiben hier. Aber auch Ihnen rate ich, sich vorzubereiten. Denn ebenso wie Katja-san, erwarten Herausforderungen Sie. Wenngleich die Ihren völlig anderer Natur sein werden, als die Ihrer Frau. Vielleicht meditieren Sie? Es wird einige Zeit vergehen, bis ich wiederkomme.”
“Gehen wir, Akane-san!”, entschied Katja und stellte ihre leere Trinkschale ab.
Kurz darauf waren die beiden Frauen verschwunden.
Peter blieb allein zurück.
***
Es dauerte tatsächlich eine ganze Weile, bis Akane wiederkam. Peter nutzte derweil die Gelegenheit, sich innerlich vorzubereiten, so wie die Japanerin empfohlen hatte. Mit klassischer Meditation hatte er noch nie etwas anfangen können, schätzte aber seit Jahren die Vorzüge der progressiven Muskelentspannung. Er streckte sich auf den Tatami-Matten aus und begann, die verschiedenen Muskelgruppen seines Körpers nacheinander anzuspannen, um die Spannung nach kurzem Halten wieder zu lösen. Schnell erreichte er dabei einen tranceartigen Zustand der Tiefenentspannung, in dem es kein Zeitgefühl mehr gab.
Als er ins Hier und Jetzt zurückkehrte, kniete Akane neben ihm und lächelte freundlich.
Mühsam setzte er sich auf. Er fühlte sich noch leicht benommen.
“Willkommen zurück, Peter-san”, begrüßte ihn die Dame des Hauses.
“War ich lange … weg?”
“Mehr als eine Stunde. Aber wir haben Zeit. Nichts drängt.”
"Wohin haben Sie Katja gebracht?"
"Ins Badehaus. Mein Onkel Shinji und mein Bruder Takeo richten sie für das Ritual des Siegelbrechens her. Dazu muss sie mit äußerster Sorgfalt gereinigt werden.”
Peter stutzte.
"Wozu das? Wir haben ausgiebig geduscht, bevor wir hierher gekommen sind."
"Verzeiht, Peter-san, aber die korrekte Vorbereitung ist unerlässlich. Ziel dieser Handlung ist die Transformation ihrer Ehefrau in ein aufnahmebereites Gefäß. Nur so kann das Ritual ästhetisch und sicher an ihr vollzogen werden.”
“Und wie genau sieht diese ‘korrekte Vorbereitung’ aus?”
“Nun, zur äußeren Reinigung wurde Katja-san zunächst gründlich gewaschen und anschließend heiß gebadet. Im Moment wird sie der inneren Reinigung unterzogen.”
Peters Hände wurden feucht. Er hätte nicht sagen können, warum, aber Akanes letzter Satz beunruhigte ihn.
“Innere Reinigung?”, hakte er vorsichtig nach.
Seine Frage ließ die Hausherrin schmunzeln.
“Es ist ein traditionelles und sehr bewährtes Verfahren", erwiderte sie. “Ihrer Gattin wird angewärmtes Sesamöl verabreicht, um den hinteren Pfad zu ihrer Erfüllung frei, geschmeidig und leicht passierbar zu machen."
"Katja soll warmes Sesamöl trinken?”
Akane schaute ihn vielsagend an.
"Erlauben Sie mir, Peter-san, es in deutlichere Worte zu fassen: Onkel Shinji hat Ihrer Gattin einen kleinen, aus Porzellan gefertigten Trichter eingeführt. Durch die Chrysanthemenpforte, um genau zu sein. Er hält ihn dort, während Katja-san mit erhobenem Gesäß kniet, so dass Takeo ihr das Öl durch den Trichter einflößen kann.”
“Oh!”
“Wie ich sehe, können Sie es sich nun vorstellen. Sobald das Öl alles Unreine aus Katja-san gespült hat, wird sie ein herrliches Gefäß sein, fähig und bereit, zwei Männer gleichzeitig aufzunehmen.”
“Das wird ihr weh tun, nicht wahr?”
“Etwas Schmerz ist unvermeidlich. Seien Sie dennoch unbesorgt: Sie ist in kundigen Händen. Allerdings wird sie einige Augenblicke brauchen, um sich an die Dehnung ihrer Chrysanthemenpforte zu gewöhnen. Der Schmerz ist ein wichtiger Teil des Rituals: Er steigert die Intensität der Empfindung und sollte nicht unterdrückt werden.”
Peter war sich nicht sicher, ob er Akanes Erklärung eher erschreckend oder erregend fand. Ihm blieb keine Zeit, darüber nachzudenken. In einer schlangengleichen Bewegung kam Akane auf die Beine,
“Kommen Sie jetzt, Peter-san,” gebot sie ihm. "Das Ritual wird schon bald beginnen. Sie haben das Recht und die Pflicht, als Ehrengast dabei zu sein, wenn Ihrer Gattin das Siegel gebrochen wird. So verlangen es die Gebräuche meiner Familie und dieses Hauses.”
***
Zu seiner Überraschung führte Akane ihn in einen kleinen, verdunkelten Raum. Die Wände hatte man blickdicht vertäfelt, nur ein schwaches Nachtlicht verbreitete einen rötlichen Schimmer. In die vordere Front war eine mannshohe Scheibe aus Glas eingelassen. Davor stand ein gepolsterter Lehnstuhl. Finsternis herrschte auf der anderen Seite des Glases.
