Erotische Geschichten

Bitte melden Sie sich an

LL01: Intimes aus Liebesleben (Intro)

4 von 5 Sternen
Schein und Sein – ein Prolog

Ein recht herzliches Willkommen in Liebesleben, sehr verehrte Leserinnen und Leser. Ich darf Sie bitten, Ihren Atlas gleich wieder beiseitezulegen, denn wird sich Ihre Mühe nicht bezahlt machen. Sicher werden Sie zahlreiche Orte darin finden, die einen ähnlich lautenden Namen haben. Doch die ländliche Region, aus der hier in der Reihe »Intimes aus Liebesleben« erzählt und berichtet werden soll, werden Sie in Ihrem Kartenwerk vergebens suchen. Die Ursache dafür ist so einfach wie unspektakulär: Dieses Fleckchen Erde gibt es in Wahrheit gar nicht!
Aber ich bitte Sie! Das ist absolut kein Grund, jetzt enttäuscht zu sein. Nur weil es diesen Ort in Wirklichkeit, also in der realen Welt, nicht gibt, schließt das nicht zwangsläufig aus, dass er in einer völlig anderen Welt sehr wohl existent ist. Und nun meine lieben Leserinnen und Leser: Aufgepasst!
Jetzt wird es nämlich gleichermaßen ein bisschen paradox als auch interessant. Wenn dieser Ort auch am ehesten dem Reich der Fantasie zuzuordnen ist, könnte er aber letztlich überall und nirgendwo sein. Denn was in eben dieser Welt passiert, ist absolut nichts Außergewöhnliches. Vielmehr entspringen die Erzählungen und Berichte, um welche es im Folgenden geht, thematisch und inhaltlich dem alltäglichen Leben, was die kleinen Geschichten dieser Serie wiederum realistisch erscheinen lässt und – so die Hoffnung – auch liebenswert macht.
Zwar haben die einzelnen Begebenheiten nicht unbedingt immer etwas miteinander zu tun, doch was sie verbindet, ist das erotisch humorvolle Element. Zudem macht der kleine Zyklus vielleicht auch deutlich, wie eng Fantasie und Realität ineinander verwoben sind.
Was die imaginäre Gemeinde Liebesleben betrifft, so sind die Menschen hier alles andere als prüde. Nein, ganz im Gegenteil. Vielmehr pflegen sie einen wirklich offenen und natürlichen Umgang miteinander. Ob ihre offenherzige Selbstverständlichkeit in allen Belangen rund um den schönsten Zeitvertreib der Welt damit zu tun hat, dass man in Liebesleben wie eh und je sehr naturverbunden ist? Nun, man weiß es nicht. Möglicherweise hängt es ja auch – nomen est omen – mit dem Ortsnamen zusammen. Doch das alles ist reine Spekulation und tut im Grunde genommen auch nicht wirklich etwas zur Sache.
Worauf es bei den erotisch humorvollen Geschichten und Geschichtchen mitten aus der lustvollen Gemeinde Liebesleben, die ja zugegebenermaßen mehr Schein als Sein ist, hingegen ankommt, ist die Art und Weise, wie die Erotik ausgelebt wird. Diese sollte nämlich stets auf der Basis von Feinfühligkeit, Ausdauer, Geduld, Langsamkeit sowie Rücksichtnahme stattfinden. Zudem beginnt Erotik nicht erst in jenem Moment, da die Hüllen fallen. Sie fängt schon viel früher an und endet ebenso wenig damit, dass der entblößte Zustand schlussendlich erneut verhüllt wird. Dennoch zielen zumeist all ihre Bemühungen auf diesen einen Augenblick des innigen Beisammenseins hin, der – wenn er richtig vorbereitet und ausgelebt wird – zu höchster Glückseligkeit beider Beteiligten führt.
Hier in der Serie »Intimes aus Liebesleben« wird das Ganze noch mit einem guten Schuss Humor angerichtet und kredenzt. Dazu soll als kleines Beispiel vorab jene Märznacht dienen, in der sich der Gemeindebürgermeister von Liebesleben und seine Gattin, also niemand Geringeres als Leander und Lucy Heitermann (von denen noch zu einem späteren Zeitpunkt zu berichten sein wird), zusammen im Bett vergnügten. Da verwöhnte Lucy gerade erfolgreich die stolze Pracht ihres Mannes, als sie ihn plötzlich verschmitzt ansah und unvermittelt meinte: „Übrigens darfst du mich bei unserem Liebesspiel ruhig wie eine Königin ehren und hofieren. Schließlich bin ich dann ja diejenige von uns beiden, die das Zepter in der Hand hält.“
____________________________________________________________

