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LL07: Von der Virtualität verführt

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Von der Virtualität verführt

Vor einigen Monaten war das noch alles absolutes Neuland für ihn. Da hatte er sich endlich ein Herz gefasst und sich – wenn auch noch mit ein paar Skrupeln – bei einer dieser unzählig vielen Kontaktbörsen, die es im Internet gibt, angemeldet. Seine Neugier war halt größer als jene tugendhafte Erziehung, welche er einmal vor etlichen Jahren in seiner frühen Jungend genossen hatte. Keine Frage, dass sie für ihn gut gewesen war, denn so wurde aus ihm nicht nur ein stattlicher, sondern zudem auch ein erfolgreicher Mann. Er hatte viel in seine Ausbildung investiert und dabei jegliche Unterstützung erhalten, die dazu vonnöten war. In all den Jahren war er seinem Ziel bis hin zu dieser beruflichen Karriere, die ihm große Anerkennung bescherte, unbeirrt gefolgt. Es hatte ihm Spaß gemacht und viel Freude bereitet. Doch jetzt war da bereits seit einiger Zeit die Befürchtung, etwas im Leben verpasst haben zu können.
Eigentlich fehlte es ihm an nichts. Er hatte außerhalb von Liebesleben eine sichere sowie herausfordernde Stelle in leitender Funktion. Finanziell war er unabhängig und in der Lage, sich fast jeden Wunsch zu erfüllen, den er hatte. Tatsächlich führte er aber ein eher bescheidenes Leben, was vermutlich nicht zuletzt auch auf seine Erziehung zurückzuführen war. Nun fand er, dass er schon ein bisschen in die Jahre gekommen war und es eine Lücke in seinem Leben gab, die es zu schließen galt. Unvermittelt und ohne Vorankündigung war ihm mit einem Mal eins klar geworden: Es gab keine Frau in seinem Leben.
Dies sollte sich nun endlich ändern. Deswegen hatte er sich – wie an den letzten Freitagen zuvor auch schon – nach getaner Arbeit wieder mal an seinen Computer gesetzt, um auf den diversen Profilen dieser Kontaktbörse nach ihr zu suchen. Dabei ging es ihm nicht darum, die Frau fürs Leben zu finden. Vielmehr suchte er nach einer Gespielin, welche ihn spüren ließ, dass er ein interessanter Mann war, der für eine Frau attraktiv und begehrenswert schien. So surfte er völlig gedankenverloren durchs Internet. Und flog er eben noch von seiner Fantasie getrieben durch diese virtuelle Welt, landete er im nächsten Moment – und zwar auf ihrem Profil. Hatte ihn da etwa die Realität eingeholt? Mochte schon sein, doch dann nur, um ihn nun in noch höhere Sphären fliegen zu lassen. Es war ihr zwar kurzer, aber dafür umso klarer formulierter Profiltext, der seiner Fantasie neue Flügel verlieh.
Denn sie war die Frau, die keine Beziehung suchte, sondern Lust und Spaß für zwischendurch wollte. Sie war die Frau, die gern einmal aus dem Alltag und der Routine ausbrach, die genau wusste, was sie wollte: nämlich eine intime Zusammenkunft zwischen ihr und ihm. Es sollte ganz einfach und ohne jegliche Verpflichtungen zugehen – insbesondere jedoch frei von Vorwürfen. Sie hatte eine Vorliebe für inszenierten Sex. Hierbei ließ sie sich bereitwillig auf Rollenspiele ein, welche ihr die Möglichkeit eröffneten, sich ganz vertrauensvoll in seine Hände zu begeben. Ihr Anspruch allerdings war hoch, denn sollte er sie von einem Höhepunkt zum nächsten bringen.
Und er war der Mann, dem genau dies alles überaus gut gefiel. Er war nur zu gern der Mann, der ihren Körper langsam und sanft entkleiden, ihn mit seinen geschickten Händen streicheln und liebkosen, ihn mit seinen Lippen küssen und verführen, ihn mit seiner Zunge kosten und reizen wollte. Wie sehr sehnte er sich danach, seine gefühlvollen Hände zärtlich und liebevoll durch ihr langes Haar gleiten zu lassen. Dabei würde er lange in ihre verträumten Augen blicken und darin versinken. Tief in sich spürte er dieses heftige Verlangen, ihre Lippen mit den seinen zu berühren, um mit ihr in einem lang anhaltenden und innigen Kuss zu versinken. Es dürstete ihn nach ihrer weichen, warmen Haut, die er mit seinen Händen spüren wollte.
Und sie war eben genau die Frau, die Gefallen daran hatte, wenn seine warmen Hände ihre runden, lieblichen Brüste umspielten. Sie konnte es kaum erwarten, dass seine geduldigen Finger ihre Brüste an den empfindlichen Erhebungen zart streichelten. Diese würden sich sogar noch mehr erheben, umschlösse er sie mit seinem warmen Mund, um sie mit seiner gefühlvollen und agilen Zunge zu liebkosen.
Oder sollte sie seine Zunge viel lieber an ganz anderer Stelle spüren wollen? Etwa viel tiefer? Sollte seine Zunge ihr kunstvolles Werk nicht doch lieber dort zwischen ihren Schenkeln ausüben? Hier könnte sie dann unablässig diese kleine, aber stark erregte Lustperle liebkosen. Von Zeit zu Zeit würden seine Lippen diese sanft umschließen, um sachte daran zu saugen. Doch Gnade dürfte sie weder von seinen Lippen noch seiner Zunge erwarten. Ein Abbruch wäre – einmal mit diesem Spiel begonnen – undenkbar. Denn viel zu gern verrichteten beide ihr Werk. Sie bestünden vielmehr auf gerechte Entlohnung und wären erst dann wirklich zufrieden, wenn ihr bis zur äußersten Spannung erregter Körper sich aufbäumte und so verharrte, um nach einer Weile der Berauschtheit völlig entspannt als auch überglücklich und zufrieden auf das Bett zurückzusinken.
Doch genau in diesem Augenblick seines erhitzten Gedankenganges riss die Verbindung aufgrund von Wartungsarbeiten jäh ab. Erst am nächsten Tag konnte er sich wieder erfolgreich einloggen. Aber da gab es ihr Profil bereits nicht mehr. – Aus der Traum!
  • Geschrieben von Silberstrahl
  • Veröffentlicht am 01.09.2021
  • Gelesen: 3176 mal