“Dieses geheime Zimmer”, flüsterte Akane bedeutsam, “ist besonders geschätzten Gästen vorbehalten. Iwasaki-sama nutzt es öfter. Der Logenplatz auf der dunklen Seite des Spiegels gehört heute Ihnen. Nehmen Sie Platz, Peter-san.”
Die dunkle Seite des Spiegels? Er begann intuitiv zu verstehen: Er würde sehen, was jenseits der Scheibe geschah, selbst aber unsichtbar bleiben hinter dem verspiegelten Glas.
Was für eine erregende Aussicht! Mit klopfendem Herzen setzte er sich in den Lehnstuhl und harrte der Dinge, die kommen sollten.
Dann ging auf der anderen Seite das Licht an. Sichtbar wurde eine Art Dojo der erotischen Künste: Der Boden war komplett mit weichen Polstern belegt. Von den Zedernholz-Wänden hingen Spruchbänder mit kunstvollen Kanji und auch Tuschezeichnungen von Männern und Frauen in eindeutigen Posen. In die Decke eingelassene Leuchten tauchten den Raum in taghelles Licht. Eine ästhetische Symbiose von Tradition und Moderne. Nur Fenster fehlten komplett.
Durch eine Schiebetür betraten drei Menschen den Raum. Ein alter und ein junger Mann, beide Japaner, - und Katja. Jeder Laut war in kristalliner Schärfe zu hören: Das Geräusch der zu Boden fallenden Nemaki, das leise Keuchen Katjas, als die zwei Männer ihren nackten, verletzlichen Leib im Stehen zwischen sich nahmen, ihn überall küssten und mit den Händen liebkosten. Selbst das leise Reiben von Haut auf Haut war klar und deutlich vernehmbar
Wie kam es, fragte sich Peter, dass er jedes Detail hören konnte, so als stünde er direkt neben den dreien? Verwundert sah er sich um. Bei genauem Hinsehen entdeckte er mehrere Lautsprecher in Wänden und Decke.
“Eine Surround-Anlage!", stellte er fest.
“Gut beobachtet, Peter-san”, bestätigte Akane,”Was Sie hören, wird von einem 3D-Mikrofon aufgezeichnet. Wie ich schon sagte: Dieser Raum für Ehrengäste genügt höchsten Ansprüchen.”
“Der alte Mann mit dem Bart ist ihr Onkel?”
“Ja, ich habe ihn wegen seiner großen Erfahrung für Ihre Gattin gewählt. Shinji-sama ist über siebzig, aber seine Manneskraft ist ungebrochen.”
Das konnte Peter deutlich sehen: Die Erektion des weißhaarigen Alten hätte einem Satyr zur Ehre gereicht.
“Der jüngere wird demnach Ihr Bruder sein.”
“So ist es. Takeo hat einen herrlichen Körper, nicht wahr? Ich denke, Katja-san wird zufrieden sein mit den Partnern, die ich ihr zugeteilt habe. Doch nun schauen und genießen Sie, Peter-san: Die Lust und die Qual Ihrer Liebsten … und auch Ihre eigene, versteht sich.”
***
Fasziniert beobachtete Peter die Szene durch die verspiegelte Scheibe. Die drei auf der anderen Seite waren inzwischen zu Boden gesunken. Die Tonanlage übertrug jeden Laut glasklar.
Katjas Atem ging schwer, sie hielt die Augen geschlossen und bog ihren Rücken durch, während sie halb kniend auf Shinji saß, dem älteren der beiden Männer. Als der Weißhaarige sein steil aufgerichtetes Glied von unten in ihre Scheide einführte, hielt Peter unwillkürlich die Luft an. Das imposante Geschlechtsteil des Alten bis an die Hoden aufzunehmen, musste für Katja eine Herausforderung sein.
Tatsächlich spannte sie ihre Gesäßbacken an und gab ein überraschtes Keuchen von sich, als er zwischen ihren Schamlippen eindrang. Ihren instinktiven Versuch, sich der schmerzhaften Dehnung zu entziehen, ließ Shinji nicht zu. Er drückte sie an ihren Hüften nach unten, bis sein dick geäderter Schaft völlig in ihrem Schoß verschwunden war.
Katja atmete einige Male tief durch, strich sich die blonden Haare aus dem Gesicht und nickte mit dem Kopf zu Takeo. So wie es aussah, hatte sie ihre Rolle akzeptiert: Bereitwillig reckte sie Akanes Bruder ihren Steiß entgegen, um auch ihm das Eindringen zu ermöglichen. Eine erregende Pose, fand Peter. Deutlich spürte er das Kribbeln in seinem Damm.
Ohne Hast kniete der muskulöse Japaner sich hin, spreizte Katjas Hinterbacken und schob seinen Penis mit großer Behutsamkeit in ihren After. Als er den Widerstand ihres Schließmuskels endgültig brach, drang ein gepresster Schmerzenslaut aus ihrer Kehle. Geduldig gab er ihr einige Augenblicke, sich an die Dehnung zu gewöhnen und strich ihr beruhigend über den Rücken. Dann fing er an, sie langsam und gefühlvoll zu stoßen.
