Erotische Geschichten

Bitte melden Sie sich an

Das Angebot

3,3 von 5 Sternen
Der ICE rauschte ruhig durch die Nacht.
Inka hatte ihre Füße auf die gegenüberliegenden Sitze des Abteils gelegt und blätterte gemächlich in einer Zeitschrift. Schwach frequentierte Züge boten Vorteile. Heute schien besonders wenig los zu sein. Auch die Fahrkartenkontrolle war schon vorüber. Die verbleibenden 2 Stunden bis zur Ankunft versprachen also vollkommene Behaglichkeit.

Fast erschrocken zuckte Inka zusammen, als plötzlich die Abteiltüre aufgezogen wurde. Es gab so viele leere Sitze, ja ganze menschenleere Waggons. Warum wollte dieser eigenartig gekleidete Herr ausgerechnet hier herein? Wie sah der denn aus? Inka hatte schon jahrelang keinen Mann mit schwarzem Zylinder mehr gesehen – höchstens auf Karnevalsveranstaltungen. Fast noch kurioser erschien Inka der knöchellange Ledermantel, dessen hochgestellter Kragen das markante Kinn seines Gesichtes verdeckte. Das junge Gesicht mit den ausdrucksstarken Augen und den über den Schläfen leicht nach hinten gekämmten Haaren trug Züge eines jugendlichen Zirkusmagiers.