Amuse-Gueule à la Liebesleben

Eine bunte Auswahl an diversen Appetithäppchen in Versform, welche – angemacht mit teils eindeutiger, teils zweideutiger Anzüglichkeit – auf leicht humorvolle Art und Weise nicht unbedingt als Gaumenkitzler gedacht sind, sondern in der einen oder anderen Form anregend sein sollen. – »Et maintenant, mesdames et messieurs! Bon appétit!«

* * * * * *

Letzte Nacht kam er spät nach Haus
und fand dabei die Wahrheit raus:
Längst konnt‘ sie fürs Verlustieren
einen andern rekrutieren.

Verdrossen stand sie am Tatort
und bat ihren Mann auf ein Wort:
„Ich bin dir nicht mehr länger treu,
denn riechst du ständig nach Gebräu!“

* * * * * *

Da liegst du nun wie angespült.
Dein nasses Haar ist ganz zerwühlt.
Sacht‘ rücke ich an dich heran,
denn du ziehst mich in deinen Bann.

Wie der Schleier einer Braut
liegt lockend Salz auf deiner Haut.
Begierig ***** ich dich leer
wie die Sonne das seichte Meer.

* * * * * *

Wenn erst des Winters Kälte kommt
und dein Verschluss mal wieder klemmt,
träum‘ ich von jener Jahreszeit,
die mich erneut vom Durst befreit.

Ach, wie das doch herrlich prickelt
und sich dadurch Lust entwickelt,
wenn ich dürstend an dir nasche,
meine süße Limo-Flasche.

* * * * * *

Erst bett‘ ich dich ganz sanft zur Ruh‘,
dann streich‘ ich wie ein Samthandschuh
sehr zärtlich mit meinen Händen
über deine weichen Lenden.

Drauf wallen die Gefühle
bei unserm zarten Spiele
gleich einer schwebend‘ Schleppe
auf steiler Wendeltreppe.

* * * * * *

Wer will es schon gern erfahren
nach so vielen treuen Jahren?
Auch heute gilt wie schon immer:
Wissen macht es nur noch schlimmer.

Nicht anders ging es uns beiden
an jenem Tag so voll von Leiden.
Der Wahrheit war nicht mehr zu spotten,
denn der TÜV entschied: Verschrotten!

* * * * * *

Es geschah einst recht wunderbar
in jener Nacht zum neuen Jahr.
Da fanden wir zusammen
wie zwei lodernd‘ Flammen.

So wurde uns kein bisschen kühl
in unserm heißen Glücksgefühl.
Wir genossen die Herzlichkeit,
welche uns noch immer erfreut.