Allem Anschein nach taten Katja die Stöße weh, trotz Takeos Achtsamkeit. Peter sah, wie seine Frau die Zähne zusammenbiss. War es vielleicht besser, das Ritual abzubrechen? Er entschied sich letztlich dagegen: Ein wenig Schmerz sei unvermeidlich, hatte Akane gesagt, und vielleicht sogar sinnvoll, wenn er die Erregung verstärkte …
Shinji, der noch immer mit Katja in Dauervereinigung lag, zog ihren Oberkörper näher heran und biss zärtlich in die harten Warzen ihrer Brüste. Es schien, als verändere er damit die Art, wie Katja den Schmerz durch Takeos Eindringen erlebte. Denn sie reagierte auf die Liebesbisse mit unerwarteter Leidenschaft: Sie fuhr Shinji durch das schlohweiße Haar, krallte ihre Finger in seinen Nacken und presste ein langgezogenes “Jaaa!” zwischen den Zähnen hervor. Ein Stich für Peters Ego: Ihm selbst hätte Katja die Bisse in ihre empfindlichen Nippel niemals erlaubt.
“Schauen Sie genau hin, Peter-san”, flüsterte Akane, "Verstehen Sie nun? Ihre Qual sublimiert sich zu Lust!”
Peter nickte stumm. Akanes Worte waren unbestreitbar. Er sah es mit eigenen Augen.
Takeo stieß inzwischen kraftvoller und schneller in Katja hinein. Er gab ihr bisweilen sogar einen saftigen Klaps aufs Gesäß, was sie schamlos mit wohligem Stöhnen quittierte.
Wann jemals hätte sich Katja bei ihm so leidenschaftlich gezeigt, fragte sich Peter. Die Eifersucht nagte an ihm.
Akane musste seine Gefühle bemerkt haben. Denn sie sagte: "Wenn einer Dame das Siegel gebrochen wird, Peter-san, hört sie auf, eine Dame zu sein.”
Und damit hatte die Japanerin Recht, wie er fand. Aber es tröstete ihn nicht. Angespannt und mit heißem Gesicht beobachtete er, wie die drei Partner zu einem gemeinsamen Rhythmus fanden, sah ihre nackten Leiber in fließender Bewegung vereint und hörte das Keuchen seiner rituell bestiegenen Gattin.
Die Männer vollzogen die Penetration schweigend und mit professioneller Standhaftigkeit. Im Stillen beneidete Peter sie um ihre Ausdauer und Selbstdisziplin. Er selbst hätte an ihrer Stelle schon längst die Beherrschung verloren und den Gipfel vorzeitig erreicht.
Endlich erfasste ein krampfartiges Zittern Katjas Körper.
“Gleich ist es soweit”, raunte Akane ihm zu.
Peter registrierte ihre Worte nur am Rande. Denn im selben Moment schaute ihm Katja direkt ins Gesicht, so als sei das verspiegelte Glas zwischen ihnen nicht existent. Stumm schien sie zu fragen: Siehst du mich, Peter? Kannst du meinen Schmerz fühlen? Mein Verlangen? Was macht dieser Anblick mit dir?
Dann verlor sie gänzlich die Kontrolle. Sie warf den Kopf in den Nacken und stieß einen animalischen Laut aus, geil wie der Brunftschrei einer rolligen Katze. Sie bäumte sich noch ein letztes Mal auf, dann kapitulierte sie vor dem Höhepunkt, der in konvulsivischen Wellen durch ihren Leib lief.
Atemlos verfolgte Peter den Wechsel der Ausdrücke auf Katjas Gesicht: Ihr Schmerz, die Erregung, ihre wilde Extase und Trauer verschmolzen in seinem Geist zu einer schrillen Kakophonie, die in seinem ganzen Leib widerhallte. Er spürte, wie seine Muskeln sich spannten, seine Erektion war geradezu schmerzhaft hart.
Die extremen Kontraktionen in Katjas Unterleib blieben auch bei ihren Partnern nicht ohne erkennbare Wirkung: Takeo ächzte gequält, während er sich in Katja entlud; einen Herzschlag später folgte Shinji.
Schließlich lagen die drei erhitzt und schwer atmend auf- und nebeneinander.
Peter versuchte sich vorzustellen, wie seine Ehefrau gerade den warmen Samen der Japaner in ihrem Unterleib spürte. Ob es wohl ein gutes Gefühl war? Vielleicht war sie in dieser Nacht wirklich zu einem Gefäß geworden, so wie Akane gesagt hatte.
Ein Lächeln stahl sich auf seine Lippen. Die drei Menschen, die eben noch mit roher Intensität kopuliert hatten, boten nun ein friedliches Bild: Takeo und Shinji streichelten gemeinsam Katja, die sich schnurrend auf den Rücken gerollt hatte und die Zärtlichkeiten der Männer genoss.
“Kommen Sie, Peter-san", forderte Akane ihn auf. Unerwartet vertraulich legte sie ihm eine Hand auf die Schulter. “Auch für Sie wird es Zeit, ein heißes Bad zu nehmen.”
***
Später, im Badehaus war es warm und still. Peter lag mit geschlossenen Augen in einem tiefen Basaltbecken, das dampfende Wasser schwappte ihm sanft gegen die Brust. Sein Atem floss ruhig, zuerst ein und dann wieder aus. Er fühlte sich schwerelos.
Wie aus großer Ferne hörte er Schritte. Die Eingangstür glitt beiseite, und jemand betrat auf leisen Sohlen den Raum.
Ganz langsam öffnete Peter die Augen.
Akane verneigte sich wortlos, tiefer als bisher, und zog sich sofort wieder in die nächtlichen Schatten jenseits der Türe zurück.