Reflexartig zog Inka ihre Füße vom Sitz.
„Lassen Sie die Füße ruhig oben, Fräulein Bergmaier!“
Inka war überaus irritiert: „Kennen wir uns?“ Und überhaupt: Wer redete sie da mit ‚Fräulein‘ an?
„Auf gar keinen Fall!“ Der seltsame Mann zog die Abteiltüre hinter sich zu. Irgendetwas an der gesamten Umgebung schien sich zu verändern, aber Inka begriff nicht, was es sein konnte.
„Aber Sie kennen meinen Namen?“
„Sie wurden im Jahr 1995 in Eschborn geboren und studieren im zweiten Semester Jura, denken aber darüber nach das Studienfach zu wechseln. Und die Beziehung, die Sie momentan führen ist zwar endlich mal was Ernstes, aber Sie sind nicht sicher, ob Andi Sie in jeder Hinsicht glücklich macht.“
„Hallo … Was soll das? Spionieren Sie mich aus? Wer sind Sie überhaupt?“
„Ich werde Ihnen ein Angebot machen.“
„Abgelehnt.“ Inka prüfte, ob das leicht überheblich grinsende Gesicht ihres Gegenübers eine Reaktion auf diese eindeutige Abfuhr zeigte.
„Es ist kein Frage Ihrer Zustimmung, ob Sie das Angebot erhalten. Anschließend können Sie es dann natürlich ablehnen.“
„Also hören Sie mal. Was ich mir anbieten lassen muss, entscheide ich selber. Ich studiere Jura.“
„Ich weiß. Ich möchte Sie nicht verärgern. Sie gestatten, dass ich das Angebot kurz vorbereite!“ Wie von Zauberhand zog der Mann mit dem zauberhaften Gesicht eine Art Notebook aus seinem Ledermantel und tippte mit flinken Fingern darauf herum.
Inka konnte es überhaupt nicht ausstehen, wenn ihr Wille einfach übergangen wurde. Sie stand auf: „Ich muss da ja wohl nicht dabei sein!“. Schwunghaft zog sie an der Abteiltüre, die sich keinen Millimeter von der Stelle bewegte.
„Machen Sie diese Türe auf!“
„Liebe Inka Bergmaier, vielleicht beruhigen Sie sich einfach wieder.“
„Ich lasse mich nicht einsperren!“ Als Inka sah, dass sich der Mann mit leichtem Kopfschütteln weiter seinem elektronischen Spielzeug widmete, klopfte sie gegen die Türe: „Hallo!“
„In Zeitlöchern gibt es weder gewöhnliche Gegenstände, die sich bewegen noch außerhalb befindliche Menschen, die in das Innere des Zeitlochs vordringen könnten.“
Inka verstand kein Wort. Warum musste sich so ein verwirrter Geist ausgerechnet zu ihr ins Abtei verirren? Hoffentlich war dieser Typ nicht komplett durchgeknallt und gewalttätig …
„Wie haben Sie diese Türe überhaupt verriegelt?“
„Ich verriegele keine Türen. Wie ich schon sagte, in einem Zeitloch lässt sich nichts bewegen – von den Personen und Gegenständen abgesehen, die zur inneren Ausstattung der handelnden Subjekte gehört.“
Inka blickte auf das kleine Fenstertischchen, auf dem ihr Handy lag: „Gut, dann lassen Sie sich nicht stören. Ich telefoniere mal so lange bis Sie mit ihrem Werbeblock fertig sind.“ Inka ergriff das Handy, aber es löste sich nicht vom Tisch. Starr, wie mit einer Zentnerlast angeklebt, ruhte es auf dem Tisch.
„Zeitloch“ lautete der trockene Kurzkommentar des Ledermantelträgers. „Wenn Sie aus dem Fenster sehen, werden Sie feststellen, dass sich der ICE nicht bewegt.“
Da die Fenster nur das beleuchtete Abteilinnere widerspiegelten, legte Inka die Hände zwischen die Scheiben und ihr Gesicht, so dass sie nach draußen sehen konnte. Tatsächlich: Keine Landschaft rauschte vorbei. Alle Lichter ringsum verharrten felsenfest, wie angegossen, an ihren scheinbar ewigen und unveränderbaren Plätzen.
„Das … das … was ist das?“
„Ein Zeitloch! Kein Grund zur Besorgnis.“ Eine Gebetsmühle hätte mehr Regung gezeigt. Gleichwohl leuchteten die Augen des Zylindermannes nun auf: „So!“
In der Mitte des Abteils bildete sich ein pinkfarbener Punkt und vergrößerte sich zu einer Kugel, dann zu einem Oval, richtete sich dann kegelförmig senkrecht menschenhoch auf und rotierte zeitlupenartig um die eigene vertikale Achse. Es war, als ob eine dreidimensionale elektronische Figur im Raum schwebte.
Der Mann sah, dass Inka zitterte: „Bitte entschuldigen Sie. Ich hatte Ihre Ängstlichkeit und auch den Grad Ihrer Empörung unterschätzt.“
Inka war sprachlos. Mit offenem Mund setzte sie sich und starrte auf das rotierende Ding in der Abteilmitte.
„Mein Angebot betrifft Ihre persönlichen erotischen Vorlieben. Genauer gesagt geht es darum, einen Mann zu formen, der haargenau ihren intimsten sexuellen Wünschen, Vorstellungen und Träumen entspricht.“
„Sie sind aber gar nicht mein Typ!“ stammelte Inka mit regungsloser Stimme und hypnotischem Blick.