* * * * * *
____________________________________________________________

Die Lende – ein Gedicht

Mit dem Wonnemonat hielt der Frühling auch in Liebesleben regelmäßig seinen Einzug. Dann lockten die wohltuende Wärme und das stimulierende Licht der Sonne die Menschen überall in und rund um Liebesleben hinaus in die üppig gedeihende Natur. Fortan wurde jede freie Minute genutzt, um in den Parkanlagen, auf den Wiesen und im Wald zu lustwandeln. Doch blieb es nicht nur beim Flanieren, Picknicken oder Faulenzen in freier Natur. Zunehmend begannen Jung und Alt, miteinander zu schäkern und zu turteln.
Ja, der Monat der Liebe machte seinem Namen alle Ehre. Man musste gar nicht allzu wachen Auges unterwegs sein, um zärtlich miteinander umgehende Menschen zu entdecken. Allenthalben traf man sie hier oder da, wie sie sich unter freiem Himmel herzten, in trauter Zweisamkeit schmusten, zufrieden kuschelten, sich zärtlich streichelten und verliebt küssten.
Aber das war nur der Auftakt für mehr – für viel mehr. Im weiteren Verlauf des wonniglichen Monats wurde es dann allmählich immer freizügiger und anzüglicher. Mehr und mehr wurde der Stoff der Kleidung knapper und zudem auch weniger blickdicht. Während die Männer in ihren Shorts stramme Waden zur Schau stellten und das eine oder andere halb offene Hemd Muskulöses erahnen ließ, reizten die Damen mit strumpffreien Beinen, kurzen Röcken, luftigen Kleidchen, durchscheinenden Blusen oder einem eng anliegenden Shirt, bei dem schon mal eine vorwitzige Knospe verriet, dass darunter nichts weiter getragen wurde.
Aber auch in Liebesleben galt schon immer, dass nicht jeder den Freuden, die der Frühling so mit sich bringt, frönen kann. Wie es einst einem verliebten Jüngling aus Liebesleben erging, hat er in seinem kleinen Werk »Die Lende« für die Nachwelt festgehalten:

In des kühlen Baumes Schatten
träumt ein Jüngling vom Begatten.
Von großer Sehnsucht getrieben,
sein Mädchen noch mal zu lieben,
liegt er dort ziemlich verdrossen,
denn hat es ihn heut‘ verlassen.

Mit einem Mal ruft die Lende:
„Junger Mann, wann kommt die Wende?
Schon lange ist hier nichts mehr los!
Wo bleibt bloß der weibliche Schoß?
Verflucht noch eins! Nun mach mal hin,
gib meinem Dasein wieder Sinn!“

Wie er dann so lag unterm Baum,
schickte die Lende einen Traum.
Darin verwöhnte das Vollweib
lüstern und nackt seinen Leib.
Noch liegend auf dem Moose
ging die Chose drauf in die Hose.

In des kühlen Baumes Schatten
grämt den Jüngling das Begatten.
  • Geschrieben von Silberstrahl
  • Veröffentlicht am 01.09.2021
  • Gelesen: 8380 mal

Anmerkungen vom Autor

Aus: Buntes Erotikon – Intimes aus Liebesleben

© 2015 – 2021 SILVER RAY

Kommentare

  • Milf (nicht registriert) 16.06.2021 21:57

    Außergewöhnlich

  • Silberstrahl17.06.2021 22:00

    Nun ja, außergewöhnlich ist dann wohl doch ein bisschen übertrieben. Aber gewöhnlich sollte es in der Tat auch nicht sein. Für diese Seite dann wohl doch nicht so ganz das Richtige. Es war jedoch einen Versuch wert. Ist es ja eigentlich immer – oder?

  • Mettenstern17.06.2021 23:39

    Was ist richtig und was ist falsch ? Gibt es diesbezüglich ein Reglement , gerade in dieser Thematik , der lustvollen Erotik ?
    Gerade das Besondere , macht es für mich aus. Macht es interessant und lesenswert . Es ist fein geschrieben mit ansprechendem Vokabular . Für mich eine weitere, wundervolle Facette der Erotik .

  • Silberstrahl18.06.2021 00:45

    Lieben Dank für Deine Worte, Mettenstern. Tatsächlich mache ich da einen großen Unterschied zwischen einer erotischen Geschichte und einer Sexgeschichte. Letztere beschreibt den Akt oft sehr detailreich und zumeist auch wortgewaltig. Dadurch wird sie leicht zur Gratwanderung, die nur zu leicht ins Pornographische abgleitet.
    Bei der erotischen Geschichte geht es vordergründig nicht darum, die Triebhaftigkeit oder das körperliche Verlangen zu stillen. Sie sollte durch ihre Wortwahl vielmehr auf sinnliche Art und Weise die Gefühlswelt, den Geist, das Herz oder gar die Seele ansprechen und erreichen. Aber das ist gar nicht immer so leicht umzusetzen.