Dann kam Katja herein. Die Tür wurde von außen geschlossen.
Nun waren sie beide allein.
Ihre Blicke fanden einander, und sie lächelte kurz. Das kleine Lächeln, mit den Grübchen, das er so sehr an ihr mochte.
Sie löste die Bindung ihres Nemaki.
Er sah sie an. Wie schön sie doch war!
Sie stieg die Stufen ins Becken hinab, ließ sich vom heißen Wasser umschließen und legte ihre weißen Arme um seinen Nacken. Ihr Körper schmiegte sich eng an den seinen, während sie in seinen Augen nach etwas suchte, das sie beide nicht zu benennen wagten.
Er strich ihr eine nasse Strähne aus dem Gesicht – und spürte dabei, dass seine Hand nicht ganz ruhig war. Mit einem Kuss beantwortete er ihre unausgesprochene Frage.
Sie erwiderte den Kuss, sofort, ohne Vorbehalt, und schlang ihre Beine um seine Hüften. Das Wasser schwappte über den Rand.
Alles war so, wie es immer zwischen ihnen gewesen war - und doch anders.
Nicht kälter.
Nicht fremder.
Nur anders.
“Hab’ keine Angst, Peter”, flüsterte sie.
Aber er hatte Angst. Denn sie würden ihre Fantasie in die Tat umsetzen. Heute, an diesem langen Abend im Juni. Hier, im Shifuku no ie, dem “Haus der Glückseligkeit”. Die Entscheidung, hierher zu kommen, hatten sie gemeinsam gefällt.
Das Anwesen lag etwas abseits der Straße, und sie hatten den Weg nicht auf Anhieb gefunden. Gerade noch rechtzeitig waren sie angekommen. Peter hasste es, sich zu verspäten.
Vor ihnen lag ein Stück Japan, mitten in Deutschland. Ein wenig verloren standen sie vor dem schmucken Haupthaus im traditionell japanischen Stil und blickten auf einen gepflegten Garten mit stillen Wasserbecken, moosbedeckten Steinen und uralten Kiefern. Konnte es einen Ort wie diesen außerhalb Japans geben? Eigentlich nicht, dachte Peter. Und doch existierte all das, irgendwo tief in der Provinz, weit entfernt von jeder größeren Stadt.
Ohne Einladung kam niemand hierher, so viel war sicher. Die Dienste dieses Hauses waren sündhaft teuer, und Nicht-Japaner konnten sie nur über Beziehungen buchen. Im Gegenzug für einen fürstlichen Rabatt auf Peters Maklerprovision hatte ein japanischer Kunde bei der Hausherrin für Katja und ihn vorgesprochen.
Tatsächlich war ihnen die Gunst eines Termins gewährt worden. Und nun waren sie hier. Und warteten.
Ein wenig abgesetzt vom Hauptgebäude stand ein Häuschen aus dunklem Zedernholz. Es musste sich um ein Badehaus handeln, vermutete Peter, denn als sich die Tür dort öffnete, drangen Dampfschwaden ins Freie. Eine japanisch gekleidete Frau kam heraus. Sie trug ein farbenfrohes Gewand, das um ihre Leibesmitte von einer breiten Binde zusammengehalten wurde. Sie war weder groß noch klein und von schlanker Statur. Das schwarze Haar trug sie glatt frisiert und strikt auf Kinnlänge gestutzt. Peter schätzte ihr Alter auf circa vierzig Jahre, vielleicht etwas älter.
Sie bewegte sich sehr elegant. Ohne Eile kam sie zu ihnen herüber und begrüßte sie lächelnd mit einer leichten Verbeugung.
“Ich bin Akane Kagawa, die Eignerin dieses bescheidenen Hauses. Peter und Katja Fischbach, nehme ich an? Willkommen im Shifuku no ie!”
Peter fand sie sympathisch, wenngleich nichts Weiches an ihr war. Oder vielleicht gerade deshalb. Weder ihr Äußeres noch die Art, wie sie sprach, passten zu dem landläufigen Bild einer sanften Schönheit mit Mandelaugen. Auch die Feinheiten der japanischen Etikette schien sie nicht zu erwarten. Unter ihrer professionellen Freundlichkeit glaubte er, eine gewisse Härte zu spüren. Hätte er sie mit einem Wort beschreiben sollen, so wäre es “drahtig” gewesen.
Katja und er erwiderten die Verbeugung.
"Wir fühlen uns geehrt, hier sein zu dürfen”, sagte Katja respektvoll. “Wäre es in Ordnung, wenn wir bei den Vornamen blieben? Im Hinblick auf das, was wir tun werden, erscheint es mir angemessen.”
"Selbstverständlich, Katja-san. Ganz wie Sie wünschen. Wenn Sie und Peter-san mir nun bitte nach drinnen folgen wollten?”
***
Entsprechend Akanes Beispiel ließen sie ihre Schuhe auf der Veranda zurück und betraten das Haus auf Socken. Der Schritt über die Schwelle war wie der Wechsel in eine fremdartige Sphäre. So empfand es jedenfalls Peter. Alles atmete die Ästhetik der Reduktion: Ein Boden aus hellen Tatami-Matten, leichte Balken aus dunkler Zeder und Gitterwände, bespannt mit milchig-weißem Washi-Papier. Mehr brauchte es nicht, um eine andersweltliche Atmosphäre zu schaffen.