„Selbstverständlich nicht. Es geht um den da!“ Der Magier im Ledermantel, der offensichtlich die Zeit ringsum angehalten hatte, zeigte auf den rotierenden rosa Kegel.
„Äh, sind Sie irgendwie pervers oder so?“ Inka versuchte erneut vergeblich ihr Handy vom Tisch zu lösen.
„Es geht um Ihr erfülltes Sexualleben. Nicht um meins.“
„Ich verzichte!“
„Ach so. Ja dann. …“ Einige Fingerbewegungen auf seinem Notebook sorgten dafür, dass der rosa Kegel sich langsam wieder zu einer Kugel verdichtete und schließlich verschwand.
Die Materie des Notebooks löste sich scheinbar im Leder der Mantels auf. Der Mann erhob sich und ging auf die Abteiltüre zu: „Sie werden sich jetzt gleich an dieses Zeitloch nicht erinnern können, denn es dauert nicht einmal den Bruchteil einer Millisekunde. Und Sie werden ihrem Traummann nie begegnen, denn natürlich respektieren wir Ihren Verzicht!“
„‘Wir‘? Also … das träum ich doch alles nur …“ Inka krallte sich an ihrem bewegungslosen Handy fest und starrte noch einmal aus dem Fenster.
„Nun, wenn dem so wäre, dann hätten Sie nichts zu verlieren gehabt. Nicht einmal Zeit. Nun allerdings verlieren Sie das komplette Angebot. Auf Wiedersehen … obwohl, nein Wiedersehen ist ganz und gar ausgeschlossen. Aber sie kommen für den Rest Ihres Lebens bestimmt auch mit sexuellem Mittelmaß und ohne Traummänner klar.“ Er ergriff die Abteiltüre. Für einen kurzen Moment gelang es Inka, klare Gedanken zu fassen. Es stimmte: Was hatte sie denn zu verlieren, wenn sie diesen abstrusen Traum, in dem sie sich offensichtlich befand, noch ein wenig weiter träumte.
„Äh, momentmal, kann ich es mir nochmal anders überlegen?“
„Selbstverständlich! Es ist ja keine Zeit vergangen.“ Der Mann wendete sich um und sah Inka freundlich an. Vorsichtig lächelte Inka zurück. Sie versuchte ihre Gedanken zu ordnen. Konnte ein Traum sich so realistisch anfühlen? Konnte man sich zwicken, Schmerz dabei fühlen, nicht aufwachen und trotzdem der Meinung sein, dass dies alles nur ein Traum sein konnte?
Inka sah dem geheimnisvollen Magier dabei zu, wie er sein „Notebook“ wieder in Betrieb nahm. Die pinkfarbene Rotationsfigur schwebte schon wenig später wieder im Abteil. Nun überreichte der Mann Inka einen dünnen Metallreif: „Ziehen sie das bitte über ihren Unterarm!“
„Was ist das?“
„Wir nennen es Traumanator.“
Schon wieder hatte der Fremde das Wort ‚Wir‘ verwendet. Inka rätselte, wer sich wohl hinter dieser Personenmehrzahl verbergen könnte. Aber mehr noch beäugte sie kritisch ihren Unterarm, den nun der Metallreif umgab.
„Es ist egal, woran Sie denken, aber es geht schneller, wenn sie sich vorstellen, wie ihr Traummann aussehen könnte.“
„Hmmm, das Aussehen …“
„…ist nicht das Wichtigste, ich weiß! Aber dies hier ist keine Partnersuche. Ihr Unterbewusstsein wird uns ohnehin gleich verraten, welchem Typ von Mann es sich hingeben möchte – ob sie wollen oder nicht. Es hilft einfach nur ein bißchen bei der Geschwindigkeit, wenn Sie sich selbst auch bewusst einzugestehen versuchen, um was für einen Typ Mann es sich dabei handeln könnte. Wobei … um ehrlich zu sein … Die meisten Menschen versuchen ihr eigenes Bewusstsein so stark zu kontrollieren, dass sie selber überrascht sind, wem sich ihr Unterbewusstsein hemmungslos hingeben möchte.
„Also hemmungslos hingeben will ich mich ja vielleicht gar nicht.“
Die rotierende pinkfarbene Kegelfigur begann ihre Form und Farbe zu ändern. Wie von Zauberhand geführt, nahm sie mehr und mehr menschliche Gestalt an. Inka starrte gebannt auf dieses Schauspiel, denn die elektronischen Wolke war schon nach kurzer Zeit nicht von einem echten Wesen aus Fleisch und Blut zu unterscheiden. Doch es bildete sich nicht rasch eine klar erkennbare Person. Vielmehr wandelte sich Größe und Statur fortlaufend. Die Haarfarbe ging von schwarz über rotbraun in blond über, um sich dann erneut zu verdunkeln. Auch die Augen verfärbten sich. Kinn, Nasenflügel, Stirne, Wangen und Augenbrauen änderten ebenso beständig ihre Form wie Schultern, Brustkorb, Po und Beine. Und sogar der Kleidungsstil war permanent in Wandlung begriffen. Am erstaunlichsten aber fand Inka, dass sich nun fünf recht verschiedene Typen herausbildeten, die immer abwechselnd zu sehen waren. Inka fand jeden einzelnen davon spontan extrem attraktiv. Das lag nicht zuletzt auch daran, dass die Blicke dieser künstlichen Männer Inka genauso trafen, wie sie eben gerne angeschaut wurde, wenn ihr ein Mann ebenfalls gefiel. Selbst diese Blicke fielen aber von Typ zu Typ ganz unterschiedlich aus. Als Inka empfand, dass sie einen der fünf Typen auch durchaus widerstehen könnte, wurde dieser sofort aus der Sequenz gelöscht. Es blieben vier übrig. Inka hätte sich nie bewusst für einen davon entscheiden können. Aber sie stellte fest, dass sie gleichwohl drei der Männer mit etwas größerer Neugier betrachtete. Und kurz darauf wechselten auch nur noch diese drei Traumgestalten einander ab. Sie waren unglaublich verschieden.
