Erotische Geschichten

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Die Lende

3,7 von 5 Sternen
Mit dem Wonnemonat Mai hielt der Frühling auch in Liebeshausen regelmäßig Einzug. Dann lockten überall die wohltuende Wärme und das stimulierende Licht der Sonne die Menschen hinaus in die üppig gedeihende Natur rund um und in Liebeshausen. Da wurde jede freie Minute genutzt, um in den Parkanlagen, auf den Wiesen und im Wald zu lustwandeln. Jedoch blieb es nicht nur beim Flanieren, Picknicken oder Faulenzen in freier Natur. Zunehmend begannen Jung und Alt, miteinander zu schäkern und zu turteln.
Ja, der Monat der Liebe machte seinem Namen alle Ehre. Man musste gar nicht allzu wachen Auges unterwegs sein, um zärtlich miteinander umgehende Menschen zu entdecken. Allenthalben traf man sie hier oder da, wie sie sich unter freiem Himmel herzten, in trauter Zweisamkeit schmusten, zufrieden kuschelten, sich zärtlich streichelten und verliebt küssten.
Aber das war nur der Auftakt für mehr – für viel mehr. Im weiteren Verlauf des wonniglichen Monats wurde es dann allmählich immer freizügiger und anzüglicher. Mehr und mehr wurde der Stoff der Kleidung knapper und zudem auch weniger blickdicht. Während die Männer in ihren Shorts stramme Waden zur Schau stellten und das eine oder andere halb offene Hemd Muskulöses erahnen ließ, reizten die Damen mit strumpffreien Beinen, kurzen Röcken, luftigen Kleidchen, durchscheinenden Blusen oder einem eng anliegenden Shirt, bei dem schon mal eine vorwitzige Knospe verriet, dass darunter nichts weiter getragen wurde.
Doch auch in Liebeshausen galt schon immer, dass nicht jeder den Freuden, die der Frühling mit sich bringt, frönen kann. Wie es einst einem verliebten Jüngling aus Liebeshausen erging, hat er in seinem kleinen Werk „Die Lende“ für die Nachwelt festgehalten. Es lautet wie folgt:

In des kühlen Baumes Schatten
träumt ein Jüngling vom Begatten.
Von großer Sehnsucht getrieben,
sein Mädchen noch mal zu lieben,
liegt er dort ziemlich verdrossen,
denn hat es ihn heut‘ verlassen.

Mit einem Mal ruft die Lende:
„Junger Mann, wann kommt die Wende?
Schon lange ist hier nichts mehr los!
Wo bleibt bloß der weibliche Schoß?
Verflucht noch eins! Nun mach mal hin,
gib meinem Dasein wieder Sinn!“

Wie er dann so lag unterm Baum,
schickte die Lende einen Traum.
Darin verwöhnte das Vollweib
lüstern und nackt seinen Leib.
Noch liegend auf dem Moose
ging die Chose drauf in die Hose.

In des kühlen Baumes Schatten
grämt den Jüngling das Begatten.


© 2021
  • Geschrieben von Silberstrahl
  • Veröffentlicht am 16.06.2021
  • Gelesen: 4502 mal

Anmerkungen vom Autor

Aus: Buntes Erotikon – Intimes aus Liebeshausen

Kommentare

  • Milf (nicht registriert) 16.06.2021 21:57

    Außergewöhnlich

  • Silberstrahl17.06.2021 22:00

    Nun ja, außergewöhnlich ist dann wohl doch ein bisschen übertrieben. Aber gewöhnlich sollte es in der Tat auch nicht sein. Für diese Seite dann wohl doch nicht so ganz das Richtige. Es war jedoch einen Versuch wert. Ist es ja eigentlich immer – oder?

  • Mettenstern17.06.2021 23:39

    Was ist richtig und was ist falsch ? Gibt es diesbezüglich ein Reglement , gerade in dieser Thematik , der lustvollen Erotik ?
    Gerade das Besondere , macht es für mich aus. Macht es interessant und lesenswert . Es ist fein geschrieben mit ansprechendem Vokabular . Für mich eine weitere, wundervolle Facette der Erotik .

  • Silberstrahl18.06.2021 00:45

    Lieben Dank für Deine Worte, Mettenstern. Tatsächlich mache ich da einen großen Unterschied zwischen einer erotischen Geschichte und einer Sexgeschichte. Letztere beschreibt den Akt oft sehr detailreich und zumeist auch wortgewaltig. Dadurch wird sie leicht zur Gratwanderung, die nur zu leicht ins Pornographische abgleitet.
    Bei der erotischen Geschichte geht es vordergründig nicht darum, die Triebhaftigkeit oder das körperliche Verlangen zu stillen. Sie sollte durch ihre Wortwahl vielmehr auf sinnliche Art und Weise die Gefühlswelt, den Geist, das Herz oder gar die Seele ansprechen und erreichen. Aber das ist gar nicht immer so leicht umzusetzen.

  • Mettenstern (nicht registriert) 18.06.2021 07:16

    Von Herzen gern . Ich kann nur für mich sprechen bzw in diesem Sinne schreiben.
    Ich stimme dir vollends zu ,dass der Weg äußerst schmal ist zwischen Erotik und Porno. Aber wie du es hier deutlich gemacht hast , durchaus begehbar.
    Sehr gelungen,eine feine Schmeichelei für Auge ,Geist und Seel'. LG

  • Silberstrahl18.06.2021 21:15

    Nochmals vielen Dank für Deinen Zuspruch, liebe Mettenstern. Das mit der Schmeichelei mag der eine oder die andere auch anders sehen – zumindest aus der Sicht des Jünglings. Aber das ist durchaus so gewollt.

  • Mettenstern18.06.2021 21:29

    Sehr gern geschehen . Ich lese gern Deine Worte hier im Dialog, als auch in den Geschichten .

  • Silberstrahl18.06.2021 21:40

    Freut mich. Vielleicht kann ich Dich ja noch mit dem einen oder anderen Text erfreuen. Nach langer Pause, will ich es noch einmal mit ein paar überarbeiteten und neuen Texten versuchen.

  • Mettenstern18.06.2021 22:06

    Das geht mir ganz ähnlich . Die Überlegung noch ein paar Zeilen zu schreiben, ist sehr präsent. Mal schauen ,der Kuss der Muse ist sehr verlässlich .

  • Silberstrahl20.06.2021 08:55

    Na, dann bin ich mal gespannt, was noch kommt.

  • Mettenstern20.06.2021 09:30

    Nun , vielleicht gelingt es mir ,Deiner Spannung entgegen zu wirken. Ich werde mich sehr bemühen ;)

  • Silberstrahl 20.06.2021 18:50

    In der Ruhe liegt die Kraft. Also nichts überstürzen. Sich in Geduld zu üben, ist übrigens ein nicht zu unterschätzendes Element der Erotik.

  • Mettenstern20.06.2021 19:12

    Es ist ein essentieller als auch extentieller Urstoff des Lebens. In der Erotik ist Geduld das Elixier, um Selbige leben und lieben zu können.

  • Silberstrahl23.06.2021 20:50

    Klingt ganz nach einer Frau, die zu genießen versteht. Verführung pur!

  • Mettenstern23.06.2021 21:11

    Nun ist es an mir, diese Worte als Kompliment zu werten.
    Lieben Dank dafür :)

  • Silberstrahl01.07.2021 08:30

    Sehr gern.

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