"Es empfiehlt sich, in bequemere Kleidung zu schlüpfen", erklärte Akane. “Ich habe etwas für Sie bereitgelegt, das Ihnen dienlicher sein wird, als das, was Sie tragen.”
Sie wies ihnen den Weg zum Umkleidezimmer. Dort fanden sie Gewänder aus leichtem Baumwollstoff. Der Schnitt erinnerte an eine Mischung aus Pyjama und Morgenmantel, und das Gewebe lag weich auf der Haut. Peter genoss das angenehme Gefühl, und auch Katja fühlte sich damit offenbar wohl. Frisch eingekleidet, kehrten sie beide zu Akane zurück.
“Wie nennt man diese Art von Bekleidung?”, fragte Katja begeistert.
“Sie tragen jetzt ein ‘Nemaki’. Wie ich sehe, Katja-san, gefällt es Ihnen. Betrachten Sie es als Geschenk. Zur Erinnerung.”
“Oh! Vielen Dank!”, gab Katja mit einer tiefen Verbeugung zurück.
Auch die Gastgeberin deutete eine Verbeugung an.
“Bitte, kommen Sie beide jetzt mit mir.”
Im Zimmer, zu dem Akane sie brachte, lagen drei Kissen, angeordnet um einen sehr flachen Tisch. Darauf hatte jemand zwei Schälchen gestellt, dazu eine bauchige Flasche aus Steingut. In einer Nische stand ein Podest und darauf eine Vase, in deren schmaler Öffnung eine langstielige Schwertlilie steckte. Eine Repräsentation des Sommers, wie Peter erkannte. Das dunkle Violett ihrer Blüte genügte zur Dekoration des Raumes.
“Bitte nehmen Sie Platz”, bat Akane und kniete sich auf eines der Kissen.
Aus der Flasche goss sie eine süß duftende Flüssigkeit in die Trinkschalen der Gäste.
"Pflaumenwein", erklärte sie. "Ich hoffe, er mundet Ihnen."
Peter trank langsam. Der Wein war aromatisch und erzeugte ein seidiges Gefühl auf der Zunge, das Peter behagte. Sein Blick fiel auf Katja: Sie hatte ihre Schale bereits vom Mund abgesetzt und leer vor sich hingestellt. Ihre Wangen färbten sich rosa. Eine Wirkung des Weins?
Peter räusperte sich leise. Zu Akane gewandt sprach er: "Wir möchten uns nochmals bedanken, dass Sie uns heute empfangen. Ich nehme an, Herr Iwasaki hat Sie dazu bewogen?"
Akane hielt die Flasche aus Steingut für einen Moment in den Händen, als wäge sie ihre Worte ab. Dann sagte sie: "Tatsächlich: Iwasaki-samas besondere Bitte hat den Ausschlag gegeben. Er ist ein alter Freund meiner Familie. Ohne seine Vermittlung hätten wir dieses Anwesen niemals erwerben können. Worum mich Iwasaki-sama bittet, das werde ich tun. Die Ehre meiner Familie gebietet es. Unser Freund legte höchsten Wert darauf, dass Sie das Ritual jederzeit abbrechen können, sollten Sie es wünschen. Auch das sollten Sie wissen.”
Peter schwieg einen Moment. Die Familie Kagawa betrachtete sich also Kenjiro Iwasaki verpflichtet! Nun denn: Diesem Kunden würde er sicher noch öfter Rabatt gewähren.
“Bitte trinken Sie noch etwas von dem Pflaumenwein, Katja-san”, bat die Japanerin. “Er wird Ihnen helfen, ruhig und gelassen zu bleiben. Das ist wichtig für die weitere Vorbereitung.”
Mit diesen Worten schenkte sie Katja nach, die ihr die Schale hinhielt.
“Wie wird es jetzt weitergehen?”, wollte Katja wissen.
“Sobald Sie ausgetrunken haben, werden wir beide einen Ort der Entspannung aufsuchen. Unterwegs können Sie mir weitere Fragen stellen.”
“Ich gehe nicht mit?”, fragte Peter. Er fühlte sich ein wenig unbehaglich.
“Nein, Peter-san. Sie bleiben hier. Aber auch Ihnen rate ich, sich vorzubereiten. Denn ebenso wie Katja-san, erwarten Herausforderungen Sie. Wenngleich die Ihren völlig anderer Natur sein werden, als die Ihrer Frau. Vielleicht meditieren Sie? Es wird einige Zeit vergehen, bis ich wiederkomme.”
“Gehen wir, Akane-san!”, entschied Katja und stellte ihre leere Trinkschale ab.
Kurz darauf waren die beiden Frauen verschwunden.
Peter blieb allein zurück.
***
Es dauerte tatsächlich eine ganze Weile, bis Akane wiederkam. Peter nutzte derweil die Gelegenheit, sich innerlich vorzubereiten, so wie die Japanerin empfohlen hatte. Mit klassischer Meditation hatte er noch nie etwas anfangen können, schätzte aber seit Jahren die Vorzüge der progressiven Muskelentspannung. Er streckte sich auf den Tatami-Matten aus und begann, die verschiedenen Muskelgruppen seines Körpers nacheinander anzuspannen, um die Spannung nach kurzem Halten wieder zu lösen. Schnell erreichte er dabei einen tranceartigen Zustand der Tiefenentspannung, in dem es kein Zeitgefühl mehr gab.