  • Mettenstern (nicht registriert) 18.06.2021 07:16

    Von Herzen gern . Ich kann nur für mich sprechen bzw in diesem Sinne schreiben.
    Ich stimme dir vollends zu ,dass der Weg äußerst schmal ist zwischen Erotik und Porno. Aber wie du es hier deutlich gemacht hast , durchaus begehbar.
    Sehr gelungen,eine feine Schmeichelei für Auge ,Geist und Seel'. LG

  • Silberstrahl 18.06.2021 21:15

    Nochmals vielen Dank für Deinen Zuspruch, liebe Mettenstern. Das mit der Schmeichelei mag der eine oder die andere auch anders sehen – zumindest aus der Sicht des Jünglings. Aber das ist durchaus so gewollt.

  • Mettenstern18.06.2021 21:29

    Sehr gern geschehen . Ich lese gern Deine Worte hier im Dialog, als auch in den Geschichten .

  • Silberstrahl18.06.2021 21:40

    Freut mich. Vielleicht kann ich Dich ja noch mit dem einen oder anderen Text erfreuen. Nach langer Pause, will ich es noch einmal mit ein paar überarbeiteten und neuen Texten versuchen.

  • Mettenstern18.06.2021 22:06

    Das geht mir ganz ähnlich . Die Überlegung noch ein paar Zeilen zu schreiben, ist sehr präsent. Mal schauen ,der Kuss der Muse ist sehr verlässlich .

  • Silberstrahl20.06.2021 08:55

    Na, dann bin ich mal gespannt, was noch kommt.

  • Mettenstern20.06.2021 09:30

    Nun , vielleicht gelingt es mir ,Deiner Spannung entgegen zu wirken. Ich werde mich sehr bemühen ;)

  • Silberstrahl20.06.2021 18:50

    In der Ruhe liegt die Kraft. Also nichts überstürzen. Sich in Geduld zu üben, ist übrigens ein nicht zu unterschätzendes Element der Erotik.

  • Mettenstern 20.06.2021 19:12

    Es ist ein essentieller als auch extentieller Urstoff des Lebens. In der Erotik ist Geduld das Elixier, um Selbige leben und lieben zu können.

  • Silberstrahl23.06.2021 20:50

    Klingt ganz nach einer Frau, die zu genießen versteht. Verführung pur!

  • Mettenstern23.06.2021 21:11

    Nun ist es an mir, diese Worte als Kompliment zu werten.
    Lieben Dank dafür :)

  • Silberstrahl01.07.2021 08:30

    Sehr gern.

  • aveleen27.08.2021 01:47

    Ich bin gerade auf der Suche nach deinem Liebesleben...
    vielleicht habe ich es ja sogar schon in mir gefunden...Lächelt
    Gerade die Zartheit und Transparenz deiner Geschichte
    sind ungewöhnlich und etwas ganz besonderes.. Ich freue
    mich schon auf mehr...

  • Silberstrahl27.08.2021 09:16

    Die lustvolle Gemeinde Liebesleben ist alles andere als eine kleine Region. Es würde mich daher nicht wundern, solltest Du einen Teil davon direkt in Dir selbst finden.
    In der Tat habe ich die kleine Reihe »Intimes aus Liebesleben« ganz absichtlich ab vom üblichen Mainstream geschrieben. Nicht unbedingt jedermanns Sache, aber doch eine Versuchung wert.
    Weitere Teile gibt es schon wie Du ja bereits festgestellt hast.
    Lieben Dank fürs Kommentieren, Bewerten und Favorisieren. :-)

Schreiben Sie einen Kommentar

0.113