Anmerkungen vom Autor

Aus: Buntes Erotikon – Intimes aus Liebesleben

© 2015 – 2021 SILVER RAY

Kommentare

  • CS08.08.2021 00:22

    Ein bißchen kann ich dem Autor gefühlsmäßig folgen.7/1981
    zog ich auf 18qm bei meiner Lieblingstante ein. Die In-Spe-EX wollte mein Geld. Mit einstweiligen Verfügungen sofort.
    Die Postbotin sah mich schon mitleidig an, wenn sie mir die Amtsbriefe zur Gegenunterschrift überreichte......

    Ich hatte keine Ahnung, was ich überhaupt suchen sollte!
    Auf eine nette Anzeige aus Husum traf ich mich mit einer netten (grün/alternativen/Batikerin) Lehrerin. Ich stellte mich voll auf sie ein( Frage-Technik!!!!!). Schönes Essen, interessanter Abend. Null Alkohol für mich, 50 km Rückfahrt um Mitternacht..Nein, Es funkte nicht!

    Am nächsten Morgen betraschten die Lehrerzimmer-Weiber
    ihre Wochenend-Abenteur

    ....als ich meine Geschichte der NEUEN kurz danach erzählte, brach sie in schallendes Gelächter aus.
    Sie gehörte mit zum Lehrerzimmer und kannte die Geschichte frisch. Nächstes Jahr 40 Jahre zusammen!

  • Silberstrahl08.08.2021 19:19

    Bitte nicht Autor und Protagonist verwechseln! Das ist nicht ein und dasselbe!

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