Als er ins Hier und Jetzt zurückkehrte, kniete Akane neben ihm und lächelte freundlich.
Mühsam setzte er sich auf. Er fühlte sich noch leicht benommen.
“Willkommen zurück, Peter-san”, begrüßte ihn die Dame des Hauses.
“War ich lange … weg?”
“Mehr als eine Stunde. Aber wir haben Zeit. Nichts drängt.”
"Wohin haben Sie Katja gebracht?"
"Ins Badehaus. Mein Onkel Shinji und mein Bruder Takeo richten sie für das Ritual des Siegelbrechens her. Dazu muss sie mit äußerster Sorgfalt gereinigt werden.”
Peter stutzte.
"Wozu das? Wir haben ausgiebig geduscht, bevor wir hierher gekommen sind."
"Verzeiht, Peter-san, aber die korrekte Vorbereitung ist unerlässlich. Ziel dieser Handlung ist die Transformation ihrer Ehefrau in ein aufnahmebereites Gefäß. Nur so kann das Ritual ästhetisch und sicher an ihr vollzogen werden.”
“Und wie genau sieht diese ‘korrekte Vorbereitung’ aus?”
“Nun, zur äußeren Reinigung wurde Katja-san zunächst gründlich gewaschen und anschließend heiß gebadet. Im Moment wird sie der inneren Reinigung unterzogen.”
Peters Hände wurden feucht. Er hätte nicht sagen können, warum, aber Akanes letzter Satz beunruhigte ihn.
“Innere Reinigung?”, hakte er vorsichtig nach.
Seine Frage ließ die Hausherrin schmunzeln.
“Es ist ein traditionelles und sehr bewährtes Verfahren", erwiderte sie. “Ihrer Gattin wird angewärmtes Sesamöl verabreicht, um den hinteren Pfad zu ihrer Erfüllung frei, geschmeidig und leicht passierbar zu machen."
"Katja soll warmes Sesamöl trinken?”
Akane schaute ihn vielsagend an.
"Erlauben Sie mir, Peter-san, es in deutlichere Worte zu fassen: Onkel Shinji hat Ihrer Gattin einen kleinen, aus Porzellan gefertigten Trichter eingeführt. Durch die Chrysanthemenpforte, um genau zu sein. Er hält ihn dort, während Katja-san mit erhobenem Gesäß kniet, so dass Takeo ihr das Öl durch den Trichter einflößen kann.”
“Oh!”
“Wie ich sehe, können Sie es sich nun vorstellen. Sobald das Öl alles Unreine aus Katja-san gespült hat, wird sie ein herrliches Gefäß sein, fähig und bereit, zwei Männer gleichzeitig aufzunehmen.”
“Das wird ihr weh tun, nicht wahr?”
“Etwas Schmerz ist unvermeidlich. Seien Sie dennoch unbesorgt: Sie ist in kundigen Händen. Allerdings wird sie einige Augenblicke brauchen, um sich an die Dehnung ihrer Chrysanthemenpforte zu gewöhnen. Der Schmerz ist ein wichtiger Teil des Rituals: Er steigert die Intensität der Empfindung und sollte nicht unterdrückt werden.”
Peter war sich nicht sicher, ob er Akanes Erklärung eher erschreckend oder erregend fand. Ihm blieb keine Zeit, darüber nachzudenken. In einer schlangengleichen Bewegung kam Akane auf die Beine,
“Kommen Sie jetzt, Peter-san,” gebot sie ihm. "Das Ritual wird schon bald beginnen. Sie haben das Recht und die Pflicht, als Ehrengast dabei zu sein, wenn Ihrer Gattin das Siegel gebrochen wird. So verlangen es die Gebräuche meiner Familie und dieses Hauses.”
***
Zu seiner Überraschung führte Akane ihn in einen kleinen, verdunkelten Raum. Die Wände hatte man blickdicht vertäfelt, nur ein schwaches Nachtlicht verbreitete einen rötlichen Schimmer. In die vordere Front war eine mannshohe Scheibe aus Glas eingelassen. Davor stand ein gepolsterter Lehnstuhl. Finsternis herrschte auf der anderen Seite des Glases.
“Dieses geheime Zimmer”, flüsterte Akane bedeutsam, “ist besonders geschätzten Gästen vorbehalten. Iwasaki-sama nutzt es öfter. Der Logenplatz auf der dunklen Seite des Spiegels gehört heute Ihnen. Nehmen Sie Platz, Peter-san.”
Die dunkle Seite des Spiegels? Er begann intuitiv zu verstehen: Er würde sehen, was jenseits der Scheibe geschah, selbst aber unsichtbar bleiben hinter dem verspiegelten Glas.
Was für eine erregende Aussicht! Mit klopfendem Herzen setzte er sich in den Lehnstuhl und harrte der Dinge, die kommen sollten.
Dann ging auf der anderen Seite das Licht an. Sichtbar wurde eine Art Dojo der erotischen Künste: Der Boden war komplett mit weichen Polstern belegt. Von den Zedernholz-Wänden hingen Spruchbänder mit kunstvollen Kanji und auch Tuschezeichnungen von Männern und Frauen in eindeutigen Posen. In die Decke eingelassene Leuchten tauchten den Raum in taghelles Licht. Eine ästhetische Symbiose von Tradition und Moderne. Nur Fenster fehlten komplett.