„Mein Display zeigt an, dass Du ihnen die Namen Tim, Sören und Juan gibst.“
„Ja, logisch!“ flüsterte Inka und hatte das Gefühl, dass die drei gestalten mit jedem weiteren Hinsehen immer perfekter dem entsprachen, was ihren Hormonhaushalt zum Kochen brachte.
„Offensichtlich ist keiner der 3 eindeutig die Nummer 1. Jeder hat etwas anderes, stimmt’s?“
„Aber das sind ja nur Bilder. Hirngespinste.“
Tim setzte sich neben sie und lächelte Inka an. Die Tiefe seiner blauen Augen und die Weichheit seiner markanten Gesichtszüge wirkten unendlich vertraut auf die attraktive Jurastudentin.
„Ich habe mich so nach Dir gesehnt!“ flüsterte Tim.
Inka verlor sich vollständig im Blick dieser perfekten, irgendwo tief in ihrer Seele tiefste Wärme und Sehnsucht auslösenden Augen.
„Da bist Du ja endlich!“ flüsterte sie, ohne den geringsten Gedanken auf den Sinn ihrer Worte lenken zu können oder zu wollen, denn alles in ihr sagte ihr, dass wahr war, was sie sprach.
Tim küsste Inka so, wie sie sich schon immer einen Kuss erträumt hatte. Sie streifte mit ihren Fingern über seine Wange und hielt dann seinen Kopf mit beiden Händen fest, während sie in Küssen mit ihm verschmolz. Irgendetwas in ihr wünschte sich, dass seine Hände sich nun zielgerichteter mit den Sensoren ihrer Haut beschäftigte sollten In diesem Moment spürte sie, dass das Gesicht, das sie in Händen hielt, seine Form verändert hatte. Sofort spürte Inka, dass kein Mann auf der Welt so die Wünsche ihrer Haut ertasten konnte, wie Sören, den sie nun weiter innig küsste. Ihre Hände glitten an seinem Hals hinunter und verlangten nach festen und doch weichen, breiteren Schultern, so wie sie Juan auf eigenartig perfekte Weise besaß. Inka spürte den Wunsch, die Haut seiner starken Brust zu spüren und begann sein Hemd zu öffnen. Und erneut war es nun Sören, dessen Finger das Spiel, das sie eröffnet hatte, an ihrer Bluse erwiderte. Die Art, wie Tim sie küsste, Sören sie mit Fingerspitzengefühl verführte und Juan sich anfühlte war überwältigend.
„Interessant. Dein Unterbewusstsein will nicht, dass aus den drei Männern ein Mann wird, der die jeweils idealen Eigenschaften in sich vereint. Offensichtlich fällt es Dir schwer, Dich auf einen Mann festzulegen.“
Inka hörte nicht zu. Dieser einzigartig traumhafte Rausch konnte und sollte von keinem Gedanken der Welt gestört werden. Sie ließ sich küssen, streicheln und verwöhnen. Die Finger und Lippen ihrer drei Traummänner öffneten und striffen abwechselnd ihre Kleidungsstücke vom Körper. Inka gab sich hin. Sie beachtete nicht, dass der Magier nun sein Notebook aufmerksam studierte und dann weitere Programmierbefehle eingab. Inkas Armreif blinkte auf. Kurz darauf begannen Sören, Tim und Juan sich zwischen ihren Fingern in Luft aufzulösen und in einen rosa Kegel zurück zu verwandeln, von der bald nur noch eine Kugel, kurz danach ein Punkt und schließlich nichts mehr übrig war. Aber es machte Inka nichts aus, denn tief in ihrem Unterbewusstsein hatte sich soeben etwas verändert. Mit geöffneter Bluse und auf Kniehöhe herabgelassener Hose strahlte sie den magischen Zeitprogrammierer an, der sein Notebook wieder wie von Geisterhand verschwinden ließ: „Wir kennen uns doch …“
„Ja, ich bin der Mann Deiner Träume. Du wirst in einer halben Stunde mit mir gemeinsam diesen Zug verlassen. Möchtest Du?“
„Natürlich!“
„Möchtest Du mich begleiten und die Erfüllung all Deiner Wünsche darin sehen, alles tun, was ich will?“
„Auf jeden Fall!“
„Gut, dann ziehen wir Dich jetzt wieder an und verlassen dann unser Zeitloch.“

Fortsetzung folgt.


  • Geschrieben von Echt_nett
  • Veröffentlicht am 14.10.2013
  • Gelesen: 11562 mal

Kommentare

  • CS26.03.2015 22:11

    Exotisch aber richtig originell!! Weshalb es dafür keine Punkte gab???
    Ich mach mal mit zwei auf die Story aufmerksam!

Schreiben Sie einen Kommentar

0.168