Erotische Geschichten

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LL04: Ein Satz in Sachen »Erotik«

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Ein Satz in Sachen »Erotik«

„Mit dem lieblichen Appetit ist es wie mit dem leiblichen Hunger. Entweder man ist eher der Gourmet oder doch mehr der Gourmand. – Stimmt’s oder was meinst du dazu?“
Irritiert schaute der Redakteur des Gemeindeanzeigers für Liebesleben von seiner Arbeit auf und blickte fragend zu seiner Kollegin hinüber. Wie um alles in der Welt kam sie jetzt nur darauf? Noch auf der Suche nach einer passenden Erklärung, sah er mit einem gewissen Unbehagen, wie sich auf ihrem Gesicht allmählich ein fast unmerkliches Grinsen ausbreitete. Flugs sammelte er seine Gedanken, denn wollte er sich nur ungern die Blöße geben und ihr diesen triumphalen Genuss gönnen, ihn derart unvorbereitet aus der Bahn geworfen zu haben.
Währenddessen kämpfte sie innerlich mit viel Mühe gegen das erhabene Gefühl an, ihn doch einmal auf dem linken Fuß erwischt haben zu können. Den Anflug eines Grinsens konnte sie sich dann aber doch nicht so ganz verkneifen. Hatte sie anfangs noch ein wenig Hoffnung, er könnte tatsächlich einmal sprachlos bleiben, sah sie nun, wie er mit einem leichten Leuchten in den Augen zu einer Antwort ansetzte.
„Genießen zu können, ist sowohl eine Kunst als auch eine edle Gabe, die es demjenigen, der sie hat, ermöglicht, die eigenen Verführungskünste gleich doppelt genießen zu können.“
Nun war sie es, die irritiert dreinschaute. Wie meinte er das denn jetzt bloß wieder? Schwer in Gedanken versunken grübelte sie, was sie damit anfangen sollte. Doch bevor sie auch nur ansatzweise zu einem Schluss kam, machte er sich wie üblich einen Spaß daraus, sie über die Bedeutung seiner Worte aufzuklären.
„Nun, auf der einen Seite ist es ein Genuss, jemanden nach Strich und Faden zu verwöhnen. Auf der anderen Seite ist es aber auch ein ganz besonderer Genuss, wenn man erleben darf, wie dieser jemand die eigenen Verführungskünste genießt.“
Ohne weitere Überlegungen verstand sie sofort, was er meinte. Und aus eigener Erfahrung konnte sie ihm da nur zustimmen. Sie genoss ihre Gefühle und Stimmungen immer, wenn sie ihn beim gemeinsamen Liebesspiel verwöhnte. Dabei zu erleben, wie er aufgrund ihrer mal mehr, mal weniger zärtlichen Stimulationen dahinschmolz, war ein zusätzlicher und ganz eigener Genuss. Für sie ergaben sich da durchaus gewisse Parallelen zu einem ausgeklügelten Kochrezept, was sie dann auch klar zum Ausdruck brachte.
„Also für mich liegt das Geheimnis der »Haute Cuisine« der Erotik in der nur schwer definierbaren Prise an lustbringenden und luststeigernden Dingen, die man einbringt. Wer dabei zur rechten Zeit genau richtig dosiert, vermag es, die Gefühle im beiderseitigen Einklang wirklich zum Brodeln zu bringen.“
Zufrieden lehnte sie sich zurück und betrachtete sehr aufmerksam seine Gesichtszüge sowie auch seine Augen. Nach einer Weile des gemeinsamen Schweigens fügte sie an: „Was ist für dich Erotik? Kannst du das in einem Satz sagen?“
Verblüfft schaute er vor sich her und grübelte. Sie konnte ihm genau ansehen, wie es in ihm arbeitete. Ein komplexes Räderwerk musste da im Gange sein und die möglichsten und unmöglichsten Gedanken hervorbringen. Letztlich meinte er dann: „In einem Satz? Okay! Also, ein wahrer Verführungskünstler ist ein geübter »Maître de Cuisine«, der recht gut weiß, wie lange er seinen sich nach Lust verzehrenden Partner schmoren lassen muss, um dann, wenn er gar ist, dessen Gefühlswelt beim anschließend äußerst gefühlvollen Dünsten mit reichlich viel Geduld ganz langsam, aber sicher zum Kochen zu bringen, damit seine Berauschtheit genau im richtigen Moment auf das Reizvollste überläuft und sich in einer lukullischen Sinnlichkeit bis hinein in den letzten Winkel seines nach Befriedigung hungernden Körpers ergießt.“
Und ganz genau diesen Satz bekamen die Leserinnen und Leser des Gemeindeanzeigers für Liebesleben am Folgetag so wortwörtlich nicht zu lesen. Dort stand es dann doch um einiges schlichter niedergeschrieben, was vielleicht daran lag, dass beide den Satz wieder vergaßen. Denn statt diesen zu notieren, setzte sie sich kopfschüttelnd auf seinen Schoß, in dem sie mit flinken Fingern fand, was sich in ihrem Schoß einfach nur gut anfühlte und beide in der Folge die Welt um sich herum vergessen ließ.

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Gemeindeanzeiger für Liebesleben
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Was ist eigentlich Erotik?

Mit dem Begriff Erotik, der aus dem Altgriechischen stammt und seinen Weg
einst über das Französische in die deutsche Sprache fand, ist gemeinhin die
sinnliche Liebe gemeint – also jenes zärtliche Liebes- und Geschlechtsleben
zwischen zwei oder aber auch mehreren sich liebenden und verehrenden
Menschen, wie es oftmals in einer Dichtkunst mit wollüstigen Inhalten
beschrieben wird. Im Wandel der Zeit bezog sich der Begriff dann irgendwann
auf alles, was mit der körperlichen Liebe zu tun hat. Somit ist nicht nur die
Nacktheit des menschlichen Körpers ein erotisches Merkmal. Dies können
gleichermaßen Körperhaltungen sowie Handlungen von Menschen oder deren
Abbilder, die Mimik und Gestik einer Person, die Melodie und Färbung der
Sprache als auch Kleidungsstücke und Gegenstände sein.

Ihr freundliches Redaktionsteam

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  • Geschrieben von Silberstrahl
  • Veröffentlicht am 01.09.2021
  • Gelesen: 477 mal

Anmerkungen vom Autor

Aus: Buntes Erotikon – Intimes aus Liebesleben

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