Durch eine Schiebetür betraten drei Menschen den Raum. Ein alter und ein junger Mann, beide Japaner, - und Katja. Jeder Laut war in kristalliner Schärfe zu hören: Das Geräusch der zu Boden fallenden Nemaki, das leise Keuchen Katjas, als die zwei Männer ihren nackten, verletzlichen Leib im Stehen zwischen sich nahmen, ihn überall küssten und mit den Händen liebkosten. Selbst das leise Reiben von Haut auf Haut war klar und deutlich vernehmbar
Wie kam es, fragte sich Peter, dass er jedes Detail hören konnte, so als stünde er direkt neben den dreien? Verwundert sah er sich um. Bei genauem Hinsehen entdeckte er mehrere Lautsprecher in Wänden und Decke.
“Eine Surround-Anlage!", stellte er fest.
“Gut beobachtet, Peter-san”, bestätigte Akane,”Was Sie hören, wird von einem 3D-Mikrofon aufgezeichnet. Wie ich schon sagte: Dieser Raum für Ehrengäste genügt höchsten Ansprüchen.”
“Der alte Mann mit dem Bart ist ihr Onkel?”
“Ja, ich habe ihn wegen seiner großen Erfahrung für Ihre Gattin gewählt. Shinji-sama ist über siebzig, aber seine Manneskraft ist ungebrochen.”
Das konnte Peter deutlich sehen: Die Erektion des weißhaarigen Alten hätte einem Satyr zur Ehre gereicht.
“Der jüngere wird demnach Ihr Bruder sein.”
“So ist es. Takeo hat einen herrlichen Körper, nicht wahr? Ich denke, Katja-san wird zufrieden sein mit den Partnern, die ich ihr zugeteilt habe. Doch nun schauen und genießen Sie, Peter-san: Die Lust und die Qual Ihrer Liebsten … und auch Ihre eigene, versteht sich.”
***
Fasziniert beobachtete Peter die Szene durch die verspiegelte Scheibe. Die drei auf der anderen Seite waren inzwischen zu Boden gesunken. Die Tonanlage übertrug jeden Laut glasklar.
Katjas Atem ging schwer, sie hielt die Augen geschlossen und bog ihren Rücken durch, während sie halb kniend auf Shinji saß, dem älteren der beiden Männer. Als der Weißhaarige sein steil aufgerichtetes Glied von unten in ihre Scheide einführte, hielt Peter unwillkürlich die Luft an. Das imposante Geschlechtsteil des Alten bis an die Hoden aufzunehmen, musste für Katja eine Herausforderung sein.
Tatsächlich spannte sie ihre Gesäßbacken an und gab ein überraschtes Keuchen von sich, als er zwischen ihren Schamlippen eindrang. Ihren instinktiven Versuch, sich der schmerzhaften Dehnung zu entziehen, ließ Shinji nicht zu. Er drückte sie an ihren Hüften nach unten, bis sein dick geäderter Schaft völlig in ihrem Schoß verschwunden war.
Katja atmete einige Male tief durch, strich sich die blonden Haare aus dem Gesicht und nickte mit dem Kopf zu Takeo. So wie es aussah, hatte sie ihre Rolle akzeptiert: Bereitwillig reckte sie Akanes Bruder ihren Steiß entgegen, um auch ihm das Eindringen zu ermöglichen. Eine erregende Pose, fand Peter. Deutlich spürte er das Kribbeln in seinem Damm.
Ohne Hast kniete der muskulöse Japaner sich hin, spreizte Katjas Hinterbacken und schob seinen Penis mit großer Behutsamkeit in ihren After. Als er den Widerstand ihres Schließmuskels endgültig brach, drang ein gepresster Schmerzenslaut aus ihrer Kehle. Geduldig gab er ihr einige Augenblicke, sich an die Dehnung zu gewöhnen und strich ihr beruhigend über den Rücken. Dann fing er an, sie langsam und gefühlvoll zu stoßen.
Allem Anschein nach taten Katja die Stöße weh, trotz Takeos Achtsamkeit. Peter sah, wie seine Frau die Zähne zusammenbiss. War es vielleicht besser, das Ritual abzubrechen? Er entschied sich letztlich dagegen: Ein wenig Schmerz sei unvermeidlich, hatte Akane gesagt, und vielleicht sogar sinnvoll, wenn er die Erregung verstärkte …
Shinji, der noch immer mit Katja in Dauervereinigung lag, zog ihren Oberkörper näher heran und biss zärtlich in die harten Warzen ihrer Brüste. Es schien, als verändere er damit die Art, wie Katja den Schmerz durch Takeos Eindringen erlebte. Denn sie reagierte auf die Liebesbisse mit unerwarteter Leidenschaft: Sie fuhr Shinji durch das schlohweiße Haar, krallte ihre Finger in seinen Nacken und presste ein langgezogenes “Jaaa!” zwischen den Zähnen hervor. Ein Stich für Peters Ego: Ihm selbst hätte Katja die Bisse in ihre empfindlichen Nippel niemals erlaubt.
“Schauen Sie genau hin, Peter-san”, flüsterte Akane, "Verstehen Sie nun? Ihre Qual sublimiert sich zu Lust!”
Peter nickte stumm. Akanes Worte waren unbestreitbar. Er sah es mit eigenen Augen.
Takeo stieß inzwischen kraftvoller und schneller in Katja hinein. Er gab ihr bisweilen sogar einen saftigen Klaps aufs Gesäß, was sie schamlos mit wohligem Stöhnen quittierte.
Wann jemals hätte sich Katja bei ihm so leidenschaftlich gezeigt, fragte sich Peter. Die Eifersucht nagte an ihm.
Akane musste seine Gefühle bemerkt haben. Denn sie sagte: "Wenn einer Dame das Siegel gebrochen wird, Peter-san, hört sie auf, eine Dame zu sein.”
Und damit hatte die Japanerin Recht, wie er fand. Aber es tröstete ihn nicht. Angespannt und mit heißem Gesicht beobachtete er, wie die drei Partner zu einem gemeinsamen Rhythmus fanden, sah ihre nackten Leiber in fließender Bewegung vereint und hörte das Keuchen seiner rituell bestiegenen Gattin.
Die Männer vollzogen die Penetration schweigend und mit professioneller Standhaftigkeit. Im Stillen beneidete Peter sie um ihre Ausdauer und Selbstdisziplin. Er selbst hätte an ihrer Stelle schon längst die Beherrschung verloren und den Gipfel vorzeitig erreicht.
Endlich erfasste ein krampfartiges Zittern Katjas Körper.
“Gleich ist es soweit”, raunte Akane ihm zu.
Peter registrierte ihre Worte nur am Rande. Denn im selben Moment schaute ihm Katja direkt ins Gesicht, so als sei das verspiegelte Glas zwischen ihnen nicht existent. Stumm schien sie zu fragen: Siehst du mich, Peter? Kannst du meinen Schmerz fühlen? Mein Verlangen? Was macht dieser Anblick mit dir?
Dann verlor sie gänzlich die Kontrolle. Sie warf den Kopf in den Nacken und stieß einen animalischen Laut aus, geil wie der Brunftschrei einer rolligen Katze. Sie bäumte sich noch ein letztes Mal auf, dann kapitulierte sie vor dem Höhepunkt, der in konvulsivischen Wellen durch ihren Leib lief.
Atemlos verfolgte Peter den Wechsel der Ausdrücke auf Katjas Gesicht: Ihr Schmerz, die Erregung, ihre wilde Extase und Trauer verschmolzen in seinem Geist zu einer schrillen Kakophonie, die in seinem ganzen Leib widerhallte. Er spürte, wie seine Muskeln sich spannten, seine Erektion war geradezu schmerzhaft hart.
Die extremen Kontraktionen in Katjas Unterleib blieben auch bei ihren Partnern nicht ohne erkennbare Wirkung: Takeo ächzte gequält, während er sich in Katja entlud; einen Herzschlag später folgte Shinji.
Schließlich lagen die drei erhitzt und schwer atmend auf- und nebeneinander.
Peter versuchte sich vorzustellen, wie seine Ehefrau gerade den warmen Samen der Japaner in ihrem Unterleib spürte. Ob es wohl ein gutes Gefühl war? Vielleicht war sie in dieser Nacht wirklich zu einem Gefäß geworden, so wie Akane gesagt hatte.
Ein Lächeln stahl sich auf seine Lippen. Die drei Menschen, die eben noch mit roher Intensität kopuliert hatten, boten nun ein friedliches Bild: Takeo und Shinji streichelten gemeinsam Katja, die sich schnurrend auf den Rücken gerollt hatte und die Zärtlichkeiten der Männer genoss.
“Kommen Sie, Peter-san", forderte Akane ihn auf. Unerwartet vertraulich legte sie ihm eine Hand auf die Schulter. “Auch für Sie wird es Zeit, ein heißes Bad zu nehmen.”
***
Später, im Badehaus war es warm und still. Peter lag mit geschlossenen Augen in einem tiefen Basaltbecken, das dampfende Wasser schwappte ihm sanft gegen die Brust. Sein Atem floss ruhig, zuerst ein und dann wieder aus. Er fühlte sich schwerelos.
Wie aus großer Ferne hörte er Schritte. Die Eingangstür glitt beiseite, und jemand betrat auf leisen Sohlen den Raum.
Ganz langsam öffnete Peter die Augen.
Akane verneigte sich wortlos, tiefer als bisher, und zog sich sofort wieder in die nächtlichen Schatten jenseits der Türe zurück.
Dann kam Katja herein. Die Tür wurde von außen geschlossen.
Nun waren sie beide allein.
Ihre Blicke fanden einander, und sie lächelte kurz. Das kleine Lächeln, mit den Grübchen, das er so sehr an ihr mochte.
Sie löste die Bindung ihres Nemaki.
Er sah sie an. Wie schön sie doch war!
Sie stieg die Stufen ins Becken hinab, ließ sich vom heißen Wasser umschließen und legte ihre weißen Arme um seinen Nacken. Ihr Körper schmiegte sich eng an den seinen, während sie in seinen Augen nach etwas suchte, das sie beide nicht zu benennen wagten.
Er strich ihr eine nasse Strähne aus dem Gesicht – und spürte dabei, dass seine Hand nicht ganz ruhig war. Mit einem Kuss beantwortete er ihre unausgesprochene Frage.
Sie erwiderte den Kuss, sofort, ohne Vorbehalt, und schlang ihre Beine um seine Hüften. Das Wasser schwappte über den Rand.
Alles war so, wie es immer zwischen ihnen gewesen war - und doch anders.
Nicht kälter.
Nicht fremder.
Nur anders.
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